In einer mehrteiligen Serie bringen wir euch einige (noch) unbekannte Namen aus der europäischen Fußballwelt näher, welche in Zukunft für viel Furore sorgen werden.... Die größten Nachwuchstalente der Welt (7) – Eriksen, Lamela, Coutinho

In einer mehrteiligen Serie bringen wir euch einige (noch) unbekannte Namen aus der europäischen Fußballwelt näher, welche in Zukunft für viel Furore sorgen werden.

 

Christian Eriksen

Für viele Scouts war es wohl keine große Überraschung, als Eriksen mit nur 19 Jahren im Jahre 2011 bereits zum dänischen Fußballer des Jahres gewählt wurde. In seiner Jugend stritten sich Milan, Barcelona und so mancher neureiche englische Topverein um ihn, doch Eriksen entschied sich für Ajax – der nächste Schritt sollte „nicht zu groß sein“, sagte der damals erst 16jährige.

Für die stattliche Summe von einer Million € wechselte er in die Niederlande, wo er in der zweiten Mannschaft seine Einsätze bekam. Er wurde von Martin Jol mit Rafael van der Vaart, Wesley Sneijder sowie natürlich dem großen Dänen Michael Laudrup verglichen. Ab 2010 erhielt er regelmäßig Einsätze im Profiteam, kam seitdem auf beeindruckende 84 Spiele und 16 Tore; vorrangig als Mittelfeldspieler wohlgemerkt.

Eriksen trifft öfters und überzeugt dabei auch mit seinem schwachen Fuß, seiner guten Schusstechnik und generell einer hervorragenden Technik. Man hat den jungen Dänen in seiner Anfangszeit mit dem bereits erwähnten Jahrhundertfußballer Michael Laudrup verglichen, doch dessen herausragende Kreativität und Genialität im Passspiel erreicht er nur gelegentlich – was in seinem Alter allerdings durchaus auch als Talentnachweis gelten darf.

Weiters ist Eriksen auf den ersten, entscheidenden Meter relativ schnell, muss aber körperlich zulegen, wenn er eine passendere Rolle spielen soll. Zu Beginn wurde er noch als zentraloffensiver Spieler, als „Zehner“, eingeplant, der seine Technik und Fähigkeiten im Kombinationsspiel verbessern und miteinbringen sollte. Allerdings wurde er in den letzten Wochen auf einer neuen Position eingeschult.

Das ist aber nicht die des Achters, welche er wegen seiner Spielintelligenz und Ausdauer bei Verbesserung der Defensivarbeit hervorragend ausüben sollte, sondern als Mittelstürmer. Im Normalfall spielte er dabei sehr beweglich und wie eine hohe spielmachende Neun, wo er seine Intelligenz und Technik als Kombinationsspieler vor dem gegnerischen Sechzehnmeterraum nutzen soll. Womöglich wird er diese Rolle in ferner Zukunft auch in der Nationalmannschaft bekleiden, für die er bereits dreißig Spiele bestritt.

Erik Lamela

Mit acht Jahren schrieb sich Erik Lamela im Jahre 2000 bei River Plates Jugend ein, nur vier Jahre kam das Angebot von FC Barcelona und deren legendärer Jugendakademie „La Masia“. Ob er das auch heute noch abgelehnt hätte? Damals, im zarten Alter von nur zwölf Jahren, besaß er diese Dreistigkeit.

Anfangs schien es ihm etwas geschadet zu haben. Das Talent des Wunderkinds entfaltete sich zwar schnell, aber nicht so stark, wie man es womöglich gehofft hatte. Ab 2010 mauserte er sich zum Stammspieler, wurde aber mangelnder Effektivität und Konstanz bezichtigt. Unter anderem konnte er den Abstieg nicht verhindern, woraufhin er im Jahr 2011 in die italienische Liga zu Luis Enriques AS Roma wechselte.

Trotz wechselndem Platz zwischen Bank und Stammplatz (23 Spiele von Beginn an in der Liga, sechs Einwechslungen) toppte er mit elf Scorerpunkten seine Statistik aus der Zeit bei River Plate. Diese Saison konnte er schon acht Tore in nur zwölf Spielen erzielen.

