Bei der Frage, wer hinter RB Salzburg die meisten Titel nach der Jahrtausendwende geholt hat, kann es sein, dass der Eine oder Andere über... Groundhopper´s Diary: Eine fulminante Rückkehr mit einem Schönheitsfehler

Bei der Frage, wer hinter RB Salzburg die meisten Titel nach der Jahrtausendwende geholt hat, kann es sein, dass der Eine oder Andere über die Antwort, dass dies der GAK ist, ziemlich überrascht ist. Die sportlich erfolgreichen Jahre der Grazer fanden nämlich direkt in den ersten Jahren nach dem Millennium (neben Cup-Siegen u.a. der Meistertitel 2004) statt und seit dem Jahr 2007 war der Verein gar nicht mehr im österreichischen Oberhaus vertreten. Genau genommen existiert der damalige Verein auch nicht mehr, weil der GAK im Jahr 2012 neu gegründet wurde. Auf turbulente Jahre in der Regionalliga Mitte folgten erfolgreiche Jahre im steirischen Unterhaus, die zu einer Rückkehr zum bundesweiten Fußball führten.

Der lange Weg zurück

Bevor der Auftritt der Grazer zum Saisonauftakt der zweiten Liga am FAC-Platz genauer unter die Lupe genommen wird, muss man noch einen kurzen Abriss über die Rückkehr des GAK bringen und hier im Jahr 2007 beginnen. Damals wurde im März ein Konkursverfahren gegen die hochverschuldeten Grazer eröffnet, wodurch die Bundesliga den Verein mit einem massiven Punkteabzug in der laufenden Bundesligasaison bestrafte und diesem in weiterer Folge auch die Lizenz für die kommende Spielzeit in den beiden obersten Spielklassen verweigerte. So fand man sich in drittklassigen Regionalliga Mitte wieder und strebte, nach erfolgreichem Abschluss des Konkursverfahrens, die baldige Rückkehr in den Profifußball an.

Doch an dieser scheiterte der Verein mehrmals. Die Schlagzeilen waren in diesen Jahren durchwegs negativ, denn neben weiteren Konkursverfahren, gab es zwei Mal in Erinnerung bleibende Duelle mit dem TSV Hartberg. 2009 musste man in einem Herzschlagfinale den Oststeirern den Vortritt lassen, wobei man heute noch Graz schlecht auf den SAK Klagenfurt zu sprechen ist, denn dessen unerwartet hohe Niederlage in der letzten Runde bei Hartberg führte zu einem Scheitern der Grazer im Kampf um den Meistertitel in der Regionalliga.

„Drei Jahre später war es erneut ein Relegationsduell mit dem damaligen Zweitligisten Hartberg, das den endgültigen Niedergang des alten GAK besiegelte. Nach dem 0:0 in Graz, wo 15.000 Besucher ins Stadion nach Liebenau kamen, wurden die Zuschauer in Hartberg – bei einem für den GAK sportlich aussichtlosen Spielstand – Zeugen eines Platzsturmes. Nach der Strafverifizierung blieb Hartberg oben und der GAK stellte im kommenden Herbst als Regionalligist seinen Spielbetrieb ein.“

Es folgte eine sehr turbulente Zeit, die in mehreren Vereinsgründungen und einer nicht erfolgreichen Suche nach einem Kooperationspartner, selbst für eingefleischte rote Grazer eine Nervenprobe darstellte. Schließlich wurde im Juni 2013 Klarheit geschaffen, in dem man als GAC beim steirischen Landesverband aufgenommen wurde und in der 1.Klasse, der achten und letzten Spielklasse der Steiermark, am Meisterschaftsbetrieb teilnahm.

Schon bald darauf wurde der GAC/GAK1902 wieder in den Stammverein aufgenommen und es folgte der überlegene Titel in der 1.Klasse Mitte. Aber auch in der Gebietsliga und der Unterliga hatte man in den folgenden Jahren keine Probleme, den Meistertitel einzufahren. Man investierte auch in das ehemalige Trainingszentrum in Weinzödl, das mit Tribünen ausgestattet wurde und somit als echte Heimstätte für den GAK fungierte. In der Saison 2016/17 hatte man in der Oberliga Mitte/West hart gegen Gleinstätten zu kämpfen, sicherte sich aber dennoch den Meistertitel.

Von da an lief alles für den GAK, denn in der Landesliga sicherte ein bärenstarkes Frühjahr den Aufstieg und in der Regionalliga fand man ein Jahr später kaum ernst zu nehmende Gegner, zumal die starken Teams aus dieser Region durch die Bundesligareform bereits allesamt eine Liga höher gespielt haben. Somit schaffte es der GAK als „Meister aller Klassen“ auf dem sportlich schnellstmöglichen Weg wieder zurück in den bundesweiten Fußball.

FAC Wien – GAK 1902 2:0 (1:0)

Der Spielplan der zweiten Liga verschaffte dem FAC Wien ein Traumlos, denn der GAK 1902 gab sein Comeback im Profifußball an einem Sonntagvormittag in Floridsdorf. Der FAC-Platz in Hopfengasse war daher einem Fanansturm ausgesetzt, den man seit der Relegationspartie gegen den SV Austria Salzburg im Jahr 2014, wo 3.400 Zuschauer ins das Stadion pilgerten, nicht mehr gesehen hat.

Da bereits alle nach Graz gegangen Karten für den Gästebereich verkauft wurden, konnte man mit einer vierstelligen Zahl an GAK-Fans rechnen. Im Vorverkauf wurden dann beinahe 2.000 Karten abgesetzt und da es selbst am Spieltag noch zu langen Schlangen vor den beiden Kassen kam, fanden sich zu Spielbeginn 2.338 Zuschauer ein. Dass der GAK auf der Spielankündigungstafel in der Hopfengasse fälschlicherweise als „GAK 1907“ tituliert wurde, fiel wahrscheinlich den wenigsten von ihnen auf.

Ein Ordner ist zwar über so viele Zuschauer erfreut, schildert mir auch die Schattenseiten des FAC-Erfolges: „Für die Regionalliga is des Plotz supa, oba füa die Bundesliga ned. Um den Plotz wiad olles zubaut und donn is do no de Schrebagoatensiedlung… Waunn do imma sovü Leit kummadn, gabats scho längst an Haufn Beschwerden!“ Außadem föhn die Trainingsmöglichkeiten. Da Nochwuchs trainiert jo jetzt scho in hoib Wean!“

Die zahlreich gekommen GAK-Fans, habe die gesamte Gegenseite erhalten und Untermalen den Einlauf der beiden Mannschaften mit einer tollen Choreographie von weißen und roten Plastikfahnen, die bei einem später folgenden Regenguss auch als Schirmersatz für die Fans dienen. Überhaupt ist die Stimmung im Block der Roten sehr gut. Durch die jahrelangen Erfolge, hat man es wieder geschafft, dass sich eine Generation junger Fans für den GAK interessiert und somit ist man fantechnisch nun eigentlich schon besser aufgestellt als noch zu damaligen Bundesligazeiten. Gemeinsam mit dem Grüppchen der FAC-Fans wird mit Spruchbändern auch kundgetan, dass man gegen die 10.30 Uhr-Spiele ist, wobei aber selbst im GAK-Block einige diese Meinung nicht teilen.

Auf dem Rasen geht der FAC in der 23.Minute in Führung. Nach einem Eckball von links ist Felber zur Stelle und bringt die Wiener in Führung. Man merkt dem FAC die langjährige Erfahrung in der zweithöchsten Spielklasse an. Selbst als der GAK bis zur Pause das Heft in die Hand nimmt, werden keine zwingenden Torchancen zugelassen und während die Grazer noch nicht das hohe Tempo bei Ballannahme und Abschluss gewohnt sind, haben die Floridsdorfer damit keine Probleme.

Im Laufe der zweiten Spielhälfte entwickelt sich zwar ein Spiel auf Augenhöhe, aber ein GAK-Fan sieht das Unheil schon kommen: „Des wiad a 2:0, weu uns de uns no an Konter in da Nochspüzeit einehaun!“ Der GAK wird nun offensiver und trifft auch in der 81.Minute. Gantschnig drückt den Ball aus kurzer Distanz über die Linie, aber Schidesrichter Gishammer ahndet ein zuvor ein Foul an FAC-Tormann Jenciragic, sodass dem Treffer die Anerkennung verweigert wird.

Es kam daher so, wie es der GAK-Fan zuvor prophezeite, den Sahanek schließt in der vierten Minute der Nachspielzeit einen Konter der Floridsdorfer zum 2:0 ab. Der FAC feiert somit einen verdienten Auftaktsieg. Die GAK-Fans sind darüber weniger erfreut und schicken die FAC-Spieler, die sich auch bei ihnen für tolle Stimmung bedanken, mit Pfiffen in die Kabine. Das heutige Ergebnis war dann eben doch der Schönheitsfehler im Märchen der GAK-Rückkehr.

Heffridge, abseits.at

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.

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