Bei den Münchner „Löwen“ rumort es wieder einmal gewaltig. Bislang hinkt man den eigenen sportlichen Erwartungen hinterher. Zudem sorgen Akteure, die als Führungsspieler vorangehen... Die „Löwen“ – Gefangen zwischen Anspruch und Wirklichkeit

TSV 1860 München LogoBei den Münchner „Löwen“ rumort es wieder einmal gewaltig. Bislang hinkt man den eigenen sportlichen Erwartungen hinterher. Zudem sorgen Akteure, die als Führungsspieler vorangehen sollten, aufgrund von Disziplinlosigkeiten für Schlagzeilen. Natürlich ist es nach zwei Spieltagen viel zu früh, einen Abgesang auf 1860 zu singen. Auf Ricardo Moniz kommt allerdings viel Arbeit zu, will er den Turnaround schaffen…

Ergebnisse und Leistungen stimmen nicht

Die Saison ist noch keine drei Spieltage alt, ist bei den „Sechzgern“ bereits ordentlich Feuer am Dach. Der denkwürdigen 2:3-Auftaktpleite folgte mit einer deftigen 0:3-Heimschlappe gegen RB Leipzig der nächste Rückschlag für den selbsternannten Meisterschaftskandidaten. Nicht nur die beiden Resultate stimmen nachdenklich, insbesondere die Art und Weise, wie diese zustande kamen, schmerzt die „Löwen“. Sah die Moniz-Elf in Kaiserslautern schon wie der sichere Sieger aus, erwies sich die Truppe rund um den 18-jährigen Kapitän Weigl als zu wenig abgebrüht, um in Überzahl einen komfortablen 2:0-Vorsprung ins Trockene zu bringen. Gegen die Leipziger kam es noch dicker: Man sah von Beginn an kein Land, agierte viel zu zögerlich, wirkte mit dem Tempo und der Spielfreude der „Roten Bullen“ schlichtweg überfordert. Dies traf insbesondere auf den jungen Wittek zu, der alles andere als zu beneiden war – er erwischte einen rabenschwarzen Tag. Dem antrittsschnellen und agilen Georg Teigl, der als Rechtsverteidiger aufgeboten defensiv eine fehlerlose Partie spielte und sich mehrfach gut in die Offensive einschaltete, war er einfach nicht gewachsen und zudem erhielt er von seinem Vordermann Bobby Wood auch nicht die erforderliche Unterstützung. So sah sich der junge Linksverteidiger schon in Minute 13 dazu gezwungen, Teigl riskant zu tacklen und holte ihn im Strafraum von den Beinen. Daniel Frahn, Kapitän von RB, hätte es mit den Hausherren durchaus gut gemeint, rollte er dem ungarischen Keeper Gabor Kiraly, doch den Elfmeter förmlich in die Hände.

Immerhin war der Alptraum für Wittek in der Halbzeit ausgestanden, Moniz ersetzte ihn durch Routinier Tomasov. Abgesehen von Schlussmann Kiraly bot „Sechzig“ allerdings in allen Mannschaftsteilen eine inferiore Leistung, sodass die Niederlage natürlich in keinster Weise an Witteks Leistung festgemacht werden kann. Gewissermaßen steht sie jedoch sinnbildlich für den Auftritt der Münchner.

Allgemein betrachtet wäre es falsch zu behaupten, 1860 sei nicht gewillt gewesen, die Zweikämpfe anzunehmen, viel zu oft gelang es erst gar nicht, in ebenjene zu kommen. Zwischen Abwehr und Mittelfeld klaffte ein zu großes Loch, die Defensivarbeit wurde nicht im Kollektiv verrichtet. So konnten sich die agilen, technisch beschlagenen RB-Akteure immer wieder in 1:1-Duellen profilieren. Den „Löwen“ gelang es zu keiner Zeit, die Spielkontrolle an sich zu reißen und mittels Ballkontrolle RB ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Speerspitze Okotie hing völlig in der Luft, doch nicht nur an ihm, an der gesamten Offensivabteilung der „Sechziger“ lief das Spiel mehr oder minder vorbei. RB Leipzig war in jeder Phase Herr der Lage, schaltete und waltete nach Belieben, fand etliche Chancen vor und feierte einen total ungefährdeten, auch in dieser Höhe verdienten Auswärtssieg.

Für beide Teams diente dieses Aufeinandertreffen als Standortbestimmung, trafen in diesem Duell doch zwei Mannschaften mit Aufstiegsambitionen aufeinander. Bei dem, was er zu sehen bekam, dürfte Ricardo Moniz zu Recht Angst und Bang geworden sein, offenbarte die Leistung seiner Elf doch eklatante Schwächen und einen Klassenunterschied zum Gegner. Der Holländer sprach von einer Leistung, für die er sich schäme.

Es rumort gewaltig im blauen Teil des Münchner Fußballs. Hatte der Trainer im Vorfeld der Saison noch angekündigt, um den Meistertitel kämpfen zu wollen, dürfte nun klar sein, dass es, wenngleich auch erst zwei Spiele bestritten sind, mit diesem Kader äußerst schwer werden dürfte, die angestrebten Ziele zu realisieren. Der Niederländer wünscht sich vor allem Verstärkungen im Angriff. Doch auch seine Entscheidungen wirken nicht immer sehr glücklich.

Moniz eigenwillige Kapitänswahl

Vor Saisonbeginn sorgte sein Entschluss, den erst 18-jährigen Jungprofi Weigl zum Kapitän zu ernennen für einiges Aufsehen und Verwunderung. Ob diese Wahl geschickt erfolgte, darf angezweifelt werden. Skurrilerweise wurde ebenjener Weigl nach dem desaströsen Auftritt gemeinsam mit Yannick Stark, Daniel Adlung, Vitus Eichner und Gabor Kiraly in die zweite Mannschaft verbannt. Bei Letzterem war die Auseinandersetzung mit Teamkollege Gary Kagelmacher während dem Leipzig-Match ausschlaggebend für die Degradierung, während dem restlichen Quartett eine Partynacht in München zum Verhängnis wurde.

Vor allem die Beteiligung Weigls belegt die unglückliche Wahl des Trainers. Neben der geforderten Vorbildwirkung abseits des Platzes gelingt es wohl nur sehr selten, dass ein Jungprofi die Kapitänsrolle schon entsprechend ausfüllen kann. Auch für Akteure wie Andreas Ivanschitz, der unter Hans Krankl mit nur 19 Lenzen zum jüngsten Spielführer des Nationalteams ernannt wurde, stellte die Schleife lange Zeit eher eine Bürde dar, als dass sie ihm zu Leistungsexplosionen verholfen hätte. Wenngleich sich dieser natürlich außerhalb des Spielfeldes nie etwas zu Schulden kommen ließ.

Die Kluft zwischen Anspruchsdenken und Wirklichkeit und die Krux mit der fehlenden Geduld

Es wäre wohl geschickter gewesen, vor Saisonbeginn die Messlatte nicht ganz so hoch zu legen und vom, seit dem Abstieg immer gleich lautenden Mantra abzuweichen, aufsteigen zu wollen. Zeigte doch die jüngste Vergangenheit der Vereinsgeschichte, dass die Realität mit diesem Anspruchsdenken nicht Schritt halten kann. Unter diesem Gesichtspunkt wäre ein Konsolidierungsjahr nicht schlecht, um endlich einem Trainer die nötige Zeit zu geben, ein richtiges Team zu formen und eine klare Spielidee zu entwickeln. Nicht selten scheiterten Trainer bei den „Löwen“, weil sie nicht die Chance erhielten, das vorhandene Spielermaterial zu entwickeln und in Ruhe zu arbeiten. Diese Tatsache wird auch durch den relativ hohen Trainerverschleiß unterstrichen: Seit Reiner Maurers Beurlaubung im November 2012, versuchten sich mit Alexander Schmidt, Friedhelm Funkel und Markus von Ahlen gleich drei verschiedene Trainer. Das Unterfangen wird auch nicht gerade dadurch erleichtert, von einem arabischen Investor abhängig zu sein, der natürlich kurzfristigen und durschlagenden Erfolg erwartet.

Zu oft vermochte man in vergangenen Saisonen spielerisch nicht zu überzeugen, war von Genieblitzen einzelner Akteure abhängig. Trotzdem schnupperten die „Löwen“ in guten Phasen mit kleineren Siegesserien immer wieder an den Aufstiegsplätzen, dieses Niveau konnte aber nie durchgehend gehalten werden. So fand sich 1860 am Ende zumeist nur im Mittelfeld der Tabelle wieder.

Der von Moniz zusätzlich erhöhte Druck und die ohnehin stets hohe Erwartungshaltung sorgen auch jetzt wieder dafür, dass die Situation nach einem Fehlstart mit zwei Niederlagen einem Pulverfass zu gleichen scheint. Mit seinen Ankündigungen hat sich der Holländer, sollte die Trendwende nicht doch noch gelingen, keinen großen Gefallen getan. Zumal er ja nach nur zwei Spieltagen schon etwas zurückgerudert ist, nun Verstärkungen fordert.

Es bleibt ihm zu wünschen, dass der Auftritt im DFB-Pokal gegen Holstein Kiel nach Wunsch verläuft. Ansonsten ist seine Mission, den „Löwen“ wieder zu einem lautstarken Brüllen zu verhelfen, wohl schon nach so kurzer Zeit akut in Gefahr.

David Kühhas, abseits.at

David Kühhas

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