Nachdem Jupp Heynckes dem Werben der Bayern-Verantwortlichen bislang nicht nachgegeben hat, ein weiteres Jahr Trainer beim Rekordmeister zu bleiben, hat nun mit Thomas Tuchel... FC Bayern: Die Frage mit dem T

Nachdem Jupp Heynckes dem Werben der Bayern-Verantwortlichen bislang nicht nachgegeben hat, ein weiteres Jahr Trainer beim Rekordmeister zu bleiben, hat nun mit Thomas Tuchel auch einer der heißesten Kandidaten auf dessen Nachfolge sich wohl für einen anderen Verein entschieden.

Das Verhältnis zwischen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge würde auf Facebook wohl mit dem Status „es ist kompliziert“ charakterisiert werden. Nicht immer sind sich die beiden Alpha-Tiere des FC Bayern in punkto zukünftiger Ausrichtung des Verein einig. Zwar wurde die Entlassung von Carlo Ancelotti zu Herbstbeginn noch einstimmig  getroffen. Wer aber nun dessen Nachfolger wird, darüber waren sich Hoeneß und Rummenigge nicht einig.

Es gilt als relativ gesichert, dass Rummenigge sowie Sportdirektor Hasan Salihamidzic, wobei dessen Einfluss durchaus vernachlässigt werden kann, sich intern für die Lösung Thomas Tuchel ausgesprochen hatten. Hoeneß jedoch favorisierte seinen Freund Jupp Heynckes. Wie jeder weiß, hat sich der Präsident durchgesetzt. Und dabei nicht die schlechteste Entscheidung getroffen, zieht man die bisherigen Resultate des aus dem Ruhestand zurückgeholten 72-Jährigen in Betracht.

Gleich zum Amtsantritt stellte Heynckes aber klar, sein Beschäftigungsverhältnis werde nicht über den vereinbarten Zeitraum bis zum Saisonende hinaus reichen. Hoeneß interpretierte die Vereinbarung von Beginn aber eher als lose Abmachung unter guten Haberern, und legte sich schnell darauf fest, der Jupp solle gefälligst noch ein Jahr dran hängen. Heynckes will davon aber weiterhin nichts wissen, und es gilt als relativ gesichert, dass er sich mit dem 30.06.2018 wieder auf seinen Bauernhof in der Nähe von Mönchengladbach zurückziehen wird.

Gefühlt spricht die gesamte deutsche Sportmedienlandschaft daher seit Monaten von nichts anderem mehr, als wer denn nun in der nächsten Saison auf der Bank des Rekordmeisters platznehmen wird. Seit letztem Wochenende gilt es als ziemlich sicher: Thomas Tuchel wird es nicht sein. Dabei galt der ehemalige Trainer von Borussia Dortmund in den letzten Wochen als der große Favorit auf den Posten.

Nach Informationen des Kickers und der Süddeutschen Zeitung wird Tuchel die Nachfolge von Arsene Wenger beim FC Arsenal antreten. Vergeblich versuchten die Bayern, ihn in den letzten Tagen noch umzustimmen. Angeblich genoss die Personalie Tuchel aber erst ab diesem Zeitpunkt die intensive Aufmerksamkeit der bajuwarischen Führungsriege. Vielleicht ging man davon aus, dass, wenn man Tuchel den prestigeträchtigsten Posten im deutschen Vereinsfußball anbieten, er sich schon für Bayern entscheiden würde. Nun mussten Hoeneß und Rummenigge eine für sie ungewohnte Erfahrung machen: nämlich gleich zwei Körbe von den favorisierten Lösungen bekommen zu haben.

Damit müssen sich die Münchner nun wohl mit einer C-Lösung zufrieden geben und einen Trainer engagieren, der gleich zu Beginn mit dem Makel leben muss, nicht die Toplösung auf seiner Position zu sein. Außer, es würde tatsächlich gelingen, den deutschen Bundestrainer Joachim Löw von einem Engagement zu überzeugen. Ob dieser seinen Posten jedoch überhaupt aufgeben will oder nach über zehn stressigen Jahren als Trainer der deutschen Nationalmannschaft sich in Folge das Haifischbecken FC Bayern antun möchte, steht aber in den Sternen.

Eine weitere – eher unwahrscheinliche – große Lösung, wäre eine Verpflichtung von Jürgen Klopp vom FC Liverpool. Doch dieser baut die „Reds“ gerade nach seinen Vorstellungen um und wird sein Projekt am River Mersey wohl eher nicht vorzeitig beenden. Der zuvor heiß gehandelte Julian Nagelsmann von der TSG Hoffenheim steht dort noch bis 2019 unter Vertrag und Vereinsmäzen Dietmar Hopp hatte zuletzt klargemacht, ihn nicht vorher aus seinem Vertrag zu lassen. Andererseits gelten Hopp und Hoeneß als dicke Buddies. Und wer weiß, was unter Freunden alles möglich ist.

Deutlich kleinere Lösungen wären Niko Kovac von Eintracht Frankfurt und Lucien Favre von OGC Nizza. Eines steht zumindest fest: Die Münchner Frage mit dem T wird die Bundesliga – ob man will oder nicht – noch eine Weile beschäftigen.

Ral, abseits.at