In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 23. Runde der tipp3-Bundesliga | Rakowitz, Mane

Sadio Mané (Red Bull Salzburg)In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 23. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Stefan Rakowitz (Wiener Neustadt) und Sadio Mane (Red Bull Salzburg) unter die Lupe.

FK Austria Wien – SC Wiener Neustadt 1:1, Stefan Rakowitz (93. Minute)

Nach einem enttäuschenden 1:1-Unentschieden gegen den SC Wiener Neustadt musste Nenad Bjelica sein Traineramt bei der Wiener Austria. Die Gründe dafür sind vielschichtig, das Fass zum Überlaufen brachte schließlich der Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit. Diesen wollen wir uns nun genauer ansehen.

Die Wiener Neustädter praktizieren seit der Winterpause ein durchaus ansehnliches und forsches Spiel gegen den Ball. Auch in dieser Situation erobern sie diesen indem sie sich schnell um einen Gegenspieler zusammenziehen. FAK-Rechtsverteidiger Fabian Koch (rot) vorderläuft hier seinen Mitspieler. Das Potenzial dieser Bewegung erkennt man im obigen Bild sehr gut. Die Außenbahnspieler des Gegners orientieren sich zum Flügelspieler, der ballnahe Sechser muss erst nachschieben.

Koch könnte nach einem Doppelpass in diesem Zwischenraum viel Platz gutmachen und die Viererkette der Niederösterreicher vor Probleme stellen, zumal Florian Mader (schwarz) im Zwischenlinienraum ebenfalls Freiheiten hat. Voraussetzung dafür ist, dass sich Koch den Ball sauber mitnimmt, was in diese Situation jedoch nicht der Fall ist. Die drei Wiener Neustädter verengen den Raum schnell und erobern den Ball.

Die vermeintliche Vorteilsituation im Zentrum wandelt sich nun zum großen Problem. Mader hat sich naturgemäß nach vorne orientiert, was Matthias Koch (grün) auf der Zentralachse nach vorne hin viel Platz einräumt. Ebenfalls verantwortlich dafür ist, dass der Sechser nach außen gerückt ist um den Platz des vorstoßenden Kochs zu besetzen. Im nächsten Bild sieht man, dass er dann beim Zurückschieben zu spät kommt.

Des Weiteren erkennt man die Grundsteine des guten Umschaltspiels von Wiener Neustadt. Die beiden Flügelspieler stehen sehr breit, ziehen damit die Abwehr der Austria auseinander. Der Pass durch die Schnittstelle auf Thomas Fröschl (blau) wird für Koch dadurch vereinfacht. Zugute kommt ihm auch das Verhalten von Fröschls Gegenspieler.

Dieser geht zunächst mit ihm mit, entscheidet sich dann aber einen möglichen Pass zu antizipieren anstatt in ein Sprintduell zu gehen. Koch reagiert schnell und spielt genau in diesem Moment den Steilpass. Der Innenverteidiger der Austria muss sich nun erneut drehen und verliert weiteren Raum auf Fröschl. Dieser legt vor dem Tormann stehend anschließend quer auf Stefan Rakowitz (gelb), der den Endstand herstellt.

SK Sturm Graz – FC Red Bull Salzburg 0:2, Sadio Mane (14. Minute)

An der Spitze der Tabelle zieht Red Bull Salzburg weiterhin einsam seine Kreise. Gegen den SK Sturm Graz feierten die Mozartstädter einen komfortablen 4:1-Auswärtssieg. Zwei Tore fielen nach ruhenden Bällen, eines aufgrund eines Lapsus‘ von Sturm-Goalie Benedikt Pliquett und eines wurde schön herausgespielt. Genau diesem Treffer widmen wir uns in dieser Toranalyse.

Der Trend im modernen Fußball geht von klaren Raumaufteilungen für die einzelnen Spieler immer mehr zu Positionsflexibilität und Fluidität über. Es wird nicht versucht Gegenspieler mit individuellen Mitteln in eins-gegen-eins-Situationen zu überwinden, sondern über freie Räume. Diese findet man insbesondere zwischen den gegnerischen Linien. Red Bull Salzburg beherrscht dieses Spiel wie keine andere Mannschaft in der österreichischen Liga. Man erkennt das im obigen Bild.

Die Außenverteidiger sind aufgerückt und stehen auf einer Höhe mit den beiden Sechsern genau zwischen der Angriffs- und Mittelfeldlinie der Grazer. Eine Reihe höher sieht man, dass sich Kevin Kampl (blau) intelligent nicht nur zwischen den gegnerischen Linien positioniert, sondern zusätzlich auch in den sogenannten Halbraum eingerückt ist. Er steht im Mittelpunkt eines Vierecks, das von den beiden linken Außenspielern sowie den linken Zentrumspielern des Gegners aufgespannt wird.

Dadurch befindet sich Kampl an den Grenzen der Zuständigkeitsbereiche von gleich vier Spielern und kann je nachdem, wie sich diese verhalten bzw. wer sich zu ihm orientiert, freie Räume besetzen. Zugute kommt ihm dabei seine Dynamik und sein Timing im Erkennen von derartigen Situationen. Er bewegt sich im richtigen Moment, also genau wenn der jeweilige Gegenspieler den Schritt zu ihm macht, in den Raum, der dadurch geöffnet wird. Hier ist es Linksverteidiger Christian Klem (rot), der diesen Schritt macht und es Kampl damit ermöglicht, Tempo ins Spiel zu bringen.

Ebenfalls wichtig in der Entstehung dieses Tors sind die Rollen der beiden Stürmer und jene von Sadio Mane (gelb) sowie Patrick Wolf (schwarz). Erstere positionieren sich eng aneinander im Angriffszentrum, stellen damit eine Gleichzahl gegenüber den Innenverteidigern her. Aufgrund der hohen individuellen Klasse der Red Bull-Angreifer ist der Gegner allerdings immer bemüht solche Szenarien zu vermeiden und einen weiteren Spieler in diese Zone zu bringen. Hier ist dies der rechte Außenverteidiger.

Da dieser der nominelle Gegenspieler von Mane ist, würde dieser durch das Einrücken frei werden. Deshalb müsste dieser von einem anderen Mitspieler übernommen werden – hier: eben jener Wolf. Er steht zwar zu Beginn der Szene noch nahe an Mane, orientiert sich dann aber weg und lässt ihn laufen. Für den Senegalesen ein mehr oder weniger geschenkter und billiger Treffer.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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