„Irgendwo, irgendwen muss doch a für mi geb’n…“, röhrt Hans Krankl nach jeder Folge der ORF-Verkupplungsshow „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ durch die österreichischen Wohnzimmer. „A... Anekdote zum Sonntag (103) –  Ein Tattoo für Krankl

„Irgendwo, irgendwen muss doch a für mi geb’n…“, röhrt Hans Krankl nach jeder Folge der ORF-Verkupplungsshow „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ durch die österreichischen Wohnzimmer. „A bissal a Liebe braucht jeder im Leb’n. I such nur ane, die zu mir sogt: Ab heut‘ bist du meiner, weil I di mog…“, sinniert Johann K. singend weiter. Dem Rapid-Rekordtorschützen wurde während seiner langen Karriere viel Liebe und Zuneigung entgegengebracht. Die Fans des Rekordmeisters wählten die lebende Legende sogar zu ihrem Jahrhundertrapidler. Doch während er als Spieler bei den Grün-Weißen erfolgreich war, war Hans‘ Trainerkarriere bei seinem Herzensverein nicht gerade das Gelbe vom Ei. 1992 heuerte er deshalb bei der VfB Mödling an, wo sich unter seinen Schützlingen ein gewisser Andi Rühmkorf befand. Andi war ein Ausnahmetalent wie sein Coach, doch im Gegensatz zu Krankl, der nicht nur die Selbstsicherheit eines Klassestürmers sondern ebenso den dazugehörigen Ehrgeiz und Arbeitseifer besaß, genoss der Wiener lieber die Freuden des Lebens: „Rühmi“ war schlichtweg zu bequem für den Spitzensport. Meistens schoss der Angreifer daher Tore für Stockerau, Donaufeld, Gerasdorf und Retz in der Regionalliga Ost oder Wiener Liga.

Jeden Montag war bei den Mödlingern Regeneration angesagt: Die Kicker vergnügten sich im Whirlpool, lagen auf der Massagebank oder saßen in der Sauna. Krankl selbst war an letzterem Ort immer wieder anzutreffen: Er schwitze gern für einige Minuten. Fast niemand leistete ihm dabei Gesellschaft, denn kein Kicker wollte sich verdächtig machen im intimen Rahmen Einschmeichlungsversuche beim Goleador zu starten. „Rühmi“ gab auf schlechte Nachred‘ keinen Pfifferling: Er war der Einzige, der sich auch neben Krankl auf die Saunabank setzte. Schon mehrmals hatte er bei ihren schweigsamen Schwitz-Sit-Ins gemerkt, wie Krankl ihm verstohlen auf seinen Oberkörper gelinst hatte. Dort hatte Andi ein formschönes „K“ eingeritzt, welches er sich aus Liebe zu seiner Frau Karin tätowieren hatte lassen. Krankl nahm an einem Montag seinen ganzen Mut zusammen und fragte den Stürmer, warum er sich einst den elften Buchstaben des Alphabetes „gepeckt“ habe. „Rühmi“ wehrte ab: „Trainer, des kann I ned sag’n!“ Krankl drängte: „Komm, Rühmi! Sag!“ Andi wandte sich: „Na, des is ma peinlich…“ Tatsächlich war ihm der Gedanke, er würde bei Krankl von nun an wohlmöglich als weichgespülter Pantoffelheld, den seine Ehefrau sogar „gebrandmarkt“ hatte, gelten, unangenehm.

Während er wiederholte, dass ihm die Story hinter dem Tattoo peinlich war, kam er allerdings auf eine andere Idee: „Trainer, I hab Sie immer verehrt: Als Spieler, Goalgetter… bei Rapid, Barcelona oder im Nationalteam. Sie waren mei Held! Das „K“ steht für Krankl…“. Rühmkorf wurde nicht einmal rot, als er diesen Münchhausen-Stuss stammelte. Krankl sog ehrfurchtsvoll heiße Luft ein und war einen Moment lang ruhig. „Aha.“, entfuhr es ihm schließlich. Der Goleador senkte den Kopf. Die folgende dreiminütige Stille war ohrenbetäubend. Dann hob Krankl wieder den Blick und murmelte in Richtung Rühmkorf: „Du bleder Hund! Fast wer des einegang’n! „K“ für Krankl – die G’schicht kannst wem ander‘n druck’n!“ Er musste grinsend. Nun war es Rühmkorf, der beschämt das Haupt senkte. Er brummte etwas davon, dass „K“ für seine Frau Karin stehen würde. Der Trainer meinte daraufhin: „So und für den „Spaß“ schaust beim nächsten Match zu!“ Rühmkorf fuhr entsetzt hoch und blickte in Johann K.‘s breitestes Grinsen. Schlagfertig hatte sich sein Trainer mit einem Retour-Spaß revanchiert: Andi Rühmkorf wurde am Wochenende selbstverständlich eingesetzt, denn ein Hans Krankl besitzt nicht nur genügend Selbstbewusstsein, sondern ist auch selbstironisch wie kein Zweiter.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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