Als einer der wenigen österreichischen Fußballer, die für den ruhmreichen FC Barcelona spielen durften, ist Hans Krankl ein Platz in den Gedanken seiner Landsleute... Portrait: Johann „Hans(i)“ Krankl als „Goleador“ beim FC Barcelona 1978 bis 1981

Hans Krankl (Experte)Als einer der wenigen österreichischen Fußballer, die für den ruhmreichen FC Barcelona spielen durften, ist Hans Krankl ein Platz in den Gedanken seiner Landsleute sicher. Wir werfen in dieser historischen Spieleranalyse einen Blick auf die Zeit Krankls in Katalonien.

1977/1978: Krankl erzielt zahlreiche wichtige Tore für Rapid Wien und für die österreichische Nationalmannschaft

In der Saison 1977/1978 machte Krankl international auf sich aufmerksam, als er im Trikot von Rapid Wien 41 Tore erzielte und damit als erster österreichischer Fußballer den Goldenen Schuh erhielt. Darüber hinaus war Krankl mit vier Treffern bei der Weltmeisterschaft 1978 unter den fünf besten Torschützen des Turniers und steuerte zwei Tore zum legendären 3:2-Sieg gegen Deutschland in Córdoba bei – ein Triumph der bis heute in Österreich als „Wunder von Córdoba“ gefeiert wird. Zudem traf Österreich in der Gruppenphase dieser Weltmeisterschaft auf die spanische Nationalmannschaft und auch in dieser Partie war Hans Krankl der entscheidende Torschütze (Endstand 2:1 für Österreich).

Nach der Weltmeisterschaft hat sich anfangs ein Wechsel zum FC Valencia angebahnt, allerdings unterschrieb Krankl schlussendlich beim FC Barcelona, die sich erst relativ spät um den Österreicher bemüht hatten.

Krankl als designierter Nachfolger von Johan Cruyff

Johan Cruyff, der bis heute von vielen Fußballfans und -experten als der beste Fußballer aller Zeiten betrachtet wird und der den FC Barcelona prägte wie kein Zweiter, verließ die Katalanen 1978.

Die Erwartung der katalanischen Anhänger und der Medien an die neue Nummer 9 Hans Krankl war, die vorherige Nummer 9 Cruyff gleichwertig zu ersetzen – ein fast unmögliches Unterfangen angesichts der taktischen und fußballerischen Genialität Cruyffs. Bis heute gilt Cruyff als einer der komplettesten Offensivspieler aller Zeiten und als der Spieler, der den „Totalen Fußball“ verkörperte: Der Niederländer hatte eine ausgezeichnete Technik und Übersicht, war beidbeinig, kopfballstark und schnell; Cruyff war Torjäger, Spielgestalter und Führungspersönlichkeit in Personalunion.

Krankl hingegen war ein klassischer Mittelstürmer, dessen starker Abschluss und Gespür vor dem Tor von seinen Mitspielern betont wurden; rein von der Palette der Fähigkeiten war Krankl Cruyff unterlegen, allerdings waren die Torjäger-Qualitäten des Österreichers herausragend und in jener Epoche fast einzigartig. In einer gut funktionierenden Mannschaft wie sie Barça damals war, kamen Krankls Qualitäten als der Vollstrecker des Teams besonders gut zur Geltung.

Krankl selbst betonte in einem seiner ersten Interviews in Spanien, dass die einzige Gemeinsamkeit mit Cruyff der Vorname sei und versprach gleichzeitig, mehr Tore als der Niederländer zu schießen.

Krankl hielt sein Versprechen.

Auch wenn sich beide Spieler vom Typ her stark unterschieden, gelang es Krankl, Cruyff doch teilweise vergessen zu machen und die Sympathie der Fans zu gewinnen, die den österreichischen Mittelstürmer liebevoll „Goleador“ nannten.

Krankls erste Saison in Spanien macht ihn unsterblich

In seiner ersten Saison bei den Katalanen gelang Krankl das Kunststück, mit 29 Treffern Torschützenkönig („Pichichi“) in der spanischen Liga zu werden; außerdem gelang ihm es, fünf Tore in einem Spiel im Camp Nou zu erzielen (im Spiel gegen Rayo Vallecano, das 9:0 endete) – diese Leistung wurde erst etwa dreißig Jahre später von einem gewissen Lionel Messi wiederholt.

Während die Katalanen in der spanischen Liga am Ende nur den fünften Platz belegten und Real Madrid zur Meisterschaft gratulieren mussten, konnte die Mannschaft den ersten Titel der Vereinsgeschichte auf internationaler Bühne einfahren.

Im Finale des Europapokals der Pokalsieger trafen die Katalanen in Basel auf Fortuna Düsseldorf. Die Partie endete 4:3 für den FC Barcelona und laut Aussagen Krankls war das Tor zum zwischenzeitlichen 4:2 der vielleicht wichtigste Treffer seiner Karriere.

Eines der wichtigsten Tore welches Krankl im Trikot der Katalanen erzielte, war jenes im Europapokal gegen den amtierenden Titelverteidiger RSC Anderlecht; dieser Treffer aus spitzem Winkel demonstrierte auch Krankls Torjäger-Qualitäten.

Politischer Umbruch in Spanien

Um die Bedeutung Krankls für Barcelona zu verstehen, muss auch ein kurzer Blick auf den politischen Kontext in Spanien geworfen werden. Der Tod des Diktators Francisco Franco 1975 hatte nicht nur weitgreifende politische, kulturelle und ökonomische Folgen, sondern auch Auswirkungen auf den Fußball. Franco und die spanische Monarchie bevorzugten Real Madrid und lebten ihre Antipathie gegenüber Katalonien und dem FC Barcelona offen aus. Auch die spanische Liga selbst öffnete sich erst relativ spät: Die damaligen Regularien besagten, dass nur zwei ausländische Spieler gleichzeitig auf dem Platz stehen durften – überhaupt wurde die spanische Liga erst im Sommer 1973 für ausländische Profis geöffnet. Cruyff und Krankl zählten also zu den ersten ausländischen Spielern, die die spanische Liga prägten.

Eine weitere wichtige Zäsur für den FC Barcelona folgte kurz darauf durch den neuen Präsidenten Josep Lluís Núñez, der maßgeblich an der positiven Entwicklung des Vereins seit dem Tod Francos beteiligt war: Núñez verpflichtete Cruyff, Krankl und viele weitere ausländische Akteure und brachte den Verein wirtschaftlich auf ein internationales Level.

Persönliche Probleme mit Trainer Rifé und Abschied aus Spanien

Während sich Krankl mit Trainer Lucien Muller gut verstand, kam es mit dessen Nachfolger Joaquim Rifé zu Streitereien, die schlussendlich dazu führten, dass sich Krankl weigerte, unter Rifé zu spielen. Die Folge davon war, dass Krankl in der Saison 1980 zum First Vienna FC 1894 ausgeliehen wurde. Rifés Nachfolger war Helenio Herrera, der aber bereits nach wenigen Monaten vom ehemaligen Barça-Spieler Kubala abgelöst wurde. Herrera bevorzugte ein System mit einem Mann mehr im Mittelfeld, Krankl war der Leidtragende, da er durch den 1980 verpflichteten Europameister Bernd Schuster ersetzt wurde. Krankl kam daraufhin nur zu sporadischen Einsätzen und entschied sich schlussendlich, zur Saison 1981 zu „seinem“ SK Rapid Wien zurückzukehren, wo er zahlreiche Tore und Erfolge feiern konnte.

Im Trikot des FC Barcelona erzielte Hans Krankl in 88 absolvierten Spielen 64 Tore, was einer respektablen Quote von 0,73 Toren pro Spiel entspricht. Laut eigenen Aussagen bereut Krankl es heute noch, nicht länger für die Katalanen gespielt zu haben; obwohl er nur recht kurz das Trikot der Katalanen trug, hat er es geschafft, als Österreicher seinen Stempel in den Geschichtsbüchern des FC Barcelona zu hinterlassen. Von offizieller Seite aus wird Krankl als eine der zahlreichen Legenden des Vereins betrachtet; vor allem seine Beiträge in Form von Toren zum Erreichen des ersten internationalen Titels der Vereinsgeschichte werden die katalanischen Anhänger nie vergessen.

An die Erfolge als Spieler konnte Hans Krankl in seiner Trainertätigkeit nicht anknüpfen; trotzdem bleiben seine Spiele und vor allem seine Tore für den FC Barcelona – besonders in Österreich – für immer in Erinnerung der Fans.

Luc Scholtes, abseits.at

Luc Scholtes