Der LASK empfing am Freitag die Lustenauer Austria in Pasching. Die Gäste wissen mit für die zweite Liga unüblich gutem Kombinationsspiel zu überzeugen, während... 3:1 über Austria Lustenau: Der LASK gewinnt das „Duell der Direkten“

_LASK Linz Wappen Stripes

Der LASK empfing am Freitag die Lustenauer Austria in Pasching. Die Gäste wissen mit für die zweite Liga unüblich gutem Kombinationsspiel zu überzeugen, während der LASK auf Individualität fokussiert ist. Wir haben uns das interessante Spiel der nah in der Tabelle beieinander stehenden Mannschaften für euch angesehen und näher analysiert.

Prinzipielle Ausrichtungen

Die Linzer setzten ihr hohes Mittelfeldpressing in einem 4-4-2 um. Dieses war sehr mannorientiert ausgerichtet, man versuchte stets nah am Gegenspieler zu sein und ihn bereitsbei der Ballannahme zu stören.

Zwar gab es immer wieder kluges Anlaufen  und raumorientiertes Zustellen der Diagonalpässe in die Halbräume, meistens blieb man jedoch bei den Mannorientierungen, was teilweise merkwürdige Staffelungen zur Folge hatte. Die entstanden Löcher durch das Verfolgen der Gegner wussten die Lustenauer geschickt zu nutzen und immer wieder fanden die Mannen von Trainer Chabbi den Zwischenlinienraum.

Im Aufbau blieben die Gastgeber bei ihrer 4-4-2-Grundordnung, was für problematische Staffelungen sorgte. Immer wieder agierten vier Spieler auf derselben horizontalen Linie, nur allzu selten wurden geöffnete Räume wieder besetzt.

Ebenso Dreiecksbildungen waren bei den Linzern nur selten zu sehen, die sich scheinbar sowieso lieber auf Flügelangriffe und individuelle Aktionen von Fabiano fokussieren wollten. Der unterstützende Gartler war hierbei ein guter Partner für Fabiano, wenngleich er in einer kombinativeren Mannschaft besser aufgehoben wäre.

Am gefährlichsten wirkte der LASK bei Kontern, die jedoch meist schon im Ansatz von Lustenau unterbunden wurden. So waren es vielmehr Gegenkonter, also Konter nach Ballgewinnen bei einem Konter von Lustenau, nach denen die Linzer ansatzweise Chancen hatten. Diese Angriffe wurden aufgrund von zu flachen Staffelungen und inflationärem Verwenden von hohen Flanken aus ungünstigen Positionen meist schwach ausgespielt.

Austria Lustenau agierte im Aufbau sehr mutig und band Torhüter Knett konstant ein. Schon die Abstöße wurden meist kurz gespielt, selbst wenn ein Gegner in der Nähe war. Knett löste ein, zwei Situationen mit Pässe durch Schnittstellen sehr gut, sodass seine Mitspieler sich aus dem Pressing des LASK leicht befreien konnten.

Zudem kippte Bolter immer wieder ab, wenn dies nötig war und bildete Überzahl mit den Verteidigern gegen die Doppelspitze im Linzer Pressing. Mit geduldiger Ballzirkulation und unterstützenden Bewegungen der Achter und der Flügelstürmer im Halbraum konnten die Vorarlberger immer wieder die erste Pressinglinie überspielen.

Man scheute jedoch auch nicht vor dem weiten Ball zurück, Zielspieler war hierbei Dwamena. Diese hohen Bälle kamen meist recht genau, da sie nicht in Bedrängnis gespielt wurden, sondern gut vorbereitet waren, sodass die Sturmspitze sie meist gut kontrollieren konnte.

Dem situativ hohen 4-3-3-Pressing der Lustenauer konnten die Linzer nur schwer entgehen, die strukturellen Gegebenheiten im klassisch flügellastig interpretierten 4-4-2 ließen dies nicht wirklich zu.

Schaffte es der LASK trotzdem irgendwie den Ballvortrag voranzubringen, dann formierten sich die Vorarlberger in einem kompakten mannorientierten 4-1-4-1/4-2-3-1 Hybrid.

Im Gegenpressing waren die Gäste sehr aggressiv und agierten kollektiv, weshalb sie den Linzern immer wieder den Ball nach eigenem Ballverlust sofort abluchsen konnten.

Ansehnliche Lustenauer, stumpfe Linzer

Die Gäste aus Vorarlberg manövrierten den Ball stets geschickt in ihren Reihen und lockten durch immer wiederkehrende Kurzpassstafetten das Pressing der Linzer an, um die Räume dahinter zu bespielen oder das Spiel auf die andere Seite zu verlagern. Dies machte man so gut, dass man am Ende der Halbzeit ganze 66% des Ballbesitzes verbuchen konnte.

Trotz des deutlich besseren Beginns der Lustenauer erzielte der LASK das erste Tor der Partie, als nach einem Konter Gartler in die Schnittstelle bedient wurde und Torwart Knett überhob. Leider schien das die Gäste etwas verunsichert zu haben, Abstöße wurden zum Beispiel nicht mehr konstant kurz abgespielt, man schien nun zu sehr „auf Sicherheit“ spielen zu wollen. Auch im Aufbau fokussierte man seltener Schnittstellenpässe, obwohl man die Partie vorhin so dominiert hatte.

Die Mannorientierungen Lustenaus wirkten sich ebenfalls negativ aus: Da die Linzer sehr oft mit einer simplen, direkten Pass-Ablage-Vertikalpass-Taktik nach vorn zu kommen versuchten, ist es wichtig, keine wichtigen Räume zu öffnen. Werden die zurückfallenden Bewegungen von den Gegnern verfolgt, so entstehen jedoch genau diese Räume, da die Viererkette mit einer Doppelspitze und hohen Flügeln recht leicht zu binden ist.

Nach einer circa fünfminütigen Schockstarre fanden die Gäste aus dem Ländle jedoch wieder besser ins Spiel, indem sie wieder deutlich kombinativer agierten. Nach jedem Pass gab es stets mehrere Anspielstationen, das Offensivwerk der Lustenauer war ständig in Bewegung, sodass es immer wieder Drei- und Vierecke gab, mit denen man die Linzer Defensivspieler auszuspielen vermochte. Nichtsdestotrotz fehlten noch die letzten Durchbrüche. Denn im letzten Drittel waren die Staffelungen dann trotzdem oft zu flach, Aktionen wurden zu zögerlich ausgeführt. Sei es die Suche nach dem Abschluss oder die Hereingabe vom Flügel; all dies passierte oftmals einen kleinen Tick zu spät, was im Fußball selbst auf unterstem Level entscheidend ist.

Kurz vor der Halbzeit konnte man jedoch genau dieses bisher fehlende Timing ins Spiel bringen: Nach einem Ballgewinn 30 Meter vor dem eigenen Tor spielte Bolter einen Pass in die Tiefe auf Bruno, der mit etwas Glück unter die Füße von Otavio durchrutschte. Bruno lief im rechten Halbraum Richtung Tor, beide Verteidiger orientierten sich auf den Ballführenden, während Dwamena sich im Rückraum gelöst hatte und nach einem Stanglpass von Bruno unbedrängt den Ausgleich erzielen konnte.

Zweite Hälfte geprägt von hohen Bällen

Nach der Pause gestaltete sich die Partie wieder offener, dies lag vor allem an Lustenaus zunehmender Unsauberkeit und Ungeduld im Ballbesitzspiel. Man ließ sich von der Hast der hohen Bälle, die der LASK konsequent betrieb, offenbar anstecken. So agierte man wieder oft wie nach dem Gegentor: Verbindungslos, zu sehr auf schnelles Spiel in die Tiefe fokussiert.

Meist liefen alle Spieler gleichzeitig in die Tiefe, sodass der weite Ball zwingend war. Der LASK hingegen hatte schon zuvor nichts anderes getan und verstärkte dieses Verhalten nun noch mehr – ganz zum Trotz wie es schien – gegenüber den zuvor sauber zirkulierenden Lustenauern.

Durch das Aufgeben der Gäste des zuvor erfolgreichen Spielstils, der sie trotz individueller Unterlegenheit überlegen machte, machte sie nun zur schwächeren Mannschaft. Die Linzer dominierten das Spiel, in dem nun deutlich mehr Zweikämpfe geführt und lange Bälle sowie Flanken gespielt wurden. Die Vorarlberger fanden nur sehr schlecht ins Spiel und hatten nun sogar weniger Ballbesitz.

Die ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit verliefen zwar intensiv mit vielem Hin und Her, das unsaubere Spiel und der Fokus auf Zweikämpfe ließ jedoch auch kaum Torsituationen zu, sodass einzig die Vorarlberger bis dahin einen mickrigen Schuss aufs Tor zustande gebracht hatten, während der LASK keinen hatte.

Die Spirale drehte sich für die Gäste aus Lustenau in Minute 75 nun weiter nach unten, als der eingewechselte Michorl nach einem kurz abgespielten Freistoß ins lange Eck und zum 2:1 für den LASK traf. Die Vorarlberger schafften es nicht mehr in der verbliebenen Zeit den Ausgleich zu erzielen, der LASK konnte sogar noch auf 3:1 in der 90. Minute erhöhen, nachdem Knett eine Freistoßflanke durch seine Hände gleiten ließ und Gartler per Kopf zur Stelle war.

Fazit

Die Lustenauer hatten allgemein eine gute Spielanlage, zeigten für österreichische Verhältnisse im Ballbesitz sehr ansehnlichen Fußball und dominierten die Partie. In der zweiten Hälfte kam man wie gewandelt aus der Kabine und wollte mit dem LASK ein „Konter- und Direktheits-Duell“ führen. Die Linzer die sich genau auf diese Art und Weise des Spiels fokussieren, konnten dieses Duell natürlich für sich entscheiden und gingen aufgrund der deutlich unsaubereren, schwächeren zweiten Hälfte der Gäste aus Vorarlberg verdient als Sieger vom Platz.

David Goigitzer, abseits.at

David Goigitzer

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