Sturm Graz verpflichtete vergangenen Donnerstag den 24-jährigen Außenverteidiger Giorgi Popkhadze. Der Georgier, der viereinhalb Saisonen in Dänemark aktiv war, erhält einen Einjahresvertrag mit Option... Ein Georgier soll´s richten – Löst Popkhadze Sturms Probleme auf der linken Abwehrseite?

Sturm Graz verpflichtete vergangenen Donnerstag den 24-jährigen Außenverteidiger Giorgi Popkhadze. Der Georgier, der viereinhalb Saisonen in Dänemark aktiv war, erhält einen Einjahresvertrag mit Option auf zwei weitere Jahre und ist für die Champions-League-Qualifikationsspiele gegen Videoton spielberechtigt.

Name: Giorgi Popkhadze
Nationalität: Georgien
Geburtsdatum: 25.09.1986
Stammposition: linker Verteidiger
Größe: 183cm
Gewicht: 80kg
Starker Fuß: links
Momentaner Verein: SK Sturm Graz
Bisherige Vereine:  FC Zestafoni, Viborg FF, Dinamo Tiflis, Dila Gori

Giorgi Popkhadze begann seine Karriere beim FC Dila Gori, wo er mit 19 Jahren seinen ersten Einsatz als Wechselspieler in der höchsten georgischen Spielklasse bestritt. Sein Konkurrent auf dieser Position war der damals 26-jährige Georgier Akvesent Gilauri, der die meisten Spiele auf der linken Abwehrseite absolvierte. Popkhadze brachte es in seinem ersten halben Jahr als Jungprofi nur auf vier Einwechslungen.

ERSTER MEISTERTITEL MIT DINAMO TIFLIS

Dinamo Tiflis erkannte das Potential des linken Außenverteidigers und bot ihm Anfang des Jahres 2005 einen Vertrag an, den der junge Georgier natürlich mit Freude annahm. Der Traditionsverein, der in der Saison 1980/81 den Europapokal der Pokalsieger gewinnen konnte, machte den 19-jährigen direkt zum Stammspieler und setzte ihn in allen Rückrundenpartien von Beginn an ein. Dinamo Tiflis gewann die Meisterschaft mit fünf Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten Torpedo Kutaisi. Giorgi Popkhadze absolvierte 16 Partien von Beginn an und durfte sich über seine erste Trophäe freuen.

In der Champions-League-Qualifikation schaltete der Klub zunächst den estnischen Verein Levadia aus, verlor dann aber in der zweiten Qualifikationsrunde gegen Brøndby IF mit einem Gesamtscore von 1:5. Popkhadze musste nun um seinen Stammplatz in der Mannschaft kämpfen und obwohl er seine ersten beiden Treffer als Profi erzielen konnte, absolvierte er von 30 möglichen Meisterschaftsspielen nur zwölf Partien von Beginn an. Im Verein kam Unruhe auf, da nach der tollen letzten Saison nun nichts mehr zusammenlief und der Abstand zu Tabellenführer Sioni Bolnisi immer größer wurde. Die Überraschungsmannschaft der Saison holte sich in weiterer Folge tatsächlich ihren ersten Meistertitel und Dinamo Tiflis landete nur auf dem enttäuschenden dritten Platz, da WIT Georgia Tiflis den Favoriten ebenfalls überholte. Giorgi Popkhadze bekam ein Angebot vom dänischen Klub Viborg FF und wechselte ins Ausland.

VIEREINHALB SAISONEN IN DÄNEMARK

Viborg FF ist in Dänemark als Fahrstuhlverein bekannt, da nach einem Aufstieg in die oberste Spielklasse meist gleich in der darauf folgenden Saison der Absturz kam. Zwischen 1998 und 2008 erwischte der Verein jedoch eine gute Phase und kämpfte erfolgreich gegen den Abstieg aus der Superliga. Popkhadze, der mittlerweile auch für die U-21-Auswahl Georgiens spielte, absolvierte in der ersten Saison elf Partien, wobei er zehn Mal von Beginn an auf dem Platz stand. Sein größter Konkurrent auf der linken Abwehrseite war Christopher Poulsen, der momentan bei Silkeborg unter Vertrag steht. Popkhadzes Glück war, dass Poulsen auch hie und da im linken Mittelfeld eingesetzt wurde und der Georgier hinter ihm spielen konnte. Popkhadzes lief zudem drei Mal als rechter Außenverteidiger auf, da der etatmäßige Spieler auf dieser Position für eine kurze Zeit ausfiel. Viborg schaffte den Klassenerhalt in Popkhadzes erster Saison und landete am neunten Tabellenplatz. Außerdem erhielt der Georgier am 06. Mai 2007 die erste rote Karte in seiner Karriere.

Schon in der nächsten Saison erwischte es den Verein und er musste wieder einmal in die zweite dänische Spielklasse absteigen. In 33 Meisterschaftspartien erreichte der Klub nur 20 Punkte und hatte neun Zähler Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Christopher Poulsen verließ den Verein, doch der Georgier bekam wieder einen Spieler vorgesetzt, bei dem er nur schwer vorbei kam. Routinier Asbjørn Sennels kehrte nach einem dreijährigen Gastspiel bei Brøndby IF wieder zu seinem Stammverein zurück und absolvierte 32 von 33 Meisterschaftspartien. Sennels konnte sowohl in der Innenverteidigung, als auch auf der linken Außenbahn spielen und Popkhadze kam lediglich dann zum Zug, wenn der Däne im Abwehrzentrum aufgestellt wurde. Das war immerhin 14 Mal der Fall.

In der darauf folgenden Saison erreichte Viborg den vierten Tabellenplatz in der zweithöchsten Spielklasse. Popkhadze absolvierte 16 Partien, in denen er zwei gelbe und eine rote Karte erhielt. Er kam wieder nur dann zum Zug, wenn Sennels als Innenverteidiger aufgestellt wurde. Im Jahr darauf spielte der Georgier immerhin in 20 von 30 Meisterschaftspartien mit, was auch daran lag, dass Sennels auf Grund seines fortgeschrittenen Alters im Abwehrzentrum bessere Leistungen zeigte als auf der laufintensiven Außenbahnposition. Viborg erreichte in dieser Saison den siebenten Tabellenplatz. Im Sommer absolvierte der Georgier ein Probetraining bei Sturm Graz, allerdings sollte es erst beim zweiten Anlauf ein Jahr später klappen, denn Foda nahm damals noch Abstand von einer Verpflichtung. In seinem letzten halben Jahr bei Viborg spielte der Georgier elf Mal von Beginn an und wurde ein Mal eingewechselt.

PROBETRAINING BEI VFL OSNABRÜCK UND EIN KURZES GASTSPIEL IN DER HEIMAT

In der Winterpause wurde Popkhadze zu einem Probetraining nach Osnabrück eingeladen, da Trainer Karsten Baumann eine Verstärkung auf der linken Abwehrseite suchte. Mit Jan Tauer, Alexander Krük und Michael Lejan gab es zwar drei Spieler für diese Position im Kader, allerdings konnte keiner dieser Kicker den Trainer richtig überzeugen. Auch der Georgier konnte die Erwartungen von Trainer Baumann nicht erfüllen, sodass er wieder nach Hause geschickt wurde. Da Popkhadze kurzfristig keinen anderen Verein im Ausland finden konnte, unterschrieb er beim FC Zestafoni in seiner Heimat Georgien, mit denen er auch gleich die Meisterschaft gewann und so seinen zweiten Titelgewinn feiern konnte. Allzu viel Anteil hatte der Linksverteidiger jedoch nicht an diesem Erfolg, da er nur sechs Einsätze absolvierte, da er am ehemaligen georgischen Nationalspieler Zali Eliava nicht vorbeikam.

SEINE KARRIERE ALS NATIONALSPIELER

Popkhadze bestritt neben seinen bislang sieben Länderspielen auch neun Partien für die U-21-Nationalmannschaft. Sein Debüt in der U-21-Auswahl feierte er beim 2:1 Sieg gegen Malta am 12.04.2006. Nach dieser Partie folgten weitere Sieg gegen Malta und Kasachstan, sowie jeweils zwei Niederlagen gegen Spanien und Polen und jeweils eine Niederlage gegen die Türkei und Russland.

Seine ersten beiden Spiele im Nationalteam absolvierte er interessanterweise vor seinem U-21-Debüt. Am 01.März 2006 gewann Popkhadze mit dem georgischen Team gegen Malta mit 2:0. Drei Wochen später erkämpfte sich das Nationalteam ein 0:0 Unentschieden in Albanien. Danach wurde der linke Außenverteidiger jedoch erst wieder im Jahr 2009 eingesetzt. Popkhadze konnte seither jedoch keine Erfolgserlebnisse mit dem Nationalteam feiern, denn außer einem weiteren Unentschieden in Albanien setzte es eine Niederlage gegen Malta, Island und Montenegro. Das letzte Länderspiel absolvierte er im Oktober 2009.

FAZIT – SEINE STÄRKEN UND SCHWÄCHEN

Popkhadze hatte bei den Viborg-Fans in Dänemark einen guten Ruf, da er immer vollen Einsatz zeigte und sich nie hängen ließ. Er ist laufstark, probiert sich mit in den Angriff einzuschalten und gilt als umgänglicher Spieler, der die Entscheidungen des Trainers akzeptiert und keine Unruhe in die Mannschaft bringt, wenn er nur noch zweite Wahl ist. Wunder darf man sich vom Georgier allerdings keine erwarten, er ist kein Chef und braucht einen guten Organisator neben sich. Seine Flanken sind bestenfalls durchschnittlich und er selbst hat seinen letzten Treffer in der Saison 2005/06 für Dinamo Tiflis erzielt. Er hatte bereits in Dänemark Schwierigkeiten seine Konkurrenten zu verdrängen und kam meistens nur dann zum Einsatz, wenn Christopher Poulsen beziehungsweise Asbjørn Sennels auf einer anderen Position aufgestellt wurden. Auch wenn Sturm Graz mit dem Vertragsgefüge (ein Jahr + Option auf zwei weitere) nicht viel Risiko eingeht, ist es nur schwer vorstellbar, dass Popkhadze DER Spieler ist, mit dem das Problem auf der linken Abwehrseite langfristig gelöst werden kann.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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