Nach der letzten Saison hat sich Red Bull Salzburg dazu entschlossen, einen neuen Weg zu gehen und will verstärkt Spieler ausbilden. Dementsprechend wurde auch... Ein potenzieller Weltklassespieler: Das ist Salzburgs neuer Verteidiger Dayot Upamecano

Red Bull Salzburg - Wappen mit FarbenNach der letzten Saison hat sich Red Bull Salzburg dazu entschlossen, einen neuen Weg zu gehen und will verstärkt Spieler ausbilden. Dementsprechend wurde auch die Strategie bei Transfers umgestellt und man will nun vor allem internationale Talente holen. Mit Dayot Upamecano machte man den ersten Schritt.

Angeblich 2,2 Millionen Euro ließ sich Red Bull Salzburg die Dienste des Innenverteidigers kosten und stach damit unter anderem die potenten Klubs aus Manchester aus. Auch Bayern München soll großes Interesse gehabt haben. Warum der erst 16-Jährige eine dermaßen heiße Aktie am Transfermarkt war, wird verständlich, wenn man sich seine Qualitäten und sein Potenzial ansieht.

Stammkraft bei U17-Europameisterschaft

Wie viele Nachwuchsspieler konnte Upamecano bei der U17-Europameisterschaft international das erste Mal auf sich aufmerksam machen. Mit dem französischen Team konnte er nicht nur den Titel feiern, sondern war dabei auch ein wichtiger Bestandteil. Lediglich im dritten Gruppenspiel wurde er, wie einige andere Stammspieler geschont, nachdem die Qualifikation für die KO-Phase vorzeitig gelungen war. Im ganzen Turnier kassierten die Franzosen nur zwei Gegentore – beide nach ruhenden Bällen. Das war unter anderem ein Verdienst von Upamecano, dessen Fähigkeiten wir uns anhand von Beispielen ansehen wollen.

Hartnäckiger Zweikämpfer

Ein wichtiges Merkmal in der Spielphilosophie von Red Bull Salzburg ist das frühe Attackieren des Gegners. Dafür braucht es antizipationsstarke Spieler. Die folgende Szene zeigt, dass Upamecano dies mitbringt. Frankreich verliert in der Vorwärtsbewegung den Ball und Upamecano erobert ihn zurück. Dass daraus ein Tor entsteht, ist nur das Sahnehäubchen. Beeindruckender ist vielmehr, dass sein Gegenspieler praktisch keine Chance hat den Ball zu halten, wenn er nach vorne spielen möchte – die natürliche Intentionen bei einem Konter.

Upamecano überzeugt hier zum einen mit seiner Physis und Balance, was gegen seinen Gegenspieler auch sehr wichtig ist. Johannes Eggestein ist seinerseits nämlich ebenfalls ein großes Talent. Der Deutsche glänzt prinzipiell mit einer sehr guten Ballbehauptung und führt, wie man im Video sieht, den Ball sehr eng. Dadurch schlägt der erste Versuch von Upamecano, den Ball zu treffen, sogar fehl. Durch seine herausragende Koordination kann er aber sofort korrigieren, nachsetzen und den Gegner vom Ball trennen. Ein weiteres Beispiel für seine Hartnäckigkeit und sein extrem gutes Timing im Zweikampf sieht man im nächsten Video.

Upamecano stieß während des Turniers zudem auch mit dem Ball am Fuß immer wieder nach vorne; unter anderem leitete er damit auch das 1:0 ein. Dabei wurde insbesondere sein, für einen Innenverteidiger sehr guter Antritt sichtbar. Diesen konnte man auch im Viertelfinale gegen Italien erkennen, als er von der Außenbahn schnell in die Mitte kam und den einschussbereiten, zentral stehenden Stürmer noch bedrängen konnte, wodurch dieser am Tor vorbeischoss.

Strategische Reife trotz jungen Alters

Dass es im Nachwuchs einige Spieler gibt, die gerade wegen ihrer individuellen Fähigkeiten herausstechen, ist an und für sich nichts Besonderes. Dieser Faktor verringert sich üblicherweise je näher man dem Erwachsenenniveau kommt. Zum Beispiel hätte ein erfahrenerer und weiterentwickelter Stürmer in der letzten Szene vermutlich nicht so lange für die Ballannahme gebraucht wie der Italiener. Dadurch wäre auch der Sprint von Upamecano wirkungslos gewesen. Der Franzose ist aber für sein Alter auch strategisch schon sehr reif, weiß in welchen Momenten er attackieren soll und wann nicht.

In der ersten Szene war das Herausrücken zum Beispiel enorm wichtig. Der Gegner hätte sonst einen vielversprechenden Konter fahren können. Auch, dass er nicht alles auf eine Karte setzt und den Balleroberungsversuch abbricht, zeugt von einer hohen individualtaktischen Intelligenz. In der folgenden Szene wäre ein sofortiges Attackieren hingegen ein Fehler, da der Gegner bereits mit Tempo die Restverteidigung anläuft. Upamecanos Antwort darauf ist sensationell. Er verzögert den Angriff, erobert den Ball, bleibt trotz des deutschen Gegenpressings ruhig und spielt einen präzisen Pass nach vorne.

Upamecano lässt seinen Blick hier immer wieder abwechselnd zwischen dem Ballführenden und seinem direkten Gegenspieler schweifen. Er positioniert sich dann so, dass er den Stürmer im Falle eines Angriffs stellen kann, aber gleichzeitig auch auf den Ballführenden gehen kann, wenn dieser einen Alleingang starten würde. Dabei bewegt er sich sogar leicht bogenförmig, passt seine Stellung zum Ball ständig an und variiert seine Geschwindigkeit geschickt.

Ist ein Platz in der Stammelf möglich?

Keine Frage, die Salzburger haben sich ein außerordentliches Talent gesichert. Fraglich ist nur mehr, wann sie es dauerhaft einsetzen. Einen fixen Platz im Kader hat er, die Möglichkeit, ihn zunächst beim FC Liefering heranzuführen, ist aber auch realistisch. Upamecano hat immerhin noch kein Spiel auf Profiebene absolviert. Andererseits haben die Salzburger mit Andre Ramalho und Stefan Ilsanker zwei Spieler abgegeben, die in der vergangenen Saison in der Innenverteidigung spielten.

Geholt wurde mit Paulo Miranda ein gestandener Innenverteidiger, der wohl auch die erste Wahl für die rechte Innenverteidigerposition ist. Der 26-jährige ist jedoch nicht ein dermaßen moderner bzw. kompletter Innenverteidigertyp wie Upamecano und wäre nicht der erste Südamerikaner, der nach einem Wechsel nach Europa Eingewöhnungsprobleme hätte. Darunter in der Hierarchie könnte jedoch bereits Upamecano kommen. Seine Konkurrenten sind nämlich ebenfalls Teenager.

Asger Sörensen gilt als großes Talent. Der Däne musste aber in seiner jungen Karriere bereits längere Verletzungspausen einlegen. Duje Caleta-Car war bei Liefering unter Peter Zeidler Stammspieler und kam bei Red Bull Salzburg in der letzten Saison auf über 800 Pflichtspielminuten. Der 18-jährige Kroate ist aber genau jener Spielertyp, der oben erwähnt wurde. Individuell ist er – vor allem im Zweikampf – bereits sehr stark, allerdings zeigte er nicht selten Mängel in der Entscheidungsfindung.

Upamecano dürfte daher also früher oder später zu seinen Einsätzen kommen. Ob er seine herausragenden Anlagen letztlich auch so umsetzen kann wie man es von ihm erwartet, wird zwar nicht nur von sportlichen Faktoren abhängen, die Salzburger dürften aber viel daran setzen, dass auch diese stimmen. Eine ausgezeichnete Entwicklung könnte nämlich auch eine Signalwirkung für andere internationale Top-Talente haben.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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