Unser Artikel vom 7.November mit dem Titel „Männer ohne Gesicht: Die wahren Probleme des SK Rapid“ wirbelte viel Staub auf. Zahlreiche Medien griffen das... Männer ohne Gesicht (2): Das sind die wahren Probleme des SK Rapid Wien!

Unser Artikel vom 7.November mit dem Titel „Männer ohne Gesicht: Die wahren Probleme des SK Rapid“ wirbelte viel Staub auf. Zahlreiche Medien griffen das Thema auf, recherchierten weiter, brachten darauf aufbauende Berichte. Unter den Fans war der Artikel bereits in Leverkusen das Gesprächsthema Nummer Eins. Mit Stefan Ebner (Sportzeitung) und Werner Kuhn (Sky) antworteten zwei der Angesprochenen postwendend auf unsere Thesen. Nun möchten wir das Thema noch weiter vertiefen.

„Verlieren tut immer noch die Mannschaft“ – ein Satz, der viel Wahrheit in sich birgt, aber über den ausgiebig diskutiert werden muss. Die Fehlerkette, die beim SK Rapid auf höchster Ebene beginnt und sich bis zu den Ersatzspielern weiterzieht, haben wir vergangene Woche bereits behandelt. Doch die schwachen Leistungen der Spieler sind nur eine Folgeerscheinung haarsträubender Verfehlungen an der Quelle des Rapid-Problems.

Spieler nur kurzfristig schuld

Die Rapid-Elf wirkte nicht nur gegen den Wolfsberger AC komplett verunsichert. Die Jüngsten im Team konnten einem leid tun. Gestandene Spieler, Routiniers und Hoffnungsträger, die bereits über den Talentstatus hinweg sein müssten, ließen völlig aus. Und dennoch sind es die Kicker, die in der aktuellen Situation die geringste Schuld trifft. Einsatz muss man von jedem Fußballer voraussetzen, aber spielerisch kann die Mannschaft nicht mehr, als sie aktuell zeigt. Zu hinterfragen sind demnach erneut diejenigen, die zu schwache Fußballer holten oder keine besseren fanden – und in nächster (und noch wichtigerer) Instanz diejenigen, die dafür verantwortlich sind, dass in Hütteldorf zu wenig Geld zur Verfügung steht. Wir wollen an dieser Stelle ins Detail gehen.

Die Stärken des Stefan Ebner

In einem interessanten Interview mit Horst Hötsch von der Sportzeitung nahm Teammanager Stefan Ebner Stellung zum abseits.at-Artikel vom 7.November. Ebner stellt sich darin als Mann im Hintergrund dar, der er zweifelsohne immer war. Ebner hat Stärken, die sonst niemand im Verein sein Eigen nennen kann, speziell in Transferdingen: Organisation, Verstand im Transferwesen, ausgiebiges Wissen über Formales und Vertragskonstrukte. Ebner stellte klar, dass die sportliche Ausrichtung und die Kaderplanung gemäß der (für die Öffentlichkeit undurchsichtigen) Berufsbezeichnungen Sache Peter Schöttels sind.

Weg des geringsten Widerstandes

Dies so klarzustellen ist natürlich legitim. Jedoch zeugen weitere Aussagen Ebners von enormer Passivität, die in einer Situation ohne echten Sportdirektor fatal sein können. So wurden etwa Eigenbauspieler Boris Prokopic und Ex-LASK-Akteur Thomas Prager als Kreativspieler bezeichnet, die man Steffen Hofmann zur Seite stellte, um diesen zu entlasten. Wenn diese Spieler tatsächlich die Alternative zu großen Fußballern wie Branko Boskovic sein sollen, läuft bei Rapid insofern einiges schief, dass keine hochklassigeren Alternativen aus anderen Ligen ins Rennen geworfen worden bzw. man sich um diese (bestehenden, bekannten und leistbaren) Alternativen nicht ausreichend kümmerte.

Wenige Titel und Teamspieler als Resultat von Perspektiv- und Ideenlosigkeit

Womit wieder das Thema der „logischen Transfers“ aufkommt. Natürlich ist nicht jeder „erwartete“ Transfer schlecht und der eine oder andere schafft auch einen leistungsgerechten Sprung von einem kleineren österreichischen Klub zum größten Klub des Landes. Aber die Tatsache, dass Rapid Mitläufer wie Prokopic oder Prager der Öffentlichkeit als kreative Alternativen verkauft, belegt die Perspektiv- und Ideenlosigkeit der sportlichen Leitung. Argumentieren kann Rapid dies mit einem bewusst tief gestapeltem Saisonziel – das Resultat sind sehr wenige Titel in den letzten 20 Jahren und auch die Tatsache, dass der Verein seit einigen Jahren auf direktem Weg praktisch keine Teamspieler hervorbrachte. Guido Burgstaller ist als Dauergast bei Marcel Koller eine der wenigen Ausnahmen.

Die Krux mit den Scouting-Hilfen

Grund dafür ist und bleibt unzureichendes Scouting und die Tatsache, dass sich Rapid zahlreichen lukrativen Märkten (mehr dazu später!) verschließt. Die Nutzung von Online-Scoutingsystemen wie Instat Scout oder wyscout ist nicht als Errungenschaft zu bezeichnen, auch wenn größere Klubs ebenfalls auf diese Hilfen zurückgreifen. Wer Instat Scout nutzen will, muss jährlich 5000€ berappen. wyscout kostet 8280€ pro Jahr. Lächerliche Summen für nahezu jeden Profiverein – jeder Hobbyscout mit ein bisschen Geld auf der hohen Kante kann sich ebenfalls dieser Produkte bedienen und für sich oberflächlich beanspruchen mit denselben Mitteln zu arbeiten, wie der FC Barcelona, Arsenal oder Inter Mailand.

Populistische Modernisierungsparolen in öffentlich unbesprochenen Bereichen

Ähnlich wie der ÖFB, der bereits in Constantini-Zeiten gerne die Arbeit mit dem Individualanalysesystem Amisco Pro propagierte und dies als modernste denkbare Vorgehensweise zu verkaufen versuchte, schießt Stefan Ebner mit populistischen Vergleichen im Bezug auf andere Nutzer derartiger technischer Hilfsmittel am Ziel vorbei. Gescoutet wird tatsächlich auch online, keine Frage. Netzwerke, Meinungen und Leistungsdaten sind wichtig und unterstützen einen Scout bzw. Analysten. Doch die Wahrheit liegt auf dem Platz und kein Online-Hilfsmittel kann eine fachmännische Einschätzung eines Scouts ersetzen, der einen Spieler vor Ort beobachtete.

Spieleranalyse unzureichend

Hiermit sind wir beim Ausgangsproblem in diesem Ressort angelangt: Rapids tatsächliche Scouts, allen voran Fritz Riedmüller und Anton Herzog, arbeiten im Bereich Scouting auf nicht bundesligatauglichem Niveau und sind nicht im Stande wichtige taktische Grundprinzipien bis hin zu ausgiebigen spieltheoretischen und situationsbedingten Facetten der sich stets modernisierenden Fußballtaktiklehre richtig einzuschätzen. Spielerbeschreibungen wie „groß und antrittsschnell“ oder „schnell und guter Schuss“ sind in Zeiten des modernen, taktikgeprägten Fußballs wertlos. Bekräftigt wird dies durch die Vereinslinie „Sichtungsbögen“ auszufüllen, auf denen nur Grundattribute mit Schulnoten, der Spieler selbst gar mit einer Gesamteinschätzung von 1 (gut) bis 3 (schlecht) zu bewerten sind…

Der fahle Beigeschmack des nicht ganz so neuen Scouts

Positiv zu erwähnen ist, dass der SK Rapid nun endlich seinen Afrika-Experten Nick Neururer offenbarte. Seiner Arbeit eine fundierte Kritik zu widmen, käme zu früh – zu kurz ist der Zeitraum, in dem der vor allem über den burkinischen Fußball informierte Neururer, der auch für Celtic Glasgow scoutete, für Rapid arbeitet. Fragwürdig ist jedoch der Zeitpunkt der Bekanntgabe eines Arbeitsverhältnisses mit dem Tiroler: Dieses gibt es nämlich nicht erst seit gestern, wurde aber bis vor kurzem vor der Öffentlichkeit geheim gehalten. Im Präsidium des SK Rapid herrscht eine Schweigepflicht, die sogar in der Vereinssetzung festgelegt ist. Neururers offizieller Posten bei Rapid wurde daher monatelang verschwiegen, weil man eine Diskrepanz zwischen der Scouting-Tätigkeit und der eigentlichen Profession Neururers befürchtete. Neururer ist nämlich nicht nur Scout, sondern auch einer von 32 von der FIFA lizenzierten österreichischen Spieleragenten, der etwa Admiras Issiaka Ouedraogo oder Ex-Tirol-Spieler Willy Sanou, aber auch einige österreichische Kicker unter seine Fittiche nimmt. Eine Konstellation mit fahlem Beigeschmack…

Ex-Jugoslawien wird absichtlich vernachlässigt

Einem zuletzt nur selten beleuchteten Markt kehrte Rapid ebenfalls den Rücken zu: Dem Markt im ehemaligen Jugoslawien. Grund dafür ist der Transfer von Nikica Jelavic zu den Glasgow Rangers, bei dem sich Rapid über fragwürdige Manager ärgerte und Jelavic bald zur „charakterlosen“ persona non grata erklärte. Fakt ist jedoch, dass sich die Grün-Weißen von der zum Zeitpunkt des Transfers bereits maroden schottischen Mannschaft über den Tisch ziehen ließ und einer Ratenzahlung zustimmte, der man heute noch nachläuft. Der finanzielle Schaden ist somit auch aufgrund der nötigen Teilzahlung an Jelavics belgischen Ex-Klub Zulte-Waregem kein geringer, auch wenn kolportiert wird, dass es noch eine Teilzahlung aus Schottland geben wird.

Ipoua-Syndrom, Teil 2

Rapid-Präsident Edlinger drehte daraufhin dem ex-jugoslawischen Markt den Rücken zu, weil man sich nicht mit schwierigen Managern abplagen will. Eine fragwürdige Entscheidung der führenden Köpfe, zumal einerseits zahlreiche, dem Verein bekannte Spieler verfügbar wären, die ins Anforderungsprofil eines sofort weiterhelfenden Kreativspielers fürs zentrale Mittelfeld passen und andererseits die Integration eines Spielers aus Serbien, Bosnien oder Kroatien schon aufgrund der großen ex-jugoslawischen Community in Wien und der Nähe zum Heimatland der betroffenen Spieler, ein Leichtes wäre. Die Vermeidung eines gesamten Marktes aufgrund von einer oder zwei schlechten Erfahrungen passt ins Bild des zuletzt beschriebenen „Ipoua-Syndroms“. Zumal jedes relevante Spiel in den betroffenen Ligen für Scouts einfach per Auto erreichbar wäre, wodurch man zahlreiche Spieler mit geringen Mitteln und über einen längeren Zeitraum vor Ort beobachten könnte, ist Rapids Groll auf Ex-Jugoslawien doppelt bitter.

Ebner wertvolle Nummer Zwei hinter innovativem „Chef“

Stefan Ebner hat wie jeder andere seine Stärken und Schwächen, kann seine Stärken jedoch nur dann in den Vordergrund stellen, wenn er nicht eine pseudo-operative Nummer Eins in einer undurchsichtigen Struktur im sportlichen Bereich darstellt, sondern sich auf das konzentrieren kann, was ihn wirklich ausmacht. Ebners tatsächliche Position – und in dieser fühlt er sich am Wohlsten – ist eine solide, im Hintergrund auf Basis von Erfahrung agierende Nummer Zwei und zwar hinter einem starken, sehr aktiven Sportdirektor, der auf Anhieb in der Öffentlichkeit ein Gesicht hat und vor allem unvoreingenommen ein Scouting-System aufbaut, das sich nicht mit anderen heimischen Klubs messen muss, sondern mit dem man sich nach der Decke strecken kann und sich auch international nicht verstecken muss. Wie bereits im letzten Artikel beschrieben handelt es sich hier um ein Projekt, das nicht gezwungenermaßen viel Geld kosten muss und trotzdem klar strukturiert und erfolgreich in relativ kurzer Zeit entstehen kann.

Von versäumten Terminen…

Nichts desto trotz steht und fällt beim SK Rapid alles mit dem lieben Geld. Die Tatsache, dass Werner Kuhn ein Flirter und kein Vollstrecker ist, trägt ihren Teil zu diesem Problem bei. Doch beim SK Rapid kommt es auch vor, dass gutes Geld einfach auf der Straße liegen gelassen wird. Werner Kuhn hat in der Vergangenheit Termine mit potentiellen Sponsoren bzw. Investoren schlichtweg nicht wahrgenommen, etwa weil er die Uhrzeit des Termins verschwitzte und weder in der Geschäftsstelle zugegen noch telefonisch erreichbar war, als der Terminpartner auf ein Gespräch wartete. So geschehen als ein Vertreter eines britischen Investmentfonds in Wien-Hütteldorf zu Gast war und unverrichteter Dinge samt möglichem, sechsstelligem Budget wieder abreisen musste. Bei einem erfolgreichen Wiener Unternehmen passierte dem Wirtschaftsverantwortlichen dasselbe. Für Kuhn gilt die Unschuldsvermutung. Ein anderer Sponsor wiederum forderte eine Änderung der Kontaktperson und wollte in weiterer Folge nur noch mit Marketing-Chef Markus Blümel sprechen, weil er den Draht zum überforderten Kuhn verlor.

Lieber bequem als groß

Klein gehaltene, zu sichere Gedanken waren auch im Bezug auf einen möglichen Wechsel des Hauptsponsors ein Problem. So hatten Präsident Rudolf Edlinger und Manager Werner Kuhn Kontakte und Termine mit der Fluggesellschaft Emirates, die unter anderem Arsenal, Milan, Real Madrid und Paris St. Germain sponsert. Nicht unterschätzt werden darf dabei, dass Wien für die Luftfahrt einen wichtigen Dreh- und Angelpunkt als Tor zum Osten darstellt, somit keinen uninteressanten Vertragspartner für ein Unternehmen wie Emirates darstellen würde. Bevor die Verhandlungen konkret wurden ließen die Rapid-Verantwortlichen einen möglichen Deal im Wüstensand von Dubai verlaufen. Zwar waren der General Manager und der Präsident in Dubai zu Gesprächen vor Ort, allerdings wollte man sich des sicheren Nests, das das Unternehmen Wien Energie, aktueller Trikotsponsor Rapids, darstellt, nicht entledigen. Die Kontakte zum Wiener Unternehmen waren zu gut und so ist es schon mal möglich, dass ein Teil des kommenden Jahresbudgets aus Gründen von Liquiditätsproblemen bereits im Dezember den Besitzer wechselte. Rapid zog einmal mehr den bequemen Weg dem innovativen vor.

Scheinpräsidium ohne Dynamik und Vision

Verfehlungen gibt es also in vielen Ressorts, an die Öffentlichkeit dringt kaum etwas, auch wenn zahlreiche Insider und auch viele Forenuser schon seit vielen Jahren über die unausgesprochenen Probleme in einem Verein mit enormem Potential sprechen. Die aktuelle Situation offenbart zudem eines der Hauptprobleme des SK Rapid: Die interne Struktur und eine markante Hilflosigkeit im Krisenmanagement. Angefangen wird dabei ganz oben, im Präsidium, das eher als „Scheinpräsidium“ zu bezeichnen ist. Viele der acht Mitglieder gelten als zu brav, wollen nicht anecken, sitzen eher aus Dankbarkeit und aufgrund ihrer Verdienste im Präsidium, als selbst initiativ zu werden und Dinge anzupacken. Es fehlt an jeglicher Dynamik und Vision, die Mühlen arbeiten langsam und stets in dieselbe Richtung.

Probleme von ganz oben hinuntergebrochen

Die Probleme gehen ausgehend vom Präsidium eine Ebene darunter weiter. Trotz zahlreicher bestätigter Verfehlungen werden die Führungskräfte im Verein geschützt und praktisch pragmatisiert. Dies wiederum nimmt den Druck von handelnden Personen und stößt zugleich auf absolutes Unverständnis in der Öffentlichkeit, das aufgrund der Verschwiegenheitspflicht des Präsidiums praktisch keinerlei unpolitisch formulierte Erklärungen erhält. Bricht man diese Probleme noch eine Ebene weiter hinunter, ist man bei den „normalen“ bis „kleinen“ Angestellten angekommen, die für den Verein operativ äußerst wichtig sind. Und auf dieser Ebene stößt man nur noch auf Frustration, Überarbeitung und fehlende Motivation.

Fragwürdiges „Wir sind Rapid“ – auch auf Mitarbeiterebene

Erst vor kurzem fielen zwei Mitglieder der Rapid-Marketingabteilung krankheitsbedingt für einige Zeit aus. Ersatzmann ist mit Sebastian Pernhaupt ein erfahrener Mann, der in der Firma HPM des erfolgreichen Heinz Palme zuletzt die zweite Geige spielte. Einige Jobs in anderen Bereichen wurden abgebaut, andere Mitarbeiter verließen den Verein. Unterbezahlten „kleinen“ Mitarbeitern wird ihre Arbeit mit dem Appell an den „Rapid-Geist“ und dem gemeinsamen Boot „schmackhaft“ gemacht. Wenn man für Rapid arbeiten darf, sollte man auf etwas Geld verzichten können.

Wie Rapid spontan mehr Geld machen kann…

Die finanzielle Lage ist der Grund für die unterbesetzte und zum Teil unterbezahlte Geschäftsstelle. Doch das müsste nicht der Fall sein, denn Rapid behandelt weiterhin zahlreiche Themen, mit denen etwa neue Mitarbeiter oder angemessene Verträge für aktuelle „kleine“ Mitarbeiter finanzierbar sind, stiefmütterlich. So gab man sich bereits vor einiger Zeit mit der aktuellen Mitgliederanzahl zufrieden, anstatt diese über sponsorengestützte Aktionen, die sich vor allem über die Kanäle der Social Networks perfekt vertreiben ließen, weiter zu erhöhen. Rapid ist auf zahlreiche Mitglieder angewiesen, wie es seinerzeit schon Ernst Dokupil offensiv kommunizierte. Doch aufgrund der schwierigen Abwicklung, beispielsweise auf dem Gebiet des Vorverkaufsrechts im Europacup, traut man sich an dieses Thema (noch) nicht heran. Ähnlich verhält es sich mit der Vermarktung der eigenen Homepage, die von allen offiziellen Klub-Homepages Österreichs die höchsten Zugriffe verzeichnet.

…und Geld einsparen kann…

Auch auf dem Spielersektor lässt man aktuell Geld „liegen“, das in die Umstrukturierung der Geschäftsstelle fließen könnte. Die zahlreichen verliehenen Spieler kosten zwar nicht viel Geld, aber Kleinvieh macht auch Mist. Zudem wäre es anzudenken den Kader der Kampfmannschaft nicht zu ausgewogen zu gestalten. Es ist kein Fehler und schon gar keine Schande mal zwei Kaderplätze zu streichen, dafür aber einen dieser Plätze hochwertig nachzubesetzen und einem hoffnungsvollen Amateurspieler, schon alleine aus personalpolitischer Tradition, einen Fixplatz im Kader zu verschaffen. Heute versucht man es eher mit zwei durchschnittlichen Spielern, als mit einem richtig guten und einem (womöglich sehr) jungen. Auch hier gibt es Einsparungspotential.

…um die Geschäftsstelle zu stabilisieren

Clevere Einsparungen statt sukzessivem Personalabbau und die Nutzung der vielen geldbringenden Kanäle, die noch brach liegen, obwohl man sie ohne großen Aufwand monetarisieren könnte. Schon einfache Maßnahmen ermöglichen die Stabilisierung und Stärkung der Geschäftsstelle und damit der operativen Arbeit im Umfeld des SK Rapid. Wir erwähnten nur einige konkrete Beispiele, wie Rapid an Geld für eine Stabilisierung einer völlig geschlauchten Geschäftsstelle kommen kann.

Ideen werden angehört, schnörkellose Umsetzung gestaltet sich schwierig

Für Menschen mit Ideen ist der SK Rapid ein Verein zum Anfassen. Die Verantwortlichen, allen voran Andy Marek und Markus Blümel, haben stets ein offenes Ohr für Ideen von außen. Man präsentiert sich offen, gibt wertvolles Feedback und ist auch ehrlich genug, für schlecht befundene Ideen im Keim zu ersticken. So weit, so gut. Umgesetzt werden hingegen nur wenige Konzepte, auch wenn der Verein vielleicht mehr auf Schiene bringen möchte, als man schlussendlich schafft. Doch trotz großem Engagements haben Rapids Mitarbeiter nicht die Kraft bzw. Manpower um viele Projekte gleichzeitig anzugehen. Es herrscht Personalmangel und über die gesamte Saison herrscht eine nicht zu unterschätzende Monotonie, in der Jahr für Jahr immer wieder dieselben Themen abgespult werden. Und diese Tatsache ist ein strukturelles Problem, das es von oberster Stelle zu lösen gilt.

Frischzellenkur auf Managerebene

Wenn ein Kicker nicht mehr gut spielt, dann tauscht man ihn aus. Spieler kommen und gehen Jahr für Jahr, der eine aus dem einen, der andere aus dem anderen Grund. Aber eine Frischzellenkur auf Managerebene wurde bei Rapid noch nie angedacht. Auch im gehobenen Management kann es vorkommen, dass der monotone Alltag die Fähigkeiten einer vielleicht grundsätzlich guten Führungsperson übermannt und Luft und Entwicklungsmöglichkeiten in eine positive Richtung draußen sind. Dies ist freilich keine Schande und kommt tagtäglich in tausenden Unternehmen vor. Dass aber Persönlichkeiten, die öffentlich bekannte, schwere Fehler machten, aufgrund ihrer jahrelangen Bindung zum Verein mit der Führung und Leitung ebendieses assoziiert werden, ist für Rapid als Marke, die sich aufgrund ihrer großen Popularität sehr einfach verkaufen lassen sollte, ein enormer Imageschaden.

Persönliche Konsequenzen oder Tabula rasa – dazwischen gibt es nichts

Präsident Edlinger betonte, dass man alles hinterfragen werde, aber keine Schnellschüsse erwarten dürfe. Die „einfachste“ und zugleich – wieder mal – logischste Lösung wäre, dass sich Rapid von Trainer Peter Schöttel trennt, der jedoch zurecht in den Medien bereits als potentielles Bauernopfer ausgemacht wird, zumal er einer derer ist, die dem Verein eine Philosophie einimpfen können und geduldig arbeiten. Um Rapid auf lange Sicht erfolgreicher und stabiler zu machen, muss der Präsident mit dem Troubleshooting ganz oben beginnen. Rapid braucht eine klare Struktur, eine klare Hierarchie, eine klare Aufgabenverteilung und ein Organigramm, das keine Schnörkel aufweist und trotzdem dynamisch und fluid ist. Auch mit der Bestellung eines Sportdirektors ist es noch lange nicht getan. Eines ist jedenfalls sicher: Edlinger hat aktuell nur zwei Möglichkeiten – die Suche der Fehler bei sich selbst und damit einhergehende persönliche Konsequenzen oder eine massive und abrupte Veränderung der Vereinsstrukturen und eventuell damit einhergehenden personellen Konsequenzen auf Managerebene. Dazwischen gibt es nichts mehr.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen