Nur 1,2 % aller Geburten bringen Zwillinge hervor, der Anteil an Profifußballern ist sowieso verschwindend gering. Da grenzt es fast schon an ein Wunder,... "Can't tell which is which" – die Zwillinge des Profifußballs – Teil 1

Nur 1,2 % aller Geburten bringen Zwillinge hervor, der Anteil an Profifußballern ist sowieso verschwindend gering. Da grenzt es fast schon an ein Wunder, wenn sich Zwillingsbrüder beide den Traum vom Profisfußball erfüllen können. Und doch schreibt der Fußball immer wieder genau diese Geschichte. Teil 1 befasst sich mit den bekannten aktiven Kickern.

Im europäischen Spitzenfußball lassen sich vier Zwillingspaare finden, die den Durchbruch geschafft haben. Die einen haben ihre besten Zeiten schon hinter, die anderen haben eine große Zukunft vor sich. Zu letzterem gehören sicherlich die Bender- und die Da-Silva-Zwillinge. Gemeinsamkeiten, neben dem Aussehen, sind bei den jetzt erwähnten schnell gefunden. Während Rafael schon immer mit seinem Bruder Fabio beim selben Verein spielt, spielen Lars und Sven Bender zwar nicht mehr zusammen, dafür aber auf der selben Position.

(K)EINE ENTWICKLUNG IM GLEICHSCHRITT

Nachdem beim mittlerweile englischen Rekordmeister Manchester United jahrelang die Gebrüder Neville auf den Außenverteidigerpositionen für Furore sorgten, wollten die Verantwortlichen des Klubs im Sommer 2008 wohl noch einen drauf setzen, als man für je drei Millionen einen linken und einen rechten Verteidiger von Fluminense verpflichtete. Diesen waren nämlich nicht nur Brüder, sondern sogar Zwillinge! Drei Jahre später kommt der jetzt 20-jährige Rafael auf die beachtliche Zahl von 72 Einsätzen, während Fabio „nur“ deren 38 hat. Der Grund ist schnell gefunden: Einen alternden Allrounder (John O’Shea auf der rechten Seite) zu verdrängen erwies sich als leichter als einen Weltklassespieler (Patrice Evra auf der linken Seite). Trösten kann sich der ältere der beiden mit der Tatsache, dass es im brasilianischen Nationalteam genau umgekehrt aussieht, ist der Rekordmeister rechts mit Alves und Maicon doch schon mehr als überbesetzt, ist links Brasiliens Schwachstelle auszumachen. Unterscheiden konnte sie Sir Alex Ferguson anfangs durch Fabios Ehering, doch mittlerweile sind beide verheiratet. Bleibt als einzige Unterscheidung die Anzahl der Muttermale um die Augen, dort hat der Rechtsverteidiger mehr. Da man das von den Zuseherrängen natürlich nicht erkennen kann, singen die Fans der Red Devils im Stadion: „Running up the pitch, can’t tell which is which, Viva Da Silva!“

Die Bender-Zwillinge sind ebenfalls in der Defensive angesiedelt, allerdings eine Reihe weiter vorne. Beide sind klassische „Sechser“. Um die beiden in naher Zukunft jedoch wieder zu vereinen, muss Joachim Löw wohl zwei Nationalteam-Einladungen nach Dortmund bzw. Leverkusen schicken, denn nach 16 Jahren gemeinsamen fußballerischen Schaffens verabschiedeten sich die geborenen Bayern zu ebendiesen Mannschaften. Ein kurzer Blick auf die Abschlusstabelle Deutschlands zeigt, dass die 22-Jährigen alles richtig gemacht haben. Vor allem der jüngere Sven leistete als Stammspieler, auch wegen der langwierigen Verletzung des Kapitäns Sebastian Kehl, einen gewaltigen Beitrag zur gewonnenen Meisterschaft. Nach anfänglichen Schwierigkeiten sorgt Lars die letzten Tage und Wochen für Aufsehen, scheint er nach dem Abgang von Arturo Vidal zu Juventus doch die Rolle des Chefs in Leverkusens Mittelfeld zu übernehmen, was nicht weniger als die Degradierung von Michael Ballack auf die Bank bedeutet. Außerhalb des Spielfelds stehen sich die Zwillinge trotz der großen Entfernung sehr nahe. Täglich wird miteinander telefoniert und wenn die Zeit es zu lässt, entspannen sie am liebsten zusammen am Golfplatz.

DIE TRANSFERSENSATION

Nicht wenige sahen das dritte Zwillingspaar schon am absteigenden Ast – die Rede ist von den Altintop- Brüdern. Neben Halil, der nach einem katastrophalen Jahr in Frankfurt, in der er in der Bundesliga als Offensivkraft kein einziges Tor erzielte, die Flucht in die Heimat zu Trabzonspor ergrief, verließ auch sein großer Bruder dessen Verein, denn er auch kam bei dein Bayern kaum zum Zug. Hamits Wechsel kann allerdings getrost als eine Sensation angesehen werden. Kein geringerer Verein als die Königlichen aus Madrid nahmen sich seiner an. Ein Wechsel, der in der Fußballwelt auf wenig Verständnis stieß. Viele unterstellen dessen Berater Reza Fazeli unglaubliches Verhandlungsgeschick, hat dieser innerhalb eines Jahres doch nicht weniger als drei seiner Schützlinge bei Real untergebracht (Özil, Sahin und eben Altintop). Noch bevor sein Engagement in der spanischen Hauptstadt so richtig begonnen hat, denn der Flügelspieler kann nach einer Verletzung frühestens im September ins Training einsteigen, sorgt der Türke mit folgender Aussage für Lacher, aber auch Kopfschütteln: „Ich bin ein wichtiger Spieler, aber wenn mich die Leute hier nicht so behandeln, gehe ich zu Galatasaray.“ Geboren und aufgewachsen sind die Altintops, wie auch Nuri Sahin, übrigens in Deutschland, trotzdem kam als Nationalteam nur die Türkei, das Herkunftsland der Eltern, in Frage.

Ähnlich überraschend ist auch der Verein des Schweizers Philipp Degen. Der jüngere Zwilling steht seit drei Jahren bei Liverpool unter Vertrag, wobei er letzte Saison an den VfB Stuttgart verliehen war. Aufgrund von Verletzungen, aber auch einfach zu starker Konkurrenz, hat der Außenverteidiger in den letzten drei Jahren nur vier Spiele über die volle Distanz absolviert. Stammspieler ist hingegen sein Bruder David, auch wenn er nach einjährigem Abenteuer in der deutschen Bundesliga bei Gladbach, mittlerweile „nur“ in der heimischen Liga für die Young Boys Bern spielt. Die Wiedervereinigung der Zwillinge scheint allerdings nur eine Frage der Zeit zu sein, da Bern in Verhandlungen mit Philipp steht. Sollte der Deal über die Bühne gehen, könnten die 28-Jährigen nach sechs jahren Pause wieder zusammen die rechte Seite beackern. Ärgern würde das wahrscheinlich die Handyanbieter der beiden, telefonieren die Degens doch noch immer bis zu zehn Mal täglich, da sie sich noch immer so nahe stehen. Denn früher gab es die beiden nur im Doppelpack und mit der Abwesenheit des anderen haben sich auch nach all den jahren noch Schwierigkeiten.

Es gibt im internationalen Fußball noch mehr Fußball spielende Zwillinge, aufgezählt wurden hier nur die Berühmteren.
Der zweite Teil befasst sich mit ehemaligen Profispielern (unter anderem mit den Brüdern van de Kerkhof, die als einzige bisher zusammen in einem WM-Finale gestanden sind), es wird ein Blick auf die österreichische Geschichte in Sachen Zwillinge geworfen und auch der Frauenfußball findet seine Erwähnung!

AlohaHe, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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