Fast jeder deutsche Topklub kann einen Mittelfeldspieler stellen, der das Zeug zu einer großen Zukunft hat. Allen voran natürlich Thomas Müller vom FC Bayern... Umbruch im deutschen Nationalteam – Teil 3: Prunkstück Mittelfeld

Fast jeder deutsche Topklub kann einen Mittelfeldspieler stellen, der das Zeug zu einer großen Zukunft hat. Allen voran natürlich Thomas Müller vom FC Bayern München. Genauso wie Badstuber kam er sozusagen über Nacht zu seiner ersten ganzen Saison. Die größte Stärke von Müller ist wohl seine unglaubliche Fähigkeit, überall in der Offensive seine Akzente zu setzen, sei es im linken oder rechten Mittelfeld, aber auch zentral, als hängende Spitze oder im Angriff.

Und Tore macht er dabei auch noch, abgebrüht für seine 21 Jahre. Der FC Bayern weiß natürlich, was er an Müller hat, deswegen läuft sein Vertrag in München auch noch bis 2015. Im August 2008 feierte er unter Jürgen Klinsmann gegen den HSV sein Debüt in der Bundesliga – brachte es in dieser Saison aber nur auf 4 Spiele. In den darauffolgenden beiden Saisonen stand er dann aber jeweils in allen 34 Spielen auf dem Platz und durfte zudem noch 25 Bundesligatreffer feiern. In der Champions League durfte er in 21 Spielen mitwirken. Im März 2010 feierte er sein Länderspieldebüt gegen Argentinien und wurde von Bundestrainer Löw auch gleich zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika mitgenommen. Einige Stimmen meinten, dass diese WM für den jungen Offensiv-Allrounder noch zu früh kommen würde, doch er strafte die Zweifler Lügen und durfte sich in sechs Spielen gleich über fünf Tore freuen, die ihm auch den Titel des Torschützenkönigs der WM sicherten. Zum Drüberstreuen gab es dann auch noch die Auszeichnung zum „Jungspieler der WM“.

DIE LIEBLINGE VON MADRID

Mesut Özil und Sami Khedira gehören wohl ebenfalls zu den großen Überraschungen der letzten beiden Jahre. Beide konnten bekanntlich bei der Weltmeisterschaft in Südafrika so überzeugen, dass Real Madrid nicht lange zögerte und beide unter Vertrag nahm. Wer dabei jedoch dachte, dass für die jungen Deutschen die Plätze auf der Bank rufen, irrte gewaltig. Sowohl Özil, als auch Khedira spielten sich unter Trainer Mourinho in die erste Mannschaft, Mesut zählte sofort zu den großen Publikumslieblingen in Madrid. In der deutschen Bundesliga kommen beide zusammengerechnet auf insgesamt 199 Spiele, in der Nationalmannschaft immerhin auch bereits auf 46. Der endgültige Durchbruch gelang aber in der Primera Division, wo man sie beide zum Stamm der Mannschaft zählen muss, der 22jährige Özil bestritt 36 von möglichen 38 Ligaspielen, Sami Khedira (24) immerhin 26.

LINKSFUSS MIT NIGERIANISCHEN WURZELN

Ein weiterer WM-Teilnehmer ist Dennis Aogo: Er kam zwar nur zu einem Spiel bei der Weltmeisterschaft (Spiel um Platz 3 gegen Uruguay), schaffte mittlerweile aber auch den Sprung in den festen Kader von Joachim Löw. In der EM-Qualifikation kam er in den letzten drei Begegnungen immer zum Einsatz. 2008 wechselte Aogo von Zweitligist Freiburg zum Hamburger SV und absolvierte 23 Bundesligaspiele und 11 Spiele im damaligen UEFA- Cup. Mittlerweile konnte er schon in insgesamt 89 Bundesligaspielen Erfahrung sammeln, dazu kommen noch einmal 79 Spiele in der zweiten deutschen Bundesliga. Der 24jährige Deutsch-Nigerianer ist sowohl im linken Mittelfeld, als auch in der linken Viererabwehrkette einsatzfähig, die Abwehr ist aber als seine Lieblingsposition zu bezeichnen. Vor allem in der Jugend wurde er oftmals im Mittelfeld eingesetzt.

MARIN – QUIRLIG UND TECHNISCH STARK

Eine weitere fixe Größe in der Bundesliga ist der 22jährige Marko Marin. Aber auch in der Nationalmannschaft ist er ein gern gesehener Gast, absolvierte insgesamt 16 Spiele für Deutschland, drei davon bei der WM 2010. In der Bundesliga ist er bei Werder Bremen schon länger nicht mehr wegzudenken. Alle 34 Spiele der Saison 2010/2011 bestritt der in Bosnien geborene Marin – gegen St.Pauli feierte er sein 100.Bundesligaspiel, wovon 33 für Borussia Mönchengladbach waren. Am wohlsten fühlt sich der Bremer auf der linken Außenbahn, aber auch auf anderen offensiven Positionen kann man ihn ohne weiteres einsetzen. Wenn sich Marin in Zukunft gefährlicher vor dem gegnerischen Tor präsentiert, kann er der nächste Mesut Özil werden. Ob er auch nächste Saison noch im Trikot des SV Werder auflaufen wird, ist hingegen noch nicht ganz klar. Im Ausland kennt man seine Stärken schon länger: Jetzt will ihn etwa Felix Magath zum VfL Wolfsburg holen.

