Der FC Wacker Innsbruck hat viele Probleme.  Doch diese Probleme werden zwar immer wieder kurz öffentlich diskutiert, doch genauer damit beschäftigen wollen sich die... Stadion, Trainingsbedingungen, „Akademie“ – die großen, langfristigen Probleme des FC Wacker Innsbruck

FC Wacker Innsbruck (Logo, Wappen)Der FC Wacker Innsbruck hat viele Probleme.  Doch diese Probleme werden zwar immer wieder kurz öffentlich diskutiert, doch genauer damit beschäftigen wollen sich die Medien in Innsbruck bzw. Tirol nicht. Es gibt nicht nur vereinsinterne Probleme, sondern auch vereinsexterne. In diesem Artikel werden wir uns den infrastrukturellen Problemen widmen.

Keine Rechte am Tivoli

Der FC Wacker Innsbruck spielt, wie jedem hinlänglich bekannt ist, im Tivoli Stadion, welches im Jahre 2002 neu eröffnet wurde. Im Gegensatz zu anderen Bundesligavereinen, beispielweise dem SK Rapid Wien, hat der Verein jedoch absolut keine Rechte an diesem Stadion. Dies betrifft nicht nur die Namensrechte des Stadions, sondern auch, alles was im Stadion getan wird. Die Rasenheizung rechtzeitig einschalten, um eine Spielabsage zu verhindern? Wird seitens der Olympiaworld, welche die Überorganisation aller in Unweite des Stadions befindlicher Sporteinrichtungen ist, gemacht. Auch die Rasenpflege wird seitens der Olympiaworld organisiert.

Horrende Mietkosten

Ein weiteres Problem, das man zwar kennt, aber nie ausführlich diskutiert, ist, dass es für den Verein keine genaue Abrechnung der Betriebskosten gibt. Es wird ein Gesamtbetrag verlangt, eine genaue Aufstellung der Liste wird jedoch nicht vorgelegt. Wer glaubt, dass dies kleinere Probleme sind, der kennt die Mietkosten für das Spielfeld des FC Wacker Innsbruck noch nicht: Sagenhafte 92.000€ wird für die Benützung des Spielfeldes verlangt. Dafür, dass der Rasen bisher nur einmal getauscht und ein zweites Mal „geflickt“ wurde, eine beachtliche Summe. Ein „Schmankerl“ oben drauf: Die Rasenheizung musste bis vor kurzem extra bezahlt werden -weil man bei der Errichtung nicht allzu langfristig dachte und eine Verbindung mit der Kühlung für die gegenüberliegende Eishalle als zu teuer abgetan hatte. Wie sich jetzt herausstellt, ein Fehler. Die unterschiedliche Behandlung der einzelnen Vereine und somit unterschiedliche Verrechnung von Kosten, wird hier außen vorgelassen. Auch ein Bericht des Landesrechnungshofes aus dem Jahr 2009, der besagt, dass man nur Miete zur Deckung der wirklich entstehenden Kosten verrechnen sollte, wird seit Jahren ignoriert.

„Kalte Würst und totes Bier“

Ein weiteres Problem ist das Catering im Stadion. Dies haben auch die Fanklubs der Nordtribüne in einer Flyeraktion und einem Spruchband, auf dem „Kalte Würst‘ & totes Bier – das Catering g‘head weg von hier“ geschrieben stand, beim Spiel gegen Red Bull Salzburg kundgetan. Dieses Problem ist in Innsbruck eigentlich seit Bestehen des Stadions ein bekannt. Die Betreiber des Caterings, die Olympiaworld, scheint dies jedoch nicht zu interessieren, macht man doch weiterhin jährlich an die 200.000€ Umsatz mit den Besuchern des FC Wacker Innsbruck. Die Zahlen sind dem Landesrechnungshofberichtes aus dem Jahre 2007 entnommen.