Dies liegt auch an seinem Positionswechsel. Lamela war in seiner Jugend als Hoffnung für die noch vakante Position als Zehner geplant, als offensiverer und dynamischer Nachfolger eines Riquelme, ganz wie es Diego Maradona war. Passend dazu interpretierte er diese Position zumeist als Mischung aus Spielgestalter und hängender Stürmer, der nicht nur Tore vorbereiten, sondern auch erzielen sollte. Langfristig hat er hierbei aber keine Chance gegen Lionel Messi, aber aktuell läuft er bei der Roma unter Zdenek Zeman ohnehin mehr auf dem Flügel als verkappter Halbstürmer auf.

Der Linksfuß scheint etwas zerbrechlich zu sein, doch das ist ein Trugschluss. Ganz im Gegenteil, er ist athletisch, sehnig und bissig, wodurch er auch in Zweikämpfen seinen Mann steht. Würde er dies auch in der klassischen Defensivarbeit einbringen sowie seine Laufarbeit nach hinten verbessern, wäre er wohl eine Option als offensiver Sechser.

Jedoch müsste er dann auch seine Entscheidungsfindung im Spiel mit dem Ball verbessern. Sein Dribbling und seine Technik sind herausragend, öfters spielt er auch einen tödlichen Pass, doch die Mischung und Konstanz stimmt noch nicht. Mit seinem hervorragenden Antritt und enormen Geschwindigkeit mit dem Ball am Fuß kann er dies ausgleichen, außerdem wird der ausdauernde Jungstar auch per Distanzschuss oder im Sechzehner gefährlich. Vom Potenzial ein kompletter Spieler, dem aber in einigen Aspekten noch die Reife fehlt.

Philippe Coutinho

Ein Eigenbauspieler der Jugend von Vasco da Gama verdrehte mit seinen Dribblings die Augen der Scouts von Inter Mailand dermaßen, dass sie sich die Rechte an ihm bereits mit 16 Jahren sicherten. Zwei weitere Jahre blieb er wegen rechtlicher Ursachen auf Leihe in Brasilien, ehe er 2010 zu Inter kam. Dort kam er zu einem post-Mourinho kriselnden Verein und konnte sich nicht durchsetzen, auch wenn es Lob von Trainer Rafael Benitez gab.

In der folgenden Saison, 2011/12, wurde er für ein halbes Jahr zu Espanyol nach Barcelona ausgeliehen. Fünf Tore in 15 Spielen waren genug, um den Offensivallrounder zu Inter zurückzuholen. Bislang fand er aber auch in dieser Saison nicht sein Glück. Erst 183 Minuten in der Serie A bedeuten einen Platz auf Bank oder Tribüne.

In letzter Zeit spielte Coutinho überdies meist als moderner Flügelstürmer und seltener agierte er davor auch als horizontaler Spielgestalter, der immer wieder auf die Außen auswich und von dort für Kreativität sorgte. Im Normalfall äußert sich dies in spektakulärem Raumgewinn durch sein bärenstarkes Dribbling, aber Coutinho leidet an Inkonstanz und schwacher Entscheidungsfindung.

Sehr oft übersieht er das richtige Timing für seine Läufe oder einen Pass, wodurch er sich in ungefährliche Situationen manövriert. Dies steht ihm aktuell noch am stärksten im Weg, körperlich wäre er bereits gut angepasst an das europäische Spiel, denn er ist sehr antrittsschnell und auch einigermaßen ausdauernd.

Jedoch gehört seine Spielweise in gewisser Weise zu einer aussterbenden Rasse. Er könnte eventuell Probleme bekommen, weil seine Idealposition eher die des klassischen Flügeldribblers à la Garrincha ist – eine Position, die es nicht mehr gibt, weil normalerweise die Außenverteidiger für Breite und Flanken sorgen. Wenn er sich nicht entwickelt und sein Arsenal vergrößert, könnte ihm ein Schicksal wie Robinho oder – worst case – einst Denilson blühen. Das Zeug hätte er aber.

René Maric, www.abseits.at

Rene Maric

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