Sie ist altbekannt, wohl jedem Fan der deutschen Bundesliga geläufig und eine Art Bauernregel für Abstiegskandidaten: „40 Punkte braucht es für den Klassenerhalt“. Wir... 40 Punkte für den Klassenerhalt – Mythos oder Wahrheit?

Sie ist altbekannt, wohl jedem Fan der deutschen Bundesliga geläufig und eine Art Bauernregel für Abstiegskandidaten: „40 Punkte braucht es für den Klassenerhalt“. Wir beschäftigen uns heute näher mit dieser These und machen den Faktencheck. Dazu haben wir die Abstiegskämpfe der Saisonen seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995/96 analysiert. Was theoretisch möglich aber praktisch realistisch ist, geht dabei doch sehr weit auseinander…

Aktuell stehen nach 23 von 34 Spieltagen die ersten fünf der Tabelle übrigens jetzt schon über der magischen vierzig Punktemarke. Die ersten Abstiegskandidaten halten momentan bei 16 (Paderborn), 17 (Werder Bremen), 20 (Düsseldorf) oder 22 Punkten (Mainz).

Was uns die 24 Saisonen lehrten

Besonders bitter war die Saison 1997/98 für den Karlsruher SC, der mit 38 Punkten absteigen musste. Im Jahre darauf erwischte es den „Club“ aus Nürnberg mit eigentlich stattlichen 37 Zählern. Umgekehrt reichten dem Hamburger SV 2013/14 minimalistische 27 Punkte für Rang 16 und mittels Relegationserfolg ging der Mythos vom „Bundesligadino“ – vorübergehend – in die Verlängerung. Ähnlich die Fahrstuhlmannschaft aus Nürnberg (2010) und die TSG Hoffenheim (2013), die sich mit bescheidenen 31 Zählern in die Relegation und von dort zum Klassenerhalt retteten.

Wenn wir der Einfachheit halber davon ausgehen, dass ein Punkt mehr als der beste Absteiger zum Klassenerhalt gereicht hätten, waren seit 1995 etwa 34 Punkte im Schnitt notwendig. Auffallend ist da die langjährige Entwicklung. In den 1990er Jahren mussten es noch 37 Punkte durchschnittlich sein, um einen Punkt mehr als der beste Absteiger am Konto zu haben. In den „Nuller-Jahren“ reichten 34,1 Punkte um den ersten Absteiger zu distanzieren und erstklassig zu bleiben.

In den 2010er Jahren führt die Wiedereinführung einer Relegation diese Betrachtung ad absurdem. Doch der Punkteschnitt des 16. und 17. gingen zuletzt weiter zurück, die nötige Punkteausbeute für den Klassenerhalt dementsprechend auch.

Fakt ist…

All das in Zahlen gegossen ergibt folgendes Bild. seit Einführung der Dreipunkte-Regel in der deutschen Bundesliga gibt es folgende Schwankungsbreite bei den erzielten Punkten je Tabellenendrang, sowie der Durchschnitt über die 24-Saisonen betrachtet.

Punkte

Minimum

Punkte MaximumPunkte Durchschnitt
12. Rang384340,6
13. Rang334238,7
14. Rang324037,1
15. Rang314035,8
16. Rang273833,3
17. Rang213630,6
18. Rang183225,1

Und hier ein Diagramm über die Saisonen. Wie viele Punkte holten die letzten vier der Tabelle. Wer blieb als 15. fix drinnen (dunkelgrün) oder schaffte es über den Umweg Relegation (hellgrün). Und wer stieg ab – in dunkelrot als Fixabsteiger und etwas heller markiert als Relegationsverlierer.

Mathematisch könnten sogar 4 Punkte reichen, 58 aber trotzdem nicht

Wissenschaftlich betrachtet, also rein rechnerisch ist die Schwankungsbreite für den Klassenerhalt weit gestreut. Theoretisch könnten einmal 58 Punkte nur zum Schleuderstuhl-Rang 16 samt Abstieg führen. Dazu müssten aber alle Bundesligisten schlussendlich fast gleich aufliegen und dann noch die Relegation verloren gehen. Mindestens genauso unwahrscheinlich könnte man mit nur vier Punkten über den Relegationsplatz den Klassenerhalt schaffen. Die Sicht mittels der mathematischen Extremwerte sind also reine Theorie und kein fundierter Lösungsansatz.

Conclusio – Müssen es nun 40 Punkte sein oder nicht?

Reißt vorne und/oder hinten niemand aus bzw. ab, gibt es ein breitgefächertes, eng beisammen liegendes Mittelfeld. Dann sammeln sich dort viele der zu vergebenden Zähler an und es kann passieren, dass man mit verhältnismäßig vielen Punkten weit hinten in der Tabelle platziert ist. In so einer Konstellation könnte es passieren, dass am Ende selbst vierzig Punkte nur die Relegation bedeuten würden. Dass nur eine Mannschaft weniger Punkte am Konto hat und deshalb der fixe Abstiegsplatz winkt, gilt so gut wie ausgeschlossen.

Sehr viel Konjunktiv in den letzten Sätzen: In der Praxis gilt, dass es vierzig Punkte normalerweise gar nicht sein müssen. In den höchsten beiden deutschen Ligen ist bei einem Achtzehner-Feld mit drei Absteigern noch nie ein Team mit vierzig oder mehr Zählern abgestiegen. Ob man auf der sicheren Seite steht, hängt maßgeblich von der Stärke der Konkurrenz im Tabellenkeller ab. Jedoch war man bislang immer schon mit 39 Punkten durch und selbst ein paar weniger reichten fast immer für den Verbleib in der Liga.

Werner Sonnleitner, abseits.at

Werner Sonnleitner

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