Das Transferkarussell beginnt sich langsam aber sicher zu drehen – bei Rapid gibt es bereits im April Gerüchte zum halben Kader. Die auslaufenden Verträge... Umbruch im Sommer? Das könnte sich bei Rapid ändern!

Das Transferkarussell beginnt sich langsam aber sicher zu drehen – bei Rapid gibt es bereits im April Gerüchte zum halben Kader.

Die auslaufenden Verträge

Fünf Verträge laufen aus und es ist durchaus möglich, dass alle fünf kommende Saison nicht mehr bei Rapid spielen werden. So gut wie sicher ist dies bei Andreas Kuen und Thanos Petsos, dessen Leihvertrag nicht verlängert wird. Mario Pavelic dürfte sich indes mit Rijeka einigen, nachdem das Barisic-Liebkind unter Djuricin nicht ins Konzept passt. Steffen Hofmann wird voraussichtlich seine Karriere beenden, eine offizielle Verlautbarung gab es dazu aber auch noch nicht.

Der Fünfte im Bunde ist Joelinton, bei dem ein Verbleib nach wie vor eine 50:50-Angelegenheit ist. Der Spieler will unbedingt bleiben, was auch immer wieder öffentlich kommuniziert wurde. Auch Rapid ist weiterhin an einem Kauf des Brasilianers interessiert, dessen Expected Goals Statistik zu den besten der heimischen Bundesliga zählt. Einzig Joelintons Berater haben andere Pläne.

Externe Nachbesetzungen würde es nur bei Abgängen von Pavelic und Joelinton geben. Anstelle des Rechtsverteidigers ist Sturms Marvin Potzmann weiterhin ein heißes Thema. Der flexible 24-Jährige gilt aktuell als wahrscheinlichster Neuzugang. Bei einem Abgang von Joelinton wird trotz dessen verschwimmender Position eher ein weiterer Angreifer, als ein offensiver Mittelfeldspieler kommen.

Die Ruhe um den Keeper

Goran Djuricin reklamierte Richard Strebinger bereits ins Nationalteam. Zu Recht, denn der 25-Jährige legte in der laufenden Saison eine sensationelle Entwicklung hin und avancierte vom Unsicherheitsfaktor zum Leader und Punkteretter. Noch ist es um den Keeper aber ruhig. Ein Abgang wäre angesichts seines bis 2022 laufenden Vertrages auch sehr teuer.

Bangen um die Top-Verteidiger

Schwierig wäre es, mit einem eventuellen Abgang von Lucas Galvao umzugehen. Der Brasilianer hatte bereits lose Anfragen, die aber finanziell für den möglicherweise besten Aufbauspieler der Liga nicht tragbar sind. Auch weil Christopher Dibon weiterhin verletzt ist, wäre die Personalie Galvao wohl am schwersten zu ersetzen. Rapids Top-Abwehrtalent Mert Müldür wird mit der Zeit zum Stammspieler aufsteigen, ist aber momentan noch nicht so weit um Galvao zu ersetzen. Würde der 26-Jährige gehen, müsste man ob der unklaren Situation um Dibon nachrüsten. Aus demselben Grund ist es auch wahrscheinlich, dass Sonnleitner seinen bis 2019 laufenden Vertrag erfüllt. Ein Abgang von Galvao ist aktuell aber noch nicht die größte Gefahr.

Etwas wahrscheinlicher ist, dass sich ein Interessent für Boli Bolingoli findet. Der Linksverteidiger spielte eine tolle Erstsaison für Rapid und könnte durchaus zu einem der teuersten Abgänge der Rapid-Geschichte werden – allerdings nur wenn er kommenden Sommer wechselt. Sein im Spiel gegen die Admira erlittener Syndesmosebandriss macht einen Wechsel allerdings eher unwahrscheinlich. Eine Ausfallzeit von zwei bis drei Monaten ist bei Bolingoli nicht unwahrscheinlich, wodurch er auch die Sommervorbereitung weitgehend versäumen würde. Ein Verbleib wurde somit wahrscheinlicher. Auch Fredy Bickel sprach in diesem Zusammenhang von „Glück im Unglück“, weil Rapid den Belgier unbedingt halten möchte.

Gefragte Mittelfeld-Zentralachse

Der formstärkste Rapidler Stefan Schwab hat noch zwei Jahre Vertrag und gilt mittlerweile als absoluter Schlüsselspieler und Leader. Immer wieder hört man von leisem Interesse aus Italien, was auch zu Schwabs persönlicher Italien-Affinität passen würde. Bei ihm ist es am wahrscheinlichsten, dass Rapid eine Wechselsperre verhängt – unabhängig davon, ob Schwab weg will oder nicht. Ein Abgang wäre einerseits kurzfristig schwer abzufedern, ist andererseits aber auch unwahrscheinlich.

Ebenfalls unwahrscheinlich ist ein Abgang von Dejan Ljubicic. Der Jungstar spielte einen starken Herbst und fiel im Frühjahr ein wenig ab. Auch sein Vertrag läuft bis 2020, zumindest ein weiteres Jahr in Grün-Weiß wäre logisch.

Anders sieht es bei Rapids Zehner Louis Schaub aus. Der 23-Jährige hat Interesse aus Köln auf sich gezogen und würde trotz des bevorstehenden Abstiegs der Geißböcke keinen Fehler machen, wenn er sich in Deutschlands zweiter Liga bei einem Top-Klub, zu dem sich derzeit auch viele bestehende Leistungsträger commiten, konsolidieren würde. Schaub wäre zweifelsohne schon weiter als er es jetzt ist, wäre er im Laufe seiner Rapid-Zeit nicht immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen worden. In den letzten 5 ½ Jahren fehlte Schaub neun Monate verletzungsbedingt. Bei ihm ist es von allen Rapid-Spielern am wahrscheinlichsten, dass er den nächsten Schritt macht, was Rapid finanziell aber keinen großen Segen bescheren würde. Der Teamspieler hat eine Ausstiegsklausel in seinem (recht alten) Vertrag und ein beträchtlicher Teil der festgeschriebenen Ablösesumme versiegt in verschiedenen Kanälen…

Da Petsos gehen wird und Mocinic und Szántó weiterhin verletzt sind, wird die Personaldecke in der Mittelfeldzentrale aber zumindest anfänglich relativ dünn besetzt sein. Ob Malicsek, der in St.Pölten keine außergewöhnliche Entwicklung machte, ein geeigneter Ersatzmann sein kann, wird sich weisen. Bei ihm wäre aber auch eine weitere Leihe eine Möglichkeit. Stephan Auer ist eher für die Außenverteidigung als die Sechserposition eingeplant. Schaub könnte auf der Zehn auch von Murg ersetzt werden, dann braucht Rapid aber einen neuen Rechtsaußen. Es ist gut möglich, dass sich im zentralen Mittelfeld noch etwas tut, allerdings bei verhältnismäßig niedriger Priorität.

Das Fragezeichen Flügelspieler

Mit Murg und Schobesberger verfügt Rapid nur über zwei klassische Flügelspieler, die fix für 2018/19 eingeplant sind. Mit Berisha gibt es zudem einen Hybrid, der sicher bleiben wird. Angebote müssten dabei eher für den immer konstanter werdenden Murg kommen, bleiben aber vorerst aus. Schobesberger verbaute sich das Interesse größerer Klubs immer wieder mit lethargischen Leistungen und fängt praktisch wieder eine Sprosse tiefer an, um seine Reputation neu aufzubauen. Dass einer der beiden geht, ist auch aufgrund ihrer langfristigen Verträge unwahrscheinlich. Murg verlängerte zuletzt bis 2021, Schobesberger gar bis 2022.

