Im Spitzenspiel des 15. Spieltags der deutschen Bundesliga kam es zum Aufeinandertreffen zwischen Bayern München und Borussia Dortmund. Der Rekordmeister wollte vor 71.000 Zuschauern... Deutsches Gipfeltreffen endet 1:1 – Kroos und Weidenfeller als prägende Figuren

Im Spitzenspiel des 15. Spieltags der deutschen Bundesliga kam es zum Aufeinandertreffen zwischen Bayern München und Borussia Dortmund. Der Rekordmeister wollte vor 71.000 Zuschauern in der Allianz Arena die Negativserie gegen den amtierenden Doublesieger beenden und ihn frühzeitig aus dem Titelkampf nehmen. Nach wechselhaften 90 Minuten trennten sich beide Mannschaften nach Treffern von Toni Kroos und Mario Götze 1:1.

Der Unterhaltungsfaktor, sagte Jan Age Fjortoft in der Halbzeitpause, sei nicht besonders groß, aber strategisch und taktisch bewege sich das Spiel auf hohem Niveau. Treffenden Worte des einstigen Rapid-Stürmers und nunmehrigen TV-Experten, dennoch kamen nach dem Seitenwechsel auch Nicht-Taktikfreunde auf ihre Kosten. Beide Treffer fielen nämlich in der zweiten Halbzeit, in der sich zudem einige hochkarätige Torchancen dazugesellten.

Heynckes zieht Lehren aus letzter Saison

Letzte Saison verlor der FC Bayern München alle drei Spiele gegen die Schwarzgelben, Trainer Jupp Heynckes scheint aber die richtigen Lehren aus den Niederlagen gezogen zu haben. Vor rund einem Jahr war es – im wahrsten Sinne des Wortes – ein zentrales Problem, dass Thomas Müller als Zehner kaum Verbindungen durch die Mitte herstellen konnte. Er stand zu hoch und ihm fehlten gegen die dichtstehenden Borussen die technischen Fertigkeiten. In diesem Spiel begann Toni Kroos auf der zentralen, offensiven Position, von dem man sich diese Verbindungen versprach.

Beim 0:1 in Dortmund machten die unterschiedlichen Stürmertypen beider Mannschaften den Unterschied aus. Statt des statischen Mario Gomez startete nun Mario Mandzukic, der im Sommer verpflichtet wurde und BVB-Torjäger Robert Lewandowski mehr ähnelt. Der Kroaten bewegt sich oft aus dem Sturmzentrum heraus, ist aber dennoch robust und treffsicher.

Ohne Kehl, mit veränderter Formation

Die Gäste aus dem Ruhrpott konnten ebenfalls auf ihr stärkstes Personal zurückgreifen – mit einer Einschränkung jedoch. Sebastian Kehl plagten Knieschmerzen, wodurch der Kapitän nicht zur Verfügung stand. Somit setzte BVB-Coach Jürgen Klopp auf Sven Bender, der einmal mehr seinen Ruf als Pferdelunge und wichtiger Lückenfüller bestätigte. Der Ex-Löwe lief fast einen Kilometer mehr als der Zweite der Distanzwertung.

Seinen Nebenmann Ilkay Gündogan war zwar weniger auffällig, ihn zeichnete aber sein defensives Positionsspiel aus, wie sieben abgefangene Pässe zeigen – Platz zwei hinter Mats Hummels. Das Personal war zwar das gewohnte, in der Formation konnte man aber eine markante Abweichung gegenüber den vorangegangenen Spielen erkennen. Wie in der Champions League bei Manchester City war nämlich weitestgehend eine 4-5-1-Grundornung mit breitem Fünfermittelfeld zu erkennen.

Dortmund presst variabel

Diese Formation zeichnet sich dadurch aus, dass durch die hohe Anzahl an Mittelfeldspielern, die sich auf einer Linie positionieren, beinahe die gesamte Breite des Spielfelds abgedeckt werden kann. Allerdings interpretierten sie die Dortmunder sehr flexibel, vor allem in der Defensivbewegung und aus ihr heraus. Götze agierte als nomineller rechter Flügelspieler sehr fluid, reihte sich entweder in die Mittelfeldkette ein, um Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek gegen Franck Ribery und David Alaba zu unterstützen, oder rückte wie gewohnt neben Lewandowski vor. Jakub Blaszczykowski stand dann etwas breiter, wodurch die übliche 4-4-2-Pressingformation entstand.

Phasenweise schoss neben Götze auch Marco Reus auf der linken Außenbahn nach vorne, was eine drei-gegen-vier- oder in Extremfällen sogar eine Gleichzahlsituation gegenüber den Bayern-Aufbauspielern nach sich zog. Neben den hohen Druck, den man damit auf die Münchner ausübte, hatte dies auch den Nebeneffekt, dass die Westfalen neben einer kurzen Distanz zum gegnerischen Tor gleich mit mehreren Spieler gefährlich werden konnten. Da die Bayern-Abwehr beim Herausspielen wenig Risiko nahm, konnten die Dortmunder diesen kaum ausnutzen.

Bayerns Offensive abgeschnitten

In erster Linie wollten die Dortmunder damit aber verhindern, dass Bayern mit dem Ball in höhere Zonen kam – wie sie das schon in Manchester taten. Gelungen ist es ihnen ähnlich gut. Zwar verzichtete man darauf den aufbauenden Mittelfeldspieler des Gegners verstärkt anzupressen, aufgrund des Drucks auf die Verteidigung und die hohe Spielerdichte im Zentrum kamen Bastian Schweinsteiger (55 Ballkontakte) und Javi Martinez (66 Ballkontakte) aber erst gar nicht richtig ins Spiel.

Der Spanier konnte aufgrund des dichten Zentrums nur auf die Seiten bzw. nach hinten spielen, der Deutsche musste auf die Seiten ausweichen um sich konstruktiv einzubringen. Nur in wenigen Szenen konnte man erkennen, dass es den Roten gelang einen gegnerischen Zentrumsspieler herauszulocken um in dessen Rücken zwischen die Linien zu kommen. Dies führte dazu, dass die Bayern an der 70%-Grenze der Ballbesitzstatistik kratzen, ohne aber entscheidende Gefahr auszustrahlen. So waren es in der ersten Halbzeit lediglich Einzelaktionen, vor allem von Ribery, die Dortmund in Bedrängnis brachte.

Einfache Kombination führt zu 1:0

So gut strukturiert das Defensivspiel der Gäste wirkte, so überraschend anfällig war es auf lange Pässe – eine Parallele zum letzten Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten in der Allianz Arena. Das 1:0 ging nämlich genau auf so eine Aktion zurück. Mit einem einfachen Diagonallauf hinter die Viererkette verschaffte sich Thomas Müller Platz und konnte den Ball auf Kroos ablegen, während Mandzukic Hummels wegzog. Gegen den Torschützen fehlte schließlich der entsprechende Druck durch das Rückwärtspressing des Mittelfelds, wodurch der DFB-Teamspieler nach einer sehenswerten Einzelleistung seine Farben per Flachschuss in Führung brachte. Ein weiteres Beispiel für dieses Verhalten war ein Müller-Schuss nach der Kopfballverlängerung von Mandzukic.

Kroos meist blass, aber mit entscheidenden Szenen

 Kroos war bis dato als Opfer des breiten BVB-Mittelfelds weitestgehend abgemeldet. Die Schnittstellen zu ihm in der Mitte waren zugestellt, kam ein Ball durch, musste er ihn schnell wieder abgeben, da sofort ein Gegner zur Stelle war. Nach hinten ließ er sich nur sporadisch fallen, lediglich auf der linken Seite konnte er in einzelnen Situationen zur Überladung beitragen. Mit seinem Treffer änderte sich aber der Charakter des Spiels, denn die Dortmunder mussten nun mehr Risiko nehmen, lösten die ursprüngliche Formation zugunsten des gewohnten 4-2-3-1 auf, was ihm Freiheiten einbrachte. Den Ausgleich erzielten sie jedoch nach einem Stellungsfehler des Mittelfeldspielers nach einem Eckball. Kroos ließ Götze nämlich zu viel Platz, wodurch dieser das 1:1 erzielen konnte.

In der Schlussphase hatte der Blondschopf schließlich noch ein paar Chancen um seinem Team drei Punkte zu bescheren, allerdings scheiterte er genauso wie seine Kollegen an Dortmunds Schlussmann Roman Weidenfeller, der mit Glanzparaden den Punkt festhielt.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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