Der SKN St. Pölten erlebt seit dieser Saison hautnah, was der Aufstieg in die tipico Bundesliga bedeutet. Sportliche Leistungen sind dabei das Aushängeschild, doch... St.Pölten-GM Blumauer im Interview: „Profifußball braucht perfekt ausgebildete Manager“

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Der SKN St. Pölten erlebt seit dieser Saison hautnah, was der Aufstieg in die tipico Bundesliga bedeutet. Sportliche Leistungen sind dabei das Aushängeschild, doch der Verein muss sich auch auf wirtschaftlicher Ebene beweisen und auf solidem Fundament stehen. Nur so ist der langfristige Erfolg unter der starken Konkurrenz möglich – nicht unüblich in der Wirtschaft. Spätestens mit der Qualifikation zur Bundesliga hat die Wirtschaft den Sport eingeholt. Andreas Blumauer, General Manager des SKN St. Pölten, gibt ungewöhnliche Einblicke in die Welt des Fußballs aus der Sicht eines Managers.

Herr Blumauer, Sie haben vor zwei Jahren als General Manager beim SKN St. Pölten begonnen. Wie passt ihr beruflicher Werdegang vom ausgebildeten „Finanzmanager“ zum Job als Leiter eines Fußballvereins?

Meine berufliche Ausbildung passt so gar nicht zu einem Sportverein – auf den ersten Blick. Bei genauem Hinsehen ergibt sich allerdings ein rundes Bild, denn Fußball-Bundesligisten spielen auf professioneller Ebene und brauchen auch ein professionelles Management auf betriebswirtschaftlicher Ebene. Sport hat in meinem Leben und später auch in meinem Beruf eine große Rolle gespielt. Nach einigen Jahren als Geschäftsführer bei mittelständischen Unternehmen und als Finanzvorstand in einem börsennotierten Unternehmen war ich als „Head of Advisory“ bei einem der vier größten Unternehmensberater tätig. Über die Beratungsschiene bin ich zum Sportbusiness gekommen: Als CFO war ich Mitglied der Geschäftsleitung beim Projekt Spielberg, dem bekannten Red Bull-Ring und nebenberuflich Wirtschaftsbeirat beim LASK. Meine Hauptaufgabe war immer: Unternehmen und Projekte organisatorisch und wirtschaftlich weiterzuentwickeln, so auch beim SKN St. Pölten.

Sie sehen Parallelen zwischen dem Führen eines Unternehmens und dem Managen eines Sportvereins?

Für den Erfolg gelten in beiden Bereichen die gleichen Faktoren: eine Vision, motivierende Ziele, ein klares Konzept, ein eingespieltes Team und den Mut zu Entscheidungen. Seit dem Aufstieg des SKN St. Pölten in die tipico Bundesliga stehen wir nicht nur sportlichen Herausforderungen gegenüber, sondern auch wirtschaftlich und strukturell sind die Anforderungen durch die Lizenzierungsverfahren höher und werden immer professioneller. Ich sage ganz provokant: Fußball-Klubs konkurrieren um Spieler und Trainer, und abseits des Spielfeldes mit Großunternehmen um erfahrene Manager. Heute sind top ausgebildete Manager in Schlüsselpositionen nötig, in der Wirtschaft wie im Sport. Das zeigen auch die Ergebnisse einer Sportbusiness-Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management in Deutschland: qualifizierte Mitarbeiter sind heute die Voraussetzung für Wachstum im Sportbusiness.

Worin unterscheiden sich Sport und Wirtschaft aus Ihrer Sicht?

Im Sportbereich steht man mehr im öffentlichen Interesse, Fußball ist ein Tagesgeschäft und lebt von Emotionen und den Fans. Strategie und Kontinuität sind hier besonders gefragt, denn der Spielerkader muss finanzierbar sein. Es bringt nichts, Meister zu werden und ein Jahr darauf wieder abzusteigen, weil das Geld nicht reicht. Genauso wenig garantiert viel Geld den sportlichen Erfolg. Ich bin an der Spitze sowohl für den wirtschaftlichen als auch für den sportlichen Erfolg verantwortlich.

Welche Ziele haben Sie sich für den SKN gesetzt, als Sie diese Aufgabe übernommen haben?

Meine Hauptaufgabe sehe ich in der Weiterentwicklung vom Sportverein zum professionellen Unternehmen. Mir liegt das gesamte Projekt am Herzen, für das ich mit meinem Team die unternehmerischen Rahmenbedingungen schaffe, bei denen sich der sportliche Erfolg entfalten kann. Wir sind seit heuer das erste Mal in der Vereinsgeschichte schuldenfrei – das wollen wir jedenfalls auch bleiben. Ziel ist es so zu wirtschaften, dass wir uns beim Budget und somit auch sportlich laufend weiterentwickeln – auf einer gesunden Basis. Das Ganze ist für mich mehr als die Summe seiner Einzelteile: denn auch die regionale Nachwuchsförderung und soziale Projekte gehören zum Erfolg des SKN St. Pölten.

Der sportliche Erfolg ist beim SKN St. Pölten ein Jahr früher gekommen als geplant.

Aus diesem natürlich sehr positiven Grund haben wir auch die Strategie rund um das sportliche Ziel schneller als geplant umsetzen müssen. Ich spreche hier von neuer Organisation, Adaptierungen der Infrastruktur und so weiter. Mit einem Augenzwinkern muss ich sagen, dass uns der sportliche Erfolg einen großen Stress im heurigen Sommer verursacht hat.

Was ist das besondere an der neuen Vereinsstruktur, für die Sie sogar einen internationalen Marketingpreis gewonnen haben?

Wir haben ein extrem innovatives Geschäftsmodell entwickelt, das über allgemeine Fußballwerte hinausgeht: das „Value Co-Creating Modell“, und wurden dafür mit dem internationalen Marketingpreis „Global Brand Excellence and Leadership Award“ in der Kategorie „Innovative Sportbrand“ belohnt. Und hier darf ich schon mit Stolz dazu sagen, dass wir bei diesem Wettbewerb mit großen Firmen wie Coca Cola in Konkurrenz standen. Unsere neue Vereinsstruktur bietet Unternehmen, Sport-Experten und Managern die Möglichkeit als strategische Partner neben den finanziellen Mitteln zusätzlich ihr Marken-Knowhow, ihr Netzwerk und ihre Leidenschaft für Fußball einzubringen. Wir wollen das intensive Fußballerlebnis als Katalysator für die Wirtschaft nutzen und mit der intensiven Markenpartner-Beziehung das verbindende und emotionale Fußballerlebnis auch den Fans näher bringen.

Kam es für Sie jemals in Frage, den Verein oder Teile des Vereins an Investoren zu verkaufen?

Das ist nicht unsere Vorstellung von Fußball. Wir wollen ein breit aufgestellter Verein „von und für die Niederösterreicher“ sein, der mit seinen bisher 14 strategischen Partnern in der Region fest verwurzelt ist und gleichzeitig auch raus in die Welt geht. Unter dem Motto UNSER FUSSBALL VERBINDET ist es momentan unser Ziel, mit internationalen Vereinen Partnerschaften einzugehen, um sportliche Synergien zu nutzen und so internationale Sponsoren auf uns aufmerksam zu machen. Wir wollen Mehrwert schaffen, von dem alle Beteiligten profitieren: die Gesellschaft, die Wirtschaft, die Fans und nicht zuletzt die Sportler.

Der Business Club ist einer der erfolgreichsten im österreichischen Sportgeschehen. Was sind die besonderen Vorzüge?

Das überzeugendste Argument ist das intensive Fußballerlebnis, das die Besucher in der NV-Arena und der HypoNOE-Lounge mit dem in Österreich einzigartigen ARENAtainment erfahren. Dadurch wird Fußball-Schauen live in unserem Stadion zu einem echten Event. Darüber hinaus haben wir in der meist ausverkauften Lounge sehr interessante Gäste und Partner aus Wirtschaft, Sport, Society und Politik, die sich auf unserer Plattform vernetzen. Das ausgezeichnete Catering trägt dazu bei, dass sich die Zuschauer wohlfühlen. Die Räumlichkeiten werden aber auch sehr gerne außerhalb der Spieltage dazu genützt, um Firmenveranstaltungen abzuhalten. Auch hier schaffen wir wieder eine gelungene Verbindung zwischen Wirtschaft und Sport, bei der es neben dem Erfolg vor allem um die Menschen geht.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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