Der SK Sturm Graz verpflichtete mit dem gebürtigen Serben Aleksandar Todorovski einen interessanten Legionär für die rechte Abwehrseite. Interessant ist der 29-Jährige unter anderem... Sturms Neuer Aleksandar Todorovski – einst bieder, doch mit versteckten Reserven

Sturm Graz FansDer SK Sturm Graz verpflichtete mit dem gebürtigen Serben Aleksandar Todorovski einen interessanten Legionär für die rechte Abwehrseite. Interessant ist der 29-Jährige unter anderem deshalb, weil er speziell in der vergangenen Saison seine Art Fußball zu spielen relativ markant änderte bzw. durch die Spielidee seines Ex-Klubs Polonia Warschau dazu gezwungen wurde. Klar ist aber auch, dass Todorovski eine dieser Neuverpflichtungen ist, die „sofort“ funktionieren müssen.

Name: Aleksandar Todorovski
Geburtsort: Kraljevo (Serbien)
Nationalität: Mazedonisch (früher auch für Serbien spielberechtigt)
Geburtsdatum: 26.2.1984
Alter: 29
Position: Rechter Verteidiger
Größe: 181cm
Gewicht: 73kg
Aktueller Verein: SK Sturm Graz
Bisherige Vereine: Polonia Warschau, Rad Belgrad, AEL Limassol, Digenis Morphou, APOEL Nikosia, Radnicki Belgrad

Todorovskis Mutter ist Serbin, sein Vater Mazedonier. Die Sturm-Verpflichtung hält beide Staatsbürgerschaften, spielte auf Nachwuchs-Level für Juniorenauswahlen von Serbien & Montenegro, entschied sich dann aber für das mazedonische Nationalteam. Todorovski ist einer, den man nicht leicht aus der Ruhe bringt. Dafür aber viel mehr ein fokussierter Kämpfer und eher ein Mensch, der einen ruhigeren Lebensstil bevorzugt.

Anfänge in Todorovskis Karriere

Die Karriere des Rechtsverteidigers begann beim FK Radnicki Belgrad. Im Alter von 18 Jahren konnte sich Todorovski in der Kampfmannschaft des Klubs aus Novi Beograd etablieren. Damals spielte Radnicki in der zweiten Liga Serbiens. Schon in seiner ersten Saison brachte es Todorovski auf 23 Einsätze (1 Tor), im zweiten Jahr (2003/04) auf weitere 16 Spiele. Todorovski galt zu dieser Zeit – und auch bis vor kurzem – als rechter Verteidiger alter Schule. Man wusste, was man bekommt und setzte ihn auf keiner anderen Position ein. 2004 gelang Radnicki der Aufstieg in die erste Liga von Serbien & Montenegro.

Zu defensiv für APOEL

In der höchsten Spielklasse Serbiens war Todorovski nur noch zweite Wahl. Auch wenn er zu dieser Zeit im U19-Nationalteam Serbiens spielte, konnte er sich als sehr geradliniger, offensiv verhaltener Außenverteidiger nicht in der „Ersten“ festspielen. Unterm Strich standen zehn Ligaeinsätze in der Spielzeit 2004/05 und ein interessantes Angebot aus Zypern im Sommer. Der 21-jährige Todorovski wechselte zu APOEL Nikosia, das zu dieser Zeit – fast traditionsgemäß – einen enorm großen Kader besaß. Außerdem war APOEL damals keine minimalistische Truppe wie in späteren Jahren, sondern legte größten Wert auf Offensive. Todorovski fand als Spieler, dessen Stärken klar im Defensivbereich lagen nicht in die Mannschaft und spielte nur vier Ligaspiele für die Elf aus Nikosia.

Abstieg mit Digenis Morphou

Anders verhielt sich das ein Jahr später: Bei APOEL aussortiert, ging Todorovski zu Digenis Morphou. In der nordzyprischen Stadt war klar, dass man 2006/07 gegen den Abstieg spielen würde und legte in der Spielanlage größeren Wert auf gesicherte Defensive als Titelaspirant APOEL. Todorovski war gesetzt, spielte 25 Partien für Digenis, sah dabei auch die einzige rote Karte seiner Karriere. Trotz verkraftbarer 41 Gegentreffer in 26 Ligaspielen stieg Digenis ab und kam danach auch nicht in die erste Spielklasse Zyperns zurück. Die über die Saison erzielten 23 Treffer waren schlichtweg zu wenig. Todorovski war in der Abstiegssaison aber einer der Spieler, die in den Fankritiken gut weg kamen. Er überzeugte mit Kampfgeist, defensiver Sicherheit und guter Einstellung.

AEL Limassol zog den Routinier vor

Somit war klar, dass der Mazedonier auch 2007/08 einen Platz in der ersten Spielklasse haben würde. Er wurde von AEL Limassol unter Vertrag genommen, das sich später knapp vor dem Abstieg retten sollte. Todorovski nahm die Rolle eines Ergänzungsspielers ein. Unterm Strich standen nur 14 Ligaeinsätze, weil man auf den routinierteren Serben Predrag Ocokoljic als Rechtsverteidiger setzte, der zuvor drei Jahre in Frankreich spielte. Todorovski spielte stets brav, hatte aber offensiv keine spielerischen Mittel, um große Werbung für sich zu machen. Defensiv zeigte er sich gewohnt solide, nach vorne machte er aber viel zu wenig. Der gebürtige Serbe war als biederer Außenverteidiger zu bezeichnen.

Zurück nach Serbien – zu Aufsteiger Rad

Im Sommer 2008 war das Zypern-Abenteuer Todorovskis nach drei Jahren beendet. Es ging zurück in seine Heimat, nach Serbien, wo Rad Belgrad in der Vorsaison den Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse schaffte. Mit einem sehr jungen Kader ging man in eine ungewisse Saison. Todorovski war mit 24 Jahren und seinen Erfahrungen aus Zypern noch einer der routinierteren Spieler. Nur sechs Kaderspieler waren älter als die Sturm-Neuverpflichtung. Auch wenn die Saison schleppend und wenig glamourös verlief, absolvierte er 20 Ligaspiele und spulte sein übliches Programm in der rechten Verteidigung ab.

Stammspieler bei Rad, erste Einsätze im mazedonischen Team

In den nächsten beiden Saisonen festigte sich Todorovski und rief nach einem kleinen Hin und Her im Jahr 2009 bei der FIFA an, um sich für das mazedonische Nationalteam zu deklarieren – dem wurde stattgegeben. 2009/10 spielte er zudem seine beste Profisaison und reifte zu einer Stütze bei Rad. Er spielte in 28 der 30 Ligaspiele und präsentierte sich defensiv enorm sicher, was ihm sein erstes Länderspiel für Mazedonien gegen Montenegro im März 2010 einbrachte. Nach vorne machte Todorovski weiterhin nicht besonders viel, was aber auch der veralteten Spielanlage von Rad geschuldet ist.

Chaotischer Transfer nach Polen

Die Saison 2010/11 ließ für Todorovski eine Achterbahnfahrt der Gefühle beginnen. In der ersten Saisonhälfte war er weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft von Rad Belgrad. Doch im Winter 2010 trudelte ein lukratives Angebot aus Polen ein. Der damalige Präsident von Polonia Warschau, Józef Wojciechowski, wollte Todorovski von Rad Belgrad loseisen, ohne zuvor eine Gesprächserlaubnis der Belgrader einzuholen. Die Verantwortlichen von Rad reagierten patzig: Weil klar war, dass Todorovski im Sommer nach Polen wechseln würde, verbannte man den Mazedonier in die Reserveelf, wo er sechs Monaten verbrachte – als aktueller Teamspieler.

Exzentrischer Präsident mit hohen Erwartungen

Da Todorovski in den zwei Saisonen zuvor wesentlich stabiler wurde, waren die Erwartungen in ihn hoch. Zudem soll der damals 27-Jährige einer der Bestverdiener bei Polonia gewesen sein. Todorovski suchte sich aber keinen einfachen Verein aus: Der Präsident hatte selbst bei den Mannschaftsaufstellungen seine Finger im Spiel. Die Kicker hängten sich nach dem Aufstehen zuerst ins Internet, um zu erfahren, was über Nacht bei ihrem Klub passierte. Schließlich war Wojciechowski dafür bekannt, dass er seine Spieler schon mal „über die Medien“ feuern lässt.

