Franz Lederer hat mehr geschafft, als ihm von vielen Experten zugetraut wurde. Nicht nur, dass die Mattersburger ein ums andere Mal die Klasse hielt... Saisonrückblick: Der SV Mattersburg auf der Überholspur

Franz Lederer hat mehr geschafft, als ihm von vielen Experten zugetraut wurde. Nicht nur, dass die Mattersburger ein ums andere Mal die Klasse hielt – vor allem das „Wie“ war in der Saison 2011/12 bemerkenswert. Zum Einen hatten die Burgenländer nie ernsthaft etwas mit dem Abstieg zu tun, zum Anderen betonte der SVM die spielerische Note.

Kontinuität

Einzig Thomas Salamon (SV Grödig, verliehen), Matthias Lindner (SC Wiener Neustadt) und Peter Chrappan (Inter Baku) verließen den Verein. Allesamt Spieler, die keinesfalls mit dem Label „unersetzbar“ ausgestattet waren. Nachdem Stefan Bliem zu den Amateuren beordert wurde, tat sich dann aber doch einiges bei den Zugängen. Martin Rodler und Wilfried Domoraud (beide TSV Hartberg) ersetzten die Abgänge am Feld, mit Adnan Mavrac (KVC Westerloo) kehrte ein erfahrener Abwehrspieler zurück. Markus Böcskör kam von Nachbar Parndorf und sollte Bliem ersetzen. Auch während der Saison tat sich nichts, einzig Anton Pauschenwein und Markus Schmidt wechselten in die Regionalliga Ost zu den Amateuren.

Deswegen bemühte sich Coach Franz Lederer in seinem siebten Jahr als Übungsleiter, die spielerische Note zu bevorzugen. Die Vorzeichen waren auch nicht die schlechtesten, um das zu tun. Mit dem KSV und Wiener Neustadt gab es vor der Saison zwei Vereine, die knapp unterhalb der Burgenländer zu klassieren waren, dazu kamen mit Wacker und der Admira noch zwei Vereine, die potentiell in den Abstiegskampf hineingezogen werden konnten. Mit gleich vier Konkurrenten, die möglicherweise allesamt auf Defensive und Konter setzen würden, musste ein spielerischer Vorteil her. Dass dann im Grunde genommen die Startelf kaum verändert werden musste, spielte Lederer beim Training im Sommer in die Karten.

Holperstart

Das erste Saisonviertel verlief recht holprig. Nach dem Fehlstart daheim gegen den SC Wiener Neustadt konnte in den ersten neun Runden kein voller Erfolg eingefahren werden. Die Mattersburger zeigten zwar gute Spiele, zu mehr als vier Punkten reichte es aber nicht. Dennoch standen sie nur an den Spieltagen vier, fünf und neun am letzten Platz. Der Knackpunkt war wohl das Heim-3:3 gegen den amtierenden Meister Sturm Graz. Erst nach Ablauf der 90 Minuten konnten die zwei entscheidenden Treffer erzielt werden. Gemeinsam mit dem in der Vorwoche errungenen ersten Saisonsieg punkteten die Mattersburger endlich, holten 13 Punkte in zehn Partien. In der 14. Runde konnte sogar ein souveräner 3:0-Heimsieg gegen Red Bull Salzburg errungen werden. Ganz wichtig war auch der Heimsieg gegen die Falken.

Turbobooster nach dem Winter

Nach der Winterpause starteten die Burgenländer dann aber voll durch. In den neun Spielen zwischen der 20. und der 28. Runde wurden 15 Punkte geholt. Nur Red Bull holte mit einem Zähler mehr, die Wiener Großklubs holten jeweils um zwei weniger. Die nunmehr direkte  Konkurrenz um den Klassenerhalt aus Neustadt und Kapfenberg holte je acht Zähler. Die spielfreudigen Mattersburger besiegten Ried (4:1), die starke Admira und Favorit Salzburg jeweils auswärts (1:0), zudem daheim auch die Wiener Austria (2:0). Danach riss der Faden jedoch und es folgten vier Niederlagen in Serie. Franz Lederer nannte dies ein „Zurückfallen in alte Verhaltensmuster“. Die zum Teil sehr junge Mannschaft konnte den einen oder anderen Ausfall, wie etwa Alexander Pöllhuber oder Thomas Borenitsch, nicht mehr so gut verkraften. Dennoch fielen die Niederlagen nicht vernichtend aus, die zwei 0:2 gegen Sturm und Ried waren die höchsten Niederlagen, auch über die Saison hinweg.

