Es war eine gespenstische Stimmung im Gerhard-Hanappi-Stadion. Nachdem Rapids aktive Szene nach etwa einer Stunde die Tribünen räumte, beschränkte sich der Support auf das...

Es war eine gespenstische Stimmung im Gerhard-Hanappi-Stadion. Nachdem Rapids aktive Szene nach etwa einer Stunde die Tribünen räumte, beschränkte sich der Support auf das Einklatschen der Rapid-Viertelstunde. Der Aufsteiger aus dem Lavanttal war in der einstigen Fußballfestung mit 2:0 in Führung gelegen. Was war an diesem Tag bis dato geschehen?

Peter Schöttel schickte eine äußerst eigenartige Formation aufs Feld. Nominell handelte es sich dabei um ein 4-1-4-1-System – die Liste der aufgestellten Spieler in Kombination mit den Kickern, die auf der Bank Platz nehmen mussten, sorgten zuerst für ungläubige Gesichter, schon nach wenigen Minuten aber nur noch für Kopfschütteln auf der Tribüne.

Boyd auf der Bank – falsche Prioritätensetzung

Pichler und Schimpelsberger, zuletzt mit leicht ansteigender Formtendenz, blieben zu Beginn auf der Bank. Auch Terrence Boyd musste zunächst zusehen und dem 19-jährigen Dominik Starkl weichen, der als Solospitze komplett alleine auf weiter Flur war und vom Mittelfeld praktisch nie bedient wurde. Boyd anfänglich auf die Bank zu setzen war trotz der insgesamt schwachen Leistungen des US-Amerikaners in den letzten Wochen komplett unverständlich. Vom grün-weißen Personalmangel abgesehen: Boyd ist in der fußballersprichwörtlichen „Kist’n“ und braucht Erfolgserlebnisse – und die wird er nicht auf der Ersatzbank feiern, sondern am ehesten gerade in einem Heimspiel gegen einen Aufsteiger. Für Rapid wäre es derzeit wesentlich wichtiger Boyd zu einem „Killer“ zu machen, als dem jungen Starkl, der noch viel mehr Zeit hat, sicher brav verdiente Minuten zu verschaffen.

Rapid-Mittelfeld peinlich

Allerdings hätte auch Boyd kaum Chancen vorgefunden, denn das Rapid-Mittelfeld spielte völlig uninspiriert, unkreativ, emotionslos und fehlerhaft. Auf dem Papier war das kopflose Mittelfeld des Vizemeisters um nichts besser als das des Aufsteigers aus Wolfsberg – auf dem Feld sogar wesentlich schlechter als der Tabellensechste. Heikkinen präsentierte sich fehleranfällig, ebenso wie Wydra, der jedoch mit guter Übersicht zeitweise überzeugte (wenn auch noch nicht jede seiner Ideen aufging). Burgstaller versuchte es einmal mehr mit Dynamik, blieb aber immer wieder hängen und tat auch nichts Überraschendes/Unerwartetes, Grozurek war praktisch unsichtbar und Prokopic derselbe körperlose, nichtssagende Spieler, der er schon vor seiner Verletzung war.

Unkreativer Spielaufbau, zu viele Fehlpässe

Die Ängstlichkeit Rapids bemerkte man bereits im Spielaufbau. Vor allem der erneut schwache Gerson und Heikkinen trieben den Ball viel zu langsam aus der eigenen Hälfte, suchten fast nur Bälle in die Breite oder schlugen haarsträubende hohe Fehlpässe in die Tiefe. Aufgrund der Konterstärke der Wolfsberger traute man sich aber nicht höher aufzurücken, weil man sonst im Rückraum sehr anfällig auf schnelle Gegenstöße gewesen wäre. Manuel Kerhe auf der linken und Jacobo auf der rechten Seite punkteten mit Schnelligkeit und technischer Stärke.

Abstände wären zu verringern gewesen

Wären die spielaufbauenden Kicker allerdings nach vorne aufgerückt hätte Rapid zwei Vorteile erhalten: Einerseits hätte man gerade den stark konternden Wolfsberg-Flügeln ein unangenehmeres Defensivspiel aufzwingen können – Rapid wäre geschlossen als Mannschaft (!) näher am gegnerischen Tor gewesen. Zudem wären die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen kleiner geworden, weil vor allem Stürmer Dominik Starkl dauerhaft dieselbe Grundposition bekleidete. Wenn alles näher zusammenrückt funktioniert das Umschaltspiel und Kurzpässe besser und weite Bälle ins Nirvana wären nicht „notwendig“.

Kein Selbstvertrauen, keine Chefs

Eine Frage, die sich jedoch dennoch stellt: Selbst wenn Rapid die taktischen Fehler abgestellt hätte, wäre ein Erfolg gegen Wolfsberg unwahrscheinlich gewesen. Es fehlten Ideen, Dynamik, Spielfreude und Selbstvertrauen – Dinge, von denen man bei einer durchschnittlich spielenden Wolfsberger Mannschaft einige sah. Hinzu kam noch das alte Problem mit dem Spielverlauf: Rapid geriet früh in Rückstand und Wolfsberg spielte nach dem 1:0 dementsprechend. Gegen bewusst passive, auf Konter lauernde Gegner, ist Rapid komplett hilflos – und zwar nicht nur mit einer Rumpftruppe wie im gestrigen Spiel, sondern auch in Bestbesetzung. Es fehlen die Chefs, die das Heft in die Hand nehmen, wenn’s brenzlig wird. Es bleibt dabei, dass der aktuell verletzte Steffen Hofmann nicht alles alleine machen kann.

WAC nicht glänzend, aber mit gutem Gespür

Wolfsberg holte nun aus zwei Spielen gegen den Rekordmeister sechs Punkte und hält bei 3:0-Toren. Wirklich überragende Leistungen waren dabei jeweils nicht nötig, doch Trainer Nenad Bjelica bewies durchaus Gespür, indem er etwa Manuel Kerhe gegen Markus Katzer brachte und den brav abräumenden, jungen Roland Putsche statt des angeschlagenen Michele Polverino brachte. Eine gute Leistung von Torhüter Christian Dobnik komplettierte eine solide und erfolgreiche zweite Rapid-Partie für den WAC.

Viele Ballgewinne und gutes Umschaltspiel

Wolfsberg machte Rapid mit zweierlei Mitteln das Leben schwer: Einerseits gewann man im Mittelfeld sehr viele Bälle, vor allem „verlorene“, die von Rapids Mittelfeldakteuren zu unpräzise gespielt wurden. Weiters stand der WAC sehr tief und schaltete aus dieser tiefen Grundordnung bei Ballbesitz blitzschnell nach vorne um. Im Laufe der zweiten Halbzeit jedoch begann Wolfsberg das Spiel sogar phasenweise zu kontrollieren.

Rapid-Vorstand: Die Luft wird dünner

Die Rapid-Fans quittierten den Auftritt ihrer Mannschaft mit dem Abmontieren der Transparente, dem Verlassen des Stadions und „Vorstand raus“-Rufen. Die Fans haben erkannt, dass es nicht die Spieler sind, die an der Rapid-Misere Schuld sind, sondern diejenigen, die diese Spieler holten bzw. andere, bessere nicht holten. Die Luft wird dünner für die Verantwortlichen des SK Rapid und morgen wird es auf abseits.at einen weiteren sehr ausführlichen Artikel über die Probleme beim Rekordmeister geben!

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • tramina

    13.November.2012 #1 Author

    Lieber Daniel Mandl,

    Du hast ja mit deinem vor kurzem veröffentlichten
    Beitrag über die Probleme in Rapids Führungsetage einen neuen Trend
    eingeleitet. Auf diesen Zug sind ja innerhalb kürzester Zeit sämtliche Gazetten
    des Landes aufgesprungen. Gratulation. Ich kann deine Kritikpunkte
    nachvollziehen und bin ganz deiner Meinung.

    Seltsamerweise wird dieses katastrophale Spiel vom
    Sonntag, dem neuen Trend folgen, von vielen Seiten ebenfalls dem Vorstand
    zugeschrieben. Dies halte ich allerdings für vollkommenen Schwachsinn!!!

    Keine Frage, mit besserem Management wäre sicherlich
    auch der Kader qualitativ besser. Ob er jedoch größer wäre, wage ich zu
    bezweifeln. Der Kader Rapids ist mMn für einen österreichischen Klub, auch wenn
    er EL spielt, quantitativ in Ordnung. Wenn dann, so wie bei Rapid momentan, mit
    Hofmann, Drazan und Alar drei offensive Stammkräfte ausfallen(zusätzlich noch
    der im Aufbauspiel sehr wichtige Ildiz), ist das für jede Mannschaft schwer zu
    verkraften, keine Frage. Eine derartige Vorstellung ist damit aber sicher nicht
    zu entschuldigen!!!

    Der Verantwortliche für den sportlichen Bereich ist nun mal Peter Schöttel. Dieser hat das am Sonntag Dargebotene auch zu
    verantworten!

    Ich kann dir nur zustimmen bezüglich eigenartiger Formation (4-1-4-1). Vor allem hatte ich den Eindruck, dass die Spieler absolut keine Ahnung hatten, wie diese Formation gespielt werden soll. Da wusste keiner über seine Laufwege, Raumaufteilung etc. Bescheid. Ob mit dieser Formation irgendwelche Spielzüge einstudiert wurden wage ich auch zu bezweifeln!!!

    Dass den Problemen im Aufbauspiel durch Verringerung der Abstände zwischen den Mannschaftsteilen beizukommen gewesen wäre sehe ich nur bedingt. Einen defensiv eingestellten Gegner durch schnelles Kurzpassspiel aus seiner Position zu locken ist ein probates Mittel, allerdings mit Heikkinen im DM sowie Katzer und Trimmel auf den Außenverteidigerpositionen fast unmöglich, da diese eine gefühlte Ewigkeit brauchen einen ihnen Zugespielten Ball unter Kontrolle zu bringen. Dieses behäbige Aufbauspiel ist nun mal relativ einfach zu verteidigen.

    Dem Titel dieses Artikels „schwächer denn je“ muss ich wiedersprechen. Ich bin der Meinung dass Rapid genau 5 Wochen zuvor zumindest eine Halbzeit lang genau so mies war. Ich bin generell der Meinung, dass das Spiel gegen den WAC irgendwie eine Fortsetzung der ersten Halbzeit gegen Wiener Neustadt war(früher Rückstand, defensiver Gegner, kein Plan im Rapid-Spiel).

    Mit der Erinnerung an das Wiener Neustadt Spiel und in Anbetracht des zur Verfügung stehenden Spielermaterials ergibt die sonntägige Formation allerdings noch weniger Sinn. Das Überladen der Flügel um dann hohe Bälle in den 16er zu schlagen hat diese Saison bei Grün-Weiss meistens funktioniert. Damit wurde es 2. HZ gegen Wr. Neustadt auch besser und noch ein Punkt geholt. Es erfordert nicht unbedingt geniale Kreativspieler. Das 4-2-3-1 ist den Spielern vertraut, Schimpelsberger hinter Trimmel sowie ein offensiver Schrammel hinter einem inversen Grozurek hätten Boyd mit Bällen gefüttert. Pichler vor der Abwehr um bei den Vorstößen der Außenverteidiger abzusichern hat erste Halbzeit in Leverkusen relativ gut funktioniert. Auf der 8 der ballsichere Wydra, davor Burgstaller mit allen Freiheiten…

    So einer Formation hätte ich schon einiges zugetraut… und so schlecht lesen sich diese Namen auch nicht…

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