Im siebten Spiel der WM-Qualifikation 2014 musste das österreichische Fußballnationalteam in Münchnen gegen Deutschland antreten. In der ausverkauften Allianz Arena ließen die Gastgeber der... Keine Chance für ÖFB-Team – Deutschland dominiert das Zentrum und gewinnt 3:0

Marcel KollerIm siebten Spiel der WM-Qualifikation 2014 musste das österreichische Fußballnationalteam in Münchnen gegen Deutschland antreten. In der ausverkauften Allianz Arena ließen die Gastgeber der ÖFB-Auswahl keine Chance und gewannen 3:0. Miroslav Klose sorgte in der 33. Minute für die Führung, Toni Kroos und Thomas Müller legten nach dem Seitenwechsel nach.

Seit Marcel Koller das Teamchefamt beim ÖFB übernommen hat steht das Team für hohes Pressing und schnelles Umschaltspiel. In diesem Spiel war jedoch nicht viel davon zu merken. Das hatte vor allem mit der deutschen Dominanz auf der Zentralachse zu tun. In Ballbesitz zeigte die Truppe von Joachim Löw gute Abläufe, die das Pressing der Österreicher zerrissen, gegen den Ball ließen sie ihnen kaum Luft und erzwangen schnelle Ballgewinne.

Bei Deutschland sitzt auch Plan C

Sowohl Löw als auch Koller mussten auf wichtige Spieler verzichten. Aufseiten der Deutschen fiel mit Bastian Schweinsteiger der Antreiber im Mittelfeld aus. Dem nicht genug musste auch Ilkay Gündogan, der dem Bayer am ähnlichsten ist und zuletzt groß aufspielte, verletzt passen. Deshalb begann mit Kroos die nominelle Nummer drei der Achterhierarchie, was jedoch kein negatives Zeichen für dessen Qualität ist. Nicht nur wegen seines Tores zeigte der 23-Jährige eine starke Leistung, überzeugte mit seinem intelligenten Positions- und präzisen Passspiel. Neben ihm begann mit Sami Khedira der zweite wichtige Akteur des Abends.

Dahinter stand Bayerns Jerome Boateng anstelle von Mats Hummels in der Startelf, was bei einigen für Verwunderung sorgte. Dabei agierte der Dortmunder in der aktuellen Saison weit weg von seiner Topform und musste auch nach dem 3:3 gegen Paraguay viel Kritik einstecken. Per Mertesacker, der zweite Innenverteidiger im besagten Spiel, hingegen zeigte in den letzten Spielen von Arsenal souveräne Leistungen und zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen mit einer starken Partie zurück. So setzte er das von Löw geforderte offensive Verteidigen gut um, leitete mit einem gewonnen Zweikampf in Österreichs Spielhälfte das 2:0 ein.

Zwei österreichische Schlüsselspieler fehlen

Auch Koller fehlten Stützen im Zentrum. Julian Baumgartlinger, der Stabilisator im defensiven Mittelfeld, saß eine Gelbsperre ab und wurde von Veli Kavlak ersetzt. Der Besiktas-Legionär zeigte sich äußert engagiert und bissig, war stets bemüht, Löcher im Mittelfeld zu stopfen, konnte aber kaum entscheidenden Druck auf seinen Gegenspieler ausüben. Darüber hinaus musste mit Zlatko Junuzovic ein zweiter wichtiger Spieler kurzfristig passen. Mit seiner Laufstärke ist er als Zehner eine tragende Säule im Pressing und so ist es wohl auch zum Teil auf das Fehlen des Bremers zurückzuführen, dass das ÖFB-Team kaum Zugriff auf das deutsche Aufbauspiel erlangte.

An seiner Stelle begann mit Andreas Weimann ein gänzlich anderer Spielertyp, zumal dieser gelernter Stürmer ist und bei Aston Villa über die Seiten kommt. Dadurch verschob sich die Grundformation in Richtung eines 4-4-1-1 mit Martin Harnik als Solospitze sowie Marko Arnautovic und Andreas Ivanschitz auf den Außenpositionen im Mittelfeld. Die beiden Flügelspieler fanden aber nie richtig ins Spiel, standen gegen den Ball oft falsch und konnten im Offensivspiel keine Akzente setzen. Der Doppeltausch nach 66 Minuten war die logische Folge.

Viele Fehlpässe im Aufbauspiel

Dass die Offensivspieler weniger in Erscheinung traten, lag jedoch auch an der fehlenden Anbindung an die restlichen Mitspieler. Zu stark war das Pressing der Deutschen, zu hektisch und ungenau agierte man selbst im Spiel von hinten heraus. Aufgrund des hohen Tempos, das die DFB-Elf anschlug ließ man sich zu vielen langen Bällen und ungenauen Zuspielen zwingen. Nachstehend ein Beispiel dafür.

Im linken Bild sieht man die Ausgangsposition. Almer hat den Ball und die Österreicher sind in der Überzahl, spielen diese aber nichtmal in Ansätzen aus. Der deutsche Stürmer positioniert sich nah am rechten Innenverteidiger und lenkt das Spiel damit auf den linken Innenverteidiger, der scheinbar viel Platz hat. Im Zentrum ist David Alaba, auf der linken Seite Christian Fuchs zugestellt. Nach dem Abspiel läuft der Stürmer den ballführenden Spieler bogenförmig an (rechtes Bild). Ein Wechselpass ist deshalb sehr riskant, womit die beiden komplett freien Mitspieler wirkungslos sind. Alaba und Fuchs sind weiterhin blockiert, weshalb Emanuel Pogatetz zum langen Ball greift undden Deutschen quasi den Ball schenkt.

Deutsche Überlegenheit auf den Außen

Deutschland hingegen trug seine Angriffe deutlich strukturierter und variantenreicher vor. In der ersten Halbzeit wurden sie insbesondere über die Außenbahnen gefährlich – vor allem über Österreichs linke Abwehrseite. Dies hatte mehrere Gründe. Zum einen begann dort mit Fuchs der defensiv nominell schwächere Außenverteidiger. Zum anderen agierte vor diesem Ivanschitz bei Seitenverlagerungen sehr eng – in manchen Fällen verschob er schlicht und einfach zu langsam -, wodurch Philipp Lahm und Thomas Müller Tempo aufnehmen konnten. Zudem zog Marco Reus, der linke Flügelspieler der Deutschen verstärkt ins Zentrum und gab die anfangs durchaus effektive Pärchenbildung mit seinem Vereinskollegen Marcel Schmelzer auf. Dass all diese Punkte bei der Führung zusammenkamen, war keine große Überraschung.

Hier sieht man, dass Reus (gelb) weit außerhalb seiner eigentlichen Position den rechten Halbraum überlädt. Da der Pass hinter die Doppelsechs (weiß) gespielt wird, orientieren sich Fuchs (schwarz) und Ivanschitz (blau) ins Zentrum. Dadurch bietet sich Müller (rot) auf der Außenbahn extrem viel Raum, den er anschließend zur Flanke nützt.

Kein Mittel gegen Deutschlands vertikale Doppelsechs

Ebenfalls wichtig in der obigen Szene war die Bewegung von Khedira, der sich zusätzlich zu Reus in den Halbraum bewegte und so für ein noch stärkeres Unwohlbefinden bei den österreichischen Außenspielern sorgte. Diese vertikalen Vorstöße des Sechsers kamen vor allem in der ersten Halbzeit, in der es noch darum ging, Räume aufzureißen, extrem häufig vor und waren für das ÖFB-Team nicht in den Griff zu bekommen. So ging auch die hochkarätige Möglichkeit von Reus kurz vor dem 1:0 auf dieses Verhalten zurück.

Khedira kommt aus der Tiefe mit Tempo und läuft gerade durch. Kavlak, als sein direkter Gegenspieler, muss diese Bewegung zunächst mitmachen, sonst wäre der Real-Star im Rücken des Außenverteidigers anspielbar. Dahinter muss Alaba ebenfalls etwas zurückweichen um abzusichern und den direkten Passweg in die Spitze zuzustellen. Dadurch ist aber jener auf die ballferne Seite frei, auf der gleich drei deutsche Spieler freistehen. Diese haben in der Folge keine Mühe die Überzahlsituation auszuspielen und scheitern erst am starken Schlussmann Robert Almer.

Während in den hohen Zonen dafür Khedira zuständig war, übernahm Kroos diese Aufgaben im Aufbauspiel. Dadurch drängte man einen ÖFB-Stürmer – meist war es Weimann – nach hinten, woraufhin die Innenverteidiger keinen Druck hatten. Entschloss sich Weimann trotzdem zu pressen, ließ das Räume für Kroos, dem einrückenden Reus sowie dem auf die Seiten ausweichenden Mesut Özil.

Schwere Beine schon nach einer Stunde?

Dieser Spielweise der Deutschen, die den Ball schnell zirkulieren ließen, hatten die Österreicher nur ihre aufopferungsvolle, laufintensive Spielweise entgegenzusetzen. So kam bei dem einen oder anderen Akteur bereits nach rund einer Stunde der Verdacht auf, er hätte schwere Beine und anstatt einem kam man zwei oder gar drei Schritte zu spät. Besonders die Stürmer beteiligten sich in dieser Phase kaum am Defensivspiel, wodurch immer wieder der Rückraum unbesetzt blieb. So konnte Kroos dort ohne großen Druck die Befreiungsschläge umgehend verarbeiten und den Druck hoch halten. Auch das Tor erzielte er aus dieser Zone.

Dennoch kamen die Österreicher in den letzten 20 Minuten noch das eine oder andere Mal gefährlich vors Tor. Wenig überraschend ist es, dass dabei stets Alaba beteiligt war. Die Deutschen schraubten die Intensität ihres Pressings etwas zurück, wodurch Österreichs Nummer acht mehr Platz erhielt. Nach dieser kurzen Drangphase drückten die Gastgeber jedoch wieder aufs Gas und versetzten dem ÖFB-Team in der 88. Minute den Todesstoß.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

  • tf

    7.September.2013 #1 Author

    Anspielstationen im Mittelfeld und außen zustellen und dann den IV attackieren, der den Ball unkontrolliert nach vorne drischt. Ein oft gesehenes Rezept, das die Deutschen anwandten, keine Innovation. Auch daß Özil gerne auf den rechten Flügel geht, war hinlänglich bekannt. Daß die Bayernflanke mit Lahm und Müller + dem ausweichenden Özil offensiv viel stärker ist als die linke Flanke mit den Dortmund Spielern, kann man in jedem Spiel der Deutschen bewundern.

    Es ist auch bekannt, daß unser Team defensiv rechts stärker ist als links. Bedeutet: die starke Offensivseite der Deutschen trifft auf unsere schwache Defensivseite. Ich habe mich daher schon vor dem Spiel gefragt, wie Koller dieses Kernproblem lösen will. Umso überraschter war ich, als er den im Vergleich zu Arnautovic defensiv deutlich schwächeren Ivanschitz auf den linke Flügel sah. Taktischer Epic Fail von Koller, den er ohne Auswechslung hätte korrigieren können. Aber -wie so oft – hatte der Tamchef keinen Plan B im Talon.

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