In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 35. Runde der tipp3-Bundesliga | Huspek, Sabitzer

Marcel Sabitzer (SK Rapid Wien)In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 35. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Philipp Huspek (SV Grödig) und Marcel Sabitzer (Rapid Wien) unter die Lupe.

SV Scholz Grödig – FK Austria Wien 2:0, Philipp Huspek (32. Minute)

Im Kampf um Platz drei, der zur Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation berechtigt, kam es am vergangenen Sonntag zum direkten Aufeinandertreffen der beiden übrig gebliebenen Konkurrenten. Der SV Grödig setzte sich dabei daheim gegen die Wiener Austria mit 2:1 durch. Die Weichen für diesen Sieg wurden dabei schon früh gestellt, denn nach etwas mehr als einer Stunde führte der Aufsteiger bereits mit 2:0. Eben dieses Tor wollen wir uns genauer ansehen.

Als Solospitze im 4-2-3-1 der Grödiger agierte in diesem Spiel mit Hannes Sigurdsson (weiß), der als Wandspieler eingesetzt wurde. Das heißt er ließ sich immer wieder etwas fallen und ließ die Bälle prallen, woraufhin ein Steilpass auf die schnellen Flügelspieler gespielt wurde. Dieses Muster sah man auch beim Tor durch Philipp Huspek (gelb) – mit dem Unterschied, dass der Ausgangspunkt ein langer Ball des Torhüters war, auf den der Isländer geht.

Des Weiteren erkennt man im obigen Bild das Problem der Gäste. Angriffs- und Verteidigungslinie stehen weit auseinander, sodass nur ein Sechser im Zielgebiet des Balls ist und selbst ein gewonnenes Kopfballduell mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Ballverlust zur Folge hätte. Die Grödiger stehen nämlich günstiger um auf den zweiten Ball gehen zu können. Man erkennt dies an den Positionen von Stefan Nutz (blau) und Mario Leitgeb (schwarz).

Hier sieht man die zu erwarten gewesene Konstellation: Leitgeb und Nutz haben zwischen den Linien viel Platz bzw. Grödig generell eine lokale Überzahl, was für einen Steilpass auf Huspek genutzt wird, der einnetzt. Die breite Stellung von eben diesem sorgt zunächst dafür, dass der FAK-Linksverteidiger gebunden ist und nicht einrücken kann. Es wirkt also so, als würde die Austria den Angriff in diesem Stadium nicht mehr aus eigener Kraft stoppen können. Zu sehr sind die Wiener auf einen Fehlpass von Nutz angewiesen, denn der Geschwindigkeitsvorteil von Huspek ist als Fakt vorauszusetzen.

Dennoch hätte es Möglichkeiten gegeben um den gegnerischen Angriff zumindest zu verzögern bzw. den Grödigern das Leben nicht dermaßen leicht zu machen. So ist generell der Einsatz der meisten Offensivspieler im Rückwärtspressing zu bekritteln, andererseits wäre ein mutigeres Verhalten der Abwehrkette von Vorteil gewesen. Im ersten Bild erkennt man, dass Christian Ramsebner (rot) durchaus die Intention hat, gegen Sigurdsson ins Kopfballduell zu gehen. Er zieht aber zurück, was zur Folge hat, dass Dreiviertel der Viererkette ohne direkten Gegenspieler, vor allem aber ohne Zugriff auf den Ball sind.

SK Rapid Wien – FC Wacker Innsbruck 2:0, Marcel Sabitzer (83. Minute)

Das Ergebnis zwischen Grödig und der Austria bedeutete, dass der SK Rapid mit einem Punktgewinn gegen Wacker Innsbruck den zweiten Platz fixieren könnte, was den Hütteldorfern auch gelang. Im letzten Pflichtspiel im Hanappi Stadion gewann man 2:0, womit auch der Abstieg der Tiroler besiegelt wurde. Auch aus der Partie wollen wir das zweite Tor analysieren und werden sehen, dass die eine oder andere Gemeinsamkeit mit dem obigen Tor besteht.

Rapid kombiniert sich zunächst gut aus der Enge heraus und es entsteht dann diese Situation. Die Tiroler stehen in einer ähnlichen Ordnung wie die Austria zuvor, also mit einem Sechser zwischen zwei Viererketten. Diese Konstellation hat zur Folge, dass die Räume neben ihm bespielbar sind. Der Ballführende hat also zwei Möglichkeiten: entweder geradeaus auf Marcel Sabitzer (gelb) passen oder einen Haken auf die andere Seite machen und den dortigen Raum bespielen.

Er entscheidet sich für Letzteres, was nicht aufgrund dessen, dass der Angriff in einem Tor mündet, richtig ist. Innsbrucks Rechtsverteidiger Christian Schilling (rot) wartet nämlich einen Pass auf Sabitzer, sodass ein Zuspiel hinter die Abwehr nicht möglich wäre. Ein Pass in Sabitzers Rücken würde das Spiel verzögern und diesen obendrein in eine ein-gegen-zwei-Situation bringen.

Ein weiterer Spieler, der bei diesem Tor enorm wichtig ist, ist Deni Alar (weiß). Er lässt sich zunächst fallen um die Kombination in Fluss zu halten und geht dann direkt Richtung Tor. Dadurch zieht er auch linken Innenverteidiger der Tiroler mit und öffnet so den Raum für Louis Schaub (blau), der Sabitzer anschließend anspielen kann.

Dass der beschleunigende Pass auf den linken Flügel nun möglich, ist der schlechten Positionierung von Schilling geschuldet. Er rückt nämlich, wie man in diesem Bild erkennen kann, sehr weit ein. Dadurch hat man zwar gegen Alar eine drei-zu-eins-Überzahl, dafür steht Sabitzer komplett frei. Der 20-Jährige nutzt dies für seinen siebten Saisontreffer.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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