Der SKN St.Pölten ist ein Verein im Auftrieb und der Trainer der „Wölfe“, Martin Scherb, beantwortete im Rahmen der Aktion „Das ASB trifft“ im... Martin Scherb im Interview: „Sehr talentierte Trainerkollegen aus Regional- oder Landesliga bekommen keine Chance“

Der SKN St.Pölten ist ein Verein im Auftrieb und der Trainer der „Wölfe“, Martin Scherb, beantwortete im Rahmen der Aktion „Das ASB trifft“ im Austrian Soccer Board, Österreichs größter Fußballcommunity, die Fragen zahlreicher Fans. Scherb spricht dabei über die Weiterentwicklung als Trainer, seine prägendsten Erlebnisse als Coach und die Qualität der St.Pöltner Akademiemannschaften.

Dani1899: Guten Tag, Herr Scherb. Ich möchte Ihnen in erster Linie zu Ihren Leistungen beim SKN gratulieren. Wo sehen sie sich bzw. den SKN St.Pölten in 3-5 Jahren?

Martin Scherb: Ich hoffe und denke, dass der SKN in 3-5 Jahren ein solider Mittelständler in der tipp3 Bundesliga sein wird. Aber dazu ist neben der sportlichen Entwicklung auch die wirtschaftliche Weiterentwicklung des gesamten Vereines notwendig. Wir sind auf einem guten Weg und den wollen wir dann auch entsprechend vollenden.

Dani1899: Sie wurden schon einige male mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht (Ried, Altach), waren da schon wirklich konkrete Angebote dabei?

Martin Scherb: Ich bin der Meinung, dass gewisse Dinge, die zwei Parteien betreffen  nicht von einer Partei öffentlich gemacht werden sollten, daran halte ich mich und ein etwaiger Gesprächspartner auch, wie man sieht.

Dani1899: Sie sind öfters im Hanappi Stadion, können sie sich vorstellen eines Tages beim Rekordmeister in Hütteldorf zu arbeiten?

Martin Scherb: Ja, natürlich, aber nachdem ich nie bei Rapid gespielt habe wird das schwierig : -)

Dani1899: Wie schwer ist es euch gefallen, den SKN „Urgesteinen“ Fallmann und Speiser mitzuteilen, dass sie nicht verlängert werden und somit nicht mehr im SKN- Dress in die neue NV Arena einlaufen werden?

Martin Scherb: Im Sommer mussten wir aus verschiedensten Gründen einen Umbau der Mannschaft vornehmen, wir wollten eine Mannschaft entwickeln, die 2-3 Jahre Zeit hat, unser Ziel, den Aufstieg in die tipp3 Bundesliga zu erreichen. Dadurch gab es auch für sehr verdiente Spieler wie Fallmann oder Speiser keinen neuen Vertrag mehr.

Dani1899: Denken Sie dass mit der aktuellen Truppe der Aufstieg machbar ist, oder werden dafür punktuelle Verstärkungen notwendig sein?

Martin Scherb: Das ist eine theoretische Frage, die schwer zu beantworten ist, wir haben heuer so viele Punkte wie der Winterkönig im letzten Jahr, wir spielen einen sehr attraktiven Fußball, wir haben uns seit Sommer in allen Bereichen verbessert, haben dafür aber eine überragende Mannschaft aus Lustenau, die vor uns liegt. Wir schauen aber mehr auf uns, gehen unbeirrt unseren eigenen, geplanten Weg und schauen was in den nächsten Jahren dabei rauskommt.

flooh94: Wie viel konntest du zur Entscheidung beitragen, dass in St. Pölten ein neues Stadion errichtet wird, warst du involviert oder wurde dir das Projekt lediglich präsentiert?

Martin Scherb: Das meiste hat die Mannschaft in den letzten Jahren mit ihren Erfolgen dazu beigetragen, ich bin ein Teil diese Teams gewesen und habe natürlich auch immer wieder bei den Entscheidungsträgern des Landes NÖ, der Stadt St. Pölten und des Vereines auf die Notwendigkeit einer geeigneten Infrastruktur hingewiesen.

SKN-Fan: Ist es deine persönliche Philosophie, eine eher junge Mannschaft zu führen oder würdest du auch gerne (wenn es die Finanzen zulassen) ein Team mit mehreren gestandenen, erfahrenen Profis trainieren (wie z.B. Austria Lustenau)?

Martin Scherb: Als Fußballtrainer bist du ständiger Entwickler, d.h. bei einem durchgehend älteren Team ist das Ende der Entwicklung absehbar und du musst wieder ganz von vorne beginnen, ich glaube eine gesunde Mischung aus Jung und Alt ist die beste Konstellation.

SKN-Fan: Wäre für dich der Job als österreichischer Nationalteamtrainer interessant ?

Martin Scherb: Vielleicht irgendwann einmal, derzeit habe ich noch so viel Kraft und Energie in mir, dass ich jeden Tag mit der Mannschaft auf dem Platz stehen will.

SKN-Fan: Wo siehst du deine Stärken/Schwächen im Vergleich zu älteren Trainern (z.B. Gludovatz) ?

Martin Scherb: Nachdem ich nicht weiß wie andere im Detail arbeiten, kann ich mir da auch kein Urteil erlauben.

SKN-Fan: Wie läuft beim SKN die Suche nach Verstärkungen? Wählst du als Cheftrainer alleine Kandidaten aus oder ist das eine Gemeinschaftsaktion mit sportl. Leitung/gesamtes Trainerteam ?

Martin Scherb: Bei uns werden alle Entscheidungen (Verlängerung, Neuverpflichtung) mit der gesamten sportlichen Abteilung abgesprochen, bei großen Transfers oder wichtigen Entscheidungen wird auch der Vorstand involviert.  Das letzte Wort, natürlich unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit, habe aber ich.

SKN-Fan: Warum werden Talente nicht länger (z.B. 5-Jahresvertrag) an den Verein gebunden? Unterschreiben die Burschen so langfristige Verträge nicht oder ist es dem SKN ein zu hohes Risiko?

Martin Scherb: Alle jungen Spieler, die von der AKA St.Pölten NÖ kommen, erhalten in der Regel einen Dreijahresvertrag, ich denke, dass dies für alle Vertragspartner ausreichend ist, um zu sehen, wie es für beide Seiten läuft.

GreenBlack1912: Wie sehr war die Herausforderung, oder die Umstellung, für Sie als neuer SKN-Trainer ins kalte Wasser gestoßen zu werden und plötzlich eine Person des öffentlichen Lebens zu sein (oder anders: Plötzlich jede Woche in den Medien, dazu zahlreiche Interview-Auftritte für TV oder Presse, ….) und im Mittelpunkt zu stehen?

Martin Scherb: Das war ja ein Prozess, 1. War ich ja schon vorher in der Landesliga als Trainer tätig, und 2. ist das Medieninteresse ja mit den Erfolgen unserer Mannschaft mitgewachsen, da lernt man „on the job“ dazu.

GreenBlack1912: Verfolgen sie auch die Spiele unterklassiger Teams (Gebietsliga, 1. Klasse, 2. Klasse – SKN Amateure ausgenommen)?

Martin Scherb: Ganz selten, bei unseren Juniors bin ich auf fast jedem Heimspiel, da bleibt keine Zeit für andere Mannschaften, aber ich verfolge die Ergebnisse aller Ligen sehr interessiert.

GreenBlack1912: Wie gestaltet sich eine Rückfahrt nach einer Niederlage, zB. in Lustenau?
Baut man die Spieler während der Heimfahrt auf? Gibt es da Einzelgespräche? Lässt man da das Spiel noch Revue passieren, oder schalten sie da total ab und lenken sich ab?

Martin Scherb: Man spricht mit dem einen oder anderen Spieler, aber nicht im Sinne eines strukturierten Einzelgespräches, die meisten schlafen während der siebenstündigen Busreise und verarbeiten das Spiel sehr individuell.

Admira Fan: Unter der Annahme sie würden den SKN verlassen, würden sie versuchen ihr Trainerteam (Co, Torhüter) zum neuen Verein mit zu nehmen?

Martin Scherb: Das kann man nicht pauschal sehen, wenn gewisse Strukturen und Personen vorhanden sind, mit denen eine Zusammenarbeit absolut vorstellbar ist, dann nicht. Wenn ich einen Verein neu aufbauen müsste, dann sicher.

Heffridge: Weil es hier (im Austrian Soccer Board) oft zu Spannungen zwischen dem SKN und der Admira kommt: Ist die Admira für sie ein Klub wie jeder andere oder gibt es doch so etwas wie eine Rivalität?

Martin Scherb: Es gibt sicher eine gesunde Rivalität, von dem lebt ja unser Sport auch. Ich glaube aber, dass sich das mehr auf die Fans bezieht, die Spieler verstehen sich untereinander und bei den Trainern ist das auch so.

Heffridge: Würden Sie ein Angebot der Admira annehmen und Lukas Thürauer folgen?

Martin Scherb: Von der Admira hab ich noch kein Angebot bekommen, also stellt sich die Frage nicht.

Hacklnator: Sehen Sie es eher als Vor- oder Nachteil für Ihren Trainerjob dass Sie selbst nie ein richtiger Fußballprofi waren?

Martin Scherb: Auch da gibt es keine eindeutige Festlegung, im Endeffekt musst du als Trainer erfolgreich sein, egal wo du herkommst. Ich kritisiere nur, dass viele sehr talentierte Trainerkollegen, die in der Regional- oder Landesliga arbeiten, aus taktischen Überlegungen (Medien, Öffentlichkeit) gar keine Möglichkeiten bekommen, weiter oben zu arbeiten. Bayer Leverkusen hat den Trainer der U19-Mannschaft , Sascha Lewandowski, im Sommer als neuen Cheftrainer präsentiert – bei uns leider undenkbar.

Campione: Gibt es für sie eine Untergrenze, wo sie sagen, dieses Niveau muss eine Person, die als Trainer einer Profimannschaft fungieren will, auf jeden Fall auch als Spieler selbst erreicht haben?

Martin Scherb: Da halte ich es mit einem viel bekannteren Kollegen…“ einen Autobus sollte man schon treffen“… das schaff ich gerade noch J

Campione: Was halten Sie von Life Kinetik? Bauen Sie selbst solche Trainingsmethoden in ihre tägliche Arbeit mit den Spielern ein?

Martin Scherb: Mein Assistenztrainer Hannes Spilka hat sich damit beschäftigt, wir bauen seit zwei Jahren unregelmäßig Inhalte ins Training ein, um Abwechslung ins Training zu bekommen und zu beobachten, wie die Spieler mit den ungewohnten Herausforderungen umgehen

Campione: Haben Sie auch Interesse an anderen Sportarten? Sollte diese Frage mit ja beantwortet werden: Was halten Sie davon Trainingseinheiten von Leistungssportlern anderer Sportarten zu begutachten, um in weiterer Folge vielleicht etwas für seine eigene Arbeit mitnehmen zu können?

Martin Scherb: Mich interessieren vor allem alle Ballsportarten, meine Töchter spielen beide Basketball und da kann man sich schon einiges, vor allem im Bereich Zonendeckung, abschauen, unser Athletiktrainer Christoph Reisinger baut in seinem Verantwortungsbereich laufend Trainingsinhalte aus anderen Sportarten ein.

ufo05: La Boom oder Time Out?

Martin Scherb: La Boom, die Einser Disco in St. Pölten , sieht den Trainer so 2-3x im Jahr, meistens am Ende einer Saison, öfters hält das ein Mann in den Vierzigern nicht mehr aus. Im Time Out in Herzogenburg, das ein Sportlokal ist, schaue ich unregelmäßig mit Freunden Champions League.

ufo05: Wo haben Sie als Trainer das Meiste gelernt?

Martin Scherb: Aus schwierigen Situationen, da erkennt man sehr oft den Charakter eines Mitarbeiters, eines Spielers oder eines Funktionärs. In der Trainerarbeit bilde ich mich laufend durch Literatur, Austausch mit Kollegen oder soweit es die Zeit erlaubt durch Hospitationen weiter, ich bin als Trainer sicher ein anderer, als ich vor zwei Jahren war, glaube auch, wenn du als Trainer meinst du weißt schon alles, hast du schon verloren. Trainer sein heißt lebenslange Bereitschaft zum Lernen.

ufo05: Wie wichtig ist Ihnen der Auftritt im Internet?

Martin Scherb: Ich bin auf Facebook vertreten, da poste ich hin und wieder Kommentare zu Spielen oder stelle Artikel über meine Mannschaft oder mich online, betreibe auch eine eigene Homepage, da ist es aber aus Zeitgründen schwierig, immer aktuelle zu sein, das geht über Social Media etwas schneller

ufo05: Finden Sie es genau so schade wie ich, dass der alte Präsident (Hintermeier) nicht mehr beim Verein ist?

Martin Scherb: Sepp Hintermeier hat den SKN im Jahr 2000 aus der Taufe gehoben und den Verein einige Jahre später wieder übernommen. Er ist eine herausragende Persönlichkeit und hat den SKN entscheidend mitgeprägt. Uns verbindet nach wie vor eine sehr gute, respektvolle Beziehung.

ufo05: Was war Ihr prägendster Moment beim SKN?

Martin Scherb: Mein erstes Spiel im März 2007 in Schwechat , das erste Bundesligaspiel im Juli 2008 gegen die RB Juniors und das abgelaufene sensationelle Halbjahr.

ufo05: Wie beurteilen Sie die AKA St. Pölten?

Martin Scherb: Da gibt es nicht viel dazu zu sagen , von 25 Kaderspielern stammen 17 aus der AKA St. Pölten, 6-7 Spieler, die durch die AKA Ausbildung gingen, feierten bei uns ihr Bundesligadebüt und sind nach wie Stammspieler.

ufo05: Wie halten es Sie, wenn Ihre Spieler nach dem Spiel feiern gehen? Egal? Oder gibt es Regeln?

Martin Scherb: Es gibt Grundsätze die einzuhalten sind, das wissen die Jungs und an die halten sich die Jungs auch (zumindest soweit ich weiß 😉

 

Danke an Martin Scherb für das Interview!

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen