Sonntag, 16 Uhr. Die Sturm Amateure treffen in der Regionalliga Mitte auf den SAK. Mit einem 3:0-Sieg der Amateure endete das Spiel. Im Tor...

SK Sturm GrazSonntag, 16 Uhr. Die Sturm Amateure treffen in der Regionalliga Mitte auf den SAK. Mit einem 3:0-Sieg der Amateure endete das Spiel. Im Tor stand ein erst 16-Jähriger. Johannes Focher hätte eigentlich spielen sollen, war aber nicht mehr anwesend. Und schon wurden Gerüchte laut. Knapp 24 Stunden später war es offiziell: Focher wechselt zurück zu Dortmund. Und auch für Ersatz wurde bereits gesorgt. Benedikt Pliquett kommt ablösefrei vom FC St. Pauli zu Sturm. Doch wer ist der Mann aus der Hansestadt Hamburg?

Riese mit Charakter

Der 1984 in Hamburg geborene Pliquett hat die perfekten Maße für einen Tormann. Stolze 199cm ist der Keeper groß, eine echte Erscheinung also. Seit 2004 stand er bei den Paulianern unter Vertrag. In dieser Zeit kam er über die Rolle des „Zweiergoalies“ aber nie wirklich hinaus. Gerade einmal knapp über 40 Spiele absolvierte er für die Profis des Kultklubs. Zuletzt war er nur noch für die Amateure im Einsatz. Und dennoch vermissen ihn die Fans der Hamburger bereits jetzt schmerzlich.  Mit folgenden Worten hat sich „Bene“ auf seiner Facebook-Seite von den St. Pauli Fans verabschiedet:

„Ich werde per sofort zum SK Sturm Graz wechseln. Ich liebe Fußball, ich habe jeden Tag Freude daran mich in den Matsch zu schmeißen und deshalb habe ich mich auf Grund der sportlichen Perspektivlosigkeit dazu entschieden eine neue Chance wahr zu nehmen. Ich könnte jetzt noch Seiten füllen… aber was soll ich sagen, manchmal sagt ein Bild mehr als alle Worte… Danke SANKT PAULI für die bis hierher schönste Zeit meines Lebens!“

pliquett

Es dauerte nicht lange, und schon waren hunderte Kommentare online, in denen die Fans ihrem Derbysieger für die schöne Zeit dankten, und ihm gleichzeitig viel Erfolg in Graz wünschten. Auch sagten viele St. Pauli-Fans, dass sie von nun an auch dem SK Sturm die Daumen drücken müssen – nur wegen Pliquett.

Derbysieger?

Ja, richtig gelesen. Pliquett ist auch als „Derbysieger“ bekannt. Es war der 16. Februar 2011, als der FC St. Pauli zu Gast beim Hamburger SV war. Und wie es der Fußball so will, durfte der Riese ausgerechnet in diesem Spiel zwischen den Pfosten stehen. 1:0 siegten die Gäste. Gerald Asamoah erzielte das Goldtor. Aber auch Pliquett stand im Mittelpunkt. Er hielt seine Elf mit einigen fantastischen Paraden im Spiel. Und nach dem Schlusspfiff brachen beim heute 28-Jährigen alle Dämme. Er provozierte den an diesem Tag erfolglosen HSV-Stürmer Mladen Petric, in dem er eine bekannte Jubelgeste imitierte. Gleich danach streifte er sich ein T-Shirt mit der Aufschrift „Derbysieg“ über – normalerweise kennt man solche T-Shirts ja nur nach dem Gewinn eines Pokals, aber für den Vollblut-Paulianer ist ein Derbysieg mindestens gleich hoch einzustufen, wie dieses Video (ab 1:20) zeigt:

Auch im Kabinengang freute sich der Tormann, der in der Jugend beim HSV aktiv war, lauthals: „Ihr habt mich vom Hof gejagt, ihr Lutscher!“. Dass Pliquett auch noch die Eckfahne mit dem HSV Logo umtrat, war schon das harmloseste an diesem Abend.

Angriff von HSV-Fans

Einige hielten diese Provokation Pliquetts für übertrieben. Doch wenn man sich folgendes durchliest, kann man seine Reaktion vielleicht ein wenig besser nachvollziehen. Rund ein halbes Jahr vor diesem Spiel stieg der Tormann gemeinsam mit einigen Fans nach einem Auswärtsspiel beim SC Freiburg aus dem Zug aus. Nur wenige Augenblicke nach der Ankunft stürmten rund 15 vermummte HSV-Fans auf die Gruppe zu, und attackierte sie. Eine Flasche verfehlte den Kopf des Torhüters nur knapp.

Ein Typ, der Sturm nicht schaden kann

Nun spielt der Tormann also für Sturm Graz. Ein Jahr plus Option läuft der Vertrag für den Hobby-Triathleten. Dass er bis zur Winterpause an Einserkeeper Christian Gratzei vorbeikommt, ist unwahrscheinlich. In der Vorbereitung zur Frühjahrsmeisterschaft werden die Karten aber neu gemischt. Eines ist aber schon jetzt sicher: Einen Typ, wie es der Deutsche ist, können die Grazer in der jetzigen Situation gut brauchen. Nach dem Ried-Spiel war es Anel Hadzic, der mit seinem Kommentar zur „depperten Frage“ des Sky-Reporters für Aufsehen sorgte. General Manager Gerhard Goldbrich war froh, dass sich endlich mal wer hinstellte und seine Meinung sagte. Wenn sich Benedikt Pliquett schnell mit dem Verein Sturm Graz identifizieren kann, dann ist im Kader der Schwarz-Weissen wieder mal einer, der seine Mitspieler mitreißen kann. Um auch in Graz den Titel des Derbysieger zur bekommen, fehlt es leider an der Konkurrenz…

Daniel Jerovsek, abseits.at

Daniel Jerovsek

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