In der Saison 2010/11 wurde er österreichischer Torschützenkönig und auch 2011/12 führt er die Schützenliste nach 13 Runden mit sieben Treffern an. Dabei benötigte... Ein bisserl eigen, aber brandgefährlich – so kommt Roland Linz ausgerechnet jetzt zu Torrekorden!

In der Saison 2010/11 wurde er österreichischer Torschützenkönig und auch 2011/12 führt er die Schützenliste nach 13 Runden mit sieben Treffern an. Dabei benötigte Roland Linz im Schnitt nur 132 Minuten für ein Tor. Der 30-Jährige trifft also durchschnittlich alle drei Halbzeiten einmal. Was macht den 39-fachen Teamstürmer im reiferen Fußballeralter plötzlich torgefährlicher denn je?

Auf dem Platz ist Roland Linz der pure Egoist. Er ist einer der Stürmer, dem es nicht völlig egal ist, wer die Tore schießt – er ist stets hungrig, würde am liebsten in jeder Partie selbst die Entscheidung herbeiführen. Auf den niederländischen U21-Teamspieler Nacer Barazite ist Linz nicht unbedingt gut zu sprechen. Der starke Techniker stiehlt dem Knipser Linz schon mal die Show, was den gebürtigen Leobener durchaus wurmt. Auch sonst ist Linz nicht der Top-Sympathieträger im Team der Wiener Austria: Der Mittelstürmer ist eher introvertiert, unnahbar, ein bisschen eigenbrötlerisch – untypische Eigenschaften für einen echten „Killer“ im gegnerischen Strafraum. Aber Linz, der mittlerweile für Klubs in sechs verschiedenen Ländern spielte, fuhr stets gut damit.

Linz in akuter Torlaune

Seit gut 1 ½ Jahren ist der Austria-Kapitän so richtig gut drauf. Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: 2010/11 gelangen dem 185cm großen Angreifer 21 Saisontore – ein persönlicher Rekord. Zehn Jahre zuvor gelangen Linz ebenfalls 21 Volltreffer, allerdings in der zweithöchsten Spielklasse beim DSV Leoben. 15 Saisontore für die Admira 2003/04 und ebenso viele für die Austria 2005/06 waren in der Bundesliga bis vergangene Saison seine beste Ausbeute. Im Ausland gelangen Linz maximal elf Ligasaisontore, damals 2007/08 für Sporting Braga. Erstmals in seiner Karriere stand der Steirer 2010/11 in allen 36 Ligaspielen in der Startaufstellung seines Teams.

Stolzer Kapitän

Ein Knipser war Linz schon immer, aber zwei konkrete Aspekte machen den Offensivmann, der bisher insgesamt 60 Ligatreffer für die Austria erzielte, derzeit so richtig stark. Zum Einen ein Trainer, der mit dem nicht ganz einfachen Charakter Roland Linz umgehen kann. Karl Daxbacher gelang ein cleverer Schachzug, als er Linz zum Kapitän machte. Nicht etwa weil er der ultimative Antreiber und Teamplayer ist, sondern um ihm Selbstvertrauen zu geben, Stolz einzuimpfen. Die „Schleife“ war für Linz mental sehr wichtig, steigerte sein Selbstwertgefühl, gab ihm das Gefühl, dass er nun einer der alten Hasen ist, von denen Junge lernen können. Linz betrat den Platz nun mit noch breiterer Brust.

Systemrevolution kommt Linz zugute

Zum Anderen entwickelte sich der Fußball in den letzten Jahren genau in die Richtung, die Roland Linz zugute kommt. Das 4-2-3-1-System prescht vor, das 4-3-3-System ist praktisch eine Abwandlung davon. Bei seinen ersten beiden Austria-Engagements war Linz stets einer von zwei Stürmern, musste sich die guten Pässe aus dem Mittelfeld mit Nebenleuten wie Sigurd Rushfeldt oder Christian Mayrleb „teilen“. Die „neuen Systeme“ sind stärker auf die Solospitze fokussiert, Linz bekommt mehr Bälle serviert und muss weniger Defensivarbeit verrichten, als in einer Formation mit zwei etatmäßigen Spitzen. Genau das ist seine Art von Spiel, wie die aktuelle Trefferquote beweist. Auch wenn Linz ein Spieler ist, den man schon mal 89 Minuten lang nicht sieht, bevor er in der Schlussminute das entscheidende Tor erzielt, muss festgehalten werden, dass er einer der verlässlichsten Knipser der Liga ist. Wenn man zudem eine offensive Mittelfeldkette mit dynamischen Spielern wie Junuzovic, Jun und Barazite hinter sich hat, wird das regelmäßige Scoren erleichtert.

Nicht unumstritten

Allerdings ist der 30-jährige Stürmer nicht frei von Kritik. Und zwar aus denselben, systemtechnischen Gründen. Bevor Linz am Sonntag gegen den Kapfenberger SV von Beginn an auflief (und in typischer Manier traf), stand er drei Ligaspiele in Folge nicht in der Startelf der Austria, bekam auswärts bei AZ Alkmaar nur vier Minuten Spielzeit. Statt ihm ließ Daxbacher Nacer Barazite auf der Position des Mittelstürmers auflaufen – unter anderem, weil der Niederländer einen größeren Aktionsradius hat als Linz. Mit Barazite als Solospitze kann die Austria in Rückwärtsbewegung auf ein spontanes 4-6-0-System umschalten – mit Linz ist dies schwieriger. Somit trifft den 30-Jährigen dasselbe paradoxe Schicksal wie etwa Hamdi Salihi bei Rapid. Linz ist klar und deutlich Topscorer seiner Mannschaft und dennoch umstritten, weil er zum effektiven Spiel seiner Mannschaft (vor allem im Raum) nicht viel beiträgt. Die Laufwege eines offensiv verlässlichen und defensiv kaum vorhandenen Spielers wie Linz beeinflussen auch direkt die Defensive des Teams. These: Linz macht 20 Saisontore, aber die Austria kassiert dadurch auch mehr. Ein anderer Stürmer macht nur 10, aber die Austria kassiert weniger. Teufelskreis.

Für nationale Verhältnisse ist Linz dennoch ein Ausnahmefußballer, der Spiele entscheiden kann und Meisterschaften zumindest mitgestalten kann. Einen Spieler wie Linz in seinen Reihen zu haben, ist für einen Verein wie die Austria nicht unwesentlich und so wird Karl Daxbacher trotz kurzzeitigem Umdenken auf der offensivsten Position auch weiterhin auf seinen Goalgetter setzen. Der wird es ihm definitiv weiterhin mit Toren danken.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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