Der Samstagabend bewies einmal mehr, dass der SK Rapid aktuell eine Wundertüte ist. Nach einer starken halben Stunde und einer 2:0-Führung gegen den Wolfsberger... Wundertüte Rapid: 2:4 nach 2:0-Führung gegen den WAC und die außerordentliche Hauptversammlung in der Stadthalle

Andy Marek (SK Rapid Wien)Der Samstagabend bewies einmal mehr, dass der SK Rapid aktuell eine Wundertüte ist. Nach einer starken halben Stunde und einer 2:0-Führung gegen den Wolfsberger AC, setzte es am Ende doch noch eine empfindliche 2:4-Heimniederlage. Die Gründe dafür sind mannigfaltig und wir möchten zumindest oberflächlich darauf eingehen. Ein anderes wichtiges „Match“ stieg für Rapid aber vor einer Woche in der Wiener Stadthalle.

Die banale Erklärung für die 2:4-Schlappe gegen den WAC: Wenn Steffen Hofmann das 3:0 macht, dann ist – wie Didi Kühbauer es formulierte – „der Kas `gessen“. Klar: Wenn Rapid nach nicht mal einer halben Stunde mit 3:0 zu Hause gegen Wolfsberg führt, sollte das nicht mal die unroutinierte grün-weiße Mannschaft anbrennen lassen. Die Zeichen standen nach 20 Minuten auf Kantersieg, doch eine zuerst schwache Wolfsberger Mannschaft hievte sich dank eines kleinen Erfolgserlebnisses wieder ins Spiel zurück.

Schlechtes WAC-Pressing zu Beginn

Bis zum Anschlusstreffer durch Michael Liendl hatte Wolfsberg vor allem mit seiner eigenen Staffelung zu kämpfen. In Rückwärtsbewegung formierte sich das Team recht tief und in einer 4-4-2-Formation. Topcagic und Liendl vollzogen ein hohes und sehr einsames Pressing, das Rapid recht einfach umging. Da die zentralen Mittelfeldspieler hinter den Wolfsberger Pressingakteuren zu tief standen, entstand ein Loch zwischen den Mannschaftsteilen und Rapid eroberte mit Leichtigkeit das Mittelfeld.

Rapid nach dem 2:0 etwas zu unkontrolliert

Hinzu kam, dass Rapid dynamisch, explosiv und zum Teil auch technisch blitzsauber agierte. Betrachtet man das Gesamtpaket war die halbe Stunde bis zum Gegentor die beste Saisonleistung der Rapidler in der Liga. Doch man übernahm sich und stürmte auch nach Hofmanns vergebener Chance zu unkontrolliert nach vorne. Die zu hohe Feldposition vor dem 1:2, gepaart mit gutem Umschaltverhalten der Wolfsberger, ermöglichte einer bis dahin völlig blassen Wolfsberger Elf den Anschlusstreffer.

Unerklärbare Hektik

Mit etwas mehr Selbstvertrauen im Rücken kam Wolfsberg nach der Pause aus der Kabine und Rapid blieb – wie schon am Ende der ersten Halbzeit – hektisch. Die Hausherren befanden sich trotz Liendls Tor immer noch in einer idealen Ausgangslage, aber die Unentschlossenheit und vor allem die Unfähigkeit das Tempo zu kontrollieren, wurde Rapid in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit zum Verhängnis. Wolfsberg agierte erschreckend effizient, ging durch einen Doppelschlag mit 3:2 in Führung und hatte nun deutliche mentale Vorteile. Dass Rapid nicht mehr ins Spiel zurückkam hatte auch mit der Verkrampftheit im Mittelfeld zu tun. Kreativsein auf Knopfdruck ist eine Fähigkeit, die noch nicht im Repertoire der jungen Rapid-Elf liegt. Einzig Louis Schaub versuchte immer wieder das Heft in die Hand zu nehmen.