Toiletten vergessen

Zwar vertreten fachkundige Leute die Meinung, dass das Catering ein Minusgeschäft ist, aufgrund der schlechten Infrastruktur in den Stadionkiosken. Bei einer professionalen Umsetzung könnte man  durch den Posten „Catering“ durchaus den einen oder anderen Euro hereinholen, welcher natürlich in andere Bereiche des Vereines gesteckt werden kann. Ein weiteres Problem des Vereines im Stadion ist, dass es einerseits zu wenige Kioske an der Ostseite gibt bzw. durch Fehlplanung des gesamten Stadions, sich die Auswärtsfans direkt hinter dem Tor befinden und nicht, wie geplant in der Südost-Ecke. Der Grund ist ein banaler: Man hat schlicht darauf vergessen Toiletten für die Gästefans zu bauen.  Deshalb ist bei Spielen gegen Klubs, die sehr viele Fans mitbringen, ein Großteil der Südtribüne nicht belegbar. Die „moderne“ Idee die Südtribüne als Kindersektor zu nutzen, scheint somit als undurchführbar. Kosten von über einer Million Euro und kein einziges Recht. Und es krankt auch noch in anderen Bereichen.

Miserable Trainingsbedingungen

Das zweite Problem, das den FC Wacker Innsbruck beschäftigt, ist die mangelhafte Trainingsinfrastruktur. Es gibt zwar für die kalte Jahreszeit einen Kunstrasenplatz neben dem Stadion, doch da der Strafraum ca. 70% einer Spielhälfte beansprucht, ist zu hinterfragen, inwiefern ein professionelles Training überhaupt möglich ist. Dass daher für das eine oder andere Training ausgewichen wird, ist nachvollziehbar. Ab und zu muss der Kunstrasenplatz von den Spielern selbst geräumt werden – auch eine Sache, die der Olympiaworld obliegen sollte. Neben dem verunglückten Kunstrasenplatz gibt es noch einen Naturrasenplatz, der jeweils für das Training der Herrenteams zur Verfügung steht und durch die häufige Benützung mittlerweile nicht mehr gut bespielbar ist. Hinzu kommt, dass auf diesem Platz auch die beiden Damenteams trainieren und zumindest die erste Mannschaft der beiden Damenteams auf diesem Platz spielt.  Für den Nachwuchs bleibt der Kunstrasenplatz für das Training übrig. Vor über 10 Jahren versprach man seitens der Politik, dass zusätzliche Plätze hinter der Südtribüne geschaffen werden, letztes Jahr wurde knapp vor den Wahlen der Grundstückkauf beschlossen. Die Hoffnung, dass man im Jahre 2022 die neuen Sportplätze, inklusive angedachter Trainingsmöglichkeit für die American Football Teams, eingeweiht werden, ist zumindest vorhanden. Summa summarum: In Sachen Trainingsbedingungen befindet man sich auf dem Niveau eines Landesligisten.

Die „Akademie“ und deren Output als weiteres Problem

Für Vereine, wie den FC Wacker Innsbruck und all den anderen kleineren Vereinen der Bundesliga, ist es wichtig, gute Nachwuchsarbeit zu leisten, sei es um Transfers zu forcieren oder die Spieler für den eigenen Verein aufzubauen. Auch in diesem Bereich hat Wacker Innsbruck Probleme. Lange Zeit durfte man keine eigene Nachwuchsschiene über den U13-Nachwuchs hinaus führen und nun versucht man diesen wieder abzuschaffen. Dies ist im Zusammenhang mit einem „Rettungspaket“ seitens der Stadt Innsbruck und des Landes Tirol zu verstehen. Und dann wäre da noch die „Akademie“. Die Anführungszeichen haben den Grund, dass ein Kunstrasenplatz inklusive Umkleidungskabine nicht den Namen „Akademie“ verdient hat. Verträge mit den Sportanlagen der Universität Innsbruck ermöglichen jedoch den Status der Akademie.

Was übrig bleibt ist das Nachwuchs-Mittelmaß

Weitere Probleme, die sich daraus ergeben, dass die „Akademie“ seitens des Tiroler Fußballverbands geführt wird: Die besten Spieler landen nicht beim FC Wacker Innsbruck, sondern werden bereitwillig an den Höchstbieter verkauft. Da der FC Wacker Innsbruck mit einem Kleinstbudget auskommen muss, ist ein Mitbieten unmöglich. Die Performance der verschiedenen Jahrgänge lässt außerdem zu wünschen übrig. In manchen Jahrgängen bezieht man sogar immer wieder Niederlagen gegen Jüngere, die schon einen Jahrgang höher spielen. Hört man die Forderung seitens des Landes nach einem „Tiroler Weg“, so muss sich der interessierte und informierte Fußballfan bzw. FC Wacker Innsbruck Fan durchaus „veräppelt“ vorkommen.  Die bittere Realität ist, dass die Spieler, die von der Akademie zur zweiten Mannschaft des FC Wacker Innsbruck wechseln, nicht mehr als das Mittelmaß des Jahrganges waren. Nicht umsonst ist einem Artikel der Tiroler Tageszeitung zu entnehmen, dass sich die beiden Regionalligavereine Kufstein und Wattens bei den nördlichen Nachbarn nach geeigneten Jungspielern umschauen.

Zusammenfassend…

Der FC Wacker Innsbruck ist, das kann ohne Umschweife festgestellt werden, weit entfernt von professionellen Rahmenbedingungen, welche einen sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg des Vereines sicherstellen könnten. Alleine eine Verbesserung der Rahmenbedingungen rund um die Akademie würde schon einen großen Nutzen für den FC Wacker Innsbruck mit sich bringen. Damit einhergehend müsste jedoch auch eine Errichtung einer wirklichen Akademie stattfinden und die sportlichen Kriterien sind zu erhöhen. Desweiteren würden auch reduzierte Stadionkosten und mehr Rechte für den FC Wacker Innsbruck einen Schritt aus der perspektivischen Misere bedeuten. Zum Schluss noch verbesserte Trainingsbedingungen, einen wirklichen Kunstrasenplatz in Stadionnähe und mehrere Naturrasenplätzen, damit man einerseits im Winter besser trainieren, anderseits die Belastung für den aktuell einzigen Naturrasenplatz beim Stadion möglichst gering gehalten werden kann.

Weitere Schuldfaktoren

Natürlich sind die beschriebenen „vereinsexternen“ Probleme nicht die einzigen des FC Wacker Innsbruck. Schuld an der aktuellen Situation liegen natürlich auch beim Vorstand, der diese Schuld auf andere Faktoren abschieben möchte. Desweiteren sind auch die Fans und insbesondere die Mitglieder zu hinterfragen, da diese Situation schon seit längerem besteht und kaum eine Öffentlichkeit von diesen geschaffen wurde. Wie sehr man „Themenbildner“ werden kann, haben die Spruchbänder und die Flyeraktion im Rahmen des Spieles gegen Red Bull Salzburg gezeigt.

Alexander Riedling, abseits.at

Alexander Riedling

  • nord_anno1999

    8.September.2013 #1 Author

    Danke für diesen Artikel 🙂

    Zum letzten Absatz bezüglich der Mitglieder muss man aber schon noch sagen, dass hier eine Verbindung zum ersten Satz des Artikels besteht:

    „Der FC Wacker Innsbruck hat viele Probleme. Doch diese Probleme werden zwar immer wieder kurz öffentlich diskutiert, doch genauer damit beschäftigen wollen sich die Medien in Innsbruck bzw. Tirol nicht.“

    Es gibt genügend Mitglieder die immer wieder versuchen diese Themen in den Vordergrund zu rücken, es wird aber von den Politikhörigen Medien schlicht untergraben oder nur kurz darauf eingegangen und das wars dann.

    Was im Artikel zu wenig behandelt wird ist die Tatsache, dass die Olympiaworld und der Versorgungspostenhocker Bielowski direkt der Landes- und Stadtpolitik untergeben ist. Für die Politik wäre es ein leichtes die Bedingungen zu ändern…aber man will den FCW nicht in eine Selbstständigkeit entlassen…man braucht ihn ja um sich alle paar Jahre mit der Vereinsrettung zu brüsten.

    Aufgrund der Politik hat man auch schon hochdotierte Sponsorverträge sausen lassen müssen.
    So hat man z.B. als Medienpartner die TT nehmen MÜSSEN, obwohl das Angebot der Kronenzeitung viel höher war.
    Einmal hätte man Erdinger als Sponsor an Bord holen können, musste deren gewaltiges Angebot aber ebenfalls aufgrund Politischer Vorgaben ablehnen.

    Und bei der Rettung kommt man dann daher und sagt:…“Der FCW muss sich Sponsoren suchen, die Politik kann nicht immer den Retter spielen“.
    Gewaltig wie die Tatsachen medial immer verdreht werden und der FCW wieder als Buhmann des Landes da steht.

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