Jeden Sonntag wollen wir in dieser neuen Serie einen Blick in die Vergangenheit werfen: Wir spielen sozusagen einen Zuckerpass in den Rückraum und widmen... Wiederholung in Zeitlupe (3) –  Paul Halla

Jeden Sonntag wollen wir in dieser neuen Serie einen Blick in die Vergangenheit werfen: Wir spielen sozusagen einen Zuckerpass in den Rückraum und widmen uns kurz und bündig legendären Toren, Spielen, Fußballpersönlichkeiten, Ereignissen auf oder neben dem Platz und vielem mehr. Wir wollen Momente, Begebenheiten, Biografien im Stile von Zeitlupenwiederholungen aus dem TV nochmals Revue passieren lassen. Gedanken machen wir uns dabei über Vergangenes, das in der abgelaufenen Kalenderwoche stattgefunden hat. Heute wollen wir die Karriere Paul Hallas, der am 10. April seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte, Revue passieren lassen…

Schlepperl – Das sportliche Leben des Paul Halla

Paul Hallas Name hat nicht den Klang einer ganz großen österreichischen Alt-Fußballlegende. Der 1931 geborene Spieler ist meist nur fanatischen Rapid-Fans oder Fußballstatistikern ein Begriff, dabei spielte Halla mit Kollegen wie Gerhard Hanappi oder Fredi Körner zusammen, holte mit Grün-Weiß fünf Meistertitel sowie einen Pokal und trug das österreichische Nationaltrikot u.a. bei der legendären Endrunde 1954 in der Schweiz. Doch woran liegt es, dass „Schlepperl“, wie er gerufen wurde, nicht zu jenen Altherren zählt, die jeder SCR-Anhänger sofort aufzählen könnte? Es könnte an seiner Position liegen: Halla spielte rechts außen, war kein Spielmacher oder Starstürmer und dennoch einer der ersten, der diese Rolle offensiv anlegte und so als Prototyp des modernen Außenverteidigers fungierte.

Am Beginn der Geschichte steht Hallas Eintritt ins Leben vor fast genau 90 Jahren, am 10. April 1931. Er hätte es wirklich schlimmer erwischen können: Der Vater ordinierte als Dentist im Gries, dem fünften Grazer Stadtbezirk, die Verhältnisse waren kleinbürgerlich. Halla jr. liebte den Fußball und spielte ab 1941 in der Jugend von Sturm. Vier Jahre später wechselte er zum heute nicht mehr existierenden Arbeiter Athletiksportclub Graz, wo er bereits als halbes Kind in der Kampfmannschaft reüssierte. 1948 schnappte sich der GAK das Talent. Paul Halla erfreute das Publikum als durchsetzungsstarker und schneller Mittelstürmer der Roten. Er war der geborene Angreifer. Als sich einmal der rechte Flügelstürmer verletzte, spielte er kurzfristig auf dessen Position und das Trainerteam beließ ihn dort. Der Jungspund war davon nicht gerade angetan, wollte er doch im Zentrum spielen. Man riet Halla geduldig zu sein: Als Flügelspieler würde er bald ins Nationalteam einberufen werden. Tatsächlich gab der Angreifer am 23. November 1952 sein Debüt für Rot-weiß-rot und konnte beim 1:1 gegen Portugal prompt den einzigen Treffer für die Österreicher erzielen. 22‑jährig ereilte ihn der Ruf aus der Hauptstadt: Rapid-Trainer Josef Uridil wollte ihn unbedingt. Halla wechselte zu den Hütteldorfern, nicht ohne seiner Familie zu versprechen seine Ausbildung zum Dentisten in Wien fortzusetzen. Eigentlich sollte er in die Fußstapfen seines Vaters treten, das Schicksal wollte es jedoch anders: Halla fühlte seinen Gegenspielern nur auf dem Spielfeld auf den Zahn.

Heute kann mit Fug und Recht behauptet werde, dass Halla der erste moderne Außenverteidiger war. Er bildete mit Walter Glechner und Josef Höltl die gefürchtete Dreier-Abwehrreihe des Traditionsvereins. Kurze Zeit nach seinem Wechsel zu Rapid fuhren die Wiener auf Südamerika-Tournee: Im Spiel gegen San Lorenzo machte der frischgebackene Grün-Weiße drei Tore. River Plate, der argentinische Kultklub, streckte seine Fühler nach dem gebürtigen Steirer aus. Doch Halla wollte nicht weg aus Österreich und stieg mit seinen Mannschaftskameraden wieder in den Flieger nachhause.

Zurück in Wien stellten die Hütteldorfer auf jenes südamerikanisch-inspirierte System um, das sie in der Folge zum Serienmeister machen sollte: Paul Haller wurde dabei zum Außendecker umgeschult. Er war der erste Spieler, der diese Position modern interpretierte: Dank seines schnellen Antritts scheute er sich nicht den Ball in die Spitzen zu „tragen“, Halla schoss die Kugel nicht blindwütig nach vorne, sondern suchte das direkte Duell und „schleppte“ die Kugel in die gegnerische Hälfte. Dieser Spielstil brachte ihm den Spitznamen „Schlepperl“ ein. Halla war nicht nur schnell, sondern auch konditionsstark und konnte präzise flanken. Zudem sorgten seine Überraschungsschüsse aus dem Hinterhalt für Gefahr. Der Grazer war einer der Garanten für den Rapiderfolg der 50er- und 60er-Jahre. Außerdem absolvierte er 34 Länderspiele und nahm an zwei WM-Endrunden teil. In seiner Abschiedssaison für die Hütteldorfer trug „Schlepperl“ sogar die Kapitänsbinde. Er galt als sympathisch und bescheiden und war so bei den Anhängern des Traditionsvereins sehr beliebt.

Nach zwölf Jahren bei Rapid ließ Paul Halla seine Karriere schließlich bei Helfort im 16. Wiener Gemeindebezirk ausklingen. Dort arbeitete er zunächst als Spielertrainer und anschließend als Trainer. Der gebürtige Steirer verbrachte seinen Lebensabend in Wien. Er starb viel zu früh am 6. Dezember 2005 nach einer Magenoperation.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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