DIE MEISTERMACHER DES BVB

Und in Dortmund? Drei Jungstars der Schwarz-Gelben haben einen großen Anteil am Meistertitel des BVB. Der 19jährige Mario Götze, Kevin Großkreutz (23) und Sven Bender (22). Götze stammt aus der Jugend der Dortmunder und feierte erst im November 2009 sein Bundesligadebüt. Auch er kann wie Marin und Özil auf sämtlichen offensiven Positionen der Formation eingesetzt werden, am wohlsten fühlt er sich im zentralen, offensiven Mittelfeld. Nachdem er in seiner ersten Saison gerade einmal auf fünf Bundesligaeinsätze kam, bestritt er in der abgelaufenen Saison, bis auf ein einziges, alle Spiele in der Bundesliga. Der kometenhafte Aufstieg war also auch ihm gewiss. Mit sechs Toren in seiner ersten vollen Saison, gehört Mario zu den aktuell torgefährlicheren Nachwuchsspielern. Sechsmal wurde Götze zudem im deutschen Nationalteam eingewechselt.

Kevin Großkreutz wechselte 2009 von Rot Weiß Ahlen nach Dortmund, entwickelte sich auf Anhieb zum BVB-Stammspieler. Gleich in seiner ersten Saison bestritt er 32 Bundesligaspiele, in der Meistersaison sogar alle 34. Und auch das Torkonto bekam bereits großen Zuwachs, 13mal konnte er sich bereits in die Torschützenliste eintragen. Außerdem absolvierte er bis dato drei Spiele in der Nationalmannschaft. Zum Einsatz kommt der in Dortmund geborene 23jährige in den meisten Fällen im linken offensiven Mittelfeld.

Der Dritte im Bunde ist Sven Bender. In Bayern geboren, durchlief er die Jugendabteilung von 1860 München, ehe er für die Saison 2009/2010 zu Dortmund wechselte. In der ersten Saison durfte er 19mal sein Können beweisen, musste aber zwischenzeitlich aufgrund eines Muskelfaserrisses pausieren. Im zweiten Jahr, lief es jedoch um einiges besser und Sven Bender kam auf 31 Spiele in der Meistersaison. Am 22.Spieltag, im Spiel gegen Kaiserslautern, durfte er sich auch über sein erstes Tor in der Bundesliga freuen. Bender hat im defensiven Mittelfeld der Borussen seine neue Heimat gefunden. In einem Testspiel im März 2011 gegen Australien, stand er zum ersten Mal im Nationalteam auf dem Platz und das gleich über die vollen 90 Minuten. Weitere Länderspiele werden auch sicher für ihn noch folgen.

REUS ALS GRÖSSTES KAPITAL DER „FOHLEN“

Dem Abstieg knapp entronnen, kann Borussia Mönchengladbach auch in der neuen Saison für die oberste Spielklasse planen. Einer der dafür hauptverantwortlichen Spieler ist der 22jährige Marco Reus. 2009 aus Ahlen gekommen, absolvierte er in seiner ersten Saison 33 Bundesligaspiele und konnte sich dabei mit acht Volltreffern bereits gut einleben. In der abgelaufenen Saison, bestritt er zwar ein Spiel weniger, durfte sich aber über 10 Bundesliga-Tore freuen. Kein Wunder, dass er in beiden Saisonen zum Spieler der Saison in Gladbach gewählt wurde. Immer wieder wirbelte er auf der rechten Außenbahn seine Gegner durcheinander und so wurden auch andere Vereine auf ihn aufmerksam. Reus stellt aber klar, dass er auch nächste Saison das Trikot von Borussia Mönchengladbach überstreifen wird, sein Vertrag bei den Fohlen läuft noch bis 2015.

JUNGSTARS DER ÜBERRASCHUNGSTEAMS

Die Überraschungsmannschaften der Saison 2010/2011 sind ohne Übertreibung der 1.FSV Mainz 05 und Hannover 96. Beide konnten das Unmögliche möglich machen und qualifizierten sich für die Europa League, wobei es bei den Hannoveranern lange Zeit sogar nach der Champions-League-Qualifikation aussah, doch schlussendlich konnte sich der Rekordmeister aus München doch noch durchsetzen. In den Reihen der beiden Mannschaften findet man in Hannover den 22jährigen Manuel Schmiedebach bzw. in Mainz Lewis Holtby (20). Schmiedebach kam 2008 von den Amateuren der Berliner Hertha und wurde auch zu Beginn nur in der zweiten Mannschaft von Hannover 96 eingesetzt. In der vorletzten Saison schaffte er aber den Sprung die erste Mannschaft, jedoch spielte er weiterhin zusätzlich bei den Amateuren. Erst in der Saison 2010/11 schaffte er den endgültigen Durchbruch und spielte im zentralen Mittelfeld 32 Bundesligaspielen. Tore konnte er dort noch keine verbuchen, dafür aber sechs Assists. Mittlerweile zeigt sogar Borussia Dortmund Interesse an dem 22jährigen. Fürs Nationalteam kam er noch nicht in Frage, aber für die U19-Auswahl Deutschlands stand er mehrmals am Spielfeld.

In Mainz spielte sich ein gewisser Lewis Holtby in die Herzen der Fans. Mit gerade einmal 20 Jahren entwickelte er sich zum absoluten Leistungsträger in Mainz, erzielte vier Tore und servierte seinen Mitspielern 10. 2008 noch in der zweiten Liga bei Alemannia Aachen unter Vertrag, schaffte er in der Saison daraufhin die nächste Sprosse seiner Karriereleiter zu erklimmen und wechselte zu Schalke 04. Mit neun Bundesligaspielen für die Knappen fiel die Bilanz zunächst mager aus, deswegen verlieh man ihn zurück in die zweite Liga zum VfL Bochum, wo er auf 14 Spiele kam. Auch in den Jugend-Nationalmannschaften bekam er seine Einsätze, spielte mit Deutschland bei der U20-Weltmeisterschaft in Ägypten und absolvierte auch drei Spiele in der EM-Qualifikation der U21-Mannschaft. Zu Beginn der neuen Saison durfte er zwar zurück in die Bundesliga, Schalke verlieh ihn aber weiterhin, diesmal zum 1.FSV Mainz 05 – und das Märchen nahm seinen Lauf. Im November 2010 bekam er auch seine ersten Minuten im A-Nationalteam, gegen Schweden feierte er sein Debüt unter Joachim Löw.

TRÄSCH SCHON BALD BEIM VFL WOLFSBURG

Beim VfB Stuttgart sorgt seit einigen Jahren der 23jährige Christian Träsch für Gesprächsstoff. Der defensive Mittelfeldspieler der Schwaben kam 2007 ohne ein einziges Spiel in einer 1.Mannschaft von 1860 München. Auch in Stuttgart kam er im ersten Jahr nur in der Regionalliga Süd zum Einsatz, kam jedoch trotzdem zu seinem ersten Bundesligaspiel. Am 18.Spieltag lief er beim 1:4 auf Schalke im Dress der Kampfmannschaft auf und das sogar in der Startformation. In der Saison darauf, lief es schon deutlich besser und Träsch kam zu mehreren Bundesligaspielen (1 Tor), wie auch zu fünf UEFA-Cup-Spielen. In der Saison 2009/2010 mauserte sich der geborene Ingolstädter zu einem fixen Bestandteil des VfB Stuttgart, absolvierte 29 Bundesligaspiele und trug sich dreimal in die Torschützenliste ein. Es dauerte nicht lange, bis auch die erste Berufung ins Nationalteam anstand, beim 7:2-Sieg Deutschlands gegen die Vereinigten Arabischen Emirate kam er in der 79.Minute für Andreas Hinkel aufs Feld. Mittlerweile ist er nicht mehr aus der Stuttgarter Mannschaft wegzudenken und stand bei allen Bundesligaspielen der Saison 2010/2011 auf dem Platz. So wie es aussieht, wird der VfB den talentierten Mittelfeldspieler aber sehr bald verlieren, bemüht sich doch Wolfsburg seit geraumer Zeit um Christian Träsch – der Wechsel scheint nur noch Formsache zu sein.

DAS MEGATALENT AUS MECKLENBURG-VORPOMMERN

In der DDR aufgewachsen, aus dem Nachwuchs des FC Hansa Rostock kommend, gehört Toni Kroos zu den Riesentalenten in Deutschland. Seit 2006 spielt Kroos in der Jugend des FC Bayern München und schaffte schnell den Sprung von der U19 zu den Amateuren des Rekordmeisters, danach direkt weiter in die Bundesliga-Elf des „FC Hollywood“. 2007 feierte der damals erst 17jährige sein Debüt unter Ottmar Hitzfeld und kam in seinem ersten Jahr auf zwölf Bundesliga- und sechs UEFA-Cup-Spiele. Nachdem er in seiner zweiten Saison wieder nur auf sieben Bundesligaspiele kam, verliehen ihn die Bayern in der Winterpause der Saison 2008/2009 für 1 ½ Jahre zum Ligakonkurrenten Bayer Leverkusen. Dort folgte die Leistungsexplosion des Toni Kroos: 33 Bundesligaspiele, 9 Bundesliga Tore und 12 Assists bewiesen das große Talent des gebürtigen Greifswalders. Am 3.März 2010 feierte er auch sein Debüt in der Nationalmannschaft. Im Spiel gegen Argentinien, kam er zu seinem ersten Spiel für sein Land. Auch bei der Weltmeisterschaft in Südafrika stand er im Kader Deutschlands und machte vier Spiele mit. Der FC Bayern holte ihn nach Ablauf seines Leihvertrags zurück an die Isar wo sein Vertrag noch bis 2015 läuft.

Michael Smolka, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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