Ein Kommentar zu den weit verbreiteten Wechselabsichten des Europameisters Cristiano Ronaldo und warum der Portugiese nur bei Real bleiben kann. Cristiano Ronaldo ist gemeinsam... Kommentar: Warum Cristiano Ronaldo Real Madrid nicht verlassen wird
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_Cristiano Ronaldo als Aquaman

Ein Kommentar zu den weit verbreiteten Wechselabsichten des Europameisters Cristiano Ronaldo und warum der Portugiese nur bei Real bleiben kann.

Cristiano Ronaldo ist gemeinsam mit Lionel Messi wohl der beste Fußballspieler auf diesem Planeten. Kein Name polarisiert so, wie der des viermaligen Weltfußballers. Er hat die meisten Follower in den sozialen Netzwerken und damit eine größere Reichweite als die größten Medienunternehmen der Welt, wie beispielsweise die New York Times, CNN oder BBC zusammen. Was Ronaldo sagt, schreibt oder sonstwie von sich gibt, wird auf der ganzen Welt wahrgenommen und weiterverbreitet. Der Name, die Marke, der Sportler Cristiano Ronaldo ist eine Goldgrube für Berichterstattungen in den Medien.

Aktuell ist der Portugiese mit der Nationalmannschaft beim Confederations Cup in Russland unterwegs. Nach der erfolgreichen Gruppenphase ist der 32-jährige Kapitän mit seinem Team heute Mittwoch im Halbfinale gegen Chile gefordert. Trotz der guten Ergebnisse Portugals im Confed Cup sorgt seit Wochen allerdings nur einer für Schlagzeilen. Die Rede ist natürlich von Cristiano Ronaldo.

„Cristiano Ronaldo will weg“

Die A BOLA, eine portugiesische Sportzeitung, die bestens mit dem Berater des Weltfußballers, Jorge Mendes, vernetzt ist, titelte am 16. Juni 2017: „Cristiano Ronaldo will weg“. Damit löste die Zeitung ein unglaubliches Medieninteresse und in den sozialen Netzwerken einen „Ronaldo-Boom“ aus. Am nächsten Tag berichteten alle Medien in ganz Europa und zum Teil weltweit über die Situation des Superstars. Der Europameister soll sich im Zuge der Steuerermittlungen der spanischen Behörden gegen seine Person nicht ausreichend unterstützt von seinem Arbeitgeber fühlen und deshalb sofort wechseln wollen. Noch am gleichen Tag folgte die MARCA mit ähnlichen Headlines und betonte die Unzufriedenheit des viermaligen Weltfußballers.

Die Frage die sich nach solchen Berichten stellt: Warum erreichen uns diese Schlagzeilen genau zu diesem Zeitpunkt? Wir befinden uns im so genannten „Sommerloch“. Für jene, die der Begriff nichts sagt: Das „Sommerloch“ ist die Zeit rund um die Sommermonate, in denen es für Medien sehr schwierig ist, genug Content oder Inhalte für ihre Rezipienten zu liefern. Besonders betroffen sind dabei die Sportmedien, die zum größten Teil über Fußball berichten. Während in der laufenden Saison über den Ligabetrieb in allen Ländern sowie die internationalen Wettbewerbe berichtet werden kann, gibt es in der Sommerpause um ein Vielfaches weniger Themen.

Warum kommen diese schier unglaublichen Schlagzeilen genau zu diesem Zeitpunkt? Klar kann man damit argumentieren, dass die Steueraffäre erst jetzt ans Tageslicht gekommen ist, doch auch hier darf man die Frage stellen: Wieso ist auch diese Geschichte erst in der Sommerpause publik geworden? Blöder Zufall? Ich glaube nicht. Diese Berichte wurden gezielt für die Sommermonate geplant, um bei der Veröffentlichung mehr Medienpräsenz zu bekommen. Während der Champions League und den Ligaentscheidungen in ganz Europa wäre diese Geschichte vermutlich untergegangen und hätte nicht annähernd so viel Medienrummel ausgelöst. Für die A BOLA und die MARCA war es der perfekte Schachzug, um aus einer Geschichte, an der nicht viel dran ist, Titelblätter auf der ganzen Welt zu füllen. Die beiden Sportmedien wurden an diesen Tagen weltweit zigtausend Mal zitiert, haben ihre Medienunternehmen bekannter gemacht und gleichzeitig sehr viel Geld damit verdient.

Mendes macht Druck

Ebenfalls eine Rolle spielt das Verhältnis zwischen Madrid und Ronaldos Spielerberater Jorge Mendes. Mendes und Real scheinen aktuell nicht das allerbeste Verhältnis zu unterhalten. Der portugiesische Spielerberater verliert nach und nach an Einfluss beim vermutlich größten Verein der Welt.

Nach José Mourinho (2013) und Ángel Di María (2014) verlassen in diesem Sommer mit Pepe und Fábio Coentrão gleich zwei seiner Schützlinge den Verein. Gleichzeitig steht James Rodríguez ebenfalls vor dem Aus bei Real. Außerdem gehört David de Gea auch zur Mendes-Firma GESTIFUTE. Ein Wechsel des 26-jährigen Torhüters zu den Königlichen scheint laut diversen Medienberichten nicht zustande zu kommen. Madrid scheint inzwischen anders zu planen. Der portugiesische Spielerberater ist mit dieser Entscheidung sicher alles andere als glücklich.

Mendes könnte mit der Thematik Ronaldo Druck auf den Verein ausüben, um wieder zu mehr Einfluss bei Real Madrid zu erlangen.

