Im Rahmen des traditionellen Fan-Interviews „Das ASB trifft“ beantwortete Werner Kuhn, der General Manager des SK Rapid, die Fragen der Fans im Austrian Soccer... Werner Kuhn im Fan-Interview (1): „Das Festhalten an traditionellen Werten stärkte unseren Markenwert langfristig“

Rapid FansIm Rahmen des traditionellen Fan-Interviews „Das ASB trifft“ beantwortete Werner Kuhn, der General Manager des SK Rapid, die Fragen der Fans im Austrian Soccer Board, Österreichs größtem Fußballforum. Und Zeit genommen hat sich der langjährige Rapid-Manager zur Genüge!

 

Spechtl: Wo sehen sie Rapid in 10 Jahren?

Werner Kuhn: Abseits des Sportlichen ist unser wichtigstes Ziel derzeit die Realisierung des Stadionneubaus. Wenn dies gelingt, können auch andere Visionen leichter wahr werden. In den nächsten 10 bis 15 Jahren soll Rapid zu den Top-50-Klubs Europas gehören und die Zielsetzung lautet das Jahresbudget auf 30 bis 35 Millionen Euro zu erhöhen. Dieser Sprung entspräche übrigens der Steigerung des Budgets in den letzten 15 Jahren. Rapid soll und wird weiter der größte und populärste Fußballklub des Landes bleiben!

 

Mark Aber: Was sind eigentlich im Konkreten ihre Aufgaben? Beispiele des letzten Jahres dazu wären nett.

Werner Kuhn: Als General Manager bin ich verantwortlich für das operative Geschäft des SK Rapid. Dies betrifft alle Bereiche, wobei ich auf unserer Geschäftsstelle auf ein hervorragendes Team setzen kann. Es sind verschiedene vielfältige Aufgaben, die wir gemeinsam bewältigen. Einer meiner Hauptjobs ist sicherlich die Gewinnung neuer Partner und Sponsoren, aber genauso wichtig ist die Zusammenarbeit mit den bestehenden Partnern. Als Teamplayer war und ist es mir auch wichtig, gute Persönlichkeiten zur Mitarbeit beim SK Rapid zu gewinnen. Einer der ersten Mitarbeiter, den ich verpflichten konnte, war übrigens Andy Marek als Leiter des seinerzeit neu geschaffenen Klubservice. Ein ganz konkretes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit ist die Aushandlung des Vertrages – aus wirtschaftlicher Sicht – mit unserem neuen Sportdirektor Helmut Schulte. Ein anderes Beispiel war die Vorbereitung und Umsetzung aller Maßnahmen für die Förderung, die uns schlussendlich von der Stadt Wien in Höhe von über 26 Millionen Euro zugesprochen wurde. Auch die Verhandlungen zum neuen TV-Vertrag der Liga waren in jüngster Vergangenheit im Mittelpunkt meiner Tätigkeit. Zur Job-Description gehören weiters u.a.:  Die Unternehmenssteuerung, Kommunikation nach innen und außen, die Leitung der Geschäftsstelle, die Mitarbeit in diversen Gremien bzw. Projektteams bei Bundesliga und UEFA und vieles mehr!

 

Mark Aber: Was kostet eigentlich ein Trikotsponsoring? Bandenwerbung? Tribüne (Stichwort:OMV Tribüne)? Gibt es dazu einen fixen Katalog oder ist das alles Verhandlungssache?

Werner Kuhn: Wir haben keine out-of-the-box-Konzepte (wir verschicken keine Preislisten), sondern entwickeln mit dem jeweiligen potentiellen Kunden eigene, auf ihn individuell zugeschnittene Modelle. Dabei liegen die Schwerpunkte auf Bekanntheit, Image, Testimonials und einem öffentlich wirksamen Kommunikationsmix. Natürlich haben wir für die einzelnen Kommunikationswerkzeuge bzw. Produkte Preisvorstellungen, die gemessen am Werbewert erzielbar sein sollten. Der Preis richtet sich aber dann oft nach Angebot und Nachfrage und nicht immer nach den sogenannten TKPs (Tausend-Kontakt-Preise)

 

Mark Aber: Wie kann man sich das mit dem Budgetloch genau vorstellen? Vorgriffe wird man ja nur einjährig vornehmen können. Was würde passieren würde sich Rapid 2x hintereinander nicht für Europa qualifiziert?

