Walter, Wolfgang, Erich, Werner, Hermann und Bernhard Knaller verbrachten ihre Jugend zwischen Fußballplatz und Skilift. Sie verlebten eine typische Kindheit in Unterkärnten. Irgendwann entschieden... Anekdote zum Sonntag (49) – Leg dich nicht mit Knaller an!

Winterlandschaft Österreich_abseits.atWalter, Wolfgang, Erich, Werner, Hermann und Bernhard Knaller verbrachten ihre Jugend zwischen Fußballplatz und Skilift. Sie verlebten eine typische Kindheit in Unterkärnten. Irgendwann entschieden sich aber alle Buben dafür, dass der Fußball in Zukunft ihre ganze Aufmerksamkeit verdienen sollte. Alle sechs Knallers wurden Spieler und/oder Trainer. Am Erfolgreichsten arbeiteten Wolfgang und Walter. Letzterer wurde Stürmer und ist heute nach einem langen Engagement in verschiedenen Positionen bei der Admira Nachwuchscoach bei Rapid Wien. Wolfgang Knaller ging zwischen die Pfosten, spielte – nach eigenen Angaben – an die 700 Spiele und ist heute bei drei Vereinen als Torwarttrainer tätig. Seine wohl gelungenste Zeit erlebte er Ende der 80er bis in die 90er bei der Admira, wo er erneut mit Bruder Walter zusammenspielte. Wolfi und die Mödlinger präsentierten sich sieben Mal im Europacup und wurden einmal Supercupsieger. „Bei der Admira war es wirklich eine wunderschöne Zeit. Dort war eine Mannschaft am Werk, die nicht nur auf dem Feld, sondern auch außerhalb aus lauter Freunden bestanden hat. So einen Stamm sieht man heute bei vielen Mannschaften gar nicht mehr. Dieser Stamm von guten, routinierten Spielern hat auch vielen jungen Spielern geholfen.“, erinnert sich Wolfgang.

Der damalige Erfolg der Admira war eben diesem engen Zusammenhalt der Spieler geschuldet. So verbrachte ein großer Teil der Mannschaft sogar die Winterurlaube zusammen. Mehrmals quartierte man sich in Neustift im Stubaital bei der Schwester von Walter und Wolfgang (und Erich, Werner, Hermann und Bernhard) ein. In die lustige Woche voller Hüttengaudi, Skifahren und Gemütlichkeit war auch ein Abschlussrennen inkludiert. Nur zum Spaß und ganz ohne Hintergedanken, versteht sich. Bei einem aus der Truppe weckte diese letzte Fahrt jedoch den Ehrgeiz: Michael Gruber, gebürtiger Wiener, war ein famoser Skifahrer und wollte als Flachländler den Original-Bergfexen einen Denkzettel verpassen. Irgendwie war die Idee mit dem Jux-Slalom an die Öffentlichkeit gedrungen und nun rückte sogar der Staatsrundfunk an um das Admira-Mannschafts-Rennen live zu übertragen. Gruber holte auf dem Abhang alles aus sich heraus und fühlte sich schon wie Franz Klammer. Er sagte in das Mikrofon von Willi Weisch: „Alles andere als ein Sieg wäre eine Enttäuschung für mich.“ Da hatte er aber die Rechnung ohne Knaller gemacht, denn der, der mit Vornamen Wolfgang heißt, konnte nicht nur gut Bälle fangen, sondern absolvierte sein erstes Rennen im Geburtskanal. Was Gruber nicht wusste: Sein schärfster Konkurrent verpasste den Beginn des Rennen, weil er seinem Ruf als Partylöwe gerecht wurde: Während seine Kollegen in der Kälte den Abhang hinunterrutschten, genoss der gebürtige Feldkirchner unweit der Rennstrecke noch zünftigen Hüttenzauber mit Jagatee und Schnaps. Beinahe hätte er auf seinen Einsatz vergessen, doch rasch machte er sich auf, hastete zum Starthäuschen, klickte sich in die Bretter und stürzte sich mit erhöhtem Promillewert doch noch die Piste hinunter. Im Ziel erwartete ihn eine tobende Menge. Willi Weisch hustete ins Mikrofon: „Hier kommt Wolfgang Knaller mit neuer Bestzeit und …. einem Ski!“. Tatsächlich hatte der Kärntner unterwegs ein Brettl verloren, jedoch wegen seines herausragenden Balancegefühles einen Sturz vermieden und das Rennen als Sieger beendet. Die Zeit von Gruber hatte ein mehr als angeheiterter Knaller geradezu pulverisiert. Ein Skirutschsieg – wie man so sagt.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag