Vor dem heutigen Champions-League-Finale wollen wir vier Fragen stellen und diese auch gleich so gut wie möglich beantworten. Wer hatte den schwierigeren Weg ins... Vier Fragen zum Champions-League-Finale

Vor dem heutigen Champions-League-Finale wollen wir vier Fragen stellen und diese auch gleich so gut wie möglich beantworten.

Wer hatte den schwierigeren Weg ins Finale?

Real Madrid. In der Gruppenphase trafen die Spanier auf Borussia Dortmund, Tottenham Hotspur und APOEL Nikosia. Real beendete die Gruppe auf dem zweiten Platz hinter den Engländern, gegen die man insgesamt nur einen Punkt holte (eine Niederlage, ein Remis). Nach dem 1:3 in London wurden die ersten Zweifel an der Mission Titelverteidigung laut. Der spanische Rekordmeister hat mit dem neuerlichen Einzug ins Finale aber vorerst alle Kritiker Lügen gestraft. Der FC Liverpool gewann seine Gruppe mit dem FC Sevilla, Spartak Moskau und NK Maribor, und blieb dabei ohne Niederlage.

Im Achtelfinale wurde dem Team vom River Mersey dann der portugiesische Vertreter FC Porto zugelost. Die Reds machten kurzen Prozess: Im Hinspiel gab es auswärts ein 5:0, in Liverpool reichte dann ein 0:0. Real hingegen bekam es, bei allem Respekt vor Porto, bereits in der Runde der letzten Acht mit einem echten Spitzenteam zu tun – Paris St. Germain. Die Franzosen um Superstar Neymar verloren jedoch beide Partien (1:3; 1:2), Real zog, ohne dabei zu glänzen, letztlich souverän In die nächste Runde ein.

Dort wartete mit Juventus Turin gleich der nächste Kracher. Real zeigte sich jedoch zunächst unbeeindruckt und siegte in Norditalien mit 3:0. Im Rückspiel hieß es dann aber noch einmal zittern; denn Juve dachte gar nicht daran kampflos auszuscheiden: bis kurz vor Schluss führte die alte Dame ebenfalls mit 3:0, ehe Cristiano Ronaldo eine umstrittenen, aber berechtigten, Elfmeter verwandelte. Liverpool erledigte seine Aufgabe deutlich souveräner – obwohl mit Manchester City ein exzellentes Team und der bis dato schwierigste Gegner wartete. Letztlich waren es zwanzig großartige Minuten im Hinspiel an der Anfield Road, die dem Team von Jürgen Klopp den Einzug in das Halbfinale sicherte. Mo Salah, Alex Oxlade-Chamberlain und Sadio Mane schossen zwischen der 12. und 31. Minute einen 3:0-Vorsprung heraus. Auch das Spiel in Manchester entschied Liverpool für sich (2:1).

In einen ähnlichen Rausch wie zuvor gegen City, spielte sich Liverpool dann auch gegen die AS Roma. Nach 68 absolvierten Minuten in Anfield, stand es in der ersten Begegnung 5:0. Die Römer wussten zunächst nicht wie ihnen geschah. Erst als Liverpool den Fuß vom Gas nahm, gelangen der Roma kurz vor Schluss noch zwei Treffer. Das sollte aber nicht mehr reichen  – auch wenn die Italiener ihr Heimspiel mit 4:2 gewannen. Mit sechs Gegentoren ist dabei noch nie eine Mannschaft in das Finale eingezogen. Liverpool ist aber auch das Team mit den meisten zunull-Partien (sechsmal) in dieser Saison. Beim Duell zwischen Real und dem FC Bayern ging es zwar weniger torreich, aber deutlich enger zu. In beiden Partien gerieten die Madrilenen mit 0:1 in Rückstand (keinem Team passierte das häufiger als Real); in beiden Partien kamen sie dank individueller Fehler der Bayern wieder zurück. Das Hinspiel in München endete dabei 2:1 für Real, in Madrid reichte ein 2:2.

Wer hat den besten Spieler in seinen Reihen?

Schwierig hier ein endgültiges Urteil zu fällen. Denn sowohl für Mo Salah, als auch für Cristiano Ronaldo können gute Argumente ins Feld geführt werden. Für beide gilt: ohne sie wären ihre jeweiligen Mannschaften nicht im Finale. Der Ägypter erzielte auf dem Weg dorthin zehn, Ronaldo fünfzehn Treffer. Bei dieser Diskussion vergessen wird gerne einmal Roberto Firmino. Auch dessen Statistiken sind bislang mit zehn Treffern sowie acht Vorlagen beeindruckend. Letztlich gibt ganz knapp für Ronaldo den Ausschlag, dass er sein hohes Niveau eben schon seit einer gefühlten Ewigkeit abruft und sich in den Spieler, in denen es darauf ankommt, so gut wie immer als ein entscheidender Faktor entschieden hat. Also: Real Madrid.

Wer hat den besseren Trainer?

FC Liverpool. Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund und ein enger Freund von Jürgen Klopp, hat es auf den Punkt gebracht: Klopp hat es geschafft, innerhalb fünf Jahren mit Liverpool und Borussia Dortmund zwei Außenseiter in das Finale der Champions League zu führen. Der Kader der Reds verfügt nicht über die individuelle Qualität in Spitze und Breite, wie eben sein Gegenüber Zinedine Zidane sie zur Verfügung hat. Klopp hat es jedoch geschafft, eine Mannschaft zu formen, die Real an diesem Wochenende auf Augenhöhe gegenüber tritt. Nebenbei hat Liverpool noch den offensiv aufregendsten Fußball Europas gespielt – und dabei beeindruckende 40 Tore im laufenden Wettbewerb erzielt. Natürlich hat auch Zidane in den letzten beiden Jahren großartiges geleistet, eine Titelverteidigung in der Champions League ist zuvor noch keiner Mannschaft gelungen. Jedoch stand im dabei auch der vielleicht jeweils beste Kader in Europa zur Verfügung. Real kommt dabei vorwiegend über individuelle Klasse, und nicht über das System, wie eben Klopps Liverpool. Allein das spricht meistens dafür, wer der handwerklich bessere Trainer ist.

Und wer holt heute den Pokal

FC Liverpool. Bei dieser Prognose ist, zugegeben, auch etwas der Wunsch der Vater des Gedankens. Real Madrid verfügt natürlich über die erfahrenere und abgezocktere Mannschaft. Vor allem das Mittelfeld um Toni Kroos und Luka Modric wird die Reds vermutlich vor einige Probleme stellen. Ein wichtiger Faktor, der letztlich für Liverpool sprechen könnte: der Hunger nach Titeln. Für viele Spieler könnte es für lange Zeit die letzte Gelegenheit sein, die wichtigste Trophäe im europäischen Vereinsfußball zu gewinnen. Allein aus diesem Grund wird die Mannschaft 90 Minuten lang Vollgas geben und Real mit seiner überragend fluiden Offensive immer wieder unter Druck setzen. Und gerade die Abwehr von Real schien in den Runden zuvor nicht immer sattelfest. Also: Liverpool macht es.

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Ral, abseits.at