Und so ging es auf dem Spielfeld

Die Viererkette rund um Mravac und Malic präsentierte sich als äußerst stabil. Nur Ried (2:3),. Sturm (3:3) und Wacker (6:3) konnten den Mattersburgern drei Treffer einschenken. Im Mittelfeld setzte Lederer auf die Doppelsechs und zwei Flügelspieler sowie je eine hängende und eine echte Spitze. Dieses System funktioniert dann gut, wenn die Spielgestalter nicht nur zerstören, sondern auch Impulse setzen können. Das taten vor allem Manuel Seidl und Stefan Ilsanker. Seidl trat so gut wie alle Standards und schickte die vier Offensivkräfte in die Räume. Sein Hauptnebenmann Ilsanker trat als stärkster Zweikämpfer der Liga in Erscheinung und setzte auch nach vorne Akzente. Die neue, hängende Rolle von Ilco Naumoski half ebenfalls mit, kompakt und direkt zu spielen.

Die Zeiten des harten „Rumpelfußballs“ gehören der Vergangenheit an. Auch auf taktischer Ebene tat sich einiges, so griff Lederer, der vor allem über eine starke rechte Seite verfügte, öfters auf eben diese zurück. Wie etwa beim 3:3 gegen Sturm Graz löste er die Viererkette auf, setzte auf zwei rechte Flügelspieler und verwirrte so die Defensive der Gegner. Naumoski spielte dann eine echte zweite Spitze. Die Erfahrung in der Verhinderung von Toren und die Flexibilität in der Offensiv ermöglichten einen souveränen Klassenerhalt und auch ein Schielen auf das Mittelfeld der Tabelle.

Moment der Saison

Es war die 28. Minute in der 34. Runde, als Stefan Ilsanker einen mehr als klugen Pass auf Ivan Parlov spielte, dessen Schuss knapp am langen Eck vorbeiging. Bezeichnend ist diese Szene aus dem Spiel gegen Rapid Wien deshalb, weil sie das neue Selbstverständnis der Burgenländer schlichtweg sehr gut beschreibt. Überlegt, schnörkellos und direkt.

Fazit

Das neue Konzept des Fußballs im Burgenland steht dem Sportverein aus der 7.000-Einwohner-Stadt gut zu Gesicht. Der Klub schaffte sich eine Wohlfühlathmossphäre, in der jeder jeden kennt und schätzt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Akademie Burgenland und die Amateurmannschaft in der starken Regionalliga. Diese bringt immer wieder gute Spieler in die Kampfmannschaft. Mit Alois Höller, Lukas Rath, Philipp Steiner, Manuel Seidl, Dominik Doleschal oder Marvin Potzmann bewiesen auch diese Saison wieder einige Kicker, dass der Weg der Nachwuchsarbeit im Burgenland ein stimmiger ist. Wenn die Mattersburger ihren Weg mit lokalen Talenten weiter gehen, werden auch die Zuschauer wieder vermehrt kommen. Dieser Schnitt ist nämlich der, der unter den extremen Kämpfen gegen den Abstieg doch sehr gelitten hat. Eine Art „burgenländisches Nationalteam“, das mit einem Auge auf den Europacup schielt, würde die Gesamtkapazität von 15.700 sicherlich mehr ausreizen. Mit Stefan Ilsanker ist aber bereits ein Leistungsträger weg (RB Salzburg), auch Nebenmann Seidl steht schon in den Notizbüchern größerer Klubs.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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