Sturm Graz gewann gegen Tabellenschlusslicht Wacker Innsbruck mit 3:2. Das Ergebnis ist hierbei knapper als der Spielverlauf, obwohl die Innsbrucker an sich keinen schlechten... Sturm bezwingt Wacker Innsbruck mit 3:2 – „typisch österreichische“ Probleme entschieden das Spiel

Jürgen Säumel (SK Sturm Graz)Sturm Graz gewann gegen Tabellenschlusslicht Wacker Innsbruck mit 3:2. Das Ergebnis ist hierbei knapper als der Spielverlauf, obwohl die Innsbrucker an sich keinen schlechten Matchplan hatten. Jedoch fehlt es dem FC Wacker vorrangig an individualtaktischen Fähigkeiten und der richtigen gruppentaktischen Anwendung, um die Ideen umzusetzen. Diese Fehler sehen wir uns in dieser Analyse etwas genauer an.

Eine problematische Staffelung

Der Begriff „Staffelung“ bedeutet in der Fußballtaktik wie die Positionierung der Spieler zueinander in der Vertikale (Breitenstaffelung) oder in der Horizontale (Tiefenstaffelung). Bei den Innsbruckern war es insbesondere die Tiefenstaffelung, die sich in dieser Partie problematisch zeigte. Besonders dann, wenn sie versuchten etwas höher zu agieren.

Staffelung

Wie im Bild zu sehen steht die Viererkette enorm breit auseinander, der Sechser ist alleine als Absicherung davor, aber es wird nur passiv Druck auf den Ballführenden ausgeübt. Der Faktor Druck ist hierbei mitentscheidend. Unter Druck kann eine schwache Staffelung nicht effektiv ausgenutzt werden, in diesem Fall konnte aber Tobias Kainz einen langen Pass in den Raum spielen. Mit einem eingerückten Außenverteidiger oder einem tieferen Sechser hätten sich die Innenverteidiger besser positionieren können – sie hätten mehr Breite abgedeckt, aber gleichzeitig wären die Schnittstellen dank eines zusätzlichen Spielers geringer gewesen.

Auf diese Art und Weise hatten sie aber nichts von all dem – der Sechser stand im Raum, hätte vermutlich den in die Tiefe startenden Schloffer abdecken sollen, tat es aber nicht. Dieser konnte dann in den Raum starten und hinter die Innenverteidiger kommen.

Ein problematisches individualtaktisches Verhalten

Als Schloffer den Ball erhielt, befand er sich zwischen zwei Akteuren. Er war alleine, ohne wirkliche Unterstützung seiner Mitspieler und hinter ihm befand sich auch noch einer der Sechser der Innsbrucker. Wie konnte er dennoch zu einem gefährlichen Abschluss kommen? Es war ein Fehlverhalten der Innenverteidiger; sowohl individuell als auch taktisch.

Fehlverhalten

Der Verteidiger, der von außen kommt, geht Richtung Ball. Das wäre eigentlich nur die richtige Wahl, wenn Schloffer seine Geschwindigkeit erhöht hätte und/oder es eine Eins-gegen-Eins-Situation wäre. Hier sind sie aber zu zweit! Der ballferne Innenverteidiger hätte Schloffer im Idealfall physisch bedrängt und ihn dadurch unter Druck gesetzt. Für einen Abschluss war er noch zu weit weg, unter Bedrängnis hätte er schwerlich einen präzisen und gleichzeitig harten Schuss anbringen können. Der zweite Innenverteidiger hätte das Gleiche machen sollen und zu zweit wäre Schloffer eingekreist gewesen.

Doch der äußere Verteidiger geht zu schnell in Richtung Ball. Schloffers Auswärtshaken lässt nicht nur ihn aussteigen, sondern auch den anderen Verteidiger. Anstatt in eine Eins-gegen-Zwei-Situation zu kommen, kann Schloffer nun abschließen.

Auch abgesehen davon gab es viele individuelle Fehler – dabei waren auch die Grazer nicht vor Slapstickeinlagen gefeit. Der folgenschwerste Fehler bzw. die schwerwiegendste Fehlerkette gab es aber beim 1:0 für Sturm.

individfehler

Der Innsbrucker Verteidiger schlägt hier ein Luftloch, danach ergibt sich eine Flipperpartie, mit dem glücklicheren Ende für die Grazer.

Ansonsten muss – wieder einmal – das Umschaltverhalten kritisiert werden. Wie üblich im österreichischen Fußball, und aktuell scheint nur die Austria davon ausgenommen zu sein, mangelt es an der nötigen Dynamik im Spiel nach hinten nach Ballverlusten. Gegenpressing wird selten praktiziert, eine schnelle Rückkehr auf die Position aber auch nicht bedeutend öfter.

Beim zweiten Tor von Säumel konnte Sturm sich auf der Seite wegen mangelndem Druck trotz vieler umgebender Spieler herauskombinieren. In der Mitte erhielt Säumel den Ball und konnte problemlos Anlauf nehmen. Bis er gestört wurde, hatte er schon abgeschlossen und sorgte für seinen zweiten Treffer in dieser Partie.

Säumel Tor

Sonst noch?

Alles in allem war es also eine Partie mit passablen taktischen Ideen, aber einer schwachen praktischen Umsetzung. Sturm rückte sehr weit nach vorne auf, agierte offensiv und war in der ersten Spielhälfte klar besser. Nach der Halbzeit kippte das Spiel dann zugunsten der Innsbrucker, welche immerhin auf vier Torschüsse kamen. Zwei davon landeten sogar im Tor, eines davon war ein Geniestreich Wallners in Unterzahl.

Abgesehen davon war es aber eine schwache Partie. Sturm verteidigte im 4-4-2, nutzte vorne Rubin Okotie und David Schloffer um beweglich zu sein. Florian Kainz versuchte sich immer wieder zentral zu positionieren und dort das klassische 4-4-2-Loch mit den Stürmern zu stopfen. Dieses Loch, welches bereits in der Analyse zur Partie Red Bull Salzburgs geschildert wird, kam selten zum Tragen.

Verantwortlich dafür waren auch die hoch aufrückenden Sechser bei Sturm. Sowohl Madl als auch Säumel gingen immer wieder mit in die Spitze, suchten ihre Mitspieler und boten sich als Anspielstationen an. Dieses wiederkehrende Muster dürfte auch spielentscheidend gewesen sein, nicht zufällig traf Säumel zwei Mal nach mehrjähriger Tor-Abstinenz.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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