In einer mehrteiligen Serie bringen wir euch einige (noch) unbekannte Namen aus der europäischen Fußballwelt näher, welche in Zukunft für viel Furore sorgen werden.... Die größten Nachwuchstalente der Welt (8) – Can, Volland, Bittencourt

In einer mehrteiligen Serie bringen wir euch einige (noch) unbekannte Namen aus der europäischen Fußballwelt näher, welche in Zukunft für viel Furore sorgen werden.

Emre Can – vom Jungstar zum Superstar?

Bei der U17-Weltmeisterschaft 2011 galten die Deutschen als einer der Topfavoriten. Ihre Mannschaft war mit einigen kommenden Profis – so prophezeiten es zumindest die Experten –gespickt. Rani Khedira, Robin Yalcin, Mitchell Weiser (zu dem wir noch kommen werden), Koray Günter, Samed Yesil und noch viele andere. Emre Can galt dennoch als das wohl größte Talent dieses Jahrgangs, auch wenn bisweilen etwas Kritik an ihm laut wurde. Er sei frühreif und deswegen auf eine irreführende Art und Weise zu athletisch, er sei zu lethargisch und faul sowie nicht schnell genug für den Sprung in den Herrenfußball. Diese Kritik war zwar selten, wurde jedoch vereinzelt angebracht.

Doch der Jungstar mit türkischen Wurzeln sollte diese Kritik verstummen lassen und den Sprung in den Profifußball schaffen. Am 22. Februar 2012 stand er mit knapp 18 Jahren im Kader für die Champions League, seinen ersten Einsatz sollte er aber erst Monate später feiern. Im DFL-Supercup gegen Borussia Dortmund durfte er von Beginn an ran und spielte eine grundsolide Partie – als Linksverteidiger. Eine Woche später durfte er gegen Jahn Regensburg im DFB-Pokal sogar über neunzig Minuten spielen. Leider zog er sich einen Bänderriss zu, was ihn für die gesamte Hinrunde ausschaltete; auch wenn er wohl keinen Startelfeinsatz in der Liga erhalten hätte, ein paar Minuten wären sicherlich drin gewesen.

Dass er als Linksverteidiger aufgestellt werden wird, dürfte aber keine wirkliche Alternative sein. Einerseits gibt es mit David Alaba ein anderes großes Talent auf dieser Position, andererseits soll er langsam in die Rolle als Sechser und potenzieller Nachfolger Bastian Schweinsteigers hineinwachsen. Seine Stärken sind seine Robustheit, Intelligenz im Zweikampf und – überraschenderweise – seine Geschwindigkeit.

Die lethargischen Auftritte in der U17 wirkten wie aus allzu ferner Zeit, gegen den BVB marschierte er die Linie entlang und überraschte diesbezüglich. Der Antritt ist, wohl auch wegen der Größe, noch ausbaufähig, aber für einen Sechser mehr als ausreichend. Gepaart mit seiner Technik wirkt er wie eine elegantere Variante von Sami Khedira. Sollte sich Emre Can also weiterhin so entwickeln und eventuell Spielpraxis in einer Leihe sammeln können, dann dürfte er einer der künftigen Stars beim FC Bayern werden.

Kevin Volland – ein technisch starker Dauersprinter

Schon viele Talente aus der herausragenden Jugendakademie von 1860 München sind abgewandert. Da gibt es zum Beispiel interessante Rollenspieler wie Stefan Aigner oder herausragende Talente auf Schlüsselpositionen wie die Bender-Zwillinge. Und es gibt natürlich auch Kevin Volland, der die Nachwuchsflaute im deutschen Sturm beenden könnte.

Bislang gibt es als Nachfolger für den alternden und nunmehr etwas verletzungsanfälligen Miroslav Klose nur viele Fragezeichen: Mario Gomez ist unbestritten ein herausragender Vollstrecker, doch die Medien und Nationaltrainer Joachim Löw scheinen seinen spielerischen Fähigkeiten skeptisch gegenüberzustehen. Julian Schieber kommt nach einer schweren Verletzung nicht so recht in Tritt und ist auch eher ein Wandspieler à la Gomez, wenn auch mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Weitere realistische Alternativen rekrutieren sich vorrangig aus Außenspielern wie Marco Reus, Lukas Podolski, Thomas Müller oder Offensivallrounder Mario Götze, der diese Position als falsche Neun interpretieren könnte. Spielern wie Stefan Kießling werden kaum Chancen eingeräumt.

Der junge Volland könnte deswegen bald eine überraschende Rolle in der deutschen Nationalmannschaft spielen. Der Hoffenheimer kann von rechts als inverser Flügelstürmer agieren, er kann auf links klassisch agieren oder aus der Tiefe kommen. Man kann ihn wegen dieser vielfältigen Fähigkeiten als Mittelstürmer einsetzen oder sogar als falsche Neun nutzen, die immer wieder auf die Flügel oder zwischen die Linien geht und sich dort im Kombinationsspiel anbietet. Mit seiner herausragenden Laufarbeit und Dynamik kann er Räume öffnen, gut pressen oder die Außenbahn auf und ab sprinten.

Außerdem ist er durch seine hervorragende Beweglichkeit und starke Technik auch im Stande, gefährliche Schnittstellenpässe zu spielen und seine Mitspieler effektiv einzusetzen. Auf lange Sicht könnte ihn dies zu Nationalstürmer Nummer Eins im DFB-Trikot machen, doch es gibt auch gewisse Mängel. Volland ist nicht konstant, agiert manchmal etwas überhastet und ist in seiner Spielanlage zu vertikal – Aspekte, die nicht zur dominanten deutschen Nationalmannschaft passen. Doch diesen jugendlichen Übermut könnte er mit der Zeit ablegen, um einer der besseren im Weltfußball auf seiner Position zu werden.

Leonardo Bittencourt–Jürgen Klopps neues Wunderkind

Sein Vater war einer der unzähligen Brasilianer, der in den 90er-Jahren seinen Weg nach Europa fand. Franklin Bittencourt spielte von 1992 bis 1998 bei Energie Cottbus als Stürmer und wurde in der Saison 2005/06 sogar Co-Trainer beim deutschen Bundesligisten. Sohn Leonardo war damals nicht einmal 12 Jahre alt, wollte aber in Vaters Fußstapfen folgen und schaffte es.

2010 erhielt er bereits einen Profivertrag, nachdem er die Jugendmannschaften der Cottbuser durchlief und bereits in den Auswahlmannschaften des DFB für Furore sorgen konnte. Ab Sommer 2011 wurde er sogar Stammspieler in der zweiten Liga und ein halbes Jahr später sollte er letztlich einen Vertrag bei Borussia Dortmund unterschreiben.

Wieso Jürgen Klopp das umworbene Talent unbedingt wollte, wird bei einem Blick auf das Spielerprofil erst richtig klar. Der 18-Jährige wirkt mit seinen 171 Zentimetern und knapp über sechzig Kilogramm zwar nicht wirklich robust, doch seine Fähigkeiten leiden kaum darunter. Sie liegen aber auch nicht in den verbesserungswürdigen Bereichen des Boden- und Luftzweikampfes, sondern in seinen taktischen und technischen Talenten.

Bittencourt hat eine starke Spielübersicht, eine enge Ballführung und ist in puncto Technik hervorragend. Gepaart mit seiner Intelligenz und Lauffreudigkeit ist er ideal für das schnelle Umschaltspiel der Dortmunder, welches Spieler benötigt, die das richtige Tempo und die passenden Bewegungen wählen sowie mit dem Ball präzise umgehen können. Aktuell leidet Bittencourt aber an akutem Spielpraxismangel, der sich jedoch in den nächsten zwei Saisonen legen sollte.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric