Der dritte Spieltag deckte gnadenlos die gravierenden Unzulänglichkeiten einiger Mannschaften auf. An einigen Orten verschärft sich dadurch die Krisenstimmung, während sie woanders ausbrechen könnte.... Der dritte Spieltag in Deutschland: Die ersten Krisenherde tauchen auf

SV Werder Bremen - Wappen, Logo_abseits.atDer dritte Spieltag deckte gnadenlos die gravierenden Unzulänglichkeiten einiger Mannschaften auf. An einigen Orten verschärft sich dadurch die Krisenstimmung, während sie woanders ausbrechen könnte. Die sportlichen Storys dazu gibt’s in der Rückschau.

„Freak-Spiel“ in Köln

Wie wenig das Ergebnis über den Verlauf eines Fußballspiels aussagen kann, dafür ist die Begegnung zwischen dem 1.FC Köln und dem SC Freiburg das beste Beispiel. In fast allen statistischen Kategorien lagen die Freiburger am Ende vorne, trotzdem verlor das Team von Christian Streich deutlich mit 0:3. Die Breisgauer hatten die bessere Passquote (82 Prozent vs. 72 Prozent), mehr Ballbesitz (65 Prozent vs. 35 Prozent), mehr Torschüsse (8 vs. 3) und gaben auch insgesamt mehr Schüsse (17 vs. 9) ab.

Die Kölner präsentierten sich gnadenlos effizient und erzielten mit drei Torschüssen drei Tore. Darüberhinaus wussten die Geißböcke mit Anthony Modeste einen eiskalten Torjäger in ihren Reihen. Der Franzose traf gleich zweimal. Die Südbadener bekamen im eigenen Strafraum keinen Zugriff auf den Gegner, insgesamt 77 Prozent ihrer Abschlüsse generierten die Kölner dort. So resultierte das 3:0 aus einem Einwurf, den Modeste fast unbedrängt von Freiburg-Verteidiger Caglar Söyüncü im Fünfmeterraum einköpfte. Nebenbei hatte der „Effzeh“ in Timo Horn einen überragenden Keeper, der acht Schüsse abwehren konnte.

Schalker Fehl- und Herthas Superstart perfekt

Viel gegensätzlicher kann ein Bundesligastart nicht verlaufen: die Berliner holten mit neun Punkten aus drei Spielen die optimale Punktzahl und sind somit, auch wenn das komisch klingt erster Bayern-Verfolger. Mit null Punkten aus den ersten Spielen hat sich Schalke auf der anderen Seite erstmal im Tabellenkeller festgesetzt. Besorgniserregend dabei vor allem das erschreckend harmlose Offensivspiel. Die Knappen konnten in der Bundesliga noch kein Tor erzielen. Zu allem Überfluss patzten bei der 0:2-Niederlage die beiden defensiven Hoffnungsträger Benjamin Stambouli und Nabil Bentaleb. Mit grobfährlässigen Ballverlusten leiteten die Neuzugänge die beiden Gegentreffer durch Mitchell Weiser und den eingewechselten Valentin Stocker ein.

Die Berliner Defensive präsentierte sich im Gegensatz dazu erneut sehr kompakt und diszipliniert, die Offensive gnadenlos effizient. Zwei Torschüsse reichten für zwei Tore.  Am Mittwoch kommt es damit in München zum Spitzenspiel zwischen den Bayern und Hertha. Auf Schalke steigt nach einem historisch schlechten Start dagegen der Druck. Die Frage ist, wie lange das Umfeld in Gelsenkirchen noch geduldig bleibt.

Krise im Norden

Vereinen eine Krise nach nur drei absolvierten Spieltagen anzudichten, ist meist etwas verfrüht. Die Krisen bei den beiden Nordvereinen Werder Bremen und Hamburger SV gehen aber tiefer. Der HSV beispielsweise musste zweimal in die Relegation bevor Trainer Bruno Labbadia etwas Stabilität brachte, was zu einer relativ sorgenfreien letzten Saison führte. Spielerisch überzeugen, dass konnte die Mannschaft aber auch unter Labbadia nicht.

Erzrivale Bremen rettete sich in der vergangenen Spielzeit dank furiosem Schlussspurt nur knapp vor dem Abstieg. Obwohl sich teilweise gravierend taktische Mängel in der Defensive und im Spielaufbau offenbarten, durfte der bereits zu diesem Zeitpunkt schon viel kritisierte Trainer Viktor Skripnik im Amt bleiben; die gleichen Probleme unter denen Werder auch dieser Saison leidet. Vorläufiger Höhepunkt: das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach. In der ersten Halbzeit lieferte die Bremer Mannschaft eine grottenschlechte, nicht bundesligataugliche Leistung ab. Die Viererkette stand erneut viel zu hoch und lies jede Ordnung vermissen, geschweige denn, dass ein taktisches Konzept erkennbar war. Ohne viel Mühe gelang es den Gladbachern durch Thorgan Hazard und Raffael vier Tore zu erzielen, während die Bremer kopflos wie nach einem Rendezvous mit dem Schafott agierten. In der zweiten Halbzeit verwaltete die Borussia die Partie ohne große Anstrengung, so kam Bremen durch Serge Gnabry noch zum Ehrentreffer, was gleichzeitig den 1:4 – Endstand bedeutete. Werder-Stürmer Aron Johansson kassierte zu allem Überfluss in der Schlussphase noch die Rote Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung.

Konstanz im Fußball ist ein rares Gut. Den HSV der letzten Jahre zeichnet jedoch eine Art von Konstanz aus, auf die die Hanseaten wohl gut und gerne verzichten würden. Die Probleme an der Elbe sind nämlich seit Jahren die gleichen: die Mannschaft präsentiert sich als fragiles Gebilde, das durch teils haarsträubende individuelle Fehler während eines Spiels immer wieder ins Wanken gerät; die daraus resultierenden dürftigen Leistungen sorgen für Unruhe im Umfeld, was sich wiederum negativ auf die Leistung der Mannschaft auswirkt. Gegen den starken Aufsteiger RB Leipzig wiederholten sich diese Muster auf drastische Art und Weise. Zu Beginn noch gut in der Partie und mit einigen Chancen, löste sich der HSV nach dem 0:1 durch den überragenden Emil Forsberg in seine Bestandteile auf. Folgerichtig kassierten die Hamburger noch zwei Tore von Timo Werner und eines durch Davie Selke. Am Ende stand eine deftige 0:4-Heimklatsche auf der Anzeigentafel – und im Umfeld rumort es wieder.

Viktor Skripnik wurde mittlerweile entlassen. Überraschend kommt das nach den Leistungen der letzten Wochen nicht. In Interviews vermittelte der Ukrainer zudem das Bild eines Trainers, dem die prekäre Situation relativ egal zu sein schien, der überdies mit seinem Job in Bremen offensichtlich bereits gedanklich abgeschlossen hatte. Labbadia hingegen geht erneut in die von ihm bekannte Verteidigungshaltung. Er verweist gebetsmühlenartig auf die noch nötige Aufbauarbeit und den Umbruch in dem sich der HSV befindet. Vor der Kamera muss ihm nicht unbedingt etwas Neues einfallen. Auf dem Platz schon, den Investor Klaus-Michael Kühne hat den Trainer unter der Woche bereits angezählt

Short Notes:

Dortmunder weiterhin in Torlaune: Nachdem die Borussia bereits unter der Woche in der Champions League sechs Treffer erzielte, gelang dies auch in der Bundesliga im Heimspiel gegen Darmstadt 98. Während der BVB ein Offensivfeuerwerk abbrannte (allein zwei Hackentreffer durch Gonzalo Castro und Sebastian Rode), leistete Darmstadt einen Offenbarungseid in Sachen Einstellung ab. Die Lilien gehen schweren Zeiten entgegen. Überragend bei Dortmund: Doppeltorschütze Castro und Christian Pulisic.

