In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren,... Abseits.at-Leistungscheck, Saison 2011/12 (Teil 2) – Zlatko Junuzovic und der schwierige Einstand in die deutsche Bundesliga

In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren, die beim österreichischen Teamchef Marcel Koller gute Karten haben. Zum Abschluss der Saison sehen wir uns die Leistungen jedes einzelnen Legionärs genau an und ziehen Bilanz. Nachdem wir uns die Leistungen von Christian Fuchs im ersten Teil ansahen, analysieren wir Zlatko Junuzovic´ erste Erfahrungen in der deutschen Bundesliga.

Bevor man die Leistungen des österreichischen Nationalspielers analysiert, muss man sich die Situation beim SV Werder Bremen vor Augen halten. Der Verein überwinterte auf dem fünften Tabellenplatz und man konnte getrost davon ausgehen, dass sich die Truppe von Thomas Schaaf wieder für Europa qualifizieren würde. Die Rückrunde der Bremer stand jedoch unter einem völlig anderen Licht, denn die Mannschaft holte aus den verbleibenden 17 Partien nur 13 Punkte und ist somit für die schlechteste Rückrundenbilanz aller Zeiten verantwortlich. Einerseits hatten die Bremer unglaubliches Verletzungspech, wobei insbesondere der Ausfall des einzigen treffsicheren Stürmers, Claudio Pizarro, nicht zu kompensieren war. Die verbliebene junge Mannschaft wirkte oftmals überfordert und auch Trainer Thomas Schaaf wird sich vorwerfen lassen müssen, dass er zu unflexibel agierte und sein 4-4-2-Rautensystem unter jeder Bedingung spielen lassen wollte.

Viele Einsätze – Junuzovic profitiert von seiner Flexibilität

In der Rückrunde absolvierte Junuzovic 15 Spiele für seinen Klub, wobei er bei jedem seiner Einsätze von Anfang an begann. Er spielte sieben Mal durch und wurde acht Mal ausgewechselt, meistens gegen Ende der Partie. Insgesamt stand er genau 1200 Minuten am Platz, in denen er keinen Treffer, dafür aber immerhin drei Assists beisteuern konnte. Junuzovic sah einmal die gelbe Karte, beging 16 Fouls und wurde 28 Mal von seinen Gegenspielern mit unfairen Mitteln gestoppt. Er schoss 20 Mal aufs gegnerische Tor und hatte seine Füße bei 42 Torschussbeteiligungen im Spiel. In der Mittelfeldraute kann Junuzovic drei Positionen ausfüllen, nämlich auf den beiden Flügeln und im offensiven Mittelfeld hinter den Spitzen. Er begann neun Mal am rechten und vier Mal am linken Flügel und spielte zwei Mal im offensiven Mittelfeld. Seine Vielseitigkeit wird wohl auch in Zukunft eine der Garanten für seine zahlreichen Einsätze sein.

Warum sich Junuzovic nicht wie erhofft kreativ entfalten konnte

Zlatko Junuzovic debütierte am 05. Februar 2012 beim 2:2-Unentschieden gegen den SC Freiburg in der deutschen Bundesliga. Er zeigte einen absolut gelungenen Einstand, da er ein Assist beisteuerte und sehr aktiv war. Gleich in seiner ersten Partie zeigte er seine beste Saisonleistung, wobei seine Leistungsdaten aus diesem Spiel fast symptomatisch für die restliche Saison stehen: Junuzovic überraschte alle mit seiner unglaublichen Laufarbeit, zeigte aber Schwächen im Zweikampfverhalten. Gegen den SC Freiburg gelang dem Österreicher noch einiges im kreativen Bereich – im Laufe der Saison vermissten die Fans jedoch seine Geistesblitze immer mehr, was auf folgende Punkte zurückzuführen ist:

  • Viel Defensivarbeit: Junuzovic musste sehr viel Defensivarbeit verrichten und er hatte einen unglaublich großen Aktionsradius. Die Flügelspieler im Mittelfeld spielen unter Thomas Schaaf sehr zentral und befinden sich oftmals auf einer Höhe mit dem defensiven Mittelfeldspieler, sodass sein 4-4-2-System oft wie ein 4-3-1-2-System aussieht, in dem sieben Spieler viel für die Defensive machen müssen.
  • Langsames Umschalten: Das Umschalten der gesamten Mannschaft in die Offensive funktionierte oft nur schleppend, sodass Junuzovic nach einem Ballgewinn häufig keine Anspielstation nach vorne fand. Teilweise kamen in 90 Minuten mehr als 90% seiner Pässe bei den eigenen Mitspielern an, was zeigt, dass er oft zur Seite oder nach hinten spielen musste
  • Verunsicherung der gesamten Mannschaft: Die Bremer spielten teilweise mit der jüngsten Bundesligamannschaft ihrer Vereinsgeschichte. Wenn es schlecht läuft, dann würden gerade junge Spieler ältere Routiniers benötigen, bei denen sie sich aufrichten können. Diese waren jedoch verletzt, oder befanden sich selbst nicht in Form. Diese Verunsicherung übertrug sich teilweise auch auf Junuzovic.
  • Umstieg in die deutsche Bundesliga: Ein weiterer Punkt ist natürlich der Niveauunterschied. In der österreichischen Bundesliga geht vieles langsamer und die Gegenspieler in Deutschland haben teilweise ganz andere Qualitäten als in Österreich, was Junuzovic besonders in den Zweikämpfen feststellen musste. Als gutes Beispiel dient Daniel Royer, der in der österreichischen Bundesliga mit seinen Leistungen gewaltig aufhorchen ließ, aber bei Hannover 96 kaum eine Rolle spielte

 

Wer nicht glänzen kann, muss laufen

Trotz der oben erwähnten Schwierigkeiten darf man nicht davon sprechen, dass Junuzovic´ erstes halbes Jahr in der deutsche Bundesliga nur enttäuschend verlief. Es stimmt schon, dass er nach seinen ersten drei Einsätzen in den verbleibenden Partien kein einziges Mal eine bessere Kicker-Note als eine 4 bekam, allerdings muss man bedenken, dass auch seine Mannschaftskollegen aufgrund der katastrophalen Rückrundenleistungen nur selten besser abschnitten. Junuzovic konnte sich aufgrund seiner unglaublichen Laufarbeit und Einsatzbereitschaft jedoch Respekt bei den Fans und bei seinem Trainer erwerben. Es ist richtig, dass der Mannschaft nicht viel gelang, aber Junuzovic kämpfte immer bis zum Umfallen und knackte in den meisten Partien die 13-Kilometer-Marke. Es gibt einige Österreicher in der deutschen Bundesliga, die bekannt dafür sind, dass sie meist mehr als ihre Mit- und Gegenspieler laufen. Martin Harnik und Julian Baumgartlinger sind die besten Beispiele dafür und laufen fast immer über zwölf Kilometer. Junuzovic stellte die beiden mit seinen Laufleistungen aber regelmäßig in den Schatten, was Trainer Schaaf und Geschäftsführer Allofs in Interviews immer wieder anerkennend lobten.

Schwächen im Zweikampfverhalten und wenig Durchsetzungsvermögen

Die Gegenspieler in der deutschen Bundesliga bereiteten in Sachen Zweikämpfe dem Österreicher weitaus mehr Schwierigkeiten als in der heimischen Liga. Junuzovic hatte selten eine positive Zweikampfbilanz und gewann insgesamt nur 44,8% seiner 315 Duelle. In der Luft hatte der kleine Mittelffeldspieler natürlich sehr häufig das Nachsehen – Junuzovic gewann nur 32,6% seiner Kopfballduelle. Am Boden sieht seine Bilanz etwas besser aus, denn der 24-Jährige gewann dort 46,7% seiner 272 Duelle. Im Schnitt zeigte er 2,8 Tacklings pro Partie und es gelang ihm durchschnittlich 2,4 Mal pro Spiel einen gegnerischen Pass abzufangen. In jedem dritten Spiel konnte er einen kritischen Ball klären. Dass er sich in der Offensive nicht wirklich durchsetzen konnte, sieht man an folgender Statistik:

Während Junuzuvic im Schnitt pro Partie nur 0,7 Mal per Dribbling an einem Gegenspieler vorbeikam, wurde er 2,1 Mal pro Spiel erfolgreich überspielt. Von einem Spieler seines Kalibers sollte man in dieser Hinsicht weitaus mehr erwarten.

Ballkontakte und Pässe

Junuzovic hatte in 1200 Spielminuten 791 Ballkontakte, was bedeutet, dass er in 90 Minuten etwa 60 Mal den Ball berührt. Ein Wert, der weder besonders gut, noch schlecht ist. Von 526 Pässen landeten 83,5% bei den eigenen Spielern, 28,6 Prozent seiner 28 Flanken fanden einen Mitspieler – ein Wert, mit dem er zufrieden sein kann. Insgesamt gelangen ihm 1,3 weite Pässe pro Partie und ebenso viele Schlüsselpässe, also Zuspiele, aus denen ein Assist wurde, oder hätte werden können, wenn der Stürmer die Chance nicht vergeben hätte.

Fazit

Innerhalb einer verunsicherten Mannschaft fiel der Werder-Legionär immerhin mit seiner Lauf- und Kampfbereitschaft auf. Positiv zu werten ist ebenfalls seine Vielseitigkeit – Trainer Thomas Schaaf kann ihn ohne weiteres auf drei verschiedenen Positionen aufstellen. Im kreativen Bereich gelang ihm für seine Verhältnisse aus verschiedenen Gründen noch viel zu wenig (siehe oben) und auch sein Zweikampfverhalten sollte in der kommenden Saison besser werden. In einer gut funktionierenden Mannschaft kann sich Junuzovic sicherlich besser entfalten und wir wollen für den Legionär hoffen, dass der SV Werder Bremen im Sommer die richtigen Entscheidungen trifft, damit der Verein wieder vorne mitmischen kann. Im letzten Saisonspiel zog sich Junuzovic eine Kapselverletzung im Knöchel zu, Junuzovic hofft, dass er rechtzeitig für die ÖFB-Länderspiele in Innsbruck wieder fit wird.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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