Rapid schlug doch noch einmal am Transfermarkt zu. Der Neue heißt Athanasios „Thanos“ Petsos und unterschrieb in Wien-Hütteldorf für drei Jahre. abseits.at nimmt den... Ein Sechser für Rapid: Das ist der bundesligaerprobte Deutsch-Grieche Thanos Petsos!

Helmut Schulte (SK Rapid Wien)Rapid schlug doch noch einmal am Transfermarkt zu. Der Neue heißt Athanasios „Thanos“ Petsos und unterschrieb in Wien-Hütteldorf für drei Jahre. abseits.at nimmt den 22-jährigen Deutsch-Griechen unter die Lupe, beleuchtet Stärken und Schwächen und erklärt, wie der ehemalige Kicker aus der deutschen Bundesliga ins Konzept von Trainer Zoran Barisic passt.

Name: Athanasios „Thanos“ Petsos
Nationalität: Griechisch
Geburtsort: Düsseldorf, Deutschland
Geburtsdatum: 5.Juni 1991
Alter: 22
Hauptposition: Defensives Mittelfeld (6er)
Nebenpositionen: Rechter Verteidiger, Zentrales Mittelfeld (8er), Offensives Mittelfeld, Rechtes Mittelfeld, Innenverteidiger
Größe: 184cm
Gewicht: 80kg
Momentaner Verein: SK Rapid Wien
Bisherige Vereine: SpVgg Greuther Fürth, 1.FC Kaiserslautern, Bayer 04 Leverkusen, Düsseldorfer SC 99
Länderspiele für Griechenland: 1
Länderspiele für griechische U-Auswahlen: 13 (2 Tore)

Die ersten Schritte

Thanos Petsos‘ Familie stammt aus Zentralmakedonien in Griechenland, aus der kleinen Stadt Goumenissa. Geboren wurde der Kicker aber in Düsseldorf. In jungen Jahren spielte er Fußball im Hof mit seinem fußballbegeisterten Vater – in einem Alter, in dem andere Kicker schon gegen höhere Jahrgänge antraten, war Petsos noch nicht im Verein eingeschrieben. Erst im Alter von acht Jahren brachten ihn seine Eltern zum Düsseldorfer SC 99. Das Defensivtalent sollte nur zwei Jahre bei seinem ersten Verein bleiben.

Unterstützung durch die Eltern, doch nicht von so manchem Lehrer

Im Jahr 2001, Petsos war zehn Jahre alt, wurde er von Scouts von Bayer 04 Leverkusen entdeckt und in die Aspirin-Stadt geholt. Jeden Tag fuhren ihn seine Eltern 35 Kilometer weit zum Trainingsgelände des Bundesligisten und wieder zurück. Petsos wurde von seiner Familie im Vorhaben Profi zu werden unterstützt, stieß dafür bei einigen Lehrern auf weniger Verständnis. Die zwölfte und letzte Schulklasse musste der Deutsch-Grieche wiederholen – es war die Zeit als sein Bundesligadebüt für Leverkusen näher rückte. Mit einem Jahr Verspätung schaffte er 2010 die Matura.

Innenverteidiger in der U17

In den Jahren zuvor spielte Petsos für B- und A-Jugend von Bayer 04 Leverkusen. Bis auf wenige Ausnahmen, in denen er ins defensive Mittelfeld oder in die rechte Verteidigung auswich, spielte er im Nachwuchs auf der Position des Innenverteidigers. So auch in der Saison 2007/08, seiner ersten Saison in der B-Jugend, also der U17 von Bayer Leverkusen. In 22 Spielen erzielte er drei Treffer.

Erste Schritte in der U19

2008/09 schaffte er den Sprung in die A-Jugend (U19), war dort aber nur Ergänzungsspieler. Die erste Saison in der U19 war für den damals 17-Jährigen eine Gewöhnungsphase. Leverkusens A-Jugend spielte stark, wurde in der Westliga Zweiter hinter Dortmund. Petsos‘ Teamkollegen waren etwa der heutige Düsseldorf-Torhüter Fabian Giefer oder Red-Bull-Salzburg-Rechtsaußen Kevin Kampl. Petsos brachte es zunächst auf elf Einsätze, ehe er in der Saison 2009/10 den Durchbruch in der A-Jugend schaffte.

Torgefährlicher Abwehrspieler in der U19 und Bundesligadebüt

Der Abwehrspieler war nun eine Stütze in der Nachwuchself der Leverkusener. In 28 Nachwuchs-Ligaspielen erzielte er neun Tore – als Innenverteidiger. Im Frühling 2010 folgte der nächste logische Schritt und Petsos kam auf acht Einsätze in der Amateurmannschaft von Bayer 04, die damals in der Regionalliga West spielte. Im April 2010 brachte es der heute 22-Jährige zu seinem ersten Bundesligaeinsatz: Der damalige Leverkusen-Trainer Jupp Heynckes erkannte Petsos‘ Talent und schenkte ihm beim 3:0 über Hannover 96 seine ersten zwölf Bundesligaminuten.

Leihweise auf den „Betze“

In Leverkusen war Petsos noch ein Unbekannter, die Fans konnten nicht viel über die Nachwuchshoffnung berichten. Dies änderte sich in der nächsten Saison: Bis jetzt war er ein Innenverteidiger in A-Jugendliga West, Regionalliga und mit zwölf Bundesligaminuten auf dem Buckel. Doch im August 2010 verpflichtete der 1.FC Kaiserslautern den griechischen Juniorenteamspieler leihweise für ein Jahr. Eigentlich als Rechtsverteidiger, wie der Verein vermeldete. Doch Petsos etablierte sich im defensiven Mittelfeld.

Als Rechtsverteidiger geholt, als Sechser aufgeboten

Zunächst durfte der Grieche in der zweiten Elf des 1.FC Kaiserslautern, in der Regionalliga West ran. Dort erzielte er einen Treffer in sieben Spielen – und diesen ausgerechnet gegen die zweite Elf von Leverkusen. Gegen Ende der Herbstsaison 2010 stieß er zur Kampfmannschaft der Roten Teufel. In seinen ersten vier Spielen, bevor die Winterpause begann, zeigte Petsos vielversprechende Leistungen. Einmal als rechter Verteidiger, dreimal im defensiven Mittelfeld. Kurzzeitig wurde die Euphorie durch eine glatte rote Karte gebremst, die er sah, weil er Nürnberg-Verteidiger Andreas Wolf in einem Zweikampf unabsichtlich mit dem Ellbogen erwischte. Eine eindeutige Fehlentscheidung, die zwei Spiele Sperre nach sich zog. Es war Petsos‘ erste und bisher einzige rote Karte.

Gute erste Saison, Verlängerung der Leihe, Zufriedenheit bei den Fans

In der Winterpause jammerten die Fans des 1.FC Kaiserslautern darüber, dass der Verein keine Kaufoption für Petsos besäße. Schließlich zeigte der Junge in seinen ersten Partien, dass er zu einer Stütze werden könnte. Er präsentierte sich äußerst ambitioniert, technisch gut und ballsicher. Zudem traute er sich auch den einen oder anderen Vorstoß und Distanzschuss zu. Auch im Frühjahr 2011 spielte Petsos recht gut, machte stets den Eindruck sich weiterzuentwickeln. Zwischendurch hatte Kaiserslautern mit einer Negativserie zu kämpfen, von der sich Petsos auch in seinen Leistungen anstecken ließ. Am Ende gab’s dafür wieder eine Siegesserie und der 6er der Lauterer spielte verlässlich, unverändert ballsicher und ließ sich seinen Stammplatz nicht mehr nehmen. Im April 2011 verlautbarte Kaiserslautern, dass Petsos für ein weiteres Jahr, also bis 2012, ausgeliehen wird. Den Fans gefiel es.