Bayern mit Arbeitssieg: Gegen mutige Ingolstädter taten sich die Bayern lange Zeit enorm schwer. Die Mannschaft von Carlo Ancelotti geriet durch das Tor von Dario Lezcano sogar zum ersten Mal unter dem Italiener in Rückstand. Durch Tore von Lewandowski, Xabi Alonso und Rafinha gelang den Bayern aber noch der Turnaround. Bedanken konnten sich die Münchner bei Torhüter Manuel Neuer, der zahlreiche hochkarätige Chancen der Schanzer vereitelte.

Bayer mit großen Problemen – Eintracht mit Traumstart: Bei der Mannschaft von Roger Schmidt ist mal wieder einiges an Sand im Getriebe. Nach dem unerklärlichen Einbruch unter der Woche in der Champions League beim 2:2 gegen ZSKA Moskau, musste Bayer gegen Frankfurt sogar eine 1:2-Niederlage hinnehmen. Obwohl durch den vergebenen Elfmeter von Chicharito einiges an Pech hinzu kam, war die Niederlage schlussendlich nicht unverdient. Die Eintracht andererseits feierte ihren bereits zweiten Saisonsieg, dank einer engagierten Leistung und einem Marco Fabian in Topform.

Zahlen und Fakten zu den restlichen Partien

TSG 1899 Hoffenheim 0:0 VfL Wolfsburg

Zum ersten Mal blieben die Wolfsburger an den ersten drei Spieltagen ohne Gegentreffer. Außerdem war dies das erste 0:0 zwischen Hoffenheim und den Wölfen.

Insgesamt 40 Torschüsse bedeuten einen Saisonrekord. Kurios, dass trotzdem kein Tor fiel.

Wolfsburg gewann keines der letzten vier Auswärtsspiele bei der TSG, holte aus diesen Begegnungen nur 2 von möglichen 12 Punkten.

Kerim Demirbay kam zu seinem Debüt vor Hoffenheim und seinem ersten Bundesligaspiel seit über zwei Jahren.

FC Augsburg 1:3 FSV Mainz 05

Erstmals verloren die Augsburger die ersten beiden Heimspiele einer Bundesligasaison.

Mainz ist seit sechs Spielen gegen Augsburg unbesiegt und holte dabei 16 von möglichen 18 Punkten.

Der beste Mainzer Torjäger der letzten Saison, Yunus Malli, traf gegen Augsburg zum ersten Mal und bereitete einen weiteren Treffer vor. Zudem war er der laufstärkste Spieler auf dem Feld.

Alle drei Augsburger Saisontore erzielten Verteidiger. Wie bereits in der letzten Saison stellen die Fuggerstädter auch heuer die bis dato torgefährlichste Abwehrreihe.

Mainz erzielte in den bisherigen drei Spielen acht Treffer. So oft trafen 05er zu diesem Zeitpunkt noch nie.

“Pfosten des Spieltages“

Jose Rodriguez: Aufgrund seines brutalen Einsteigens gegen Augsburgs Dominik Kohr kassierte der Spanier fünf Minuten nach seiner Einwechslung vollkommen zu Recht die Rote Karte. Den ersten Eindrücken nach zu urteilen muss befürchtet werden, dass Kohr sich bei der Aktion wohl schwerer verletzt hat. Mainz-Spieler Donati standen angesichts des sich windenden Augsburgers sogar die Tränen im Auge. Dieses Foul erschien in seiner Härte besonders überflüssig, da bereits die Nachspielzeit lief und Rodriguez` Verein mit 3:1 in Führung lag. Zudem „feierte“ der defensive Mittelfeldspieler sein Bundesligadebüt. Noch dämlicher agieren kann man wohl nicht.

Ral, abseits.at

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