Dennoch ist mit einem Neuzugang für die offensive Dreierreihe zu rechnen. Schaub und Joelinton sind die heißesten Abgangskandidaten und hier muss nachgerüstet werden. Höchstwahrscheinlich nicht mit Stefan Hierländer, der bei Sturm verlängern dürfte, nachdem er zuvor bei Rapid, Austria und auch Salzburg als Neuzugang thematisiert wurde. Potzmann wäre eher für die Viererkette eingeplant. Und auch bestehende oder verliehene Spieler bieten keine Ersatzlösungen: Kuens Vertrag wird nicht verlängert, FAC-Leihspieler Gashi ist keine Option, Mujakic ist ein klassischer „vierter Stürmer“ für einen Bundesliga-Topkader und auch Arase machte keinen merklichen Schritt nach vorne.

Alles neu im Angriff?

Einmal mehr muss das Fragezeichen Joelinton Erwähnung finden, aber auch Giorgi Kvilitaia könnte zu einem werden. Seine Tore beim Nationalteam und sein starkes Frühjahr bei Rapid blieben nicht unentdeckt. Angesichts dessen, dass die Leihspieler Sobczyk, Entrup und Jelic allesamt keine Alternativen mehr sein und auch kein Hemmschuh für Neuverpflichtungen sein dürfen, kann es also sein, dass sich bei Rapid im Angriff alles verändert.

Hier darf man also definitiv mit einem, eher sogar zwei Neuen rechnen. Das wichtigste Thema ist dabei die Flexibilität. Die Spieler dürfen einander nicht zu sehr ähneln und müssen einerseits Physis, andererseits aber auch Schnellig- und Wendigkeit mitbringen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Rapid seinen Angriff grunderneuert ist also recht hoch, was einerseits unerzwungen passieren wird, andererseits aber auch eine willkommene Frischzellenkur darstellt. Wichtig ist hierbei nur, dass es schnell geht. Last-Minute-Transfers, wie sie häufig in den letzten Jahren vorkamen, müssen in diesem Jahr mehr die Ausnahme als die Regel sein.

Fazit

Von 22 Feldspielern im aktuellen Rapid-Kader sind zumindest drei langzeitverletzt, sieben Kandidaten für einen Wechsel zu einem größeren Klub und vier logische Abgänge. Fast die Hälfte des Rapid-Kaders könnte sich demnach bis zur neuen Saison verändern, wahrscheinlicher ist jedoch das Umkrempeln eines guten Drittels des Kaders.

Die Prioritäten sind klar verteilt: Einen Angreifer braucht Rapid unabhängig von etwaigen Abgängen. Ein weiterer Angreifer könnte im Falle eines Stürmer-Abgangs hinzukommen. Schaub wird ebenso extern ersetzt, wie Pavelic auf der rechten Abwehrseite. Mögliche Neuzugänge könnten auch die Innenverteidigung und die linke Abwehrseite treffen, sofern Galvao oder Bolingoli den Verein verlassen, wobei die Wahrscheinlichkeit hierzu derzeit eher sinkt. Außenseiterchancen gibt es zudem auf einen Neuen für das zentrale Mittelfeld, was aber die geringste Priorität hat.

Mit Galvao, Bolingoli, Mocinic, Berisha und Kvilitaia werden nächste Saison Stand jetzt fünf Legionäre im Kader stehen. Zumindest einer aus dem Quintett dürfte aber noch wechseln. Um eine richtig schlagkräftige Truppe zusammenstellen zu können, muss Fredy Bickel aber über den Österreicher-Topf hinwegblicken können und auch das Börserl bis in den letzten Winkel ausdehnen dürfen. Mit der einen oder anderen internen Transfersperre, einem Kader mit sieben bis acht Legionären und punktuell den besten verfügbaren Österreichern als Neuzugänge, kann Rapid 2018/19 durchaus konkurrenzfähig sein.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen