Im Spitzenspiel der 16. Runde der tipico Bundesliga empfängt der SK Sturm Graz in der UPC-Arena Red Bull Salzburg. Die Steirer konnten schon das...

Franco FodaIm Spitzenspiel der 16. Runde der tipico Bundesliga empfängt der SK Sturm Graz in der UPC-Arena Red Bull Salzburg. Die Steirer konnten schon das Hinspiel in Wals-Siezenheim für sich entscheiden und zählen zu den formstärksten Teams der Liga. Unter Franco Foda holten sie zehn von 15 möglichen Punkten. Hält der Aufschwung auch gegen den Tabellenführer an?

Die Vorzeichen vor dem überraschenden 3:2-Auswärtssieg der Grazer am siebten Spieltag waren deutlich anders als sie vor dem Duell am Sonntag stehen. Während Red Bull Salzburg regelrecht durch die Liga marschierte – sechs Spiele, sechs Siege, Torverhältnis 29:1 – musste sich Sturm nach einen verpatzten Start erst finden. Mittlerweile ist der Anschluss an die Europacupplätze geschafft und mit einem Sieg könnte man in diese reinkommen.

Foda mit ähnlicher Taktik wie in Meistersaison

Mit Foda haben die Blackies zudem einen neuen Trainer auf der Bank. Der Meistermacher von 2011 trat die Nachfolge von Darko Milanic an und festigte zunächst die Defensive. Milanic gab zwar an, offensiv spielen zu wollen, letztlich war das Spiel unter dem Slowenen jedoch weder Fisch, noch Fleisch. Beim Versuch, den Spagat zwischen defensiver Stabilität und offensivem Hurra-Fußball zu schaffen, sah man bei den Grazern kaum saubere taktische Abläufe. Die individuellen Fehler an sich waren nicht schlimmer als jene, die anderswo passierten, sie wirkten sich aufgrund der fehlenden Absicherungsmechanismen aber gravierend aus.

Unterm Strich standen in der ersten Milanic-Saison 55 Gegentore (1,53 pro Spiel). In den ersten elf Partien der laufenden Spielzeit wurde dieser Schnitt sogar noch etwas schlechter (1,55 Gegentore pro Spiel). Unter Foda sind es aktuell 0,6 Gegentore pro Spiel. Als der Deutsche den Verein 2012 verließ, waren nicht wenige Fans unglücklich, da die Spiele unter ihm kaum ein offensives Spektakel waren. In der Meistersaison gelangen Sturm zwar 66 Tore, im Jahr darauf waren es jedoch nur mehr 38 – eine Folge dessen, dass sie ihr Konterspiel aufgrund des veränderten Standings nicht mehr durchziehen konnten.

Mittelfeldpressing ohne Unterstützung der Offensivspieler

Aktuell muss Sturm vor allem die Spiele gegen die anderen „Big-4-Klubs“ nicht mehr machen, was der Taktik von Foda in die Karten spielt. Man sah das zum Beispiel beim 3:0-Sieg in der Generali Arena, wo die Wiener Austria nach Strich und Faden ausgekontert wurde. Auch beim letzten Bundesligaspiel in Wolfsberg stellten die Grazer mit einem Kontertor die Weichen auf Sieg. Dabei sah man die wichtigsten Abläufe.

Sturm steht hier in zwei Blöcken – einerseits die Viererkette plus die beiden Sechser und andererseits die Flügelspieler und Stürmer. Dass die Offensivspieler kaum Rückwärtspressing betreiben, ist ein zweischneidiges Schwert. Wie man im obigen Bild sieht, sorgt dieses Verhalten dafür, dass die Viererkette des Gegners hinten gebunden wird. Zudem erreichen die Grazer aus formativen Gründen – sie spielen im Wesentlichen in einer 4-4-1-1-Grundordnung – eine Gleichzahlsituation. Die Abläufe im offensiven Umschaltspiel der Grazer sind sehr gut und so ist die Wahrscheinlichkeit für eine gute Torchance enorm hoch.

Wie viel Platz lässt Salzburg im Zentrum?

Andererseits bringt diese riskante Ausrichtung dann Probleme mit sich, wenn der Gegner ein gutes defensives Umschaltspiel hat – wie es eben bei Red Bull Salzburg der Fall ist. Die Aufteilung der Grazer ist zwar nicht immer so krass wie im obigen Beispiel – meist steht der ballnahe Flügelspieler tiefer und unterstützt die Defensive – aufgrund des kompakten Zentrums der Bullen wird diese Zone aber wohl zum entscheidenden Punkt beim kommenden Duell.

Die Wolfsberger waren aus dieser Sicht, ebenso wie die Austria, ein sehr dankbarer Gegner. Der WAC ist nämlich selbst eine Mannschaft, bei der die Viererkette im Allgemeinen tief steht und sich nach Ballverlusten eher zurückzieht als ins Gegenpressing zu gehen. Die Veilchen ermöglichten Sturm die Konter aufgrund einer geringen Zentrumskompaktheit und einer schlechten Staffelung im Aufbau. Red Bull Salzburg spielt seit einigen Wochen jedoch in einer 4-3-1-2-Ordnung, bei der man noch mehr Zugriff im Zentrum entwickeln kann. Dass Sturm sich nach Ballverlusten eher konservativ verhält, könnte ein weiterer Kernpunkt werden.

Hier sieht man eine Beispielszene aus dem letzten Spiel gegen Salzburg. Die Viererkette zieht sich zurück, anstatt nach vorne zu pressen. Die Folge: Die Salzburger bekommen viel Platz im Zwischenlinienraum und könnten eine gefährliche Aktion einleiten. Pikanterweise ist dies aber die Ausgangslage für das zwischenzeitliche 2:0, da sich Kevin Kampl in dieser Szene eine unsaubere Ballannahme leistet. Sturm erobert den Ball und Marko Stankovic, der hier so hoch steht, dass er nicht mal im Bild zu sehen ist, schließt den Angriff ab.

Letztlich war dies also eine Aktion, die auf den ersten Blick durchaus gut gespielt aussah, jedoch auf sehr wackligen Beinen stand. Auf regelmäßige technische Fehler von einem der technisch besten Bundesligaspieler sollte der eigene Matchplan nämlich nicht ausgerichtet werden, wenn man einen langfristigen Erfolg anstrebt.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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