Jeden Sonntag wollen wir an dieser Stelle Briefe aus aktuellem Anlass versenden. Mit Gruß und Kuss direkt aus der Redaktion – Zeilen zum Schmunzeln,... Briefe an die Fußballwelt (99) –  Lieber SKN St. Pölten!

Jeden Sonntag wollen wir an dieser Stelle Briefe aus aktuellem Anlass versenden. Mit Gruß und Kuss direkt aus der Redaktion – Zeilen zum Schmunzeln, Schnäuzen und Nachdenken an Fußballprotagonisten aus allen Ligen. Diesen Sonntag schicken wir unseren Brief an einen niederösterreichischen Verein…

Lieber SKN St. Pölten!

Im Achtelfinale der Champions League zu stehen muss ein erhebendes Gefühl sein. Wenn sich der ein oder andere Leser jetzt fragt, ob die Autorin dieses Briefes dermaßen betrunken ist, dass sie den niederösterreichischen Klub in der millionenschweren CL verortet, sei geantwortet, dass sich diese Zeilen an die Damenmannschaft der Wölfe richten. An die Wölfinnen sozusagen.

Leider habt ihr nach einer 0:2-Niederlage im Rückspiel gegen FC Rosengård den Einzug in die nächste Runde nicht geschafft. Rosengård – dieses Malmöer Stadtviertel kennen (sehr) Fußballinteressierte nur als Heimatviertel des schwedischen Superstars Zlatan Ibrahimovic. So ist es eben: Fußball ist global gesehen immer noch ein Männersport. Dabei sind die Damen aus Malmö seit 2011 schwedischer Rekordmeister und hatten drei Jahre lang die sechsfache FIFA‑Weltfußballerin Marta unter Vertrag. Das wusste ich nicht. Wahrscheinlich weil man selbst über diese Erfolge wenig in nationaler und internationaler Presse erfährt.

Liebe Wölfinnen, seit 2015 seid ihr Serienmeister der Frauenbundesliga. Eure Trainerin, Maria Wolf (wie passend), hat zunächst unter Dominik Thalhammer assistiert, ehe sie seinen Job „erbte“. Sie meint: „Ich finde, jeder Bundesliga-Club sollte verpflichtet sein, ein Frauen-Team zu haben. Dann wäre viel erreicht.“ So würde sich der Frauenfußball schneller entwickeln. Die Diskrepanz ist aktuell besonders in Geldfragen spürbar. Fußballspielende Frauen haben schlechtere Infrastruktur zur Verfügung und können nicht ausschließlich vom Kicken leben – so geht der sportlicher Fortschritt natürlich langsamer voran. Das wird sich nicht so bald ändern, wenn der Sport keine mediale Aufmerksamkeit bekommt.

Deshalb, liebe Wölfinnen, schicke ich euch diesen Brief und möchte auf diesem Wege zu einem tollen CL-Turnier gratulieren! Nebenbei möchte ich euch (nachträglich) zu fünf Meistertiteln und 7 Cupsiegen en suite beglückwünschen und euch für eure professionelle Arbeit in St. Pölten danken. Ich weiß, dass viel Herzblut, Engagement und Leidenschaft dahinterstecken. Solche Tugenden und die damit verbundene Aufopferung können aber nicht alles wettmachen. Ich hoffe, dass ihr für eure Erfolge bald entsprechend gewürdigt werdet.

Sportliche Grüße sendet euch

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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