Der SK Rapid Wien antwortete in Graz auf das ernüchternde 0:0 gegen die Admira auf souveräne Art und Weise. Beim 3:1-Auswärtssieg gegen den SK... Effizienz und untypische Tore: Rapid siegt souverän in Graz

Robert Beric - SK Rapid WienDer SK Rapid Wien antwortete in Graz auf das ernüchternde 0:0 gegen die Admira auf souveräne Art und Weise. Beim 3:1-Auswärtssieg gegen den SK Sturm Graz zeigte Rapid nicht nur eine kämpferisch gute Leistung und eine erneut gute Einstellung im Gegenpressing, sondern erzielte seine Treffer auch aus Situationen, deren Abschlüsse man in der bisherigen Saison bei Rapid immer wieder kritisierte.

Es war das erwartet hitzige Spiel: Sturm Graz schenkte Rapid kämpferisch nichts und so war die Partie – auch aufgrund der heißen Stimmung in Graz-Liebenau – von Anfang an von vielen Zweikämpfen und „Nettigkeiten“ geprägt. Speziell in der ersten Halbzeit entwickelte sich ein offener Schlagabtausch und das Spiel wirkte über längere Phasen zerfahren und hektisch.

Frühes Pressen der Außenverteidiger

Dies hatte damit zu tun, dass beide Teams sehr aggressiv pressten und vor allem die Außenverteidiger intensiv unter Druck setzten. Alle vier Außenverteidiger kamen auf relativ geringe Passquoten und wurden immer wieder zu langen Bällen gezwungen, was die Qualität des Aufbauspiels beider Mannschaften über die Seiten beeinträchtigte. Der Unterschied lag darin, dass Rapid bei gerade mal 38,9% Ballbesitz das Gegenpressing besser auf den Platz brachte.

Starkes Gegenpressing, (zunächst) mangelnde Weiterverarbeitung

Wie schon in der ersten Halbzeit gegen die Admira eroberte Rapid zahlreiche Bälle binnen Sekunden zurück und bildete intelligent Gruppen in den Halbräumen, um diese Bälle schließlich auch mannschaftlich geschlossen zu sichern. Zunächst wurden jedoch die gesicherten Bälle nicht in klar herausgespielte Chancen umgemünzt, weil man aufgrund der harten Gangart des Gegners auch offensiv zu hektisch agierte, was vor allem an Louis Schaubs Leistung zu erkennen war.

Vier Torschüsse, drei Tore

Aus einer eigentlich ungefährlichen Szene heraus fiel das 1:0 für Rapid, das Sturm durch energischeres Attackieren am Flügel leicht hätte verhindern können. Damit platzte bei Rapid der Knoten und die Hütteldorfer präsentierten sich fortan sehr effizient. Aus nur vier Schüssen aufs Tor lukrierten die Grün-Weißen drei Tore. Zwei davon, weil man sich in Luftkämpfen gegen völlig indisponierte Grazer durchsetzte und eines, weil Beric seinen Körper gut zwischen Ball und Gegenspieler brachte und technisch fein abschloss.

Tore, wie eine Antwort auf Kritik der letzten Wochen

All diese entscheidenden Faktoren ließ Rapid in der bisherigen Saison weitgehend vermissen. Die Lufthoheit in der Offensive ging im Vergleich zur Vorsaison verloren und der „spielende Stürmer“ Beric wirkte nicht selten deplatziert – so auch gegen die Admira – weil er seine Offensivzweikämpfe nicht intensiv genug führte und sich immer wieder versteckte bzw. die heiße Zone zu häufig verließ. Rapid antwortete auf die zu körperlich oft zu zahnlosen Abschlüsse im Heimspiel gegen die Admira also mit „Rapid-untypischen“ Toren.

Sturm bespielt Rapids linke Abwehrseite

Sturm Graz spielte der frühe Anschlusstreffer in der zweiten Halbzeit eigentlich in die Karten, aber am Ende haperte es bei den Blackies an der Qualität. Die richtigen taktischen Maßnahmen setzte Sturm nach dem 1:2 allerdings. Thorsten Schick, bester Grazer am gestrigen Nachmittag, wurde immer wieder in Szene gesetzt, um die vermeintliche Defensivschwachstelle Rapids konkret zu bespielen. Diese war Linksverteidiger Stefan Stangl (was nicht immer seine Schuld war, mehr dazu später) und vor allem die Schnittstelle zu seinem Nebenmann Christopher Dibon. Sturm fehlte allerdings der Killerinstinkt, um Rapid in der entscheidenden Phase vor Dibons 3:1 noch stärker unter Druck zu setzen.

Zu wenige intensive Läufe an den Flügeln

Dieselben Probleme bestanden aber auch bei Sturm und Rapid verabsäumte es, den Sack noch früher zuzumachen, weil die einrückenden Flügelspieler nicht ideal ins Spiel eingebunden waren. Kainz und Schaub kamen kaum in Abschlusssituationen, liefen zu häufig in die Breite, anstatt intensive Läufe in freie Räume in der Tiefe zu suchen. Dies ist allgemein ein Problem Rapids, das allerdings meistens durch die große Spielstärke der beiden Außenspieler wettgemacht wird. Gerade in einer Phase, in der Sturm aufmachen musste, hätten sich so einige Chancen für Rapid ergeben können. Allerdings sind die in Ballbesitz starken Kainz und Schaub für eine direkte Spielweise im Konter keine idealen Optionen.

Kainz‘ defensives Umschaltspiel

Probleme hatte Rapid nach dem 1:2 auch mit dem defensiven Umschaltspiel – vor allem auf der linken Seite. Stefan Stangl sah gelegentlich schlechter aus, als er eigentlich war, weil Kainz die Wege zurück nicht immer ging und Sturm dadurch seine rechte Angriffsseite überladen konnte. Dies war eine heikle Situation, zumal Sturm fast nur über diese Seite gefährlich wurde und mit Schick der beste Sturm-Akteur über rechts kam. Die Abschlussschwäche der Grazer trug aber ihres dazu bei, dass die taktischen Fehler von Florian Kainz ohne Folgen blieben.

Wieder Tor und Ausschluss: Beric gegen Sturm verspricht Spektakel

Besonders im Fokus stand Ex-Sturm-Angreifer Robert Beric, der einmal mehr im Spiel gegen seinen Ex-Klub polarisierte. Wie schon beim ersten Saisonduell in Wien traf der Slowene und wurde danach ausgeschlossen. Die gelbe Karte fürs Provozieren der gegnerischen Fans war legitim. Kurz vor seiner zweiten Verwarnung geriet Beric direkt vor der Trainerbank in einen Disput mit Michael Madl, nach dem eigentlich schon die Alarmglocken schrillen mussten. Was man eigentlich schon über die gesamte zweite Halbzeit erwartete, trat schließlich ein: Beric musste, durchaus umstritten, mit Gelb-Rot vom Platz. Wieso Rapid-Coach Zoran Barisic den Slowenen beim Stand von 3:1 kurz vor Schluss nicht vor einer eindeutig erwartungsgemäßen zweiten gelben Karte schützte, weiß nur er…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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