Kein Kanonenfutter, keine Skandale und der Wille sich zu entwickeln

Insgesamt war Petsos nie einer, der für negative Schlagzeilen sorgte. Seine Interviews geben dem Zuhörer keinen großen Mehrwert, den Medien kein Kanonenfutter, nach außen hin wirkt der junge Grieche unspektakulär. Schon in jungen Jahren betonte er in einem Interview, dass er Geld aus seinem Profivertrag zurücklegt, um für später zu sparen – mit dem ersten eigens verdienten Geld zu prassen, war nichts für ihn, man wisse ja nicht, wie lange man als Fußballer Geld verdienen kann. Petsos ist kein Rebell, dafür ein braver Arbeiter, der sich stets weiterentwickeln will. Auf dem Platz wirkt er manchmal noch etwas zu verspielt – da kommen seine Anfänge im Düsseldorfer Hof wieder zum Vorschein. Insgesamt ist der 22-Jährige ein verlässlicher Spieler mit guten Anlagen und einer Vita, die sich bereits in jungen Jahren sehr gut las. Er ist diszipliniert, stellt sich in den Dienst der Mannschaft und ist in seinem Positionsspiel sehr flexibel.

In den Nachwuchsnationalteams offensiver

Die Saison 2011/12 begann zunächst ebenfalls gut: Im August 2011 debütierte Petsos für die griechische A-Nationalmannschaft. Im Freundschaftsspiel gegen Bosnien kam er zehn Minuten lang als defensiver Mittelfeldspieler zum Einsatz. Im U19- und U21-Nationalteam war das anders: Da spielte Petsos als Achter oder phasenweise noch offensiver, weil die Rollen des Sechsers an äußerst verlässliche, wenn auch wenig flexible und stark defensiv orientierte Kicker vergeben waren. Zuerst an Panathinaikos-Talent Anastasios Lagos, danach an das große Atromitos-Talent Panagiotis Ballas. Petsos spielte also in den Nachwuchsligen Innenverteidiger, in der deutschen Bundesliga im defensiven Mittelfeld und in den Nachwuchsnationalteams als offensiverer, manchmal auch rechter Mittelfeldspieler. Und das obwohl er bei jedem neuen Klub zuerst als rechter Verteidiger eingeplant war – eine Position, die er im Endeffekt sehr selten spielte. Die Erklärung: Gibt es in der Mannschaft einen defensiv sehr starken Sechser, wird Petsos aufgrund seiner offensiven Fähigkeiten als Achter aufgeboten. Den Rechtsverteidiger mimt der Grieche nur, wenn es nicht anders geht.

Schwache Abstiegssaison nach vielversprechender Erstsaison in Kaiserslautern

Aber die Personalie Petsos wäre nicht von Deutschland nach Österreich gewechselt, wenn bis heute alles perfekt gelaufen wäre. Die Saison 2011/12 brachte noch die Wende in der bis dahin aufstrebenden Karriere des Talents. Petsos konnte seine starken Leistungen aus seiner ersten Kaiserslautern-Saison nicht prolongieren. In der Liga kam er zu 19 Einsätzen, davon zehn Einwechslungen. Zumeist spielte er als Sechser, seltener als Achter – insbesondere spielte er aber schlecht. Natürlich muss bedacht werden, dass Kaiserslautern eine miserable Saison erwischte und als Letzter abstieg, Petsos fiel durch die schwache Mannschaftsleistung in ein tiefes Formloch. Er wirkte nicht mehr spritzig, trabte phasenweise über den Platz, ließ jegliche Dynamik vermissen. Wie viele seiner Mitspieler, ließ auch Petsos sich viel zu leicht überlaufen und kam nur langsam hinter den Ball.

Völlig blasser Abschied vom Betzenberg

Während er in der Vorsaison mit Ballgewinnen, schneller Weiterverarbeitung und technischem Esprit überzeugte, war er 2011/12 nur ein Mitläufer bei einem Bundesliga-Absteiger, bei dem er sich auch noch aus der Mannschaft spielen ließ. Auch einfache Tugenden, mit denen er im Jahr zuvor immer wieder überzeugte – so etwa eine ordentliche, harte Zweikampfführung oder solides Stellungsspiel – ließ er völlig vermissen. Die Fans waren enttäuscht und reagierten größtenteils emotionslos darauf, dass Petsos über das Jahr 2012 hinaus nicht mehr am Betzenberg zu sehen sein würde.

Knieverletzung als Hemmschuh für das erste halbe Jahr in Fürth

Bei Bayer Leverkusen, wo sein Vertrag bis 2014 weiterhin gültig war, hatte er allerdings auch keine Perspektive auf einen Platz in der Mannschaft. Also verstärkte sich der Aufsteiger Greuther Fürth mit dem Griechen, der 50.000€ kostete und einen Vertrag bis 2015 unterschrieb. Zu Beginn der Saison kam er als defensiver Mittelfeldspieler zu seinen ersten Einsätzen, spielte durchschnittlich, verletzte sich aber schon in seinem vierten Ligaspiel für Fürth schwer am Knie: Innenbandeinriss, Herbstsaison praktisch beendet. Im Frühling kam Petsos dann noch zu neun weiteren Einsätzen (fünf von Beginn an), passte sich aber leistungstechnisch an seine Teamkollegen an. Die Spielvereinigung stand praktisch über das gesamte Frühjahr als Absteiger fest.

Scharfschütze und Edeltechniker

Für Greuther Fürth erzielte Petsos allerdings seinen ersten und einzigen Bundesligatreffer: Ein sensationeller direkter Freistoß aus 30 Metern gegen Werder Bremen. Zwei Stärken des Griechen sind seine Schusskraft und seine technische Finesse, auch auf hohem Tempo. Seine beiden Treffer beim U21-EM-Qualifikationsländerspiel gegen Deutschland (4:5) verkörpern diese Stärken am Besten. Petsos spielte als zentraler Mittelfeldspieler (8er), ist hier mit der Nummer 16 zu sehen und erzielte die Treffer zum 1:0 und 3:3.

Schultes Handschrift

Angesichts der aktuellen Möglichkeiten Rapids, passt Petsos insgesamt überraschend gut ins Konzept und verkörpert die Handschrift Schultes. Der Grieche ist ein technisch guter Fußballer mit großem Potential und guter Einstellung. In den letzten beiden Jahren war er Teil zweier Mannschaften, die deutlich und jeweils als Letzter aus der Bundesliga abstiegen. Auch wenn er großes Talent besitzt, ist er noch kein Spieler, der für seine Mannschaft die Kohlen aus dem Feuer holt. Zeigt die allgemeine Entwicklung einer Mannschaft nach oben, wird sich aber auch Petsos schnell und mithilfe großer Disziplin weiterentwickeln. Die Verpflichtung des Mittelfeldspielers war in der momentanen Situation Rapids sicher richtig, doch den nächsten Schritt muss Petsos selbst machen. In Wien wird deutlich mehr von ihm erwartet, als in Kaiserslautern oder Fürth. Da seine Visitenkarte sich aber schon in jungen Jahren interessant las, ist er dieser Aufgabe gewachsen. Dass er äußerst flexibel ist und auf fünf verschiedenen Positionen eingesetzt werden kann, ist zumindest derzeit nebensächlich. Rapid braucht eher einen Spezialisten für das defensive Mittelfeld.

Petsos in Barisics System

Im aktuellen System Rapids wird Petsos die Position eines defensiven Mittelfeldspielers (6er) einnehmen. Seine Flexibilität auf der Zentralachse ist dabei im Dreiermittelfeld in Rapids 4-3-3 von Vorteil. Er kann auch auf die Achter-Position rochieren oder sich zwischen die Innenverteidiger fallen lassen. Man kann davon ausgehen, dass Petsos entweder Wydra oder Boskovic mittelfristig aus der Mannschaft spielen wird, doch auch ein auf den Gegner abgestimmtes Rotationsprinzip aus diesen Spielern ist denkbar. Auswirkungen auf andere Positionen: Christopher Dibon wird bestimmt nicht auf die Sechserposition oder in die rechte Verteidigung gezogen werden. Im Falle einer Verletzung Christopher Trimmels würde man Petsos notgedrungen auf die rechte Abwehrseite ziehen, so die anderen zentralen Mittelfeldspieler fit sind und Backup Pavelic keinen markanten Sprung in seiner Entwicklung macht. Brian Behrendt rutscht in der Kaderhierarchie nach hinten und ist nun sowohl für die Innenverteidigung als auch für die „Doppelacht“ bzw. die Positionen Sechs und Acht vierte Kraft.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen