Ashley Barnes wird am 30. Oktober 23 Jahre alt und könnte dorthin kommen, wo alle jungen englischen Fußballer hin wollen. Sein Verein, Brighton &... „Es wäre ein Wahnsinn und eine große Chance, um zu zeigen, was ich kann.“ – Dank der Oma wartet Ashley Barnes auf Marcel Kollers Anruf

Ashley Barnes wird am 30. Oktober 23 Jahre alt und könnte dorthin kommen, wo alle jungen englischen Fußballer hin wollen. Sein Verein, Brighton & Hove Albion, liegt als Aufsteiger derzeit auf dem ausgezeichneten fünften Platz in der Championship. Doch aufgrund eines Teils der Familie könnte er trotz der Staatsbürgerschaft im Land von Wayne Rooney Nationalteamspieler werden – in Österreich. Alles Weitere verrät er im Interview.

Ashley, danke für das Interview! Wie geht es Ihnen?

Es tut mir mal leid, dass ich kein Deutsch spreche. Und mir geht es gut, danke.

 

Wie ist denn das Leben in Brighton?

Es ist eine tolle Stadt am Meer. Es gibt viele Menschen und es ist nahe an London dran, vielleicht 30 Minuten mit dem Zug. Es ist die Hauptstadt der Lesben- und Schwulengemeinde.

 

Die Championship ist eine sehr harte Liga. Wie fühlen Sie sich in dieser Liga?

Es ist eine harte Liga, die sehr schnell ist. Viele Teams können sich gegenseitig schlagen. Die individuelle Qualität ist sehr hoch, viele Spieler kommen von der Premier League runter.

 

Wird Brighton aufsteigen?

Wieso nicht? Wir sind gut dabei, nicht weit weg von den Play-Offs. Zwölf Spiele gibt es noch und vielleicht schaffen wir die Sensation.

 

Warum läuft es diese Saison bei Ihnen so gut?

Ich weiß es nicht wirklich. In der letzten Saison habe ich 20 Tore gemacht, in dieser habe ich gut angefangen und ein paar gemacht, einige vom Elfmeterpunkt. Ich habe auch viele aus dem Spiel gemacht, 12 insgesamt, das ist nicht schlecht. Letztes Jahr war es noch in der League One, dann sind wir aufgestiegen. Da sind die 12 sehr gut.

 

Man sieht, dass Sie sich sehr gut bewegen.

Ja, ich werde von Tag zu Tag besser unter Coach Gus Poyet. Er hat mich als Spieler weiter gebracht. Ich habe auf verschiedenen Positionen gespielt, Mittelstürmer, Außenbahn oder hinter dem Stürmer.

 

Hat ihre Leistung schon Interessenten auf den Plan gerufen? Wer Ashley Barnes will, muss zahlen?

Jetzt in dem Moment nicht, wir haben noch ein paar Spiele bis zum Ende der Saison und ich habe noch ein Jahr Vertrag hier. Es kommt dann drauf an, ob die Option gezogen wird oder ob der Verein noch zuwartet. (Anm.: Der Vertrag läuft im Sommer 2012 aus, aber es gibt eine vereinsseitige Option)

 

Aber es gibt ja jetzt auch wieder nicht so viele Stürmer die zehn Tore oder mehr schießen!

Genau, nur ein zweiter Stürmer und ich haben viele Tore geschossen (Anm.: bei Brighton). Es ist sehr hart, ein Spieler von Southampton hat schon 20 Tore erzielt, Rickie Lambert. Er spielt eine unglaubliche Saison.

 

Also es gibt den neuen Vertrag. In Zusammenhang mit Ihren Leistungen – rechnen Sie da irgendwie mit einem Wechsel?

Hoffentlich, aber ich bin ja noch jung. Die Premier League wäre schon sehr toll. Aber ich konzentriere mich auf Brighton und versuche so viele Tore wie möglich in dieser Saison zu machen. Und dann schauen wir weiter.

 

Würden Sie auch das Land verlassen, wenn es ein Erstligaverein ist?

Ja, darüber müsste man nachdenken, welche Optionen es gibt.

 

Wie ist die taktische Ausrichtung? Wie würden Sie ihre Rolle beschreiben?

In diesem Team gibt es einen Stürmer und zwei Flügel im 4-3-3 und das ist sehr gut. Ich spiele oft am rechten Flügel oder in der Mitte, aber auch im Mittelfeld. Überall im Mittelfeld. Ich bin da als Freigeist und ich kann überall hingehen, wo ich treffe.

 

Und sehen sich auch als einziger Mittelstürmer im 4-2-3-1?

Ja, das würde meine Stärken hervorkehren, ich habe diese Rolle schon öfters eingenommen, als einziger Stürmer. Es ist zwar ein harter Job, aber ich hab das schon letztes Jahr öfters gespielt, ich traue mir das zu.

 

Ich muss Sie jetzt mal ein paar Dinge über Österreich fragen. Sie sind nicht so oft in Österreich, oder?

Nein, eigentlich gar nicht.

 

Ihre Großmutter ist ja aus Österreich. Und damals, so steht es auf Wikipedia, haben Sie da einfach beim ÖFB angerufen und gesagt „Hey, ich bin jung und will für euch spielen?“

Naja, damals hat mein Agent mit jemandem gesprochen. Ich war bei Plymouth unter Vertrag und wir waren in der Saisonvorbereitung in Österreich. Und Andreas Heraf hat mich einmal beim Training beobachtet und mich gefragt, ob ich mal mitspielen möchte. Ich habe dann gesagt „Klar!“

 

Und wie war das für sie?

Ich habe ein Spiel gegen die Schweiz gespielt und es war eine tolle Erfahrung.

 

Hat sich jemals wieder jemand bei Ihnen gemeldet?

Nein, ich habe seitdem mit niemandem gesprochen. Aber ich warte eigentlich immer auf den Anruf.

 

Vielleicht kommt er nach unserer Story!

Ja, man weiß nie…

 

Kennen Sie andere österreichische Stürmer?

Nein, der einzige österreichische Spieler, den ich kenne, ist Paul Scharner von West Brom. Die meisten spielen in Deutschland, oder?

 

Ja, aber Marc Janko wechselte zum Beispiel von Twente Enschede zu FC Porto. Aber wenn Marcel Koller anrufen würde, wäre es so gut wie das erste Mal?

Es wäre ein Wahnsinn und eine große Chance, um zu zeigen, was ich kann.

 

Und Sie denken, ihr Verein würde Sie dabei unterstützen? Es würde Sie ja auch teurer machen!

Das stimmt. Sie würden mit mir als Nationalspieler mehr Geld verdienen. Wir haben darüber geredet und sie würden mich dabei unterstützen, für Österreich zu spielen.

 

Ist das englische Nationalteam also weniger ein Thema?

Es gibt so viele gute Stürmer, aber man weiß nie. Ich kann mich noch entscheiden, ob ich für Österreich oder England entscheide. Klar, wenn ich bald für Österreich spiele, würde ich natürlich nie für England spielen.

 

Wenn Sie ein paar Jahre in die Zukunft schauen, sagen wir, zwei Jahre. Wo spielen Sie? Mit Österreich in Brasilien?

Ja, das wäre brillant.

 

Also sollten Sie danach nicht viel besser werden, damit sie für England nicht interessant werden!

Ja [lacht]. Ich muss aber noch die Sprache lernen, oder?

 

Nein, das ist sicherlich kein Problem. Wir haben ja einen Schweizer als Nationaltrainer.

[lacht]

 

Das Interview führte Georg Sander

Georg Sander

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