Das 299. Wiener Derby wurde ohne Sieger beendet. Die Austria und Rapid trennten sich im ehemaligen Horr-Stadion, heute „Generali-Arena“, mit 1:1. Es war ein... Kein Sieger in Wien 10 – aggressives, kraftaufwändiges Derby endet 1:1!

Das 299. Wiener Derby wurde ohne Sieger beendet. Die Austria und Rapid trennten sich im ehemaligen Horr-Stadion, heute „Generali-Arena“, mit 1:1. Es war ein Spiel, in dem beide Teams in entschlosseneren Zeiten vehementer auf Sieg gespielt hätten. Eigentlich war für beide Mannschaften mehr drin, man schien sich aber grundsätzlich mit dem Remis zufrieden zu geben.

Austria-Trainer Karl Daxbacher entschied sich in der Offensive erneut für Nacer Barazite als Solospitze. Dahinter sollten Junuzovic, Jun und Gorgon für Dynamik und die richtigen Pässe sorgen. Rapid-Schreck Roland Linz blieb damit auch im Derby auf der Bank – womit sich Karl Daxbacher jedoch ein wenig verspekulierte. Nacer Barazite präsentierte sich unauffällig, trat bei weitem nicht so präsent auf, wie man es in den letzten Wochen des Öfteren von ihm sah. Die größten Chancen der Wiener Austria hatte der später eingewechselte Linz. Jeweils bedingt durch seine Fähigkeit dort zu stehen, wo ein Stürmer stehen soll. Nicht umsonst gibt es keinen aktiven Fußballer, der gegen Rapid öfter traf als Linz. Einzig im Abschluss schwächelte der 30-Jährige und vergab die beiden Matchbälle für die Violetten.

Technik gegen Kampfgeist

Die Grundanlage des Spiels war ein Spiegelbild für die alten Tugenden der beiden Klubs. Die Austria holte die Ballbesitzstatistik bereits sehr früh im Spiel auf ihre Seite und versuchte Rapid durch gepflegtes Kurzpassspiel gefährlich zu werden. Rapid hingegen, aktuell nicht mit erstklassigen spielerischen Mitteln ausgestattet, stand jeweils nah am Mann und machte die Räume sehr eng. Es entstand eine aggressiv geführte, für beide Seiten sehr kraftaufwändige Partie – allerdings kein fußballerischer Leckerbissen. Das schwere Auswärtsspiel in Alkmaar saß einigen Austria-Spielern noch merklich in den Knochen und ist ein Grund für die zwischenzeitlichen spielerischen Leerläufe. Rapid hingegen hatte nicht die Qualität um mehr in das Spiel zu investieren.

Laufmaschinen rund um Hofmann

Während Daxbacher sein mittlerweile typisches 4-2-3-1 aufbot, stellte Rapid-Trainer Peter Schöttel erneut seine Mannschaft um. Auch der grün-weiße Übungsleiter entschied sich für ein 4-2-3-1, in dem Kapitän Steffen Hofmann auf der „Zehnerposition“ zum Einsatz kommen sollte. Der Clou: Hinter Hofmann spielten mit Pichler und Prager je ein kampf- und laufstarker Spieler, vor Hofmann mit Guido Burgstaller ein Spieler, der ebenfalls weite Wege geht und immer wieder Löcher und Gassen in die gegnerische Abwehr reißen kann. Nun spielte zwar keiner dieser Hofmann-Nebenmänner sonderlich gut, dafür verbesserte das rund um ihn verrichtete Laufpensum Hofmanns Spiel. Der Rapid-Kapitän zeigte sich spielfreudig wie schon lange nicht, schlug gute Pässe, bereitete Burgstallers Tor vor und überzeugte auch durch seine stets positive, kämpferische Körpersprache.

Rapid mit defensiver Grundausrichtung

Die Nominierung Burgstallers als Solospitze ist wohl als defensivste Offensivvariante Rapids zu bezeichnen. Da der 22-Jährige allgemein einen sehr großen Aktionsradius hat, entwickelte sich Rapids System in Rückwärtsbewegung nicht selten zu einem 4-6-0 oder gar einem 5-5-0, wenn sich Pichler weiter zurückfallen ließ als Prager. Diese Flexibilität war zwar mit ein Grund, dass die Austria gegen ihren Erzrivalen nur selten spielerische Mittel fand, um Ball und Spieler in die Gefahrenzone zu bringen, gleichzeitig aber auch, dass Rapid offensiv über weite Strecken nicht stattfand. Grün-Weiß schaltete zu langsam um, schaffte es bei schnellen Vorstößen nicht ausreichende Anspielstationen vor den Ball zu bringen. Das Spiel Rapids war auf Genieblitze seines Kapitäns aufgebaut: Nur wenn Hofmann Ideen hatte, die anderen Spieler nicht in den Sinn kommen würden, wurde Rapid gefährlich. Ansonsten hatte die Austria kaum Probleme gegen eine technisch limitierte Rapid-Elf zu verteidigen.

Salihi und Nuhiu auf dem Abstellgleis

Durch die Rückkehr des Rapid-Torschützen Guido Burgstaller in den Mannschaftskader verfügt Peter Schöttel aktuell über fünf Stürmer – die in einem 4-2-3-1, wie es heute praktiziert wurde, um eine Position rittern. Gartler und Alar bewiesen bereits, dass sie in einem 4-4-2 ein gutes Sturmduo abgeben, Guido Burgstaller holte sich einen Kredit beim Trainer, indem er trotz schwacher Leistung das Tor zum 1:1 erzielte. Fußballer-Jargon: „Den kannst in der nächsten Partie nicht rausnehmen“. Wenig Platz im System gibt es derzeit für Atdhe Nuhiu und Hamdi Salihi. Ein Abgang des 27-jährigen albanischen Teamstürmers in der Winterpause wird immer wahrscheinlicher. Man kennt Salihis Qualitäten, weiß um seine Abschlussstärke und tolle Torquote Bescheid – allerdings ist es auch offensichtlich, dass Rapid derzeit kaum über die dominanten Mittelfeldspieler verfügt, die Salihi bedienen könnten. Selbiges gilt für Atdhe Nuhiu, der im Winter ebenfalls zu einem Thema für einen halbjährigen Leihvertrag werden könnte, um Spielpraxis zu sammeln.

Flexibler Jun als bester Austrianer

Und der Beste der Austria? Der 28-jährige Tscheche Tomás Jun zeigte einmal mehr wie wichtig er für die Austria ist. Der 10-fache tschechische Teamspieler macht kaum Wunderdinge, stellt sich aber stets in den Dienst der Mannschaft und spult Match um Match viele Kilometer ab. Für die Zaubertore und Zuckerpässe sind Spieler wie Junuzovic und Barazite zuständig – aber Jun ist gerade wegen seines pragmatischen, schnörkellosen Spiels sehr wichtig für den aktuellen Tabellenzweiten. Nachdem der flexible Offensivmann in der vergangenen Saison an Ladehemmung litt, in allen Bewerben nur vier Treffer in 32 Spielen erzielte, scheint es heuer auch wieder mit dem Toreschießen zu klappen: In 19 Pflichtspielen ließ es Jun bereits sechsmal klingeln – die Formkurve zeigt nach oben.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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