Die Bestellung von Louis van Gaal zum neuen Ajax-Amsterdam-Sportdirektor schlägt hohe Wellen beim niederländischen Rekordmeister und spaltet den Verein in zwei Gruppen. Die Fans... Machtkämpfe in Amsterdam: Ajax steht vor Zerreißprobe

Die Bestellung von Louis van Gaal zum neuen Ajax-Amsterdam-Sportdirektor schlägt hohe Wellen beim niederländischen Rekordmeister und spaltet den Verein in zwei Gruppen. Die Fans und ein großer Teil des Trainerteams stehen hinter den Reformen von Johan Cruyff, der von den anderen Aufsichtsratsmitgliedern bei der Bestellung seines Lieblingsfeindes van Gaal komplett hintergangen wurde.

Für die meisten Fans und Journalisten kam es absolut überraschend, als sie hörten, dass Louis van Gaal zu seinem Stammklub Ajax Amsterdam zurückkehren wird. Es ist bekannt, dass sich Johan Cruyff und van Gaal nicht leiden können und beide schlossen vor einiger Zeit eine Zusammenarbeit kategorisch aus. Van Gaal sagte, dass er nicht heimkehren werde, solange Cruyff bei Ajax Amsterdam etwas zu sagen habe, während Cruyff den Posten des Sportdirektors an Marco van Basten vergeben wollte. Die anderen vier Aufsichtsratsmitglieder nutzten die Abwesenheit von Cruyff aus, als dieser gerade in Barcelona weilte, und beschlossen in einer kurzfristig angesetzten Sitzung den Deal mit van Gaal. Dieser wird jedoch voraussichtlich erst im Sommer 2012 seinen neuen Job antreten, da er bis zu diesem Zeitpunkt 200.000€ pro Monat von seinem alten Arbeitgeber Bayern München bekommt – Geld auf das er nicht verzichten möchte. Der ehemalige Software-Entwickler Martin Sturkenbloom soll bis dahin interimistisch die Rolle des Sportdirektors übernehmen. Als Cruyff davon hörte, sagte er in einem Interview mit Voetbal International, dass die anderen Aufsichtsratsmitglieder anscheinend verrückt geworden wären. Laut Cruyff befand sich der Klub wieder auf dem richtigen Weg – nun werden alle wichtigen Reformen über den Haufen geworfen.

Fans und Nachwuchstrainer für Cruyff – Trainer Frank de Boer neutral

Der 41-jährige Trainer Frank de Boer bezieht in diesem Konflikt keine Stellung. Sowohl Cruyff, als auch van Gaal sind große Vorbilder des jungen Trainers und er bezeichnet beide Kontrahenten als seine Mentoren. Zudem präferieren sowohl Cruyff, als auch van Gaal Frank de Boer als Coach, womit dieser keinen Grund hat Partei für eine Seite zu ergreifen. Gänzlich anders sieht es jedoch bei den Fans und den Nachwuchstrainern aus, die geschlossen hinter Cruyff stehen. Die Fanklubs zeigten beim Heimspiel gegen NAC Breda Einigkeit und entrollten Spruchbänder, die keinen Zweifel daran ließen, dass sie Cruyff in diesem Machtkampf beistehen werden. Es halten minutenlang Sprechchöre in der Arena (Steh auf, wenn du für Johan bist). Sämtliche Nachwuchstrainer drohten mit ihrem sofortigen Rücktritt, sollte Cruyff dazu gezwungen werden, den Verein zu verlassen.

Aufsichtsrat fährt schwere Geschütze auf

Der Sport-Chef des öffentlich-rechtlichen Senders NOS machte in seiner Sendung „Studio Voetbal“ publik, dass er brisante Informationen vom Ajax-Aufsichtsratschef Steven ten Have erhielt. Dieser teilte ihm mit, dass Johan Cruyff Aufsichtsratsmitglied Edgar Davids rassistisch beleidigte: „Du sitzt hier nur, weil du schwarz bist.“ Während der Sendung meldete sich ten Have telefonisch zu Wort und bestätigte die Vorwürfe. Davids selbst bestätigte keine Details, verlautbarte aber, dass im Aufsichtsrat eine „rassistische Sprache“ gesprochen werde. Cruyff kommentierte die Anschuldigungen bisher noch nicht. Steven ten Have kündigte an, dass er im Falle des Falles weitere Enthüllungen über Cruyff publik machen würde.

Vertrauensabstimmung am 28. November

Am 28. November wird der 24-köpfige Mitgliederrat tagen, der die Befugnis hat, alle,  oder einzelne Mitglieder des Aufsichtsrats zu entlassen. Sollte Cruyff gehen, dann werden sich einige loyale Mitarbeiter aus dem Trainerstab anschließen und der Verein wird Schwierigkeiten haben, die neu eingeführten Reformen fortzusetzen. Die Fans in den niederländischen Diskussionsforen stehen hinter Cruyff und sind wütend darüber, dass sich der Verein nicht auf die sportliche Situation konzentriert. Nach 13 Spieltagen liegt Ajax Amsterdam an der vierten Stelle und hat bereits zehn Punkte Rückstand auf Tabellenführer AZ Alkmaar, der heute Abend den Vorsprung gegen Excelsior Rotterdam sogar auf 13 Punkte ausbauen kann. Nach dem 2:2-Heimspiel in der letzten Runde gegen den Tabellenzehnten NAC Breda standen nach der Partie nicht die verloren zwei Punkte im Mittelpunkt (nach 84 Minuten führte Ajax Amsterdam mit 2:0), sondern die Machtkämpfe in den Chefetagen. In der momentanen sportlichen Situation kann sich der 30-fache niederländische Meister interne Streitereien nicht erlauben. Es ist jedoch kaum vorstellbar, dass sich der Klub aus diesem Machtkampf innerhalb der nächsten Wochen befreien wird können, denn die Sturköpfe Cruyff und van Gaal werden keine Freunde mehr werden – auch wenn das für den Verein wohl die beste Lösung wäre.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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