In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 18. Runde der tipp3-Bundesliga | Royer, Schöpf, Zulj

Daniel Royer - FK Austria WienIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 18. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Daniel Royer (Austria Wien), Daniel Schöpf (Wiener Neustadt) und Robert Zulj (SV Ried) unter die Lupe.

FK Austria Wien – SK Sturm Graz 2:1, Daniel Royer (45. Minute)

Der SK Sturm Graz holte aus den letzten fünf Ligaspielen nur drei Punkte. Auch gegen den FK Austria Wien mussten sich die Steirer geschlagen geben. Beim 3:2 in der Generali Arena hatten sich vor allem auf der rechten Defensivseite große Probleme – zum Teil individualtaktisch, zum Teil gruppentaktisch und zum Teil individuell. Ein Beispiel dafür war das 2:1 kurz vor der Pause.

Aufgrund der schlechten Gruppentaktik hat Sturm in dieser Szene keinen Zugriff auf den Ball, obwohl sie in dessen Nähe in Überzahl stehen. Florian Kainz (schwarz) ist zunächst jener Spieler, der den ballführenden Gegner richtigerweise attackiert. Dieser zieht dann etwas zur Mitte. Üblicherweise wechselt die Zuständigkeit, diesen zu attackieren, dann auf den ballnahen Sechser. In dieser Szene ist das Anel Hadzic (grün). Allerdings klappt das Übergeben überhaupt nicht, da Kainz schon zu früh den Gegner loslässt, sodass Hadzic nicht rechtzeitig auf ihn schieben kann.

Den individualtaktischen Fehler begeht hier Daniel Offenbacher (weiß). Er orientiert sich auf den eingerückten linken Flügelspieler der Austria, der aber bereits von Sturms Linksverteidiger ordnungsgemäß gedeckt wurde. Aufgrund dessen fehlt Offenbacher auf seiner nominellen Position halbrechts vor der Abwehr. Dort klafft daher ein großes Loch, in das Florian Mader (blau) gehen kann und angespielt wird.

Der am meisten gescholtene Spieler des Abends war Rechtsverteidiger Martin Ehrenreich (rot), der an allen drei Toren beteiligt war. Bei diesem Tor macht er beim Zuspiel auf Daniel Royer (gelb) eine äußerst unglückliche Figur. Mader hat aufgrund des fehlenden Drucks zwei Optionen um auf Royer zu spielen: entweder vor Ehrenreich vorbei nach außen oder zwischen diesen und dem Innenverteidiger durch direkt vor das Tor. Ehrenreich ist offenbar unentschlossen, auf welchen Passweg er gehen soll. Er konzentriert sich zuerst auf den inneren, dreht sich dann nach außen und wieder zurück. Dass er deshalb gegen Royer den Kürzeren zieht, ist kein Wunder.

SC Wiener Neustadt – Admira Wacker Mödling 1:0, Daniel Schöpf (70. Minute)

Der FC Admira Wacker Mödling ist in den letzten Toranalysen regelmäßig vertreten, meist deshalb, weil sie selbst getroffen haben. In dieser Ausgabe blicken wir jedoch auf ein Gegentor. Aufgrund einer lückenhaften Defensivleistung verloren die Maria Enzersdorfer beim SC Wiener Neustadt mit 1:0.

Hier sieht man, dass Wifried Domoraud (schwarz) am langen Ball vorbeispringt. Dadurch kommt Daniel Schöpf (gelb) hinter ihm an den Ball. Die Viererkette muss nun entsprechend verschieben. Der Linksverteidiger geht nach vorne und die restlichen Verteidiger rücken auf dessen Seite nach. Da die Admiraner in der letzten Linien nun nur mehr zu dritt sind, können sie die Seiten weniger abdecken. Thomas Pichlmann (weiß) geht dementsprechend weiter nach außen und wird aufgrund des Dribblings von Schöpf nach innen frei.

Ein großes Problem für die Admira in dieser Situation ist, dass die Mittelfeldspieler nicht konsequent genug nach hinten gehen und die Wiener Neustädter nach zwei Schüssen jeweils an den Ball kommen. Hier sieht man den Moment vor dem ersten Schuss. Die Gastgeber sind auf diesem Bild zu viert, die Admira hingegen stellt acht Feldspieler. Insbesondere Lukas Thürauer (rot) müsste tiefer stehen, da sein Team aufgrund des erwähnten Verschiebens Breite eingebüßt hat.

Da er das allerdings nicht gemacht hat, kommt in der Folge Arvedin Terzic (blau) zum Schuss. Diesen kann der Torhüter zwar erneut abwehren, bei dritten Versuch ist allerdings machtlos. Entscheidend dafür, dass Schöpf schießen kann, ist erneut der fehlende Druck aus dem Mittelfeld.

SV Josko Ried – SK Rapid Wien 1:0, Robert Zulj (39. Minute)

Ein besseres Gegenpressing zeigte die SV Ried. Die Oberösterreicher bezwangen am Mittwoch den SK Rapid Wien und beendeten damit dessen Serie von elf ungeschlagenen Spielen. Torschützen beim 2:0-Sieg waren Andreas Schicker und Robert Zulj, dessen Treffer wir uns genauer widmen wollen.

Entscheidend ist vor allem der im obigen Bild zu sehende Moment. Oliver Kragl (blau) will sich den Ball an Rapids Rechtsverteidiger vorbeilegen. Während Thomas Hinum (schwarz) seinem Mitspieler hier entscheidend zur Hilfe kommt, bleibt Thanos Petsos (grün) passiv. Ried erobert im Gegenpressing dadurch den Ball und bekommt die Möglichkeit zur Flanke. Neben Christopher Trimmels Fehler, den Ball nicht ins Out zu befördern, muss auch die Position von Mario Sonnleitner (weiß) bekrittelt werden. Der Innenverteidiger verschiebt nicht stark genug zum aktiven Flügel. Hätte er das gemacht, hätte Trimmel eine sichere Anspielstation nach hinten gehabt.

Des Weiteren hätte Sonnleitner mehr Druck auf den Ballführenden ausüben können, da er in einem günstigeren Winkel stehen würde. Doch auch so kann er die erste Flanke von Kragl vorübergehend klären. Im obigen Bild erkennt man zudem die Zuordnung von Dominik Wydra (rot) auf Zulj (gelb). Der Abstand ist hier recht groß, weshalb diese Situation für Ried potenziell besser ist als jene vor der nächsten Flanke.

Rapid steht nun wieder geordneter. Eine Flanke vor das Tor scheint unmöglich zu sein, der Rückraum ist scheinbar zugestellt, da Petsos diagonal nach hinten gerückt ist. Einziger Kritikpunkt ist, dass Wydra noch immer nicht eng genug an Zulj steht. Entscheidend ist nun die perfekte Hereingabe von Kragl, die genau zwischen den Rapid-Spielern durchgeht und so scharf ist, dass der Gegner die Schnittstellen nicht schließen kann.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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