Die abgelaufene Saison war für die Wiener Austria alles andere berauschend. Nachdem man die Liga auf Platz sieben beendete und das Cup-Finale verlor spielt... Potenzieller Abwehrchef: Darum wechselt Richard Windbichler zur Wiener Austria

Richard Windbichler (Admira Wacker Mödling)Die abgelaufene Saison war für die Wiener Austria alles andere berauschend. Nachdem man die Liga auf Platz sieben beendete und das Cup-Finale verlor spielt man 2015/2016 erneut nicht international. Um dies nicht zu wiederholen, waren die Veilchen auf dem Transfermarkt bereits sehr aktiv. Mit Richard Windbichler, der bis 2017 mit Option unterschrieb, tätigten sie nun einen weiteren vielversprechenden Transfer, den abseits.at analysieren will.

Das Gerücht, Windbichler könne an den Verteilerkreis wechseln, kursierte bereits seit längerer Zeit – auch, weil es für beide Seiten Sinn macht. Die Austria hatte gerade in den letzten beiden Spielzeiten Probleme im Abwehrzentrum und musste verglichen mit den anderen Großklubs Qualitätseinbußen machen. Windbichler ist ablösefrei und der Wechsel zu einem heimischer Spitzenverein ist nach seiner Entwicklung der logische Schritt.

Führungsspieler aus der zweiten Reihe

Exakt 102 Bundesligaspiele absolvierte der 24-Jährige für Admira Wacker Mödling, wo er seit dem Wiederaufstieg Stammspieler war. Interessanterweise war dies im Jahr davor eine Liga darunter nicht der Fall. Die bekannten Spieler, die infolge der sensationelle Saison 2011/2012 medial viel Aufmerksamkeit bekamen, waren andere: Philipp Hosiner und Marcel Sabitzer in der Offensive, Christopher Dibon in der Defensive. Neben dem damaligen Kapitän fiel Windbichler jedoch keinesfalls großartig ab, schwankte lediglich in seinen Leistungen stärker.

Nachdem die erfolgreiche Europacup-Mannschaft zusehends auseinanderfiel, hielt Windbichler der Admira die Treue und kristallisierte sich als wichtiger Führungsspieler heraus. Das betrifft zum einen sein Auftreten abseits des Rasens. Egal ob bei Interviews oder Social-Media-Kampagnen, Windbichler marschierte – trotz seines vergleichsweise jungen Alters – im Kampf gegen den Abstieg stets voran. Daneben war er auch am Spielfeld ein extrem wichtiger Spieler für die Südstädter.

Klassischer Innenverteidigertyp mit viel Selbstvertrauen

Bei Windbichler sticht zunächst seine enorme physische Stärke ins Auge. Mit 1,83m ist er zwar nicht unbedingt ein klassischer Abwehrrecke, von seinem Spielprofil entspricht er dennoch eher dem klassischen als modernen Innenverteidigertyp. Sein Herausrücken ist darauf getimt, den Gegenspieler abzublocken anstatt direkt den Ball zu gewinnen. Dabei ist sein Zweikampfverhalten äußerst stark. Sowohl in der Saison 2013/2014 als auch 2014/2015 gehörte Windbichler mit Erfolgsquoten von 66,7% und 67,7% zu den besten Zweikämpfern der gesamten Liga.

Mit dem Ball am Fuß agiert er meist ohne großes Risiko, hat aber keine Scheu, diesen zu fordern und ist ständig in Bewegung um sich freizulaufen. So kam er bei der Admira häufiger im defensiven Mittelfeld zum Einsatz – auch, weil er trotz seiner Physis nicht übermäßig hölzern wirkt. Gerade im Frühjahr war dies häufig war das der Fall, als er als Absicherung für das spielerisch starke Duo Konstantin Kerschbaumer und Philipp Malicsek fungierte. Obwohl die beiden kombinationsstark sind, hatte Windbichler teilweise mehr Ballaktionen – ein weiteres Argument für sein großes Selbstvertrauen.

Austrias Qualitätsmangel im Abwehrzentrum

Aus Sicht der Austria wurde dieser Transfer wegen der überschaubaren Qualität im Kader notwendig. In der Meistersaison hatte man unter Peter Stöger noch ein sehr starkes und sich gut ergänzendes Abwehrgespann. In Manuel Ortlechner gab es einen Verteidiger, der viel Ruhe ausstrahlte und das Spiel gut lesen konnte. Kaja Rogulj verkörperte – für die damaligen Verhältnisse hierzulande – das moderne Innverteidigerspiel recht gut. Defensiv stand er stabil, mit dem Ball rückte er nach vorne, wenn es die Situation erforderte.

Danach gab es eine rasante Entwicklung in die Gegenrichtung. Mit Vance Sikov holte man im letzten Sommer einen Innenverteidiger, der zum anvisierten Spiel von Gerald Baumgartner kaum passte. In puncto Stellungsspiel und Schnelligkeit waren seine Qualitäten zu nieder, für einen kontinuierlichen Spielaufbau war sein Passspiel zu schlecht. Zudem positionierte er sich auch dort manchmal äußert schlecht. Nachdem Rogulj die Austria verließ und es mit Ortlechner Probleme abseits des Rasens gab, kristallisierte sich Lukas Rotpuller als einzige Konstante in den letzten zwei Jahren heraus.

Der Burgenländer spielt zwar auf konstantem Niveau, das sich jedoch im Bundesligadurchschnitt befindet. Christian Ramsebner zeigte zwar hie und da gute Ansätze, wäre ein ähnlicher Spielertyp wie Windbichler, ihm fehlte jedoch die Konstanz. Mit Patrizio Stronati holte die Austria im Winter dann einen jungen Abwehrspieler, der sich in Zukunft als Partner für Windbichler anbieten würde und sogar noch etwas zweikampfstärker ist. Er hat ligaweit die beste Erfolgsquote (75,6%) aller Spieler.

Potenzieller Abwehrchef

Angesichts der violetten Personalsituation ist es realistisch, dass Windbichler nicht nur auf Anhieb einen Stammplatz in der Innenverteidigung erobert, sondern auch zum neuen Abwehrchef wird. Dem 20-jährigen Stronati fehlte bisher die nötige Konstanz dazu, Rotpuller die fußballerische Klasse, um diesen Status zu rechtfertigen. So verzeichnete Windbichler in der abgelaufenen Saison klar mehr Balleroberungen (2,6 abgefangene Bälle und 4,07 Tackles pro 90 Minuten) als die beiden (Rotpuller: 2,16 bzw. 1,86 und Stronati: 2,03 bzw. 1,35).

Auch die Routine spricht für den Neuzugang, hat er doch mehr Erstligaeinsätze am Buckel als seine zwei neuen Mitspieler zusammen. Mit 24 Jahren ist er zudem noch nicht am Ende seiner Entwicklung und so könnte Windbichler den Veilchen nicht nur kurz-, sondern auch mittel- oder vielleicht sogar langfristig viel Freude bereiten.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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