Werner Kuhn: Hier möchte ich zunächst einmal ein paar Dinge erklärend festhalten: Wir sprechen beim SK Rapid vom Kerngeschäft, dies ist das Ergebnis im nationalen Wettbewerb ohne Transfersaldo. Dieser kann negativ sein, solange wir ein positives Vereinskapital haben bzw. Transferwerte dieses Defizit leicht ausgeglichen können.

In unserer Bilanz werden Transferinvestitionen nicht aufgenommen, sondern werden als Aufwand verbucht und somit ist unser gesamter Kader nicht als Vermögenswert bewertet, hat also in der Bilanz keinen Wertansatz. Auch sonst haben wir als Fußballverein kein substanzielles Anlagevermögen, sondern lediglich Umlaufvermögen wie Bankguthaben. Wenn dieses aufgebraucht ist, da wir beispielsweise einige Spieler verpflichtet haben und wir  Verbindlichkeiten in Form von Kontokorrentkrediten oder Rückstellungen aus Vorsichtsgründen bilden, haben wir bereits ein negatives Eigenkapital.

Zur konkreten Frage: Wenn sich Rapid von heute aus betrachtet in den nächsten zwei Saisonen nicht für die Europa League qualifiziert, müssen wir das Defizit aus unserem Kerngeschäft mit Transfers ausgleichen oder einen Kredit aufnehmen.

 

timo77: Stehen in naher Zukunft bereits Verhandlungen mit neuen Großsponsoren an? (Stichwort: Stadionneubau) Oder wird erst auf einen konkreten Stadionplan seitens eines Architekten bzw. auf die entsprechenden Zusagen der Stadt gewartet?

Werner Kuhn: Es gibt bereits Gespräche, jedoch ist zunächst einmal die Machbarkeit in Form einer Baukörperstudie fertigzustellen, um Verträge abschließen zu können. Zudem ist ein Rohentwurf eines neuen Rapid-Stadions sehr wohl ein attraktives Verkaufsargument bzw. möchten die Sponsoren auch sehen, wofür Sie ihr Geld investieren.

 

timo77: Können Sie Auskunft darüber geben wie sich die Höhen der Sponsorengelder, in den Jahren in denen Sie für den Verein in dieser Funktion arbeiten, entwickelt haben?

Werner Kuhn: Im Jahr 1995 hatten wir über die Bank Austria einen Großsponsor und ein jährliches Volumen von ca. 25 Millionen Schilling, also etwas weniger als zwei Millionen Euro. Heute haben wir im Kerngeschäft (also ohne internationalen Wettbewerb) knapp unter acht Millionen Euro, was 42% des Budgets entspricht. Im internationalen Vergleich sind wir auf dieser Position sehr gut, wir liegen gleich auf mit dem FC Basel was die absoluten Erlöse betrifft bzw. sind laut UEFA-Benchmarking-Studie aus dem Jahr 2011 lediglich 24% üblich, also haben wir fast das Doppelte.
Übrigens hat noch kein internationaler Vermarkter Rapid in diesem Zusammenhang ein Angebot vorgelegt, welches den bisherigen Steigerungen entspricht und wir haben in den letzten Jahren mehrfach und immer wieder mit internationalen Vermarktungsagenturen Kontakt diesbezüglich gehabt. Wir wünschten und wünschen uns immer als Garantie die bisherigen Steigerungsraten fortzusetzen, bislang stimmte dem noch niemand zu.

 

Splinta: Was wurde oder wird von Ihrer Seite geleistet, um einen Stadionsponsor aufzutreiben? Wie kann man sich das zu Beginn vorstellen, an welche Firmen geht man heran? Was kann man den Firmen bieten?

Werner Kuhn: Ein Stadionsponsoring kommt nur für sehr große Unternehmen in Frage, da es hier einerseits um sehr lange Laufzeiten und um substantielle Beträge geht.

Wir beobachten laufend die nationale und internationale Sportsponsoring-Szene. Sobald einer in den österreichischen Markt eintritt, versuchen wir Kontakte zu knüpfen. Unsere Kontakte in Österreich pflegen wir laufend, dies stellt einen sehr großen Aufwand dar, da sich die Ansprechpartner oft ändern und für eine Entscheidung in einem großen Konzern, müssen die Verantwortungsträger für mehrere Bereiche – wie Werbung, Kommunikation, Vertrieb, etc. – zustimmen. Je nach dem bzw. Firmenstrategie, die auch dynamischen Prozessen unterworfen ist, ist das Thema Sponsoring im Sport aktiv oder eben nicht.