Wechsel macht keinen Sinn

Ronaldo hat in Madrid alles was er braucht. Der 32-Jährige holte mit den Königlichen in den letzten vier Jahren dreimal die Champions League und gleichzeitig durfte der Portugiese heuer zum zweiten Mal seit seinem Wechsel in die Hauptstadt den Gewinn der spanischen Meisterschaft feiern. CR7 holte zudem im Dress von Real drei Weltfußballertitel und knackte unzählige nationale sowie internationale Rekorde. Kurz gesagt: Ronaldo ist bereits jetzt eine lebende Legende beim vielleicht größten Klub der Welt.

Wieso sollte der Europameister nun wechseln? Nur in Madrid kann der 32-Jährige seine Ziele erreichen. Angenommen er würde zu seinem Ex-Klub Manchester United zurückkehren, er müsste sich wieder einleben und das Mannschaftsgefüge kennenlernen. Gleichzeitig trainiert den englischen Spitzenklub Ronaldos ehemaliger Real-Trainer José Mourinho. Zwischen den „Alphatieren“ Mourinho und Ronaldo kam es während ihrer gemeinsamen Zeit in Madrid immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten. Mourinho sagte bei seinem Abschied über Ronaldo: „Ich hatte ein grundlegendes Problem mit ihm: Kritisiere ihn für sein taktisches Verhalten und er akzeptiert es nicht.“ Dass es zu einer Wiedervereinigung der beiden Portugiesen kommt, scheint daher eher unwahrscheinlich, auch wenn „Mou“ ihn derzeit gut brauchen könnte.

Bei den Königlichen befindet er sich in einem eingespielten und perfekt abgestimmten Team, das jede Position doppelt und dreifachbesetzt hat. Der Portugiese ist mit 32 Jahren nicht mehr der Jüngste und ist immer häufiger auf seine genialen Mitspieler, die ihn perfekt in Szene setzen können, angewiesen.

Gleichzeitig kommt seine Freundin Georgina Rodríguez, an die er seit einiger Zeit glücklich vergeben ist, aus Spanien. Die 22-jährige Spanierin hat bestimmt nicht die allergrößte Freude, wenn ihr Freund in Zukunft in einem anderen Land sein Geld verdienen würde. Auch die Tatsache, dass sein 7-jähriger Sohn Cristiano Ronaldo Junior in Madrid aufgewachsen ist, spricht gegen einen Wechsel des Superstars.

Fazit

Ronaldo hat in Madrid alles um glücklich zu sein – oder wieder zu werden. Zudem bieten sich für den 32-jährigen Portugiesen keine wirklich vergleichbaren Alternativen, die für einen Wechsel sprechen würden. CR7 ist bestimmt unglücklich und hätte sich mehr Unterstützung seitens des Vereins in der Steueraffäre gewünscht. Dennoch werden sich die Wogen nach dem Confed Cup glätten. Ronaldo wird sich mit den Vereinsverantwortlichen zusammensetzen und die Thematik besprechen. Ein Wechsel scheint aus derzeitiger Sicht jedoch sehr unwahrscheinlich.

Stellungnahmen zur Causa Ronaldo

Nuno Luz (TV-Journalist in Portugal und einer der besten Ronaldo-Kenner) im Interview mit der spanischen Sportzeitung MARCA am 16.06.2017:

Ronaldo hat entschieden, nicht weiterhin in Spanien zu spielen. Er findet, dass er mit der steuerlichen Angelegenheit ungerecht behandelt wird und niemand verteidigt ihn. Cristianos Wille ist, einen neuen Klub zu suchen. Cristiano wird es nicht sagen, aber er fühlt sich von Madrid nicht beschützt.

Ramón Calderón (Ex-Präsident von Real Madrid) im Interview mit der BBC am 17.06.2017:

Ich hoffe nicht, dass er diese Entscheidung getroffen hat, aber wenn das stimmt, dann wird es sehr schwer sein, dass sich die Situation noch ändert

Florentino Pérez (Präsident von Real Madrid) im Interview mit der MARCA am 20.06.2017:

Ronaldo ist Spieler von Real Madrid und wird es auch weiterhin sein. Ich muss mit Cristiano sprechen.

Luís Figo (ehemaliger Spieler von Real Madrid und damaliger Kapitän der portugiesischen Nationalmannschaft) im Interview mit dem US-amerikanischen TV-Sender GOL am 24.06.2017:

Es müssen viele Faktoren zusammen kommen, dass er geht. Es ist immer eine persönliche Entscheidung und wenn jemand etwas sehr will, bekommt er es am Ende auch. Ich sehe das aber sehr skeptisch“.

Álvaro Arbeloa (Ex-Mitspieler von Ronaldo) im Interview mit der Sportzeitung MARCA am 24.06.2017:

Cristiano wird bleiben, denn er ist intelligent und weiß, dass er Real Madrid braucht. Er wird seinen fünften Ballon d’Or gewinnen, denn er hat die Liga und die Champions League geholt und spielt in der besten Mannschaft der Welt. Das hat er nur bei Real Madrid.

Luis Campos (Sportdirektor vom OSC Lille, der in der Ära José Mourinho als Scout bei Real Madrid arbeitete) im Interview mit dem französischem TV-Sender TF1 am 25.06.2017:

Er sagte mir, dass er einige Tage zum Nachdenken braucht. Das ist normal. Die Situation mit Real Madrid ist im Moment etwas angespannt, was auch normal ist. Cristiano wird aber Zeit haben, um die korrekte Entscheidung zu treffen. Dessen bin ich mir sicher

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Alexander Friedl

• Kommunikationwissenschaft/ Sportjournalismus Student in Salzburg • Spezialgebiet: spanische Liga (Primera División) • Facebook: Alexander Friedl • Twitter: alexfriedl_2 •