Söhne und Töchter berühmter Menschen, die im selben Metier wie ihr(e) Eltern(teil) tätig werden, haben es nicht immer leicht: Klaus Mann schrieb mit „Mephisto“... Anekdote zum Sonntag (105) –  Das Sandwich-„Kind“

Söhne und Töchter berühmter Menschen, die im selben Metier wie ihr(e) Eltern(teil) tätig werden, haben es nicht immer leicht: Klaus Mann schrieb mit „Mephisto“ und „Der fromme Tanz“ herrliche Romane, hatte aber Pech, dass sein Vater mit dem Vornamen Thomas hieß und als Nobelpreisträger die Messlatte hochlegte. Axel Merckx war Radfahrer der erweiterten Weltspitze, trotzdem kennen ihn nur wenige. Wer als Sohn eines Genies, wie es nur alle hundert Jahre geboren wird, zur Welt kommt, erleidet ein undankbares Schicksal: Eddy „der Kannibale“ Merckx holte je fünf Mal die Tour de France und den Giro d’Italia. Manchmal ärgert sich Mamie Gummer sicher auch, dass ausgerechnet sie in die Fußstapfen von Meryl Streep treten muss, bei der sich 2012 Oscar Nummer 3 zu seinen goldenen Brüdern auf den Kaminsims dazugesellt hat. Darüber hinaus hält die Amerikanerin den Rekord für die meisten Oscarnominierungen (20!) und wurde mit zahlreichen anderen Preisen überhäuft.

Auch Herbert Stojaspal musste schon in seiner Kindheit erfahren, was es heißt einen Vater wie Ernst Stojaspal zu haben. Zwar war „Berti“ schon früh gezwungen den Kritikern recht zu geben: Er hatte einfach nicht das überragende Talent seines Vaters „Stoissi“ geerbt. So schlecht oder unsportlich – wie er oft dargestellt wurde – war Stojaspal junior allerdings auch nicht. Die überbordende Spielfreude und Technik des Herrn Papa fehlten ihm einfach und so musste er sich mehr als einmal anhören: „Dein Papa kann das besser.“ „Wenn das dein Vater hätte sehen müssen.“ „Dein Vater hätte das so gemacht.“ Der Stojaspal, der Ernst hieß, erzielte bei der Austria 220 Treffer, wurde fünfmal Torschützenkönig, dreimal Meister und in die Jahrhundert-Elf der Veilchen gewählt. Er beendete seine Karriere in Frankreich, wo der Supertechniker anfangs bei Racing Strasbourg spielte, dann in den Süden zog und schließlich seine Laufbahn in Metz beendete. Sein Sohn Herbert schloss dagegen schon im Volksschulalter innerlich mit dem Kicken ab.

Als Erwachsener kanalisierte er sein ganzes sportliches Geschick – und das war durchaus beträchtlich – aufs Skifahren. Der gebürtige Wiener machte eine Ausbildung zum Skilehrer und kletterte die Karriereleiter im technischen Bereich nach oben. Schließlich werkte er erfolgreich als Servicemann beim ÖSV. Lange Jahre war er einer der Fachmänner in diesem Bereich. Herberts Sohn und Ernsts Enkel Philip beschäftigt sich heute wieder mit dem Ball: Er spielt als Linebacker bei den Vienna Vikings und im Nationalteam American Football und setzt damit die erfolgreiche Sporttradition der Stojaspals fort. Auch Philip versuchte es erst mit herkömmlichem Fußball, ihm fehlte aber „die Begeisterung dafür.“ Erst mit dem rugbyähnlichen Spiel wurde der dritte Stojaspal, der die Statur vom Opa geerbt haben könnte, glücklich. Herbert sieht es gelassen: „Ich bin der unbekannte Sohn eines berühmten Vaters und der unbekannte Vater eines berühmten Sohnes.“ 

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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