Jeden Sonntag wollen wir an dieser Stelle Briefe aus aktuellem Anlass versenden. Mit Gruß und Kuss direkt aus der Redaktion – Zeilen zum Schmunzeln,... Briefe an die Fußballwelt (9): Lieber Werner Gregoritsch!

Jeden Sonntag wollen wir an dieser Stelle Briefe aus aktuellem Anlass versenden. Mit Gruß und Kuss direkt aus der Redaktion – Zeilen zum Schmunzeln, Schnäuzen und Nachdenken an Fußballprotagonisten aus allen Ligen. Diesen Sonntag adressieren wir unseren Brief an Werner, den edlen Meister des runden Leders.

Lieber Werner Gregoritsch!

Dieses Briefeschreiben ist manchmal gar nicht so leicht. Kritik und Tadel teilt man gerne aus, bei Lob werden – so selbsternannte kritische Geister wie ich – schnell sparsam. Und manchmal muss man überhaupt über seinen Schatten springen und einige Zeilen jemandem widmen den man nicht sympathisch findet. Du bist so jemand, „Gregerl“! So richtig nett finde ich dich nämlich nicht. Dabei stören mich nicht deine hemdsärmelige Art, dein breites Steirisch oder deine Wutausbrüche an der Seitenlinie.

Ich erinnere mich noch gut an jene „Heurigenrunde“, wo du mit anderen Fußballlegenden wie Prohaska und Polster einhellig über den (später erfolgreichen) Neo-Teamchef Koller g‘motschkert hast. Doch nicht einmal das ist für mich der springende Punkt, es waren diese homophoben Ausrutscher, die Momente, in denen dein Temperament mit dir durchging und du ausfallend wurdest. Das nervt einfach und irgendwo gehört es sich nicht. Doch ich muss deine Meinung akzeptieren. Demokratie lebt ja schließlich von falschen Ansichten.

Jetzt ist dir erstmals in der ÖFB-Geschichte die Qualifikation für eine U21-EM-Endrunde gelungen. Das zeugt von Qualität. Viele hatten anfangs Zweifel, jetzt gibt der Erfolg DIR Recht. Du hast über Jahre etwas aufgebaut und das ist für ein U21-Mannschaft, dem oft die Besten schon für das A-Team weggeschnappt werden, gar nicht so leicht. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass du dich selbst verändert hast. Du sagtest vor kurzem: „In 20 Jahren hab’ ich gelernt: Selbstbewusstsein ist gut, aber ja nicht groß Herumposaunen. Ich sehe das Ganze jetzt anders. Deswegen gibt es wohl auch diese menschliche Ebene mit den Spielern, die passt.“

Als Trainer hast du schon Erfolge mit dem GAK und Kapfenberg gefeiert, aber jetzt arbeitest du mit Österreichs besten Jungen. Da ist ordentlich was weitergegangen. Jetzt wünscht du dir als Realist einen Sieg, glaubst aber an den zweiten Gruppenplatz. Ich sage dir was, Werner, daran glaube ich mittlerweile auch.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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