Wundertüte auf und abseits des Rasens

Rapid ist auf dem Platz aktuell eine Wundertüte. Auf tolle Leistungen folgen schwer erklärbare Schlappen. Gegen Wolfsberg fand diese Wandlung sogar innerhalb der 90 Minuten statt. Eine zumindest kämpferische Top-Leistung am Donnerstag gegen Dynamo Kiev ist mittlerweile fast schon leicht vorauszusehen. Genau heute vor einer Woche fand in der Halle E der Wiener Stadthalle eine Veranstaltung statt, die dazu beitragen sollte, dass Rapid auf wirtschaftlicher und struktureller Ebene das Wundertüten-Dasein ablegt.

Rapid legt ausführlichen Geschäftsbericht vor

Durch eine erfolgreiche Unterschriftenaktion wurde eine außerordentliche Hauptversammlung erzwungen. Größere Transparenz, die Demokratisierung des Mitgliedervereins und eine strukturelle Weichenstellung für die Zukunft waren die Hauptanliegen der konsternierten Rapid-Anhänger. Der SK Rapid bereitete sich erwartungsgemäß gut auf die Zusammenkunft vor und händigte jedem Mitglied einen ausführlichen, 99-seitigen Geschäftsbericht über die Jahre 2010 bis 2013 aus.

Sponsoring ok, aber zu wenig als einziges Standbein

Es handelt sich um einen ungeschönten Bericht, der in erster Linie die wirtschaftlichen Errungenschaften und Kompetenzen des Vereins und seiner Mitarbeiter hervorkehrt. Andererseits gibt der Bericht praktisch zu, dass der SK Rapid – wie der Vergleich mit dem FC Basel zeigt – breiter aufgestellt werden muss, um weniger von Sponsorengeldern abhängig zu sein. Dazu gehört nicht nur die Ausgliederung des Profibetriebs in eine Kapitalgesellschaft, sondern auch ein neues Stadion.

Krammer berichtet aus der Reformkommission

Nachdem der Beginn des Abends mit Wortmeldungen von Helmut Schulte und Zoran Barisic eher locker angesetzt wurde, gewann der Vortrag von Ex-Orange-CEO Michael Krammer die Augen und Ohren der Anwesenden. Der Vorsitzende der Reformkommission berichtete über die Ergebnisse aus derselben und erklärte dabei in professionellem und doch verständlichem Maße die Vor- und Nachteile einer Kapitalgesellschaft und einige weitere wichtige strukturelle Eckpunkte. Krammers Auftritt zählte insgesamt wohl zu den professionellsten Darbietungen, denen man bisher im Zusammenhang mit Rapid-Themen beiwohnen konnte…

Thema Stadion wurde eher müde abgehandelt

Ein bisschen anders verhielt sich das mit der Präsentation zur Stadion-Frage durch Projektleiter Peter Fleissner. Zwar stellte die Präsentation ein Commitment des Vereins zu einem Stadionneubau am Standort Hütteldorf dar, allerdings wirkte die Präsentation ein wenig lethargisch und angesichts der anstrengenden Stunden zuvor, stiegen einige der weniger Detail-interessierten Mitglieder bei Fleissners Ausführungen nach und nach aus.

Neue Sitzung, drei Mitglieder im Wahlkomitee

Stichwort Commitment: Die Bereitschaft etwas zu verändern war von allen Beteiligten gegeben. Dies begann damit, dass die neue Satzung des SK Rapid nahezu einstimmig abgesegnet wurde. Diese Satzung ermöglicht den Mitgliedern stärkeres Mitspracherecht und eine Veränderung im Wahlkomitee, das ab sofort paritätisch besetzt ist. Die Mitgliederversammlung wählte Paul Österreicher (Kandidat der Fanszene), Manfred Hofmann (Kandidat der „Initiative Rapid 2020“) und Alfred Terschak (Kandidat von „Rapid bin ich“) in dieses Komitee.

Wichtige Commitments

Nachdem speziell Andy Marek, Rudolf Edlinger, sowie die Präsidiums-Mitglieder Max Palla und Nikolaus Rosenauer eine Vielzahl von Fragen der Initiative „Rapid bin ich“ beantworteten und für Fragen, die nicht ad hoc zu beantworten waren auf die Mailadresse geschaeftsbericht@skrapid.com verwiesen, ging es an die Abstimmung über die von Mitgliedern eingebrachten Anträge. Einstimmig angenommen wurden hierbei die beiden Anträge der „Initiative Rapid 2020“, die dem Verein das Commitment abnahmen alles Notwendige in die Wege zu leiten, um den Verein einerseits in eine nicht börsennotierte Kapitalgesellschaft umzuwandeln und den Stadionneubau am Standort Hütteldorf zu gewährleisten. Der klare Auftrag an die Chefetage des SK Rapid lässt nun keine Hintertürchen offen – Rapid muss im Rahmen des Machbaren Struktur- und Stadionfrage klären. Und machbar ist dies.

Kuhn-Antrag nicht zugelassen

Einen kontroversen Antrag stellte mit Gerhard Weihs ein Mitglied der Initiative „Rapid bin ich“. Das Dienstverhältnis mit General Manager Werner Kuhn sollte zum ehestmöglichen Zeitpunkt beendet werden. Dieser Antrag wurde, gestützt auf die Kompetenzverteilung zwischen Präsidium und Mitgliederversammlung, von Vereinsjurist Nikolaus Rosenauer nicht zugelassen. Was wiederum den Unmut von Teilen des Publikums zur Folge hatte.

Im Sinne der Professionalität

Die juristische Situation rund um den Antrag ist schwer durchschaubar und sicher Gegenstand von möglichen Fachdiskussionen, aber alleine aus Gründen der Professionalität war es absolut richtig, diesen Antrag nicht zuzulassen. Dies würde die Kompetenzen der Mitgliederversammlung bei weitem übersteigen. Die Grundintention des Antrags fällt in die Kategorie Basisdemokratie, die – wie schon Wikipedia sagt – ein diffuser Sammelbegriff ist. Wenn der General Manager eines Unternehmens von der Hauptversammlung abgewählt werden darf, ginge das etwa auch mit einem Spieler und es wäre dabei völlig egal, welchen Schaden der Verein aufgrund einer notwendigen Absetzung nehmen würde. Klar ist Werner Kuhn angezählt und weit davon entfernt der Liebling der Fans zu sein, aber eine Umbesetzung des General-Manager-Postens darf nicht von möglicherweise befangenen Mitgliedern umgesetzt werden, sondern im Idealfall eines der Resultate einer Strukturreform und der damit verbundenen neuen Möglichkeiten innerhalb und auch außerhalb des Klubs sein.

Gesamteindruck positiv

Bis auf diesen kontroversen Antrag verlief die außerordentliche Hauptversammlung des SK Rapid größtenteils gesittet ab und die positiven Abstimmungen über wichtige Eckpfeiler zur Modernisierung und Demokratisierung des SK Rapid Wien sollten dazu beitragen, den Verein weg vom Image der strukturellen und wirtschaftlichen Wundertüte zu führen. So dies erfolgreich umgesetzt wird – und daran wird man in den nächsten Monaten intensiv arbeiten -, wird Rapid auch auf dem grünen Rasen wieder mehr Wunder als Tüte sein.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • Barbarick

    1.Oktober.2013 #1 Author

    Danke für den objektiven Bericht der AHV, auch ich bin der Meinung das GM Kuhn
    sich einige Fehler geleistet hat, nur diese Hetze die auf seine Person losgelassen wurde, finde ich abstoßend. Weiters finde ich es beschämend wenn haltlose Vorwürfe immer wieder aufgewärmt werden. Jetzt noch einen guten neuen Präsidenten und es geht wieder aufwärts mit unserer Rapid.

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