Der Stadionname hat eine sehr hohe Kontaktkraft. Zudem kann der Sponsor auch abseits der Spieltage über manche Einrichtungen im Stadion verfügen. Gerade bei einem Neubau darf der Stadionname kein Tabu sein, wir werden allerdings sehr überlegt mit diesem Thema umgehen, nicht jeder Name ist sinnvoll.

 

revolutzionXX: Haben sie das Gefühl, dass Ihre Verwicklung in der Causa EADS/Eurofighter, samt Ladung vor den U-Ausschuss, Sponsorengespräche negativ beeinflusst?

Werner Kuhn: Überhaupt nicht. Hier wurde und wird leider versucht, Rapid in eine politische Diskussion zu ziehen. Fakt ist, dass wir von EADS, einem großen europäischen Unternehmen, eine Förderung unserer Jugend- und Nachwuchsarbeit bekamen.

 

Robert Frasch: Im Interview haben Sie gesagt, dass Sie rund 18 Stunden pro Tag und rund 6 Tage in der Woche für den SK Rapid arbeiten. Das glaube ich Ihnen sogar und ich will Ihnen auch Ihren Willen gar nicht absprechen. Wann haben Sie sich das letzte Mal mit effizientem Management beschäftigt? Welche Resultate erzielen Sie mit Ihrem enormen Einsatz und glauben Sie, dass Fokussierung auf Wesentliches bei der Gewinnung kapitalkräftiger Sponsoren hilfreich sein können?

Werner Kuhn: Das normale Tagesgeschäft haben meine Mitarbeiter und ich sehr gut und effizient im Griff. Wir sind allerdings zugegebenermaßen personell – gerade im internationalen Vergleich – sehr knapp aufgestellt. Daher haben wir sicherlich im Bereich der mittel- und langfristigen Strategien Verbesserungsbedarf. Gerade in Zeiten wie in der jüngsten Vergangenheit nimmt das Tagesgeschäft oft zu viel Zeit ein – bei außergewöhnlichen Situationen wie nach den Vorfällen in Saloniki oder auch bei der Suche nach einer neuen Persönlichkeit wie für das Amt des Sportdirektors – ist dies ganz besonders der Fall.
Generell kann die Akquisition eines Sponsors mehrere Monate und darüber hinaus andauern und ist natürlich nicht immer von Erfolg gekrönt. Auch die Betreuung bestehender Partner und damit verbundene Vertragsverlängerungen sind aufwendig. Wir sind hier recht erfolgreich, wie die geringe Fluktuation im Bereich unserer Partner und Sponsoren beweist.

 

GreenWhiteMarkus: Sehr geehrter Herr Kuhn, im Protokoll zur Befragung EADS und Eurofighter tauchten folgende Fragen vom Abgeordneten Prähauser auf: „Ich möchte nur wissen, wie viele Leute von Rapid über Inhalte des Vertrages oder über den Vertrag mit EADS Bescheid wissen?“ Ihre Antwort hierauf: „Über Vertragsinhalte im Wesentlichen meine Person. Über die Tatsache, dass ein Vertrag existiert, im Präsidium. (Abg. Prähauser: Bitte?) – Über die Tatsache, dass so ein Vertrag existiert, das Präsidium. Über die Inhalte meine Person.“
Meine Frage nun. Ist dies Gang und gebe, dass über die Vertragsinhalte nur Ihre Person Bescheid weiß? Rapid hat immerhin etliche Partner, und hatte in den letzten Jahren noch mehr. Kann man dann davon ausgehen, dass Sie alleine über diese Inhalte verhandeln. Wir groß ist hier Ihr Spielraum?

Werner Kuhn: Ein Sponsorenvertragswerk hat in der Regel 15 bis 20 Seiten, bei großen Partnerschaften sogar bis zu 50 Seiten. Im Präsidium werden die wesentlichen Eckpunkte präsentiert und dann beschlossen, somit kennen nicht alle Präsidiumsmitglieder bzw. Personen im Management die Vertragsinhalte auf Punkt und Beistrich. Weiters prüfen prinzipiell zwei Mitglieder des Präsidiums diese Inhalte.

 

LaDainian: Warum schafft es gerade der SK Rapid die Fettnäpfchen geradezu anzuziehen? Angefangen mit der 32Group, der Jasmin Raw Materials Ltd, der Transferposse um Ivanschitz und Jelavic?

Werner Kuhn: Also bei den Transfers möchte ich klar festhalten, dass es im internationalen Fußball sehr häufig vorkommt, dass ein Transfer nicht glatt über die Bühne geht. Als kürzlich Schalke-Eigengewächs Manuel Neuer von den Königsblauen nach München wechselte, haben mich die Begleiterscheinungen sehr  an den seinerzeitigen Wechsel von Andreas Ivanschitz nach Salzburg erinnert. Was Jelavic betrifft: Nikica war ein immens wichtiger und wertvoller Spieler für uns, wollte aber unbedingt kurz vor Ende der Transferzeit nach Glasgow wechseln. Das vereinbarte Ratengeschäft war und ist absolut üblich. Dass ein Klub wie die Rangers, immerhin der Verein mit den meisten nationalen Titeln weltweit, in so eine Situation kommt, hat selbst in Schottland niemand für möglich gehalten. Wir haben uns soweit wie möglich abgesichert und noch immer besteht die Möglichkeit, dass Rapid zum vereinbarten Betrag kommt. Bis auf die letzte Rate wurde alles auf Punkt und Beistrich überwiesen, nun stehen wir sowohl in guten Gesprächen mit den Eigentümern des Nachfolgevereins (und erhalten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bis Ende der laufenden Saison zwei Drittel der offenen Summe), sowie sind nach wie vor im Verfahren der „alten“ Rangers involviert – auch hier dürfen wir uns eine bessere Quote erwarten, als lange Zeit befürchtet!
Bei der Jasmin Raw Materials gab es von seitens Rapid keinerlei Leistungen, da ich von Haus aus sehr skeptisch war und im Vertrag klar festgelegt habe, dass Rapid erst dann zur verpflichteten Partei wird, wenn das Geld am Vereinskonto eingelangt ist.

 

LaDainian: Das sind teilweise Leistungen die erbracht aber nie gezahlt wurden, Transfererlöse die keine mehr sind da zum großen Teil bei einem maroden Fussballklub versumpft sind, noch dazu spielt man jede Saison mit einem Budgetloch, wie kann soetwas bei einem professionell (sollte man meinen) geführten Verein passieren?

Werner Kuhn: Zahlungsausfällen von Sponsoren sind auch im Fußball nichts ungewöhnliches, jeder Unternehmer wird schon Forderungsausfälle verbucht haben. Im Laufe meiner 18-jährigen Tätigkeit sind über knapp 100 Millionen Sponsorengelder vereinbart wurden und der Ausfall war unter einem Prozent – dies ist keineswegs ein schlechter Wert. Im internationalen Transfergeschäft ist es heute Usus, dass es zu Ratenzahlungen kommt. Auch wir verpflichten unsere Spieler oft über mehrere Ratenvereinbarungen.

 

Grüne Jacke: Wo sehen sie die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen der Wiener Austria und Rapid?

Werner Kuhn: Was die Sponsoreinnahmen betrifft, liegen wir meines Wissens vor dem zweiten Wiener Verein. Einen durch einen Zeitvorsprung bedingten Vorteil hat die Austria beispielsweise bei den VIP-/Hospitality-Einnahmen, da ihre Spielstätte in diesem Bereich bereits modernisiert ist. Wesentlich besser aufgestellt sind wir hingegen wiederum im Bereich Merchandising und Ticketeinnahmen.

 

Grüne Jacke: Aus welchen Summen setzt sich unser Transferbudget zusammen?

Werner Kuhn: Im Wesentlichen ist das positive Vereinskapital jenes Kapital, welches für Investitionen zur Verfügung steht. Aktuell ist dies negativ, da wir 2011/12 knapp 2 Millionen investiert haben. Zudem haben wir jede Saison kleine Summen für Leihgebühren oder Transfers fix eingeplant.

 

Großfeld: Warum, glauben Sie, sind Sie die richtige Person für den GM beim SK Rapid?

Werner Kuhn: Bei aller Bescheidenheit: Ich übe diese Tätigkeit seit fast zwei Jahrzehnten aus, bin national und international gut vernetzt und überzeugt, dass ich der richtige Mann am richtigen Platz bin. Mir macht die Aufgabe Freude und ich stelle mich jeden Tag gerne der Herausforderung, meinen Beitrag beim größten Sportklub des Landes zu leisten!

 

Großfeld: Als GM in einem Verein wie Rapid (bzw. in vergleichbaren Wirtschaftsunternehmen) sollte man, meiner Meinung nach, viel öfter in der Öffentlichkeit zu sehen und hören sein. Glauben Sie nicht, dass es sowohl für Sie als GM als auch für den SK Rapid besser wäre sich öfter/regelmäßiger den Medien und Fans zu präsentieren um z.B. Falschinformationen, Gerüchten etc. den Garaus zu machen, aktuelle News zur Situation geben, u.ä.?

Werner Kuhn: Aus heutiger Sicht und mit dem Wissen der letzten Monaten kann ich Ihnen durchaus recht geben. Ich möchte jedoch festhalten, dass unser Präsidium unser Exekutivorgan ist und somit gemäß den Statuten die Vereinsführung obliegt und auch der Präsident den Klub im Wesentlichen nach Außen vertritt. Ich habe bisher selten auf mediale Auftritte Wert gelegt.
Aber wir werden sicherlich in der strategischen Vereinskommunikation etwas ändern und nicht nur das sportliche Tagesgeschäft, sondern auch viele strategische Themen künftig verstärkt präsentieren.

 

Wienerfußballfan: Ist es denn nicht möglich, dass bei Ihnen eine gewisse Amtsmüdigkeit eingesetzt hat? Fühlen Sie sich denn noch frisch? Sind Sie noch mit ähnlichem Elan dabei wie vor 18 Jahren?

Werner Kuhn: Keineswegs verspüre ich irgendeine Müdigkeit! Die Vision den SK Rapid unter die Top 50 in Europa zu bringen, ist Motivation genug. Das Stadionthema ist gut auf Schiene und ich sehe hier sehr realistische Umsetzungschancen.  Das wäre so nebenbei das einzige nationale Stadionprojekt, welches hauptsächlich durch den Verein selber gebaut und finanziert werden wird.

 

thomas1982: Würden sie der Änderung des Stadionnamens zu Gunsten eines Sponsors zustimmen?

Werner Kuhn: Ja, wenn der Partner als Marke gut zu Rapid passt und der Kommunikationswert entsprechend abgegolten wird.

 

Ofenbacher: Sind Sie der Meinung, dass sich der Verein durch das Festhalten an Tradition und dem Standort im wirtschaftlichen Entwicklungsspielraum einengt?

Werner Kuhn: Das Festhalten an gewissen (traditionellen) Werten hat unseren Markenwert langfristig sogar gestärkt. Tradition und Fortschritt müssen also kein Widerspruch sein!

 

Moerli: Da sie sagten, dass sie 18 Stunden am Tag arbeiten, und das sechs mal in der Woche (ca. 100 Stunden wöchentlich, ca. 400 monatlich ) könnten sie uns ungefähr sagen, wie so eine Woche bei ihnen abläuft, denn ich kann nicht ganz verstehen wie das gehen soll.

Werner Kuhn: Dieses Pensum ist natürlich nicht alltäglich, aber hat es schon gegeben. Beispielsweise eine fast typische Woche Anfang Dezember: Intensive TV-Verhandlungen, Europa League Spiel am Donnerstag, zwei Bundesliga-Heimspiele, Projektmeeting zum Stadionthema, Vorbereitung des Geschäftsberichtes der Saison 2011/12, internes Mitarbeiter Jour-Fixe zum Thema Neuorganisation, Verhandlungen Sportdirektor und Präsidiumssitzung! Prinzipiell nutze ich zudem die An- und Abreise zum Arbeitsplatz fast ausnahmslos für dienstliche Telefonate, das bringt mir je nach Verkehrslage 90 bis 120 Minuten zusätzliche Zeit für Rapid. Prinzipiell gibt es im Fußball keine 5- sondern eher eine 7-Tage-Woche und da wir Freizeitdienstleister sind auch kaum Feiertage. Dazu braucht man eine sehr verständnisvolle Familie und auf diese kann ich glücklicherweise voll zählen!

 

Moerli: Warum hat man seit geraumer Zeit keinen Rückensponsor?

Werner Kuhn: Es gibt Angebote, doch diese sind derzeit noch unter dem von uns avisierten Marktwert.


Johncena09: Herr Kuhn, wie reagieren Sie auf Weiterentwicklungen im Bereich des Managements, anders gefragt: Wie bilden Sie sich weiter um für den Sportklub Rapid am „Puls der Zeit“ zu bleiben?

Werner Kuhn: Ich tausche mich regelmäßig mit Kollegen auf internationaler Ebene aus und suche auch den Kontakt mit Managern anderer Sportarten. Sehr hilfreich sind die Kontakte durch meine Mitgliedschaft bei der ECA (European Club Association, Anm.), ein wichtiger Know-How-Austausch passiert auch regelmäßig rund um die Spiele auf internationaler Ebene!  Zudem habe ich in den letzten dreieinhalb Jahren ein MBA-Studium (Wirtschaft) absolviert und im Dezember 2012 erfolgreich abgeschlossen.

 

Mission33: Warum muss man Jahr für Jahr ein Risiko von 2-3 Millionen Euro eingehen? Findet dies bei anderen Vereinen in Österreich auch statt?

Werner Kuhn: Über die Arbeit anderer Vereine möchte ich keinen Kommentar abgeben. Bei uns ist das Risiko, das wir eingehen, kalkulierbar und wir wollen uns damit einfach die Chance geben, etwas mehr zu ermöglichen.

 

Mission33: Wie viel Mehreinnahmen könnte man durch ein neues Stadion ca. erwirtschaften? Könnte das Loch damit geschlossen werden?

Werner Kuhn: Wir rechnen mit einem zusätzlichen Deckungsbeitrag (=Mehrwert) von 3 bis 5 Millionen Euro pro Saison. Damit wäre aus heutiger Sicht unser kalkuliertes Defizit aus dem Kerngeschäft geschlossen.

 

Mission33: Was passiert, wenn Rapid am Ende dieser Saison keinen Investor für das neue Stadion findet? Und beschneidet man sich nicht selbst mit dieser kurzen Phase der Investorensuche?

Werner Kuhn: Dieses Stadionprojekt ist das wichtigste Zukunftsprojekt für den Verein überhaupt. Notfalls werden wir ohne Investor mittels Bankkredit oder alternativen Finanzierungsformen das Projekt realisieren. Man darf aber auch nie außer Acht lassen, dass ein Investor kein Gönner ist, sondern sein Geld auch mit einer attraktiven Rendite zurückverdienen will!

 

Gurgaon: Welche Gegenleistung hat EADS für das nicht veröffentlichte Sponsoring erhalten?

Werner Kuhn: Mit Ausnahme von diversen Eintritts- und VIP-Karten keine, da sich EADS entschlossen hat, einen Fördervertrag mit Rapid abzuschließen. Das ist ein Unterschied zu einem Sponsoring, wobei dies ursprünglich angedacht war und dafür, sogar Platz auf den Trikots freigelassen wurde. Schlussendlich aber fiel die Entscheidung unseres damaligen Partners auf eine Förderung des Nachwuchs-Bereiches!

 

Gurgaon: Wollen Sie auch nach dem Abgang von Präsident Edlinger 2013 General Manager bei Rapid bleiben?

Werner Kuhn: Natürlich, ich habe mit dem SCR noch viele Ziele und bin sehr ehrgeizig, diese gemeinsam mit dem guten Team bei Rapid zu erreichen!

 

Gurgaon: Kann sich Rapid im Winter Neuzugänge, die Ablöse kosten, leisten, ohne dabei Schulden zu machen?

Werner Kuhn: Wir haben derzeit ein negatives Vereinskapital und somit bedeutet eine zu finanzierende Ablöse eine Ausweitung dieses negativen Vereinskapitals. Ich möchte jedoch festhalten, dass der Wert des Spielers derzeit nicht in der Bilanz aufscheint, denn mit unserem Kaderwert hätten wir sicherlich ein positives Kapital. Zudem besteht auch die Möglichkeit, in einer Transferperiode Spieler abzugeben!


SmokinAces: Würden Sie eine Entlastung Ihrer Arbeit begrüßen? (durch einen neuen Mitarbeiter)

Werner Kuhn: Definitiv, doch Mitarbeiter kosten natürlich Geld. Wir sind hier sehr gewissenhaft, aber es wird in absehbarer Zeit sicherlich Verstärkungen auch im Management Team geben.

 

Den zweiten Teil des Interviews könnt findet ihr hier!

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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