Rapid testete am Mittwoch Nachmittag in Retz, da der dort ansässige Sportclub seinen 90.Geburtstag feierte. Da kam ein Kapazunder wie Rapid gerade Recht und... Neun Tore zum Neunziger: Rapid siegt bei Geburtstagskind Retz mit 7:2

Rapid testete am Mittwoch Nachmittag in Retz, da der dort ansässige Sportclub seinen 90.Geburtstag feierte. Da kam ein Kapazunder wie Rapid gerade Recht und die Fans erlebten eine würdige Geburtstagsparty. Rapid siegte mit 7:2, Retz-Stürmer Ferdinand Weinwurm erzielte einen für ihn denkwürdigen Doppelpack und Konrad Peters von abseits.at beschreibt, wie er das erste Spiel von Neo-Coach Peter Schöttel erlebt hat.

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Soma war bekanntermaßen krankheitsbedingt außer Gefecht gesetzt, daher rutschte Pichler neben Sonnleitner in die Startformation. Dass man sowohl Gartler als auch Alar auf die Bank setzt, fand ich interessant – zumal Nuhiu als Solospitze nicht unbedingt gefällt, arbeitet zwar schön viel mit dem Rücken zum Tor, aber steht dann relativ selten dort, wo er soll.

Prager hat mit Hofmann die Zentrale organisiert, logischerweise war unser neuer Blondschopf eher für die defensiven Aufgaben vorgesehen, allerdings war sich Hofmann auch für die „Drecksarbeit“ nie zu schade – beide haben viele Bälle erkämpft, und anschließend verteilt. Letzteres hat bei Thomas Prager noch nicht ganz Hand und Fuß gehabt, einige Bälle gingen ins Nirvana, andere waren einfach zu unpräzise. Ganz anders bei unserem Kapitän – gefühlte (!) 0 Ballverluste, Fehlpässe oder verlorene Zweikämpfe, an jeder Ballberührung konnte man den enormen Klasseunterschied erkennen.

Burgstaller war quasi als „Freigeist“ aktiv, war überall zu finden, hat an verschiedensten Positionen die Abwehr der Retzer gestört, war immer anspielbar, hat mit starker Technik die meisten Bälle gehalten und sinnvoll weiterverarbeitet. Trimmel wurde in der Anfangsphase oft ins Loch geschickt, wirklich Zählbares hat aber nicht herausgeschaut – die eine oder andere Flanke kam zwar an, aber zwingend wurde es selten. Saurer hingegen war in der Anfangsphase sehr blass, und hat eine gute halbe Stunde gebraucht um ins Spiel zu finden. Hat zwei, drei gute Aktionen mit seinem früheren Kollegen Thomas Prager gezeigt, eine große Chance gehabt, und ähnlich wie Hofmann mit enorm feiner Technik geglänzt.

WEINWURMS DOPPELPACK UND SECHS TORE IN HALBZEIT EINS

Nach rund 10 Minuten das 1:0: schöne Kombination von Nuhiu und Burgstaller, vollendet von einem präzisen Schuss ins flache Eck von Steffen Hofmann. Rapid kontrollierte das Spiel, wurde allerdings eiskalt erwischt: über die linke Seite, Katzer war aufgerückt, ein schöner Lochpass, Weinwurm konnte sich den Ball schön mitnehmen, ein Haken, ein Gurkerl, ein Tor – 1:1. Ähnlich schön jedoch die Antwort auf der Gegenseite: Prager und Burgstaller kombinieren in den 16er, Burgstaller braucht nur noch einschieben – 1:2. Der Ausgleich hat den Retzern nicht unbedingt den Schub gegeben, den sie gebraucht hätten – innerhalb von 10 Minuten erliegen sie dem Druck gleich zwei mal: Nuhiu steht bei einer Ecke von der rechten Seite komplett unbedrängt, kann volley einschieben – 1:3, und ein Trimmel-Antritt überrascht die Verteidigung der Weinviertler, kurios findet der Ball den Weg ins Tor der Gastgeber – 1:4. Unmittelbar vor dem Pausenpfiff ähnliche Szenen wie beim ersten Tor für Retz: schöner Lochpass, wieder auf die linke Seite (wo Katzer wieder aufgerückt war), wieder kann sich Weinwurm den Ball mitnehmen, diesmal kommt noch Königshofer etwas „patschert“ aus seinem Kasten – 2:4. Eine Co-Produktion von Katzer, Pichler und Königshofer.

ROCHADE ZUR HALBZEIT

In der Pause nahm Peter Schöttel einige Wechsel vor: Thonhofer ging ins rechte Mittelfeld, seinen Platz nahm Michael Schimpelsberger ein, Patocka kam für Sonnleitner, Schrammel für Katzer, und Burgstaller und Nuhiu wurden durch Gartler und Alar ersetzt. Daraus ergab sich folgende Aufstellung:

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Hier haben sich Alar und Gartler mit der Arbeit nach hinten abgewechselt, sodass eigentlich wieder ein 4-4-1-1 gespielt wurde. Sowohl Gartler als auch Alar wussten als Hängende Spitze zu gefallen.

Die zweite Halbzeit ging recht flott los, nach kurzer Zeit konnte Thonhofer bei einem Vorstoß nur durch ein Foul gestoppt werden – ging verletzt raus. Der resultierende Freistoß wurde verwertet: Hofmann mit der Flanke zur Mitte, wo das entstandene Chaos von Alar am schnellsten durchblickt wurde – 2:5. Gleich darauf eine sehr schöne Aktion von Kerschbaumer (der für den verletzten Thonhofer kam), der auf links drei Leute umspielt, auf Saurer auflegt, welcher mit dem Vollrist schön ins lange Eck abzieht – 2:6. Nach dem 2:6 gab Schöttel einigen „Amas“ die Chance sich für höhere Aufgaben zu beweisen. Kurios einige Aussagen aus dem Publikum: „Der schaut ja gar ned aus wie der Hinum!?“ – die Jungrapidler spielten mit alten Trikots der abgegebenen Spieler Hinum, Pehlivan und Co. Ohne Prager und Hofmann war der Spielaufbau etwas schleppend, die letzten 20 Minuten waren also eher träger Natur. Zwar waren hier und da einige gute Kombinationen zu bestaunen, aber abgesehen vom letzten Tor gab’s kaum Besonderheiten: Alar rund 30 Meter vor dem Tor, kriegt den Ball – düpiert 2 Gegenspieler, ein Haken, ein Lochpass, Gartler auf und davon, schön verwertet – 2:7 Endstand.

LINKE ABWEHRSEITE ALS SCHWACHSTELLE

Zusammenfassend kann man also sagen, dass Rapid die Pflicht ohne sonderlich großes Bauchweh erfüllt hat. Die beiden Gegentore kamen über unsere linke Seite – vorallem Katzer machte gegen den Landesligisten keine gute Figur. Auch Pichler sah hie und da nicht sonderlich gut aus, genauso wie Königshofer, der beim zweiten Tor sehr seltsam reagierte. Thonhofer und Schrammel haben defensiv nichts anbrennen lassen, waren andererseits auch recht unscheinbar im Offensivspiel. Nach vorne hat Rapid mit Burgstaller und Gartler nun zwei Stürmer, die ordentlich vor der Verteidigung des Gegners umrühren. Saurer und Prager wissen nach wie vor, wie sie miteinander spielen, wenn Drazan wieder ins Training einsteigt hat Peter Schöttel wohl wirklich ein Luxusproblem. Prager hat seinen Part neben Hofmann brav gespielt, ob er in der Zentrale bleibt, oder doch dem erstarkten Kulovits oder Heikkinen Platz machen muss, wird sich weisen. Christian Thonhofers Verletzung könnte auch Auswirkungen auf seinen Positionskonkurrenten Michael Schimpelsberger haben. Wenn Thonhofer schwerer verletzt ist, muss Schimpelsberger die Teilnahme an der bevorstehenden U20-Weltmeisterschaft in Kolumbien absagen.

Konrad Peters, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen