In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 11. Runde der tipico Bundesliga 2014/2015 | Beric, Sonnleitner, Ankersen, Rauter

Herbert Rauter - SK Sturm grazIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 11. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Robert Beric, Mario Sonnleitner (beide Rapid Wien), Peter Ankersen (Red Bull Salzburg) und Herbert Rauter (Wiener Neustadt) unter die Lupe.

 

SV Josko Ried – SK Rapid Wien 1:1, Robert Beric (52. Minute)

Das Spiel der SV Ried gegen den SK Rapid bot spielerisch kaum Höhepunkte, aber dennoch viel Diskussionspotenzial. Vor allem der vorenthaltende Elfmeter für die Gastgeber schlug hohe Wellen. Die Innviertler müssen sich aber auch an der eigenen Nase nehmen, denn sie gaben eine zwischenzeitliche Führung her.

SVR-SCR1

Der Ausgleich für die Hütteldorfer fiel nach einem Eckball von ihrer linken Seite. Ried positioniert sich ähnlich wie es zum Beispiel Sturm Graz bei defensiven Standardsituationen macht: zwei Spieler agieren als Manndecker, vier orientieren sich im Raum am Fünfmeterraum. Zudem gibt es einen Spieler am kurzen Pfosten – hier: Dieter Elsneg (schwarz) – während die restlichen Spieler den Rückraum sichern sollen. In dieser Situation ist die Aufteilung der Rieder aber sehr problematisch bzw. wird sie von Rapid gut bespielt.

Robert Beric (gelb) und Florian Kainz (weiß) stehen eng aneinander und ihre Haltung suggeriert den Gegenspielern, sie würden nach vorne gehen. Damit binden sie den jeweiligen Gegenspieler, obwohl dessen Intention ursprünglich eine andere war, nämlich den Raum zu decken. Christopher Dibon (blau) ist ohne direkten Gegenspieler und hat den Vorteil mit Wucht in einen etwaigen Luftzweikampf zu gehen. Er läuft ebenfalls in Richtung kurzen Pfosten. Denis Streker (rot) soll ebenfalls den Raum um ihn decken und geht wohl deshalb nicht entschlossen mit Dibon mit.

Elsnegs Aufgabe ist es, eine Hereingabe auf das kurze Fünfereck zu antizipieren; der Ball wird jedoch etwas weiter geschlagen. So ergibt sich dort eine Überzahlsituation für Rapid. Die beiden Ried-Raumdecker am kurzen Pfosten orientieren sich schließlich doch zum Ball, doch Dibon kann dank seines Startvorteils problemlos verlängern. Beric hat sich indes nach hinten abgesetzt und drückt den Ball über die Linie.

SV Josko Ried – SK Rapid Wien 1:2, Mario Sonnleitner (59. Minute)

Auch der zweite Gegentreffer für die SV Ried resultierte aus einem Eckball. Auch dieser sei an dieser Stelle etwas ausführlicher besprochen. Was auf den ersten Blick auffällt ist, dass die Rieder offenbar auf die Situation beim Ausgleich reagiert haben.

In dieser Situation haben sie nämlich nicht mehr nur zwei, sondern drei Manndecker, wodurch auch Dibon (blau) einen direkten Gegenspieler hat. Allerdings verhalten sich die Wiener erneut klug, denn sie blocken Dibon quasi den Raum frei. Stefan Schwab (schwarz) stemmt sich gegen Dibons nominellen Gegenspieler, während Beric und Kainz ein Herausrücken der Raumdecker verhindern (weiß). Mario Sonnleitner (gelb) orientiert sich zum langen Pfosten und kann von dort einnetzen, weil die Rieder einen zu hohen Ballfokus haben.

FC Red Bull Salzburg – SC Wiener Neustadt 1:0, Peter Ankersen (4. Minute)

Im zweiten Sonntagsspiel der Runde setzte sich Red Bull Salzburg gegen Wiener Neustadt mit 4:1 ein durch. Vom Ergebnis her war diese Partie jedoch lange nicht so klar, wie es den Anschein machen könnte. Erst in der 78. Minute sorgten die Mozartstädter für die Vorentscheidung. Dabei gingen sie schon früh in Führung.

Wiener Neustadt steht hier im Gegenpressing scheinbar gut, denn sie haben gegen die beiden Salzburger in Ballnähe eine klare Überzahlsituation. Allerdings agieren die Niederösterreicher etwas zu vorsichtig, weshalb ihnen die Situation in der Folge immer mehr entgleitet. Ein Schlüssel dafür, dass sich die Salzburger vom Druck lösen können ist die Position von Kristijan Dobras (rot), der etwas einrücken müsste. So würde der Abstand zum linken Außenverteidiger kleiner werden und er könnte in der Folge besser in die Aktion eingreifen.

Aufgrund dessen, dass Dobras dies nicht tut, kann Peter Ankersen (gelb) problemlos durch die Schnittstelle laufen und die Führung erzielen. Außerdem sieht man hier anhand der tiefen Position der Abwehr – insbesondere Mattias Sereinig (weiß) – die abwartende Haltung der Wiener Neustädter Defensive. In dieser Stellung können sie keinen Druck auf den Ball ausüben. Nils Quaschner (blau) schirmt den Ball zudem gut und verbucht anschließend seinen zweiten Bundesliga-Assist für die Bullen.

FC Red Bull Salzburg – SC Wiener Neustadt 2:1, Herbert Rauter (32. Minute)

Im Kontrast zu dem vorsichtigen Attackieren von Wiener Neustadt aus dem Rückendeckung heraus steht das aggressive Gegenpressing der Salzburger. In der Tief-Phase der letzten Wochen wirkte dies sogar zuweilen zu verbissen und teilweise chaotisch. Auch beim zwischenzeitlichen 2:1 wirkte das defensive Umschaltspiel nicht hundertprozentig durchdacht.

Wiener Neustadt konnte einen Pass der Gastgeber schnell abfangen und mit dem ersten Kontakt hinter acht Salzburger kommen. Nur Martin Hinteregger (schwarz) und Stefan Ilsanker (weiß) stehen noch hinter dem Ball. Die beiden attackieren den angespielten Wiener Neustädter umgehend, was in dieser Situation aber zu überstürzt ist. Es wäre wohl besser gewesen, sich etwas fallen zu lassen und zu versuchen das Spiel zu verzögern. Zudem startet Herbert Rauter (gelb) aus der eigenen Hälfte, weshalb ihn in dieser Situation Ilsanker gar nicht ins Abseits stellen hätte können.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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