21.229 Menschen leben mit Stand 30. September 2011 in Lustenau. Am Montagabend teilte sich – so frei darf das gesagt werden – die Stadt... Drei Elfer und viel (gute) Taktik – Austria gewinnt Lustenauer Derby verdient mit 3:1

21.229 Menschen leben mit Stand 30. September 2011 in Lustenau. Am Montagabend teilte sich – so frei darf das gesagt werden – die Stadt in zwei Lager. Am Ende verlor in einem kuriosen Spiel mit drei Elfmetern, von denen nur einer ganz deutlich war,  die „Heimmannschaft“ FC Lustenau mit 1:3 (0:1).

Das Duell FC Lustenau 07 gegen SC Austria Lustenau war in der 25. Runde der Spielzeit 2011/12 ein Duell, welches von den Voraussetzungen her nicht auf Augenhöhe gespielt wurde. In den bisherigen Duellen gewann einmal die Austria (2:0) und einmal der FC (3:1). Drei Punkte konnten beide Teams gut gebrauchen. Die Grünen hatten durch drei Siege aus drei Rückrundenspielen leise Träume an einen Aufstieg. Damir Canadi musste die Blauen stabilisieren und brachte mal bisher drei Punkte zwischen dem fixen Abstieg und sein Team. Der ehemalige Angestellte von Lokomotive Moskau entwickelte dafür ein interessantes System. Dem stärkeren Derbygegner setzte er ebenso wie schon beim 1:1 gegen Altach am Freitag ein 3-3-3-1 entgegen.

Bei den „Gästen“ wiederum kehrte mit Sascha Boller ein Akteur zurück, der den Unterschied ausmachen konnte. Trainer Helgi Kolvidsson vertraute auf ein 4-2-3-1, welches sich vor allem defensiv als äußerst stabil herausstellen sollte.

Intensiver Beginn mit Abtasten

Die Anfangsphase war von Nervosität geprägt. Das spiegelte sich auch in den Zweikämpfen wieder. Schiedsrichter Dieter Muckenhammer hatte am Anfang viel zu pfeifen, die verhängten Freistöße konnten aber zunächst nicht für Gefahr sorgen. Ein leichtes Übergewicht hatten die Hausherren, vor allem wenn Spezialist Martin Teurezbacher allfällige Freistöße und Eckbälle ausführte. Die erste nennenswerte Szene war dennoch in der 9. Minute eine gelbe Karte, nachdem Christoph Freitag Gerald Krajic auf links zwecks Konterunterbindung legte. Muckenhammer hatte das Spiel im Griff. Der erste Gefahrenmoment vor einem Gehäuse ging in dann von einem Missverständnis zwischen Austria-Goalie Alexander Kofler und seinem Abwehrspieler Peter Pöllhuber aus, die sich bei einem weiten Pass aus dem Halbfeld auf Daniel Luxbacher uneinig waren (15.). Optisch und auch faktisch, Stichwort Zweikämpfe, überzeugten die Blauen zu Beginn.

Notizen für Mannschaften im Abstiegskampf – das Pech, das Pech…

Mit dem gut gestaffelten Defensivkonzept hatte die Canadi-Elf Spiel und Gegner im Griff. Dazu kamen noch eine Portion Härte in den Zweikämpfen und wohl überlegte Standards. Doch all das reichte nicht, weil einer zu spät kam. In Minute 22 umspielte Austria-Linksverteidiger Danilo Soares zunächst den FC-Kapitän Dennis Mimm, dann kam Andrey Lebedev zu spät, Soares nahm die Einladung an. Pierre Boya verwandelte den Elfmeter sicher. Andreas Lukse flog in die linke Ecke, der Ball in die andere. Das Tor weckte vor allem die grünen Lustenauer auf, sie versuchten nachzusetzen. Statistisch gesehen hatte der FC auch nicht mehr viel zu erben. Von den elf Spielen, in denen man 1:0 ins Hintertreffen geriet, holten die Blauen nur zwei Punkte. Und so verflachte dann auch das Spiel wieder zusehends. Die Austria zog sich in der Folge zurück und besann sich der Defensivstärke und dem Spiel einer Auswärtsmannschaft, die führt. Dass dies auch in die Hose gehen kann, bewies die Szene in der 36. Minute. Solostürmer Florian Zellhofer setzte den am rechten Strafraumeck lauernden Mimm gut ein, Kofler entschärfte den satten Schuss auf das kurze Eck aber. Auch wenn nach vorne wenig Zwingendes rausschaute, so wurden zumindest allfällige Konter unterbunden.

Zweite Halbzeit startet mit Knaller

In der 46. marschierte Austria-Spielmacher Boller die Strafraumgrenze entlang und wurde gelegt. Da die Linie zum Strafraum gehört, hätte es hier noch einmal Elfmeter geben müssen. Die Zeitlupen des ORF zeigten die Enge der Situation, das Foul war aber Millimeter vor der Linie. Muckenhammer hatte das gesehen und die Spieler hatten sich trotz Derbys, Titelkampfs und des Prinzips wegen trotzdem nicht aufgeregt. Überhaupt kamen die „Gäste“, angeführt vom spielfreudigen Boller, der als einer von vier Legionären immer um seinen Startplatz bangen muss, sehr engagiert aus der Kabine. Neben der Entschärfung des fälligen Freistoßes musste Lukse sich auch in der 50. Minute sehr strecken, um einen Kopfball sicher zu fangen. Doch auch der FC war da. Freitag nagelte das Leder in der 53. Minute überraschend aus gut 30 Metern knapp neben das Tor. Dem strammen Schuss konnte Kofler nur nachblicken.

Falsche Elfer

In der 57. Minute reagierte Helgi Kolvidsson auf die stärker werdenden Gegner und brachte Thiago  de Lima Silva für Dursun Karatay. In den letzten zwei Spielen hatte der eingebürgerte Brasilianer getroffen. Kurzfristig half das, aber dann war es ausgerechnet Danilo Soares, der den Ball nach einem blauen Angriff mit der Hand spielte. Der Held aus Durchgang eins schien zum Unglücksraben zu werden. Das sah zumindest der Schiedsrichter so, der damit den ersten Fehler begangen hatte, traute man den Fernsehbildern. Der Ironie einen drauf gesetzt hätte es, wenn Lebedev diesen Strafstoß verwandelt hätte, aber Enes Novinic machte es, sicher ins rechte Eck (63.). Danach ging der entkräftete Luxbacher, für ihn kam Ali Osman, den Canadi von Simmering geholt hatte. Noch nicht einmal richtig im Spiel, musste er mit ansehen, wie Boller einen Elfer rausholte, der auch als Schwalbe hätte durchgehen können. Die Ereignisse überschlugen sich. Boya verwandelte wieder sicher (66.). Beide Elfer hätte wohl nicht jeder Schiedsrichter gegeben, aber ab dem Moment führte wieder die Austria, egal, ob die Elfer gerechtfertigt waren oder nicht.

Vorentscheidung?

Nachdem Jan Zwischenbrugger den doppelten Elferschützen Boya ersetzt hatte (68.), zog sich die Austria zurück, Thiago übernahm den Part ganz vorne. Canadi reagierte nochmals, nahm Lebedev raus und brachte mit Christian Haselberger einen Mann, der etwas weiter vorne agierte (73.). So ganz wollte sich der Coach nicht trauen, Vollgas zu geben. Aber noch bevor der Wechsel Früchte trug, nagelte Krajic das Leder mit viel Anlauf nach weiter Flanke von Benedikt Zech am zweiten Pfosten in die Maschen (75.) – das achte Saisontor für den Routinier. Recht schlecht sah der gerade eingewechselte Haselberger aus.

Vorentscheidung!

Der starke und junge Abwehrchef Stipe Vucur räumte das Feld in der 77. Minute für Marcel Holzmann. Aber bis auf gelbe Karten für Novinic und Ali Osman passierte relativ wenig. Da konnte sich die Austria auch die eine oder andere Unachtsamkeit erlauben, zu wenig zielgerichtet waren die Aktionen. Den einzig großen Aufreger produzierten die Fans der Austria, die eine Bengale aufs Spielfeld warfen.

Es ist kein Wunder, dass lediglich ein Tor aus dem Spiel heraus geschossen wurde. Beide Teams waren taktisch gut eingestellt und zeigten engagierte, kämpferische Leistungen. Auch wenn die großen Torszenen fehlten, zeigte sich, dass Kolvidsson und Canadi aus weniger guten Spielern sehr disziplinierte Mannschaften formen können. Abschließend ist allen Akteuren, ein großes Kompliment auszusprechen, wie dieses Derby am Feld präsentiert wurde!

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

  • Roland Wehrle

    29.März.2012 #1 Author

    1. Die Bengale warfen die FC-Anhänger auf’s Spielfeld
    2. Kolvidsson hat gute Spieler zur Verfügung, formte sie zu einer Einheit. Die Aussage „Auch wenn die großen Torszenen fehlten, zeigte sich, dass Kolvidsson und Canadi aus weniger guten Spielern sehr disziplinierte Mannschaften formen können.“ stimmt so also nicht ganz.
    3. Lustenau ist, obwohl über 20’000 Einwohner, keine Stadt, sondern eine Marktgemeinde

    Grün-weisse Grüsse
    Roland W.

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