Erst neuer Trainer brachte Stabilität

Im ersten halben Jahr bei Polonia Warschau war ein schöner Freistoßtreffer bei der 1:3-Cupniederlage gegen Arka Gdynia der einzige Lichtblick. Ansonsten blieb Todorovski klar unter den Erwartungen und spielte sein defensiv solides, offensiv aber mutloses Spiel, mit dem der Vereinspräsident ganz und gar nicht einverstanden war. Öffentliche Kritik am Mazedonier war die Folge. Doch die Situation verschlimmerte sich noch weiter: Nachdem lange Zeit nicht klar, wie es mit dem krisengeschüttelten Polonia weitergehen soll (auch Insolvenz und der Abstieg in die vierte Liga standen im Raum), gab es einen Machtwechsel. Ireneusz Król kaufte den Klub und wollte in einer seiner ersten Amtshandlungen ausmisten. Als teurer Legionär stand Todorovski ganz oben auf der Liste der „Ziele“. Doch der neue Trainer Piotr Stokowiec hatte etwas dagegen und betonte, mit Todorovski arbeiten zu wollen.

Stokowiec erleichterte Todorovski das Offensivspiel

Die Konkurrenzsituation in der rechten Verteidigung sorgte schließlich in der Saison 2012/13 dafür, dass sich Todorovskis allgemeine Spielanlage änderte. Stokowiec war diesbezüglich ein wichtiger Mosaikstein für Todorovskis Karriere. So kam etwa der spanische Rechtsverteidiger José Isidoro Gomez mit Vorschusslorbeeren von Betis Sevilla. Mit Jakub Tosik musste immerhin ein 2-facher polnischer Teamspieler für ihn Platz machen und wurde in die Ukraine verkauft. Auch der routinierte Marcin Baszczynski, ein ehemaliger Nationalspieler mit 35 Einsätzen auf dem Buckel und der junge Adam Pazio waren ernstzunehmende Kandidaten für die Position des rechten Verteidigers (Pazio spielte später aber eher links). Der Trainer sah in Todorovski allerdings das größte Potential und begann die Automatismen so abzugleichen, dass der Mazedonier mit möglichst dominanten Vorderleuten stärker in die Offensive eingebunden wird. Dieser Vordermann war zumeist Milosz Przybecki (22) oder speziell Pawel Wszolek (21). Der Druck durch die Konkurrenz machte Todorovski nichts aus – „Es stört mich nicht, dass Isidoro kommt. Ich mag Konkurrenzkampf“, sagte er einer polnischen Zeitung.

Beste Saison

Polonia Warschau kassierte unterm Strich zwar zu viele Tore, spielte aber offensiv stark verbessert. Die Achse Wszolek-Todorovski auf der rechten Außenbahn war daran nicht unwesentlich beteiligt. Zwei Elfmetertore gegen Ende der Saison waren Todorovskis Belohnung für seine bisher beste Saison. Große Bewunderung heimste er auch ein, als er sich Ende August 2012 eine Rippe brach und knapp fünf Wochen später bärenstark zurückkam und sich trotz der harten Konkurrenzsituation sofort wieder in die Mannschaft spielte. Dass der Mazedonier nun zu Sturm wechseln konnte, war auch ein Resultat dessen, dass Polonia weiterhin mit den Gehaltszahlungen an ihre Kicker im Rückstand war. Somit ging der Transfer entspannter über die Bühne als einst von Rad zu Polonia. Die Warschauer beendeten die abgelaufene Saison in der polnischen 16er-Liga auf dem sechsten Platz.

Nicht „komplett“, aber im letzten Jahr merklich gereift

Sturm Graz kauft mit Aleksandar Todorovski, mittlerweile 13-facher mazedonischer Teamspieler, keinen kompletten Außenverteidiger. Zeit seiner Karriere verlagerte er sich stets auf Defensive und erst in der letzten Saison entdeckte er aufgrund eines moderner denkenden Trainers seine offensiven Vorzüge. Todorovskis Idealfeldposition in Vorwärtsbewegung ist definitiv nicht dieselbe wie bei Dani Alves und Co., aber gerade bei Polonia zeigte er, dass er nicht nur der laufstarke, aber biedere „Außenpracker“ ist, als der er jahrelang verschrien war. Auch offensiv kann der Mazedonier wertvoll sein, aber eben nur, wenn die Automatismen vor und mit ihm stimmen. Und für Rückzugsgefechte ist der solide Mazedonier sowieso ein erfahrener Faktor…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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